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Hingabefähig

Götz Widmann im Interview
Publiziert am: 01.11.09 - Medienformen: Medienform Text

Seit 16 Jahren produziert er serienweise Songs auf allerhöchstem Niveau, erst mit seiner Band Joint Venture, seit 2000 solo. Sein Stil, eher vom erhobenen Mittel- als Zeigefinger geprägt, hat eine ganze Generation von jungen Liedermachern inspiriert, es einmal anders zu probieren als die Barden der Altachtundsechziger. Tatsächlich hat er einem praktisch toten Genre ganz neues Leben eingehaucht und ihm damit eine völlig andere Richtung gegeben. Er schreibt zeitlose Lieder in seinem ganz eigenen unkopierbaren Stil. Dem einen ist er hier zu versaut, dem anderen da zu philosophisch, viele hassen ihn für seine Ehrlichkeit, aber kalt lässt er keinen und seine Konzerte sind unvergessliche Erlebnisse. Ich habe Götz im Internet getroffen und ihm ein paar Fragen gestellt ...

Hanf Journal: Hallö Götz, meine Einstiegsfrage zielt auf die wichtigsten Einflüsse Deines Lebens. Menschen, Musik, Kunst, Kultur – wer und was hat Dich geprägt? Ich hörte was von John Lennon und Udo Lindenberg …
Götz: Ja, die auf jeden Fall, John Lennon aber ganz sicher noch viel viel mehr als Udo Lindenberg. Und Leonard Cohen, Rio Reiser, Charles Bukowski, Francois Villon, die versauten Sachen von Bertolt Brecht, Bon Scott. Zur Zeit verehre ich auch sehr Mani Matter, einen berndeutschen Liedermacher, der leider schon fast 40 Jahre tot ist. Mit den deutschen Liedermachern kann ich eher wenig anfangen, hab neulich mal wieder ne Platte von Hannes Wader gehört und fand sie einfach nur schlecht, ideenlos, beschissen gereimt, na gut, Gitarre spielen kann er, aber auch nur einen Stil. Unfassbar, dass der mal so richtig viele Platten verkauft hat und heute krebsen so viele tausendmal bessere Leute am Rande des Existenzminimums herum.

Ha Jo: Gibt’s bei Deinem Nomadenleben (Du bist ja viel on Tour) einen Ort, an dem Du Dich besonders wohl fühlst? Seit ich in Berlin wohne, vermisse ich manchmal die romantische Ruhe meiner Geburtstadt Heidelberg, in der Du ja auch aufgewachsen bist. Das Rheinland ist aber auch ganz idyllisch, oder?
Götz: Ich mag das Gefühl unterwegs zu sein. Eigentlich bin ich auf der Reise zuhause. Trotzdem liebe ich es in meinem Hof zu sitzen, wenn ich mal da bin. In Heidelberg bin ich auch immer wieder gern, auch wenn es mir meistens nach 2 Tagen reicht. Ansonsten liebe ich die Toscana, La Palma, Sydney und seit einiger Zeit auch sehr die Schweiz, weil da meine Freundin wohnt. Wohlfühlen ist für mich immer auch sehr mit bestimmten Menschen verbunden.

Ha Jo: Wer Dich länger kennt und Deinen Texten zuhört, kann sich ja seinen Teil denken. Aber könntest Du vielleicht dem unbefangenen Leser erläutern, wie Du zu Cannabis und einer Legalisierung (unter strengen Jugendschutzauflagen) stehst?
Götz: Ich finde, dass die Kriminalisierung von so vielen Menschen, ohne dass es irgendjemandem erkennbar nützt, eine Menge unnötiges individuelles Leid erzeugt. Stattdessen wäre es doch sicherlich viel besser, wie bei Alkohol und Zigaretten eine Steuer auf Cannabisprodukte zu erheben, dann hätten alle was davon: die, die es konsumieren und die, die es bleiben lassen. Die gegenwärtige Rechtslage finde ich bigott, verlogen und extrem lebensfeindlich.

Ha Jo: Gibt’s eigentlich noch die „IWS“-Ordner? (hab‘ bei deiner sehr facettenreichen DVD „Harmlos“ mehr als geschmunzelt). Mich interessiert, wie Du mit der ganzen Bürokratie hierzulande umgehst. Das Finanzamt nimmt ja nicht unbedingt Rücksicht auf’s Künstlerdasein …
Götz: Naja, ich kann nicht grade behaupten dass ich Aktenordner sexy finde. Aber dank der Hilfe meines früheren Azubis Kriss (heute Freund und Kollege, Hiphopliedermacher, krisscologne.de) schaff ich mein Büro an einem Nachmittag in der Woche.

Ha Jo: Nenn’ unseren Lesern, die Dich vielleicht noch nicht kennen, doch mal fünf Deiner Songs, die sich als „Einstiegsdroge“ am besten eignen, um ein paar treffende Eindrücke Deines Schaffens zu gewinnen.
Götz: „Die zwei Trauben“, „Ich liebe mich“ und „Die Zaubersteuer“. Von der neuen CD „Hingabe“ und „Schwanger“ ...

Ha Jo: Dein neues Album steht vor der Tür. Was erwartet uns textlich und musikalisch? „Die vier Jahreszeiten“ klingen ja schon mal sehr ansprechend …
Götz: Ich bin richtig glücklich mit der neuen Platte, sie hat inhaltlich ein sehr breites Spektrum, irgendwie hab ich das Gefühl als wäre noch nie soviel aus mir rausgesprudelt wie zur Zeit und die 13 Songs, die auf der CD sind, sind sowas wie das Sahnehäubchen davon. Ich habe mir diesmal noch mehr Zeit zum Schreiben genommen als sonst. In den letzten Jahren habe ich etwas Wunderschönes begriffen, nämlich dass es für meine Arbeit das Beste ist, wenn ich ganz viel Urlaub mache. Ausserdem war ich erst ganz schön einsam und dann glücklich verliebt, das erzeugt natürlich ein gewisses emotionales Spektrum. Musikalisch ist es eine echte Solo-CD, live aufgenommen unplugged und unverstärkt im Theater im Bauturm in Köln und im Wohnzimmer von meiner Freundin.

Ha Jo: Dann danke ich Dir, dass Du Dir die Zeit genommen hast und wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg mit dem neuen Werk.
Götz: Okay, dann mal schönen Tag noch ...

Sein neues Album „Hingabe“ ist seit dem 30. Oktober käuflich zu erwerben. Infos und Tourdaten:
www.goetzwidmann.de

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