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Schwarzer Afghane fürs Nato-Mandat

UNO: Statistik-Tuning für den „War on Drugs"
Publiziert am: 01.05.10 - Medienformen: Medienform Text

Kürzlich meldete die UNO, dass Afghanistan zum weltgrößten Haschisch-Produzenten aufgestiegen sei. Deshalb müsse man sich jetzt auf die Bekämpfung des Cannabisanbaus konzentrieren.
Schaut man sich die Zahlen genauer an und vergleicht sie mit denen der Vorjahre*, so scheint der Rückgang von Marokkos Anbaufläche um mehr als die Hälfte eher Wunschdenken. Fährt man dann direkt vor Ort, um im beschaulichen ChefChaouen nach der Stimmung unter den in der Gegend ansässigen Hanfbauern zu fragen, erfährt man, dass der König zwar jedes Jahr ein wenig strenger werde, im Prinzip aber immer noch fleißig angebaut wird. Nach UNO Angaben erwirtschaften die Afghanen drei mal mehr pro Hektar als die Marokkaner, weshalb wird gar nicht erst erklärt. Wer die fruchtbaren Böden des Rif-Gebirges, die seit Jahrzehnten gewachsene Infrastruktur mit bester Dünger-und Saatgutversorgung zwischen ChefChaouen und Al-Hoceima kennt, dem fällt es schwer zu glauben, dass erfahrene Bauern in einem Land, das ökonomisch und politisch Afghanistan weit voraus ist, so miese Erträge erwirtschaften sollen. Denn die Anbaufläche ist, das gibt auch die UN zu, in Marokko immer noch weitaus höher als in Afghanistan. Findet die Polizei in Europa Haschisch, so kommt es in 80 Prozent der Fälle aus Marokko, nur knapp 10 Prozent stammen aus Afghanistan. Wer sich dann schlussendlich in einen niederländischen Coffeeshop oder auf den deutschen Schwarzmarkt begibt, dem fällt es noch schwerer zu glauben, dass Afghanistan den Markt mit Haschisch überschwemmen soll. Zugegeben, im Coffeeshop gibt es wieder öfter guten Afghanen, auch haben uns Leser darauf hingewiesen, dass es, anders als in den vergangenen 20 Jahren, ab und zu guten Schwarzen gibt. Trotzdem wird der europäische Markt nach wie vor von marokkanischem Hasch dominiert, abgesehen mal vom hier produzierten Homegrown, was mittlerweile den Löwenanteil an verkonsumierten Hanfprodukten ausmacht.
Erinnern wir uns zurück: UNO und somit auch Bundeswehr sind ausdrücklich nicht nach Afghanistan geschickt worden, um sich in die afghanische Drogenpolitik einzumischen.
Es ging angeblich um Dinge wie Achtung der Menschenrechte und Schutz vor Terroranschlägen.
Das hat nicht so ganz funktioniert, weil die Afghanen Freiheit anders definieren als die meisten Völker, außerdem werden Terroranschläge auf westliche Ziele selbst nach Erkenntnissen der CIA schon längst nicht mehr von Afghanistan aus geplant. Mittlerweile sind die Fronten verschwommen, die Taliban kontrollieren immer mehr Provinzen und somit auch die Agrarprodukte des Landes. Der Preis für Opium fällt ob des Überangebots, was liegt da näher, als Weed anzubauen? Allzu oft wird vergessen, dass der Westen fast alle Drogen kauft, konsumiert und nicht selten direkt oder indirekt mit Waffen bezahlt. Den Westen präsentiert für einen Afghanischen Bauern neben den Nato-Truppen eben auch ein Heroin-Aufkäufer in Nadelstreifen aus New York oder Amsterdam. Unsere westliche Doppelmoral wird, anders als zu Hause, vor Ort viel direkter wahrgenommen, weil dort offen geschieht, was hier nur im Verborgenen passiert: Der Handel mit illegalisierten Drogen.
Wenn unsere Regierungen fortfahren, Dogenhandel mit Gewalt zu bekämpfen wird sich die tödliche Spirale so lange weiterdrehen, wie der Mensch ein Verlangen nach Rauschzuständen verspürt, also vermutlich noch sehr lange. Der „International Council on Security and Development“ (ICOS, www.iocs.org), ein „ThinkTank“ bestehend aus Wissenschaftlern und Experten aus Europa, den USA und Asien, die nach nachhaltigen Problemlösungen suchen, schlägt vor, den Opiumanbau in Afghanistan zu kontrolieren, die Produkte medizinisch weiterzuverarbeiten und den Bauern so ihr notwendiges Auskommen zu sichern. Ihre Studie „Poppy for Medicine“ kann mit viel versprechenden Zahlen aufwarten, erfährt von den Verantwortlichen bei der UNO jedoch keine Unterstützung.

Viele Bürger in den USA oder der EU haben verstanden, dass das einfache Übertragen westlicher Parameter zur Sicherung des Friedens nicht ausreicht. Nicht so die UNO. Die internationale Gemeinschaft scheint froh zu sein, dass es überhaupt noch was gibt, gegen das es zu kämpfen lohnt: Die bösen Drogen in Afghanistan. Ans Heroin haben wir uns schön gewöhnt, aber jetzt auch noch tonnenweise Hasch? Nicht mit der UNO, die brauchen jetzt noch mehr Soldaten. Es scheint, als ob Afghanistan mal kurz zum größten Haschproduzenten erklärt wird, damit der Geldfluss an die Drogenkrieger von DEA, CIA oder den Armeen vor Ort und wie sie alle heißen, aufgrund sinkender Heroinproduktion nicht aussetzt. In Mexiko kann man zur Zeit wunderbar beobachten, was passiert, wenn man mit Hilfe der USA einen Krieg gegen Drogen führt, ohne den notwendigen Rückhalt in der Bevölkerung zu haben.
Zwar ist die Bundeswehr nicht direkt in den Kampf gegen Mohn- und Hanffelder verwickelt, eine rationale Drogenpolitik in Europa und Afghanistan könnte den Einsatz jedoch viel schneller beenden als noch mehr Soldaten, weil sie dem Kriegsschauplatz Afghanistan die ökonomische Grundlage fürs Morden entzöge.


*siehe UNO Weltdrogenbericht der Jahre 2007-2009

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