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(K)Eine Pflanze ist illegal

Ist der Hanf erst ruiniert ... verkloppt sich's frei und ungeniert
Publiziert am: 06.06.10 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Kimo
„Keine Pflanze ist illegal“ - mit diesem Slogan warb ein bekannter deutscher Gartenbedarfshop jahrelang um seine Kunden. Der Gründer und Inhaber dieses Unternehmens war Hanf-Aktivist mit Leib und Seele, der Wunsch nach einer rationalen Hanfpolitik war einmal annährend so wichtig wie der Umsatz. Doch das ist seit Februar 2010 Geschichte.

Denn vor einigen Jahren sind zwei entscheidende Dinge geschehen: Der erwänhte Geschäftsgründer verstarb unerwartet und in Aachen startete die Staatsanwaltschaft die „Aktion Sativa“, in deren Verlauf viele Kunden eines speziellen Ladens gebusted wurden. Damals hatten diese beiden Fakten nichts miteinander zu tun, im Jahre 2010 haben sie durch die unglückliche Verkettung einiger Ereignisse dazu geführt, dass der einst aktivste Unterstützerladen der Hanfszene nichts mehr mit der Pflanze zu tun haben möchte. Nicht einmal mal politisch, theoretisch oder auch nur rein hypothetisch.

Wieso? Das Urteil gegen den zuvor erwähnten Aachener Growshop hat Anfang des Jahres unbegründete Panik verbreitet, die ganz und gar nicht angebracht ist. Growshops sind nach wie vor legal, nach wie vor dürfen deren Besitzer und Angestellte nicht zum Anbau von Cannabis beraten. Das ist jedoch nicht neu und wird auch von allen seriösen Growshops spätestens seit der „Aktion Sativa“ so gehandhabt.

Auch der Verkauf von Cannabisliteratur ist eindeutig legal. Einer der vor Gericht meistbeachteten Kommentare zum BtMG ist der „Körner-Kommentar“ des vor kurzem pensionierten bisherigen Oberstaatsanwaltes in Frankfurt, Hans Harald Körner.

Körner spricht bei einem „Growshop“ sogar explizit von einem Laden, der Anbauzubehör für Drogenpflanzen verkauft. Der Betrieb eines Growshops sei laut Körner (neueste, 6. Auflage) kein Verstoß gegen das BtMG, solange kein „Bezug zu einem bestimmten BtMG-Delikt“, also. einem „konkreten Anbau“ gegeben ist, sprich: Solange nicht konkret zum illegalen (Hanf-)Anbau beraten werde. Auch der Verkauf von Büchern, die den Anbau von Hanf oder Marihuana erläutern, sei demnach kein Problem.

In der Praxis ist der konsequente Verzicht auf Anbauberatung auch vollkommen ausreichend. Einfache Schritte wie die Erweiterung des Sortiments um Gartenbaubücher und Nutzpflanzensamen oder die „Entlinkung“ von Anbauforen sind manchmal ebenso nachvollziehbar und je nach lokaler Stimmungslage auch verständlich. Ein seriöser Growshop muss sich und seine Kunden schützen, indem er dafür sorgt, dass im Laden oder durch das Personal keine Straftaten stattfinden und so die Polizei keinen Vorwand hat, Kunden zu schädigen.

Weitreichendere Schritte sind vorauseilender Gehorsam, und genau das ist das Ziel aller Einschüchterungsversuche seitens derer, denen Growshops ein Dorn im Auge sind. Einmal ausgemusterte Bücher müssen später nicht mehr verbrannt werden.

Diese Untertanen Mentalität ist verantwortlich dafür, dass wir in Europa immer die Letzten sind, wenn es gilt, sich gegen offensichtliche Mißstände zu wehren. Kein Growshop muss auf einmal alle Hanfblätter entfernen, alles, was auch nur entfernt mit Hanf oder Kiffen zu tun hat, aus dem Sortiment nehmen oder gar aus dem DHV austreten.
„Beiße nicht die Hand, die dich füttert“. Das heißt in diesem Falle: „Hör nicht auf, für die legitimen Belange deiner Kunden zu kämpfen, nur weil sie illegal sind.“

Andere Grow-Läden in Köln wollten das Plakat des Hanftags nicht aufhängen, weil es zu „aggressiv“ sei. „Verstecken ist nicht mehr“, so das diesjährige Motto, zu aggressiv? An wen verkauft ihr denn eure Lampen und den Dünger? Klar, man muss sich an die Gesetze halten, nicht mehr, nicht weniger. Aber selbst in Bayern und Baden-Württemberg können Szeneläden, die sich an die Regeln halten, existieren und Growequipment sowie Paraphernalien verkaufen und nebenbei für eine gerechtere Hanfpolitik eintreten. Es gibt in Deutschland kein rechtskräftiges Urteil gegen einen Grow- oder Headshopbetreiber, der seine Kunden nicht direkt zum Hanfanbau beraten hätte. Und selbst da gibt es nur das eine Urteil, bei dem der betroffene Laden wirklich alle Growshopper-Regeln missachtet hatte, die möglich sind. Er hat direkt beraten, selbst (mit)angebaut, vercheckt und angeblich sogar Anlagen gegen Weed getauscht. Klar, dass der keinen Growshop mehr betreiben darf, weil er einfach Mist gebaut hat.

Der Autor dieses Artikels hat selbst jahrelange Erfahrung hinter der Growshoptheke und weiß aus eigener Erfahrung, dass die Vermeidung der Worte Hanf, Grasanbau, Weed usw. spätestens seit der „Aktion Sativa“ zum Handwerkszeug eines jeden Growshoppers gehören müssen. Rechtlich geschultes Personal ist besser als der Rundum-Schlag à la Frankreich: Weil es dort juristisch wirklich heikel ist, einen Growshop halbwegs offen zu betreiben, gibt es in Frankreich nur „Hydro-Shops“ ohne jedweden Bezug zur Hanfpflanze. Die französischen Growshopbetreiber würden sich über eine Rechtslage wie in Deutschland freuen und sofort ihre Konzepte anpassen und so arbeiten, wie die Growshops in den meisten EU-Ländern, darunter auch Deutschland. Wenn es aber alle so machen wie der einstmals aktive Unterstützerladen aus einer deutschen Hansestadt, der seine Wurzeln verleugnet, gibt es in zehn Jahren dann auch hier noch so genannte „Hydro-Shops“. Ohne dass ein Staatsanwalt oder Richter einen Finger krumm gemacht hat. Alle tun so, als ob sie zu Hause Gewürze anbauen und lügen sich grinsend gegenseitig in die Tasche, während die Legalisierungslobby um den DHV Insolvenz anmeldet und nach Kalifornien auswandert. Die Kleingärtner, die einfach mal Pech hatten, werden immer noch weggesperrt und der kommerzielle Anbau ist endgültig in der Hand organisierter Banden. Hydro-Shop Besitzer fahren dicke Karren, können sich ungestrecktes Weed für 30 €/Gramm leisten und im Laden ist nicht einmal mehr ein virtuelles Grasblatt zu sehen. Dafür ist es der Pharma-Industrie gelungen, alle Cannabinoide zu synthetisieren, verkehrsfähig zu machen und sie gewinnbringend zu verkaufen. Der Anbau einer Pflanze ist selbst für Cannabispatienten noch immer ausnahmslos verboten.

Schöne Aussichten.




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