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Laos - Eine Fahrt auf dem Mekong
Massagen, Moskitos und Marihuana
Publiziert am: 01.07.09 - Medienformen: Medienform Text


Chiang Mai, Nordthailand. Fast eine Woche warteten wir, ein italienischer Freund und ich, auf unsere Reisepässe mit den nötigen Visa für die Einreise nach Vietnam, die aus just diesem Grund nach Bangkok zur vietnamesischen Botschaft geschickt wurden. Die Einreise nach Vietnam stand zwar erst einige Wochen später an, da wir zuvor das einzige Binnenland Südostasiens durchqueren mussten, Laos. Doch die Bürokratie ließ keinen effizienteren Weg zu. Unsere Visa für Laos wollten wir uns bei Einreise an der Grenze ausstellen lassen.

Die Zeit in der zweitgrössten Stadt Thailands konnte man aber prächtig für etliche Nachtmarktbesuche, alte Kulturstätten und entspannende Massagen nutzen, und so genossen wir die letzten Tage in backpackermässigem Wohlstand, bevor es in die raueren Gefilde des Goldenen Dreiecks ging. Die Pässe samt Visum waren wieder in unseren Händen! Die Abreise durch bergige Dschungellandschaften stand nun also nur noch einen Tag vor uns. Zum Ausklang einer wunderschönen Zeit in der alten Stadt Chiang Mai trafen wir uns mit ein paar Reisebüroangestellten, die uns bei der Visumbeschaffung behilflich waren. Unseren letzten thailändischen Abend für die nächsten Wochen ließen wir bei Singhabier, gerösteten Seidenwürmern sowie lecker eingelegten Heuschrecken ausklingen und sorgten so noch einmal für extrem proteinreiche Ernährung. Und ob man es glaubt oder nicht, ist erst einmal der innere Ekel überwunden und hat man alle kulinarisch kulturellen Essgewohnheiten beiseite gelegt, wird einem erst so richtig bewusst, wie köstlich Insekten schmecken können ...



Am nächsten Morgen brachen wir auf, um in ein paar Tagen hoffentlich in Zentrallaos anzukommen. Mit einem Minivan, der, wie so oft, mit europäischen und amerikanischen Reisenden und deren Rucksäcken vollgestopft war, ging es etwa 6 Autostunden nördlich zum kleinen Grenzort Chiangkhong. Die Fahrt war alles andere als komfortabel, doch sollten wir die letzten Stunden in Thailands Norden zu schätzen lernen. Wir waren uns nicht wirklich bewusst, was uns – erst einmal in Laos angekommen - die nächsten zwei Tage erwarten würde. Keine 100 Meter hinter unserem Zimmer im Hostel in Chiangkhong erstreckten sich die Abhänge des Mekong Flusses, der Laos und Thailand an dieser Stelle auf natürliche Art trennt. Nach Einbruch der Dunkelheit wurde einem so recht schnell bewusst, wie der Mensch den Insekten, und vor allem Moskitos, quantitativ unterlegen ist. Hautbedeckende Kleidung, Räucherspiralen und nach Zitrone riechende Abwehrmittelchen gegen Moskitos waren in dieser Nacht unerlässlich. Abgesehen davon verzichteten wir auf jegliche Malariaprophylaxe und waren so natürlich gezwungen noch mehr Vorsicht walten zu lassen.



Es war 7 Uhr morgens am nächsten Tag, als uns ein Bootsmann langsam und sicher auf die andere Seite des Ufers vom Mekong brachte: Die Demokratische Volksrepublik Laos.
Eine laotische Flagge wehte und war neben den zwei Grenzbeamten das einzige Zeichen, dass wir uns nun in einem anderen Land befanden. Die Visa wurden innerhalb von Minuten ausgestellt, waren jedoch lediglich für 14 Tage gültig. Die laotische Regierung hat sich zwar geöffnet, doch besteht weiterhin kein Interesse daran, dass ausländische Reisende die einheimische Bevölkerung zu sehr in irgendeiner Weise beeinflussen, geschweige denn längeren Kontakt pflegen. Dies geht sogar so weit, dass im Gesetz verankert ist, dass es illegal ist, wenn sich ein Ausländer mit einem Laoten in einem verschlossenen Haus im gleichen Zimmer befindet! Das ist allen Ernstes gegen das Gesetz und wieder einmal fragt sich der vielleicht frei denkende Leser, wie weit es einige Herrschende auf dieser Welt noch treiben werden, um mit Gesetzen zum angeblichen „Schutz der Bevölkerung“ die Massen zu kontrollieren und zu unterdrücken. Diese Art einer „demokratischen“ Volksrepublik gab es schon oft, und nicht selten hatte man den Eindruck sich in einer Art DDR im 21. Jahrhundert unter Palmen zu befinden. Abgesehen von der Regierung ist das Volk hingegen eines der freundlichsten, respektvollsten und hilfsbereitesten, das mir auf meinen Reisen begegnet ist.
Ein kleiner, spartanischer Hafen, nennen wir es lieber Anlegestelle, war unser Ausgangspunkt für eine zweitägige Bootsfahrt auf dem Mekong in Richtung Luang Prabang in Zentrallaos. Hühner liefen im hölzernen Outdoorrestaurant gackernd frei herum und wir trafen einige unserer Mitreisenden der Minivanfahrt vom Vortag wieder. Alle waren aufgeregt und mehr und mehr Reisende trafen ein. Als wir die steinigen Klippen zu unserem Boot hinunterkletterten wurde offensichtlich, wie zerbrechlich die näherkommenden Boote doch wirkten. Leichte Holzbauweise mit Aluminiumdächern und dünnen Holzbalken, die als Sitzbänke dienten, waren die ersten Anzeichen für eine alles andere als komfortable Reise. Die Toilette bestand aus einem Loch im hinteren Teil des Bootes, welches nur von etwa 1,50m hohen Brettern geschützt war. Man war also nie allein. Doch die meisten Passagiere entledigten sich ihrer Bedürfnisse einfach über Bord. Bis auf einen Zwischenstopp zum Übernachten sollte dies unser Zuhause für die nächsten 48 Stunden sein.
Das Boot war mit viel zu vielen Leuten überlastet, nicht einmal die als Bänke dienenden Donnerbalken reichten aus, um allen eine Sitzgelegenheit zu bieten. Der nasse Fussboden war mit Reisenden bis auf den letzten Quadratmeter gefüllt. Dies sollte der Stimmung an Bord jedoch keinen Abbruch tun, im Gegenteil. Stunde für Stunde wuchsen alle ein bisschen wie eine große Familie zusammen, unterhielten sich, philosophierten, spielten Spiele, lasen Bücher oder sonnten sich auf dem Dach des Bootes. Letztlich lag dies wahrscheinlich auch an dem Umstand, dass etwa 30 Minuten nach der Abfahrt vom Hafen ein Leck im Bootsboden auftrat und durch fleißige Taucher erstmal gestopft werden musste. Genau das richtige für eine Bootsfahrt auf dem Mekong, super. Wenn wir schon absaufen, dann wenigstens alle zusammen. Nach dem Motto ging es weiter den Mekong hinunter, während die Landschaft an beiden Uferseiten immer spektakulärer wurde. Das Dickicht des Dschungels wurde immer dichter und bis auf einige wenige Fischer auf ihren kleinen Holzbooten und ein paar Bauern an den Ufern zeigte sich die Natur von ihren schönsten Seiten.



Durch unseren ersten Zwangshalt aufgrund des Lochs im Boden waren wir leider zeitlich im Verzug und es war oberste Priorität des Kapitäns, noch vor Einbruch der Dunkelheit den sicheren Hafen von Pakbeng zu erreichen, wo wir übernachten sollten. Im Dunkeln sind nämlich besonders noch am Ende der Trockenzeit fiese Stromschnellen und aus dem Wasser ragende Felsen eine große Gefahr für die zerbrechlichen Boote. Abgesehen davon kam es auch in jüngster Vergangenheit noch zu Übergriffen von Rebellen auf vorbeifahrende Boote. Nach einer unfreiwilligen Verlängerung des Aufenthalts in Laos war uns ganz und gar nicht, und doch schafften wir es nicht, bis vor Einbruch der Dunkelheit den Hafen zu erreichen. So waren die letzten knapp zwei Stunden eher ruhig auf dem Boot und alle hofften eigentlich nur noch sicher anzukommen. Trotz allem eine besinnliche Atmosphäre.
Kaum legte das Boot in Pakbeng an, wurde es von vielen kleinen Jungs im Dunkeln gestürmt, um den Reisenden mit ihrem Gepäck behilflich zu sein. Ob sie wollten oder nicht… Eine äußerst merkwürdige Situation, da dies wirklich fast in absoluter Dunkelheit geschah, denn Strom ist kostbar in solch abgelegenen Regionen. Man musste aufpassen, dass man sein Gepäck im Auge behielt bei dem Chaos und jeder zweite fuchtelte nur so mit seiner Taschenlampe im Handy herum. Die Rucksäcke waren nun wieder in unseren Händen und wir überlegten, nach einer Bleibe für die Nacht zu suchen. Neben mehreren Menschen, die uns zu ihren Unterkünften geleiten wollten, war der Andrang der Drogenverkäufer weitaus höher. Wir lehnten jedes Angebot höflich ab, doch ein bisschen Gras wollten wir schon noch rauchen. Uns wurde neben Cannabis auch Heroin, Kokain und natürlich das in Laos sehr verbreitete Opium angeboten. Nicht umsonst gilt Laos als einer der größten Opiumerzeuger weltweit, neben Afghanistan und Myanmar. Für viele Bauern die einzig stabile Einnahmequelle, doch durch Staatswillkür soll Laos bis 2015 „drogenfrei“ sein.

Jahrzehntelang zuvor war es der Staat, der zum Großteil an dem Drogengeld mitverdiente.
Aber das ist ja nicht nur dort so.




Waldmeista
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