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Durban Poison ist kein Getränk

Hanf gehört im WM-Land zum Alltag
Publiziert am: 04.06.10 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Michael Knodt
Schade, dass das Geruchsfernsehen noch nicht erfunden wurde. Gäbe es diese TV-Applikation bereits, so würde die gute Stube eines deutschen Fans zur Fussball-WM nicht nur nach Blut, Schweiß und Kunstfaser riechen, jeder Fussballzuschauer hätte über 90 Minuten den süßlichen Duft brennender Hanfblüten in der Nase.

Denn dieser Geruch liegt über jedem Stadion in Südafrika, neben den Nachbarstaaten Swaziland und Lesotho, dem größten Hanfproduzenten der ganzen Region. Seit dem Alkoholverbot wird in den Stadien noch mehr gekifft als vorher, und das nicht unbedingt zum Missfallen der Verantwortlichen. Denn auch in Südafrika hat man ähnliche Erfahrungen wie in Portugal gemacht: Bekiffte Fans sind friedlicher als besoffene, in Portugal gab es 2004 sogar eine Anweisung an die Polizei, kiffende Fans nicht zu belästigen, das Alkoholverbot hingegen wurde strengstens überwacht. Bei dieser EM gab es dann auch so gut wie keine Ausschreitungen. Erste positive Erfahrungen hatten schon die Niederländer bei ihrer EM 2000 gemacht, weil die britischen Hooligans einfach nach dem Coffeeshopbesuch zu stoned waren, sich zu prügeln.

In Südafrika gehört der gepflegte Joint genauso zur Fußballkultur wie die Vuvuzela, dauerhaftes Ausatmen unter Vollast erfordert nun mal zuvor kräftiges Inhalieren. Hanf ist in Südafrika zwar illegal, das stört dort aber wenige, denn die rassistischen Buren waren 1923 die treibende Kraft beim weltweiten Cannabisverbot: So gab es immer einen Vorwand, Schwarze zu diskriminieren, da die Völker in dieser Gegend Afrikas seit Menschengedenken Hanf rauchten. Die Vertreibung der Rassisten aus der Regierung wirkte dann auch wie eine Befreiung für Südafrikas Kiffer: Auf den Straßen von Durban, Kapstadt oder Johannsburg wird „Dagga“ halb-offen verkauft und gebaut. Geraucht wird, so lange kein Polizist zu sehen ist, vor allen Dingen in den ärmeren Vierten, offen. Cannabiskonsum ist so verbreitet wie der Konsum von Zigaretten, der Preis fürs Weed ist niedrig, die Qualität der Strassenware ob vieler Samen und Blätter meist auch. Trotzdem hat sich Südafrika auch zum Geheimtip von Hanfliebhaber/innen entwickelt, das bestätigt sogar eine Studie der israelischen Ben-Gurion-Universität des Negev in der weltweit ersten Studie über den Zusammenhang zwischen Drogenkonsum und Tourismus.

Ein Gramm Straßenweed kostet umgerechnet 30 Cent, wobei es sich um schlecht beschnittenes Gras mit Samen handelt, das an sich jedoch nicht von schlechter Qualität ist. Samenfreies, mit europäischen Standards vergleichbares Weed bekommt man nur über eine private Connection, die sich nach Aussagen vieler Hanf-Reisender jedoch nach ein paar Tagen Aufenthalt fast wie von selbst auftut, weil Cannabis so verbreitet ist wie in keinem europäischen Land.
Gutes Weed wie wir es von europäischen Growern kennen, kann bis zu sechs Euro kosten, ist aber bei einem seriösen Hanffachverkäufer meist für weniger (2-4 Euro/Gramm) zu haben.

Beliebte Reiseziele von Hanftouristen sind die Küstenregion von KwaZulu-Natal (von hier stammt das berühmte Durban Poison) oder auch Nachbarstaat Swaziland, das für „Swazi Gold“ bekannt ist. Ein guter Teil des Weeds des südafrikanischen Schwarzmarkts wird jedoch in Swaziland und Lesotho angebaut.

Was die wenigsten wissen: Die Stämme in der seit 1966 unabhängigen Enklave Lesotho, die von allen Seiten an Südafrika grenzt, bauen seit mindestens 600 Jahren Hanf an und nutzen diesen medizinisch und kulturell. Zwar war der Hanfanbau zu Endzeiten der britischen Krone bis 1966 verboten, eine der wichtigsten Forderungen der Unabhängigkeitsbewegung war neben der Bodenreform jedoch die Re-Legalisierung von Hanf. Blöd nur, dass die neue Regierung den Anbau nach der Unabhängigkeit vor 44 Jahren dann alsbald wieder tolerierte, jedoch „vergaß“, das durch ein entsprechendes Gesetz zu manifestieren. So haben die Lokals in Lesothos Bergen (das kleine Land besteht eigentlich ausnahmslos aus Bergen) jahrelang unbehelligt Hanf anbauen können, obwohl der Besitz von Gesetzes wegen immer noch verboten war. Als in den 1990er Jahren Lesothos Devisenknappheit aufgrund zu Hauf heimkehrender Bergleute, die zuvor in den Minen des großen Nachbarn gearbeitet hatten, bedrohlich für das ohnehin schon arme Volk wurde, wurde Hanf zum Exportschlager des von Krisen geschüttelten Kleinstaates. Das bringt zwar dringend benötigte Devisen ins Land, öffnet staatlicher Willkür jedoch Tür und Tor, da Armee und Polizei wie in allen armen Anbauländern fleißig mitverdienen.

Südafrika beschwert sich regelmäßig offiziell über Lesothos lasche Haltung gegenüber seinen Hanfbauern anstatt die Chance zu nutzen, den seit Jahrhunderten bestehendenden Status Quo zu re-legalisieren und den Konsum und Anbau ihrer Alltagsdroge für Südafrikaner/innnen zu entkriminalsieren.

Im Staat der Fußball-WM gehört Hanf zum Alltag, hier wird pro Kopf im Durchschnitt doppelt so viel Gras geraucht wie im Rest der Welt. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Bällen schießen.
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