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Cannabis bei HIV und Aids

Dr. med. Franjo Grotenhermen
Mitarbeiter des nova Institutes in Hürth bei Köln und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM).
Publiziert am: 03.02.10 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Dr. med. Franjo Grotenhermen
Cannabis wird seit langem von HIV-Infizierten zur Steigerung des Appetits und zur Reduzierung von Schmerzen verwendet. In einer 2004 veröffentlichten Studie aus Kanada berichteten 43 Prozent aller Personen mit HIV, Cannabis zu konsumieren, und 67 Prozent dieser Patienten gaben an, die Droge aus medizinischen Gründen zu verwenden. Zu den Gründen für die medizinische Verwendung zählten Appetitsteigerung (70 Prozent), Förderung von Schlaf und Entspannung (37 Prozent), Hemmung von Übelkeit und Erbrechen (33 Prozent), Linderung von Schmerzen (20 Prozent) sowie Bekämpfung von Angst und Depressionen (20 Prozent). Eine in den USA durchgeführte Umfrage aus dem gleichen Jahr ergab etwas andere Antworten. Nur 23 Prozent der befragten HIV-Positiven gaben einen Cannabiskonsum an, was zu einem großen Teil auf einer günstigeren rechtlichen Lage hinsichtlich des Cannabiskonsums in Kanada im Vergleich zu vielen Staaten der USA beruhen dürfte. In dieser Studie war der häufigste Grund für einen Cannabiskonsum die Linderung von Depressionen und Angst (57 Prozent), gefolgt von Appetitsteigerung (53 Prozent) und Schmerzlinderung (28 Prozent).
Eine britische Studie aus dem Jahr 2005 mit 143 HIV-Infizierten untersuchte, wie stark sich bestimmte Symptome unter dem Einfluss von Cannabis veränderten. Die Teilnehmer wurden gebeten, in einem Fragebogen quantitative Angaben mit den Auswahlmöglichkeiten „viel besser“, „ein wenig besser“, „keine Veränderung“, „ein wenig schlechter“ und „viel schlechter“ zu machen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Hälfte der Patienten oder mehr eine signifikante Verbesserung einer Vielzahl von Symptomen erlebte, darunter Übelkeit, Angst, Nervenschmerzen, Depressionen, Kribbeln, Taubheitsgefühl, Gewichtsverlust, Kopfschmerzen, Zittern, Verstopfung und Schwächegefühl. Andere Studien legen eine ähnliche Wirkung von Cannabis auf HIV-assoziierte Symptome nahe.
In zwei jüngeren Plazebo-kontrollierten Studien zeigten Wissenschaftler des staatlichen Psychiatrieinstituts von New York, dass gerauchter Cannabis und orales THC den Appetit bei erfahrenen Cannabiskonsumenten steigerte. In die erste Studie aus dem Jahr 2005 wurden neun HIV-positive Personen aufgenommen. Sie erhielten zu acht Zeitpunkten Kapseln mit verschiedenen THC-Dosen zusammen mit einer Plazebo-Cannabiszigarette oder Plazebo-Kapseln zusammen mit THC-haltigen Cannabiszigaretten. Sowohl orales THC als auch gerauchter Cannabis führten zu einer substanziellen und vergleichbaren Zunahme der Nahrungsaufnahme. Bemerkenswerterweise wurde eine vermehrte Kalorienaufnahme nur in der Gruppe mit einem stark reduzierten Gewicht, jedoch nicht in einer Kontrollgruppe von HIV-Patienten ohne Zeichen einer Abmagerung festgestellt. In der zweiten Studie dieser Arbeitsgruppe aus dem Jahr 2007 erhielten die HIV-positiven Teilnehmer Dronabinol und Cannabis über mehrere Tage. Beide Substanzen vergrößerten dosisabhängig die tägliche Kalorienaufnahme und das Körpergewicht.
Ein weiterer Grund für die Verwendung von Cannabis durch HIV-Positive sind die Nebenwirkungen, die mit der Verwendung von Medikamenten gegen den HI-Virus, die so genannte HAART-Therapie (hoch aktive anti-retrovirale Therapie), verbunden sind. Die HAART-Therapie ist nicht selten mit Übelkeit und Erbrechen assoziiert, die insbesondere durch Proteasehemmer ausgelöst werden können. In einer Studie der Universität Stanford in Kalifornien wurde nachgewiesen, dass 252 HIV-positive Patienten, die sich einer HAART unterzogen, die bei ihnen Übelkeit verursachte, mit einer deutlich größeren Wahrscheinlichkeit die Therapie fortsetzten, wenn sie Cannabis rauchten.
Bestimmte HIV-Medikamente sind mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer peripheren Neuropathie assoziiert, die manchmal irreversibel ist, also nach dem Absetzen der Medikamente bestehen bleibt. Als Neuropathie wird eine Nervenschädigung bezeichnet. Sie geht mit unangenehmen Empfindungen, wie beispielsweise Kribbeln und Brennen, sowie einer vermehrten Schmerzempfindlichkeit einher. Verschiedene Studien haben eine nützliche Wirkung von Cannabinoiden auf neuropathische Schmerzen bei HIV-positiven Patienten nachgewiesen. So untersuchten Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in San Francisco in einer 2007 veröffentlichten Studie die Wirkung von gerauchtem Cannabis. Die 50 Teilnehmer erhielten fünf Tage lang entweder dreimal täglich eine Cannabiszigarette oder identische Plazebozigaretten (ohne THC). Gerauchter Cannabis reduzierte im Vergleich mit dem Plazebo signifikant die Schmerzen und der Anteil der Patienten, die eine klinisch relevante Schmerzlinderung (eine Linderung um mehr als 30 Prozent) erlebten, war in der Cannabisgruppe erheblich größer als in der Plazebogruppe.
Insgesamt gibt es heute fundierte Hinweise auf einen vielfältigen Nutzen von Cannabis für HIV-Positive.


Franjo Grotenhermen ist Vorstand und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin

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