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Konoplyana Pravda

Die Wahrheit über Hanf
Publiziert am: 08.03.10 - Medienformen: Medienform Text

Die Hanf Journal Famile hat Zuwachs bekommen. In der Ukraine hat sich eine Crew formiert, die ihr Land seit Dezember 2009 alle zwei Monate mit den neusten Hanfinformationen versorgt. Der Chefredakteur der „Konoplyana Pravda“, Taras, hat uns ein paar Fragen beantwortet, um uns und unseren Lesern die Hintergründe der ukrainischen Variante des Hanf Journals sowie die aktuelle Situation in der Ukraine ein wenig genauer zu erläutern. Aus diesem Grunde trafen sich die beiden Hanfaktivisten in der Küche des Hanf Journals zu einer Tasse Kaffee (und möglicherweise einer dieser begehrten Sportzigaretten).
Hier ein Auszug des Gespräches:

Ha Jo: High Taras, wie illegal ist Gras in der Ukraine?
Taras / Konoplyana Pravda: High HaJo!

Cannabis ist illegal durch das Strafmaß, das die Ukraine aus den alten Sowjet Zeiten übenommen hat. Es bedeutet, dass man mit einer Menge von fünf Gramm als Krimineller dasteht. Dies kann eine Haftstrafung von bis zu drei Jahren mit sich bringen (2009 wurde die Strafe auf bis zu zwei Jahre gekürzt). Bei geringen Mengen ist eine Bewährungsstafe das übliche Strafmaß oder man outet sich bei erster Auffälligkeit mit dem Strafgesetz als „drogensüchtig“ und nimmt an einer klinischen Behandlung der „Sucht“ teil. Mit Sicherheit sind aber die meisten Cannabisverhaftungen eher auf das korrupte System zurückzuführen als auf die herrschende Gesetzeslage. Selbst kleinste Mengen bedeuten ein mögliches Bestechungsgeld für die Polizisten und das ist es, worauf das Polizei-System basiert.
Geringe Mengen unter fünf Gramm bedeuten eine Strafzahlung von ungefähr 100 US$, von denen der Staat natürlich nichts sieht. Polizisten nutzen die Möglichkeit einen „verdächtigen Dealer“ drei Tage im Knast schmoren zu lassen, um „Resultate abzuwarten“, „herauszufinden woher das Material kommt“ und um die „private Zahlung“ des Verdächtigen herauszukitzeln.
Der Anbau von Cannabis ist ebenso strafbar und durch das Gesetz verboten und auch mit dreijähriger Haftstrafe oder einer Zahlung von 200 US$ verbunden. Im Jahre 2009 wurde der Anbau zwar entkriminalisiert und führt nicht mehr zur Strafverfolgung, verlangt wird aber die Bußgeldzahlung von 200 US$.

Ha Jo: Wie war die Reaktion in der Öffentlichkeit auf die erste Ausgabe?
Taras / Konoplyana Pravda:
„Was für einen Fetisch hast du uns da offenbart?“
„Positive Zeitung, aber zu viel Werbung!“
„Es ist eine untypische Ausgabe, einzigartig!“
„HAHAHA, endlich hat jemand eine wirklich nützliche Zeitung gemacht!“
„Wenn es auf Hanfpapier gedruckt ist, kann man es dann rauchen?“
„Es ist zu politisch! Könnte mehr kulturelle und ökologische Themen vertragen.“
„Ich mag es, bis auf den Titel! - Er ist kindisch! Die Zeitung versucht die Menschheit zu befreien und beschäftigt sich mit weltverbessernden Themen, aber der Name klingt nach einem Scherz.“
„Es ist eine vielversprechende Idee von etwas, was nicht nur ein Durchbruch in der Gemeinschaftskommunikation und weiterer Erziehung einer traditionellen Gesellschaft werden kann, sondern ebenso eine fazinierende Erfolgsstory sozialer Geschäftsführung in der Ukraine.“
„Konoplyana Pravda ist die erste Ukrainische Zeitung, die eine unverfälschte Berichterstattung über Cannabis, dessen Rolle in der Gesellschaft und drogenpolitische Themen im Allgemeinen behandeln kann.“
„Konoplyana Pravda ist eine wertvolle Quelle für jeden, der sich mit der globalen Marihuana Szene sowie typisch ukrainischen Themen beschäftigen möchte.“
Im Allgemeinen reagierten Menschen auf die erste Ausgabe als etwas Unwirkliches, Fantastisches und viele glaubten wohl, es sei bloß eine einmalige Angelegenheit. Unsere Auflage betrug 5000 Exemplare und es gab viele Leser, die sich eine Zeitung teilten oder sie nach dem Lesen von Hand zu Hand weitergaben.

Ha Jo: Wie gebräuchlich ist der Cannabiskonsum in der Ukraine?
Taras / Konoplyana Pravda: Als Ergebnis der NGO Forschung „Für eine gesunde Ukraine“ aus dem Jahr 2004 probierten 11 Millionen Ukrainer Cannabis, mehr als dreieinhalb Millionen rauchen ab und zu, circa zwei Millionen konsumieren regelmässig.
Es gibt keine offizielle Statistik in unserem Land und selbst die NGO Daten scheinen ein bisschen zu verharmlosen. Der gewöhnliche Hanfkonsument in der Ukraine ist zwischen 18-40 Jahre alt.
Doch durch die Prohibition und den illegalen Status von Cannabis ist es schwierig, ernsthafte Forschung zu betreiben und echte Zahlen zu bekommen. Vom illegalen Handel bei Teenagern ganz zu schweigen.

Ha Jo: Gibt es derzeit eine größere Legalisierungsbewegung?
Taras / Konoplyana Pravda: „Legalize it“ in der Ukraine hat als erstes versucht, einfach die Strategien der Aktivisten aus der EU zu kopieren, ohne eine verständliche Erklärung bieten zu können, was Legalisierung eigentlich ist. Der Grund ist das Defizit an frei zugänglicher Information. Jeder versteht unter Legalisierung etwas anderes. Für Konsumenten bedeutet es vielleicht vernünftige Verhältnisse wie in Holland zu haben, andere befürchten vielleicht Drogenumschlagplätze an jeder Ecke, die ihre Kinder in Gefahr bringen könnten. Also ist Desinformation das Problem, was positive Veränderung sowie den Dialog mit dem Staat derzeit verhindert. Darum ist die Propaganda der Polizei stärker und bringt viele Ukrainer dazu, das Kräuterverbot für sinnvoll zu halten. Falls man das Gerüst zum Einsturz bringen möchte, muss man sich die alten Parolen sparen und zu weiteren, verständlicheren Ausbauen. A la: „Legalize yourself! Fighting for the positive changes in State Drug Policy!“


Ha Jo: Wie schauts mit industriellem Hanf aus?
Taras / Konoplyana Pravda: Obwohl das Klima hier sehr passend für Hanfanbau wäre, ist die Hanfindustrie sehr unterentwickelt. Anstatt die Möglichkeit zu nutzen, auf vier Millionen Hektar Hanf anbauen zu können und damit auch die Böden zu verbessern, trauen sich die Bauern das nicht. Es ist sehr umständlich und teuer industriellen Hanf anzubauen sowie die gesetzlichen Voraussetzungen zu erfüllen.
Neben den bürokratischen Schwierigkeiten, Faserhanf anzubauen, ist eine 24-stündige Aufsichtspflicht der Hanfplantage sowie eine Entfernung von fünf Kilometern zur nächsten Straße nötig. Es ist also eine Menge privater, kostenaufwendiger Sicherheitsstandards zu leisten, was dazu führte, dass 2009 nur 500 von 1100 Hektar möglicher Nutzfläche mit Hanf bebaut wurde. Ukrainische Bauern kämpfen gegen die strengen Reglements und erhoffen sich derzeit EU Verhältnisse.

Ha Jo: Gibt es lokale Unterschiede in der Handhabung des Themas?
Taras / Konoplyana Pravda: Wir haben überall die gleichen Gesetze und überall die gleichen Strafen, und überall dealen die Cops mit dem konfeszierten Gras.

Ha Jo: Gibt es einen Schwarzmarkt und wie hoch sind die Preise? Was sind die gängigsten Sorten?
Taras / Konoplyana Pravda: Der Schwarzmarktpreis variiert von Region und Saison, aber beträgt durchschnittlich neun bis dreizehen Euro für ein Päckchen, das circa fünf Gramm unvorhersehbarer Qualität beinhaltet. Von stark bis mild, meist aber nur Blätter ohne Knospen, werden von der Allgemeinheit so erworben und anschliessend konsumiert.
Manchmal bekommt man auch Knospen, diese schlagen dann aber gleich mit 12-25 Euro pro Gramm zu Buche. Haschisch ist selten und kostet ungefähr das gleiche.
Die Leute rauchen meist das untere Blattwerk in Pfeifen, „Bubblelators“ und Joints werden aus Zigaretten gebaut, denen man den Filter entfernt. Bongs werden immer beliebter, Vaporizer sind rar.
Im Sommer sprießt eine Menge wilder Hanf aus den Böden und meist wissen die Leute, wo man welchen findet. Im Juli kann man sich einfach welchen pflücken, um dann eine Hanfmilch oder etwas Backwerk zuzubereiten.
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