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Krebshemmer THC und CBD

Dr. med. Franjo Grotenhermen
Mitarbeiter des nova Institutes in Hürth bei Köln und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM).
Publiziert am: 08.03.10 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Dr. med. Franjo Grotenhermen
In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden erstmals in einem Tierversuch krebshemmende Eigenschaften von THC beschrieben. Lange Zeit blieben diese Ergebnisse unbeachtet. Erst Mitte der 90er Jahre erlangte das Thema durch eine amerikanische Langzeitstudie mit Nagetieren eine gewisse Aufmerksamkeit, die zu weiteren systematischen Untersuchungen in Zell- und Tierexperimenten und schließlich zu einer ersten kleinen klinischen Studie auf Teneriffa (Spanien) führten.
Bei der amerikanischen Langzeitstudie handelte es sich um eine routinemäßige Untersuchung, wie sie auch mit anderen Substanzen durchgeführt wird, um mögliche krebserregende Wirkungen chemischer Substanzen zu entdecken. Zwei Jahre lang erhielten mehrere Gruppen von Mäusen und Ratten fünfmal wöchentlich unterschiedliche THC-Dosen, die Ratten 5-50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht, die Mäuse 125-500 mg/kg Körpergewicht.
Am Ende der zweijährigen Studie lebten noch 46 Prozent der THC-freien Ratten, während in der Gruppe, die 5 Milligramm THC pro Kilogramm Körpergewicht bekommen hatte, 74 Prozent überlebten. In der 15-Milligramm-Gruppe waren es 68 Prozent und in der 50-Milligramm-Gruppe 66 Prozent. Die geringere Todesrate bei mit THC behandelten Tieren lag überwiegend an der im Vergleich mit der Kontrollgruppe geringeren Krebshäufigkeit. Die krebshemmenden Wirkungen des THC betrafen mehrere Krebsarten, die bei Mäusen und Ratten häufig auftreten, darunter Leberkrebs, Brustkrebs, Hodenkrebs und Krebs der Bauchspeicheldrüse.
Eine spanische Arbeitsgruppe um Professor Manuel Guzman von der Complutense-Universität in Madrid untersuchte wenige Jahre später die Frage, ob THC und ein synthetisches Cannabinoid auch bereits bestehende Tumore bekämpfen kann. Bei 45 Ratten wurden bösartige Gliome (Glioblastome) ausgelöst, ein auch beim Menschen schnell zum Tode führender Hirnkrebs, für den es gegenwärtig keine wirksame Behandlung gibt. Ein Drittel der Tiere wurde mit THC behandelt, ein weiteres mit dem synthetischen Cannabinoid und das restliche Drittel blieb unbehandelt. Die unbehandelten Ratten starben alle innerhalb von spätestens 18 Tagen. Die beiden Cannabinoide zeigten allerdings eine deutliche Wirkung. Innerhalb von sieben Tagen zerstörten sie die Tumore bei etwa einem Drittel der behandelten Ratten vollständig und verlängerten das Leben eines weiteren Drittels bis zu sechs Wochen. Bei dem letzten Drittel schlug die Behandlung nicht an.
Krebstherapien, die bei Tieren funktionieren, können beim Menschen zu giftig bzw. unverträglich oder auch nicht wirksam sein, so dass man mit einer Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen vorsichtig ist. Das lehrt die Erfahrung mit anderen Substanzen.
Das Ergebnis der Tierexperimente ermutigte die spanischen Forscher jedoch, THC in einer klinischen Studie erstmals zur Krebsbekämpfung bei 9 Menschen einzusetzen. Die Patienten litten an einem Glioblastom und waren erfolglos mit einer Standardtherapie (Operation und Strahlentherapie) behandelt worden. Sie überlebten mit THC im Durchschnitt etwa ein halbes Jahr, zwei nahezu ein Jahr. Wie bei dem oben beschriebenen Tierversuch, war THC über einen kleinen Katheter, dessen Spitze bei einer Operation in den Tumor gelegt worden war, direkt in den Tumor verabreicht worden. Die Teilnehmer wurden 10 bis 64 Tage behandelt. Wegen des Studiendesigns war es nicht möglich, die Wirkung von THC auf das Überleben zu bestimmen. Dies hätte eine Kontrollgruppe verlangt, die nicht oder mit einer anderen Therapie behandelt worden wäre. Ein Vergleich mit der Überlebenszeit in Pilotstudien mit anderen Medikamenten legt nahe, dass THC in dieser Studie für die Patienten von Nutzen war.
Eine Vielzahl weiterer Studien an Zellen und Tieren haben in den vergangenen Jahrgen gezeigt, dass verschiedene Cannabinoide das Wachstum mehrerer Krebsarten hemmen, darunter Brustkrebs, Hautkrebs, Lungenkrebs, Lymphome, Gebärmutterkrebs und Prostatakarzinom.
Interessanterweise hemmten auch Cannabinoide, die keine psychischen Wirkungen hervorrufen, das Wachstum von Tumoren. Dazu zählt auch das natürliche Cannabidiol (CBD), das im Faserhanf vorherrscht. Eine aktuelle Studie mit zwei Glioblastom-Zelllinien, die im Januar dieses Jahres veröffentlicht wurde, hat gezeigt, dass eine Kombination aus THC und CBD zu spezifischen tumorhemmenden Effekten führte, die bei einer Gabe der Einzelsubstanzen nicht beobachtet wurden. Diese Ergebnisse legen nahe, dass eine Kombination aus CBD und THC die Gesamtwirksamkeit von THC bei der Behandlung des Glioblastoms beim Menschen verbessern könnte.
Ob Cannabinoide zukünftig einen Platz in der Krebstherapie erhalten werden, lässt sich heute noch nicht absehen. Es ist noch zu wenig bekannt, bei welchen Krebsarten Aussicht auf Erfolg besteht oder welche Dosierungen verwendet werden sollten. Weitere klinische Studien sind dazu erforderlich.


Franjo Grotenhermen ist Vorstand und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin

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