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Die andere Seite Mexikos - Teil 2
... oder wie man kiffen kann, ohne dabei erschossen zu werden
Publiziert am: 01.07.09 - Medienformen: Medienform Text


In der letzten Ausgabe konntet ihr lesen, wie die Drogenkartelle in Mexiko arbeiten, warum man besser auf der Straße nix zu rauchen kauft und wie eine richtige Kifferparty auf mexikanisch anfängt. Im zweiten Teil wird die Feier dann richtig bunt:

Die Party ging nach dieser kurzen Unterbrechung schnell weiter und ich hatte das Glück, einen der wohl unglaublichsten Menschen zu treffen. Er sah aus wie ein ganz normaler junger Mexikaner mit Kifflust, aber er hatte etwas Außergewöhnliches: sein Schnurrbart erinnerte den Lenker von Fahrrädern aus den 1920er Jahren. Manch einer würde sagen, sein Image, um das ihn selbst Emiliano Zapata beneiden könnte, raube ihm unnötigerweise die Möglichkeit, ein Mädchen anzumachen. Mich hat er jedoch verhext. Im Gespräch mit ihm habe ich den Rest der Party verbracht. Neben seinem unwiderstehlichen Äußeren hatte das noch einen Vorteil. Der Junge war offenbar ausreichend versorgt, also haben wir zusammen bis in die frühen Morgenstunden gekifft. Zum Abschied, an den ich mich nicht mehr so gut erinnere, bekam ich außerdem ein fürstliches Gastgeschenk. Halb besinnungslos, aber glücklich fuhr ich mit dem Taxi nach Hause.
All das wäre aber keine richtige Geschichte ohne eine schwule Begebenheit. Nach vier Monaten hier bin ich zur Überzeugung gelangt, dass ich mein Schäfchen im Trockenen hätte, wenn ich vom anderen Ufer wäre. Einmal wurde ich zu einem Konzert einer lokalen Halbamateurgruppe ins Hard Rock Café eingeladen. Das Konzert selbst war eher schwach, deshalb ging ich lieber vor die Tür, wo Luft und Stimmung weit besser als drinnen waren. Draußen begannen wir zu planen, wohin es danach geht. Der Plan war, in die Wohnung des Sängers, der wahrscheinlich im Moment keine Ahnung davon hatte, zu fahren. Unter der Bedingung, dass er dort nicht singt, bin ich mitgekommen. Die Party startete ganz normal: Etwa fünfzehn Leute, Musik aus der Konserve und eine angenehm chillige Stimmung. Meine Überraschung war perfekt, als die Organisatoren des Konzerts einen Sack Hanf hervorholten. „Prüfe alles und behalte das Beste,“ dachte ich mir und stellte mich direkt daneben. Es war interessant, aber nach dem Knock-Out der letzten Party entschied ich mich lieber für kleine, stetige Dosen, um den Überblick nicht zu verlieren. Nach der ersten Kiff-Runde pflanzte ich mich bequem aufs Sofa und widmete mich distinguierter Konversation. Nach einer Weile setzte sich aber ein eleganter junger Mann mit zuckersüßem Lächeln neben mich und fing an mich auszufragen, woher ich komme, wie mir Mexiko gefalle, der übliche Touri-Talk. Ich fand das erstmal nicht seltsam und habe entgegenkommend alle seinen Fragen beantwortet, auch wenn ich zugeben muss, dass es mich ein wenig überraschte, dass er beim Vorstellen die Gliedmaßen verwechselt und, statt die Hand zum Gruß zu reichen, meinen Oberschenkel angefasst hatte. Diesem kleinen Vorzeichen habe ich anfangs keine allzu große Bedeutung beigemessen und wir unterhielten uns ein Weilchen. Zuerst habe ich seine Fragen als reine Neugier bezüglich meiner tschechischen Roots betrachtet. Dann bat er mich, etwas auf tschechisch zu sagen. Ich habe also ein paar tschechische Sätze ausgespuckt, worauf er sich zu seinem Freund wandte und sagte: „Hörst du, er sagt mir auf tschechisch, dass er mich liebt!“ Vorsichtig deutete ich an, dass ich über etwas ganz anderes geredet habe, aber dies hat er ignoriert. Danach hat er gefragt: „Wie heißt auf tschechisch ‚Ich möchte mit dir ficken’?“ Diese Frage erschien mir schon ziemlich komisch, doch um von meinem Gegenüber nicht als humorlos eingestuft zu werden, gab ich die erhoffte Antwort. Er strahlte, neigte sich mir zu und flüsterte mir ins Ohr, dass er bereit sei. Was soll ich sagen? Ich lächelte nervös, schlug die Beine übereinander und wollte nur noch weg. Es hatte zwar nicht den Anschein , als ob er er sich vor allen Leuten auf mich stürzen wolle, aber irgendwie befiel mich ein eigentümliches Gefühl. Glücklicherweise waren andere Gäste auch gerade am Gehen, also mischte ich mich unter sie und bat darum, mich nicht dort zu lassen. Die Gastgeberin gab mir noch eine Flasche Bier als Wegzehrung mit. Als ich an der nächsten Kreuzung aufs Taxi wartete und an der Flasche nippte dachte ich kurz: „Zum zweiten Mal aufgegriffen zu werden wäre echtes Pech“, aber diesmal hatte ich jedoch Glück: Das Taxi kam früher als die Streife. Einige Augenblicke später schlief ich schon in meinem Bett ein, den Kopf voller Erlebnisse.

Fazit: Der Konsum von Hanf ist hier sehr verbreitet, meiner Meinung nach vergleichbar mit Tschechien. Andererseits ist es hier viel riskanter, etwas zu besorgen, wenn man keine Kontakte hat. Wenn ihr aber den richtigen Menschen kennt, gebt ihr 20 Pesos, also ungefähr einen Euro, für ein Gramm aus. Zumindest die Preise lassen den Einkauf zum Spaß werden.


Juan Pedro
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