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Breitspiele im September
Langsam wird die Zeit knapp. Warum? Weil es schon wieder September ist und noch immer einige Spiele seit Oktober 2008 unausgepackt bei mir in der Küche liegen. Was eigentlich eine Schande ist, denn darunter finden sich einige echt spannende Spiele, allen voran „Confucius“. Doch den Rundumschlag gibt es dann in der nächsten Ausgabe. Jetzt ist erst einmal „Android“ dran, mein derzeitiges Lieblingsspiel. Dazu gesellt sich „Heads of State“. Ein Spiel, mit dem ich nicht so grün werde, was aber daran liegt, dass mal wieder Karten die Hauptrolle spielen. versperren den Weg. Stößt man dagegen, muss man zurück in die eigene Anfangsecke und einen neuen Weg ausprobieren. Also, ein lustiges Gedächtnistraining ist angesagt.
Publiziert am: 01.09.09 - Medienformen: Medienform Text

Android

Android...
... versetzt uns in eine zukünftige Welt. Mond und Mars sind bewohnt, künstliche Intelligenzen, menschliche Roboter sind keine Seltenheit sondern Normalität. Trotzdem ist es nicht friedlicher geworden. Eher im Gegenteil. Verbrechen sind an der Tagesordnung. Und da setzt das Spiel ein.
Drei bis fünf Detektive unterschiedlicher Couleur müssen ein Verbrechen aufklären. Verdächtige gibt es genug, wer davon der Täter ist, stellt sich erst am Ende des Spiels heraus. Und zwar, indem die Spieler den Verdächtigen verdeckt „Schuldig“- oder „Unschuldig“-Marker verpassen. Der Verdächtige, der am Spielende die meisten „Schuldig“-Marker auf sich vereint, ist der Verbrecher und nur der Spieler, der dessen Karte zu Spielbeginn gezogen hat, bekommt die Punkte. Alle andern gehen leer aus und bekommen höchstens für ihren Unschuldigen noch ein paar Punkte. An die Marker gelangen die Spieler, indem sie von Lokalität zu Lokalität fliegen und dort Zeugen befragen oder sonstige Indizien untersuchen. Diese Aufgabe ist schon schwer genug und eigentlich ein komplettes Spiel.
Doch das ist noch lange nicht alles, was die Spieler erledigen müssen. Nebenbei können Louis, Caprice und Co. herausfinden, welche Konzerne hinter den Verbrechen stecken und so ihr Punktekonto aufstocken. Auch das würde ein eigenes Spiel ergeben. Aber auch das genügte den Autoren von „Android“ nicht aus und so schleppen alle Protagonisten noch ihre persönlichen Probleme mit sich herum. Und da weit und breit kein Psychiater aufzutreiben ist, müssen sie sich selbst helfen. Scheitern sie, hagelt es statt Plus- Minuspunkte.
Also wer gewinnen will, muss am Ende des Spiels, den Schuldigen zu Beginn des Spiels gezogen haben, das persönliche Problem erfolgreich beenden und möglichst noch hinter die Verschwörung gekommen sein. Allerdings wollen das alle anderen auch und so wird mit harten Bandagen gegeneinander angetreten. Jeder will den eigenen Verdächtigen zum Schuldigen machen, die Verschwörung in die eigene Richtung lenken und das persönliche Problem möglichst unbeschadet überleben.
Bei „Android“ lernt man die Mitspieler hassen. Denn um selbst agieren zu können, müssen früher oder später Karten gegen die Mitspieler eingesetzt werden und die können ganz schön weh tun. Da verliert man schon mal alle mühsam erarbeiteten Tokens, die man zum Beispiel für einen Flug auf den Heinlein-Mond braucht oder um sich wertvolle Marker zu besorgen, die am Ende reichlich Siegpunkte bringen. Was auch sehr schmerzt, sind Karten, die einem Aktionen nehmen. Denn nicht nur die Mitspieler setzen einen unter Druck, sondern auch die knapp bemessene Zeit. Höchstens vierzehn Mal ist man dran, und es gibt viel zu tun. Ich erspare mir und euch an dieser Stelle genauere Erklärungen, wie das Spiel funktioniert, das würde aufgrund der enormen Komplexität nur verwirren. Es enthält auf alle Fälle alles, was ein Spiel braucht. Man bewegt sich, zieht eigene Aktionskarten und welche die nur gegen die Mitspieler gerichtet sind. Man kauft ein, verhört, die Aktionen sind vielfältig, so dass mal wieder gilt: Wer dran ist, hat die Qual der Wahl. Und vor allem darf man nie vergessen, die Gegner im Auge zu behalten und gegen sie zu spielen. Was zwangsläufig sogar notwendig ist, denn wer nicht gegen die anderen spielt, kann früher oder später mit seiner Spielfigur auch nicht mehr agieren. „Android“ ist ein echt böses Spiel. Und genau deshalb liebe ich es.
Noch gibt es das Spiel nur in Englisch, die Spielregel ist umfangreich, dafür lässt sie keine Fragen offen. Und wer das Wagnis eingeht, den Verbrecher zu jagen, braucht Zeit, viel Zeit. Die ersten Partien zu fünft dauerten schon so sechs Stunden, nach ein paar Partien reduziert sich die Spieldauer aber drei Stunden sollte man auf alle Fälle einplanen. Vor allem, wenn langsame Mitspieler dabei sind, die lieber dreimal überlegen, bevor sie ihren Charakter bewegen. Aber das ist verständlich, denn viele Aktionen haben die Spieler nicht und da will man keine verschenken.
In diesem Sinne, macht euren Verdächtigen zum einzigen Schuldigen, sammelt gutes Karma, um eure privaten Probleme zu lösen und findet heraus, wer hinter der Verschwörung steckt. Aber vor allem habt viel Spaß und zahlt es den anderen heim, wenn sie euch mehr Steine denn je in den Weg legen.
Fazit: Superspiel.

Heads of State


Heads of State


Ein Spielplan, bestückt mit allen möglichen hölzernen Siegpunkten, die im Laufe des Spiels abgeräumt werden. Und ob man an die Punkte kommt, hängt von den gezogenen Karten ab. Wie der Spielname schon sagt, geht es darum, die eigenen Adeligen zu den führenden Köpfen in den deutschen Staaten, England, Spanien oder Frankreich zu machen. Jeder Spieler erhält Marker der sieben Adelstypen, von Baron bis König, die im Verlauf des Spiels in den einzelnen Provinzen der Länder platziert werden. Doch nur, wenn der Spieler auch die passenden Attributskarten ausspielen kann. Also heißt es diese sammeln, um die richtigen Kombinationen zu bekommen. Und die reicht von einer Karte (für den Baron) bis zu acht Karten (für den König). Wer dran ist, zieht bis zu drei Karten und kann dann so viele Adelige einsetzen, wie er bezahlen kann. Punkte bekommen diejenigen, die den ersten Adeligen in eine Provinz setzen, die in jeder Provinz eines Landes einen Adeligen haben und am Ende jeder der drei Runden bekommen die beiden, die die meisten Adelspunkte in einem Land haben, ebenfalls Siegpunkte. Eine Runde wird durch die Revolutionskarte beendet, die sich unter den zehn letzten Karten des Attributskartenstapels befindet.
Je nach Spieleranzahl sind spätestens in Runde drei in den Provinzen keine Plätze mehr frei, so dass die dort Platzierten wieder vertrieben werden müssen. Dafür gibt es einen zweiten Kartenstapel. Wer sich für eine solche Aktion entscheidet, zieht eine Verratskarte und nur noch eine Attributskarte. Dann kann er einen anderen Adeligen von seinem Platz vertreiben und insofern er die passenden Attributskarten hat, an seiner Stelle einen eigenen hinsetzen. Sollte er mehr als einen Adeligen vertreiben wollen, muss er bis auf einen Adeligen alle ersetzen. Nach drei Runden endet das Spiel mit der Revolution 1789 und dann gibt es noch einmal Siegpunkte für diejenigen, die die meisten Adeligen einer Sorte haben. Und dann steht der Sieger fest.
Heads of State ist kein neuartiges Spiel, die Mechanismen sind bekannt und erinnern an Rommé. Und ich kann mich für Kartenspiele nicht begeistern, denn die Abhängigkeit ist einfach zu groß. Die Einflussmöglichkeiten sind einfach zu gering. Und das ist bei einer Spiellänge von einer guten Stunde manchmal einfach zu frustrierend oder mir schlichtweg zu langweilig. Warten auf die richtige Karte, um ins Spielgeschehen eingreifen zu können, ist für echte Strategen eher quälend als spaßbringend. Aber für alle, die auf solche Spiele stehen, ist „Heads of State“ nicht das Schlechteste seiner Art.

Android
Autor: Kevin Wilson & Dan Clark
Verlag: Fantasy Flight Games
Spieler: 3–5
Alter: ab 13
Dauer: mindestens drei Stunden
Preis: ca. 30 Euro

Heads of State
Autor: Peter Hawes
Verlag: eggertspiele
Spieler: 2–5
Alter: ab 12
Dauer: mindestens 90 Minuten
Preis: ca. 30 Euro

Kerstin Koch
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