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Wie Cannabiskonsum das Risiko für Kopf- und Nackenkrebs beeinflusst

Dr. med. Franjo Grotenhermen
Mitarbeiter des nova Institutes in Hürth bei Köln und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM).
Publiziert am: 01.09.09 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Dr. med. Franjo Grotenhermen

Jüngst haben Wissenschaftler von vier Universitäten in den USA ein überraschendes Ergebnis zum Einfluss von Cannabiskonsum auf eine aggressive Form des Kopf- und Nackenkrebses veröffentlicht. Danach reduzierte Cannabiskonsum das Risiko für die Entwicklung so genannter Plattenepithelkarzinome. Sieben frühere Studien zu diesem Thema hatten zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt. Sie hatten zum Teil eine Erhöhung und zum Teil eine Erniedrigung des Risikos für Plattenepithelkarzinome im Kopfbereich bei Cannabiskonsumenten ergeben.
In der neuen Studie wurden 434 Krebspatienten aus neun medizinischen Einrichtungen, die zwischen 1999 und 2003 erkrankt waren, mit 547 gesunden Personen verglichen. Die gesunden Personen waren zufällig nach den Melderegistern so ausgewählt worden, dass sie hinsichtlich Alters- und Geschlechtsverteilung sowie Wohnort mit den Erkrankten übereinstimmten. Mit Hilfe eines Fragebogens wurden von den Teilnehmern Informationen zum Konsum von Cannabis, Alkohol und Tabak gewonnen sowie weitere Daten erhoben.
Unter Berücksichtigung möglicher anderer Faktoren, die das Krebsrisiko beeinflussen können, war aktueller Cannabiskonsum ungefähr mit einer Halbierung des Krebsrisikos assoziiert. Unter den Krebskranken fanden sich weniger aktuelle Cannabiskonsumenten als in der Kontrollgruppe mit den gesunden Personen. Das Rauchen von Tabak und der Konsum von Alkohol waren dagegen mit einer Erhöhung des Risikos für Plattenepithelkarzinome verbunden. Moderater Tabakkonsum (weniger als 20 Zigaretten pro Tag) und geringer Alkoholskonsum (weniger als acht Getränke pro Woche) waren allerdings nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko assoziiert, wenn die Betroffenen gleichzeitig Cannabis konsumierten. Die Autoren der Studie wiesen außerdem darauf hin, dass Cannabis offenbar auch das erhöhte Krebsrisiko für starke Tabak- und Alkoholkonsumenten abschwächte.
Das geringste Risiko unter den Cannabiskonsumenten wiesen Personen auf, die die Droge seit 10 bis 20 Jahren verwendeten, sowie leichte Konsumenten mit einer Konsumhäufigkeit von etwa einmal pro Woche und Personen, die erst nach dem 20. Lebensjahr mit ihrem Konsum begonnen hatten. Aber auch alle anderen Cannabiskonsumenten wiesen im Vergleich mit Nichtkonsumenten ein verringertes Risiko auf. Etwa 20 Prozent der Teilnehmer waren aktuelle Cannabiskonsumenten, die überwiegend eine moderate Konsumhäufigkeit zwischen ein- und fünfmal pro Woche angaben. Der Einfluss eines starken Cannabiskonsums auf das Krebsrisiko konnte daher durch die aktuelle Studie nicht beurteilt werden.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung stimmen mit den meisten der früheren Studien überein. Diese waren allerdings überwiegend mit geringeren Patientenzahlen durchgeführt wurde. Die erste Studie zu diesem Thema aus dem Jahr 1999 mit 173 Krebskranken und 176 gesunden Kontrollpersonen hatte dagegen ergeben, dass täglicher Cannabiskonsum das Risiko für Plattenepithelkarzinome von Kopf und Hals vervierfacht. Diese Studie war jedoch kritisiert worden, weil die Kontrollpersonen nicht zufällig ausgewählt worden waren, sondern aus einer Gruppe von Blutspendern, die von vornherein seltener Cannabis konsumiert haben könnten. Eine solche Selektion hat möglicherweise das Ergebnis verfälscht. Die Autoren der neuen Studie sind hinsichtlich der Auswahl der Kontrollpersonen sorgfältiger vorgegangen, sodass das Ergebnis vermutlich eher die Wirklichkeit widerspiegelt.
Eine Vielzahl jüngerer experimenteller Studien hat gezeigt, dass Cannabinoide krebshemmende Eigenschaften besitzen. Im Einzelnen konnte gezeigt werden, dass Cannabinoide die Zellteilung und damit die Vermehrung von Krebszellen verlangsamen, sie zu einem programmierten Zelltod veranlassen und die Bildung von Metastasen (Tochtergeschwülsten) reduzieren.
Andererseits enthält Cannabisrauch viele krebserregende Substanzen, die auch im Tabakrauch gefunden werden, wie beispielsweise Nitrosamine und polyzyklische Kohlenwasserstoffe. Diese Substanzen entstehen erst bei der Verbrennung der beiden getrockneten Pflanzenprodukte und sind auch verantwortlich für Atemprobleme, wie vor allem chronische Bronchitiden, die sowohl bei Tabak- als auch bei Cannabisrauchern vermehrt auftreten. Der wichtigste Unterschied zwischen Cannabis- und Tabakrauch ist das Vorkommen von Cannabinoiden in dem einen und von Nikotin in dem anderen Rauch. Es scheint dieser Unterschied zu sein, der bei Cannabiskonsumenten verhindern könnte, dass neben den Atemproblemen auch die gleichen Krebsrisiken wie bei Tabakkonsumenten festgestellt werden. Das Rauchen von Cannabis ist im Gegensatz zur oralen Aufnahme, beispielsweise in Gebäck, oder zur Inhalation mit einem Vaporizer allerdings keine empfehlenswerte Methode des Cannabiskonsums. Denn auch, wenn kein Krebs entsteht, die Lunge dankt es dem Konsumenten, wenn sie nicht mit Teer aus der Cannabiszigarette asphaltiert wird.

Franjo Grotenhermen ist Vorstand und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin
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