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So war es: Global Marihuana March 2010

Der Global Marijuana March (MMM) findet (fast) zeitgleich in über 300 Städten weltweit statt. Am ersten und zweiten Wochende im Mai demonstrierten in über 300 Städten weltweit die Menschen für die Cannabislegalisierung!
Publiziert am: 06.06.10 - Medienformen: Medienform Text

Fotos v. links nach rechts. Hanftag, Berlin; GMM Prag; GMM Dniepropetrovsk; GMM Toronto (Foto:iveno.de )
Der Global Marijuana March (MMM) findet (fast) zeitgleich in über 300 Städten weltweit statt. Am ersten und zweiten Wochende im Mai demonstrierten nicht nur in Berlin und Frakfurt/M. zahlreiche Menschen friedlich für die Re-legalisierung von Hanf. Das Hanf Journal hatte in Berlin (D), Frankfurt/M (D), Prag (CZ), Kiev (UA), Dniepropetrovsk (UA) und Toronto (CA) Korrespondenten vor Ort.


Berlin, Hanftag. 8. Mai 2010:

„Verstecken ist nicht mehr“

Das Motto hat die Berliner Polizei wohl allzu wörtlich genommen und just genau zum Hanftag mal wieder ordentlich Präsenz gezeigt. Ab 13.00 Uhr versuchten viele Teilnehmer, sich zum Brandenburger Tor durchzuschlagen. Das war ob des geballten Polizeiaufgebots nicht einfach, die Beamte hatten den gesamten Platz abgeriegelt und filzten jede/n potentielle/n Teilnehmer/in sowie den ein oder anderen unbeteiligten Touristen, der nach „Kiffer“ aussah. Schön weit sichtbar, damit es sich alle auf dem Weg befindlichen Sympathisanten noch weit vor dem Pariser Platz anders überlegen sollten konnten. Der Einsatz der Ordnungshüter sorgte schon vor der eigentlichen Demo für den traurigen Höhepunkt des Tages. So hat es die Berliner Polizei wieder einmal geschafft, Menschen davon abzuhalten, friedlich für die Freigabe von Hanf zu demonstrieren, wie es offiziell heißt „zum Schutze des Veranstalters vor potentiell zu erwartenden Straftaten“. In Frankfurt /M. wurden die Hanfaktivisten gerade mal von zwei Polizeimotorrädern begleitet, während Berlin mehr Polizisten als Demonstranten aufbietet. Wie groß ist die Angst vor den eigenen Bürgern geworden, eine Demo, auf die wahrscheinlich nicht mehr als 1000 Menschen gekommen wären, unter einem fadenscheinigen Vorwand im Vorfeld auf 200 zu dezimieren?
Wer es dann unbehelligt durch die Filzkolonne geschafft hatte, konnte sein Wissen über den aktuellen Stand bundesdeutscher Hanf-Realität ab 14:30 durch Beiträge von Georg Wurth (Deutscher Hanfverband, DHV), Steffen Geyer (usualredant), Locke (Hanfparade), Rolf Ebbinghaus (Hanf Museum), den Jungen Liberalen sowie der Berliner Piratenpartei erweitern. Schon bevor der Demozug gegen 15:15 endlich loszog, waren dann kaum mehr Teilnehmer als Politzisten übrig, der Veranstalter geht von 200 Demonstranten aus. Vom Brandenburger Tor bewegte sich die diskriminierte Menge durch die Berliner Mitte lautstark zum „Yaam“, wo dann endlich ohne weitere Belästigungen und ohne weitere Vorkommnisse bis zum nächsten Morgen gefeiert werden konnte. Hier geht's zum exzessiv-Film über den Hanftag.

KIMO

Frankfurt, 8. Mai 2010:

„Bei 4000 habe ich aufgehört zu zählen“

Der GMM: Ein „cross-over“ der Legalizer aus verschiedenen Parteien und Organisationen. Frage: “Wie viele waren wir eigentlich?“ Antwort eines Teilnehmers: „Oh, bei 4000 habe ich aufgehört zu zählen!“

Verarscht! Es drückten sich zwar wirklich Tausende durch die Frankfurter Innenstadt, doch bei unserer Global Marijuana March Kundgebung fanden sich ungefähr 100 Interessierte ein.
Die Kundgebung stand unter dem Motto: „Prohibition tötet!“ und Redner von „Die Linke“ in Hessen (Ulrich Wilken), „Piraten“ (Jochen Löblein), „J.E.S.“ Frankfurt (Christian Holl) und Grüner Hilfe (Jo Biermanski) prangerten die momentanen Praxis in der Drogenpolitik in Deutschland und weltweit an. Der angekündigte Redner von der Grünen Jugend war leider in der Anti-Nazi-Demo hängengeblieben. Sie forderten eine Entkriminalisierung des Drogenkonsums, die Legalisierung von Cannabis und vor allem auch Drug-Checking. Die weitestgehende Forderung war die nach der Abschaffung des BtMGs!

Nach gut zwei Stunden spazierten wir dann zum Main. Angeführt von zwei grün-weißen Motorrädern ging es durch die Frankfurter Innenstadt – mal mehr, mal weniger laut.
Am Mainufer beendeten wir die Veranstaltung offiziell. Doch wir werden wiederkommen bis die Vernunft gesiegt hat!
Wir suchten uns ein schönes Fleckchen in der Sonne und ließen den Tag gebührend ausklingen.


Ingrid Wunn, Sprecherin der „Hai am Main“


Prag 8. Mai 2010:

GMM 2010 – Ein Tag der Freiheit

Bereits zum 13. Mal fand der von legalisace.cz veranstaltete GMM in der Hauptstadt der Tschechischen Republik statt. Die Teilnehmerzahl wächst im liberalen Tschechien von Jahr zu Jahr, waren es vergangenes Jahr noch 10.000 Teilnehmer, so demonstrierten am 8. Mai 2010 bereits 12.000 Menschen für die Gleichstellung von Hanf mit den legalen Drogen Tabak und Alkohol.

Laut der Veranstalter kamen nicht nur Menschen aus der Tschechischen Republik, der GMM in Prag hat sich zu einer internationalen Kulturveranstaltung entwickelt, die auch viele Menschen aus den Nachbarländern anzieht. (Anm. Der Redaktion: Waren wohl viel Bayern da ;-), is‘ ja auch näher und chilliger als der Hanftag in Berlin).
Überwältigt vom großen Zuspruch sagte Robert Veverka, Sprecher von Legalizace.cz: „Die Kundgebung und das anschließende Event im Parukářka Park fand nicht nur landesweit großen Zuspruch, vor allen Dingen bei der jüngerern Bevölkerung. Sie sind hierher gekommmen, um zu demonstrieren und Spaß dabei zu haben. Sie wollen zeigen, dass der Rückhalt in der Bevölkerung zunimmt und viele Menschen von der Idee der Legalisierung überzeugt sind. Eine Umfrage des Meinungsforschungs-Instituts „SANEP“ im Jahr 2009 hat gezeigt, dass sich fast 50 % der Bürger/Innen eine Legalisierung vorstellen können.“

Auf dem Gelände gab es drei Bühnen, auf denen zahlreiche Reggae-, HipHop- und Techno-Acts zu bewundern waren, es gab Hanfessen und -Getränke, Infostände und natürlich war unsere Schwesterzeitschrift „Konoptikum“ mit zahlreichen Helfern vor Ort. Die zahlreich ausliegenden Exemplare der GMM-Sonderausgabe sowie die Mai-Ausgabe waren schon nach kurzer Zeit vergriffen. Die Polizei war immer präsent, sah aber keinen Grund, den Ablauf der Veranstaltung zu behindern. Alles verlief friedlich. Der Pressesprecher der Prager Polizei, Andrea Zoulova, sagte: „Trotz der hohen Teilnehmerzahl verlief die Demonstration perfekt. Es gab keinerlei größere Zwischenfälle und wir mussten im Verlauf der Veranstaltung nicht eingreifen.“

Zum Abschluß der großen Party erinnerte Robert Veverka noch einmal daran, dass man kommendes Jahr auf jeden Fall wiederkommen werde, jedoch lieber um die Legalisierung zu feiern als für sie zu demonstrieren. Und so konnten die zahlreichen Teilnehmer/innnen den chilligen Tag in einem der zahlreiche Prager Clubs ausklingen lassen, die in der Nacht zum 9. Mai mit einer After-Party den GMM die ganze Nacht durchzelebriert haben.

Petr/ Übersetzung: KIMO

Kiev, 15. Mai 2010:

Freiheit in Ketten

Am Tag vor dem GMM wurde die Veranstaltung von den örtlichen Behörden verboten. Zehn Einsatzwagen der Spezialeinsatzkräfte standen am Versammlungsort mit offenen Türen bereit, um den potentiellen Teilnehmern zu zeigen, was sie erwartet. Am gleichen Tag feierte die Ukrainische Regierung den „Europa-Tag“, weshalb überall Touristen, Journalisten und offizielle Verteter aus den EU-Länder unterwegs in Kiev waren.

Die Polizei drohte den Organisatoren im Vorfeld des GMM, sie zu verhaften, sollten sie die geplante Demonstation trotz des Verbots veranstalten. Das veranlasste die Aktivsten zu der Entscheidung, eine radikale Form des passiven Widerstands zu wählen. 12 Aktivisten trafen sich vor dem Außenministerium, wo gerade die offiziellen EU-Feierlichkeiten stattfanden. Dort entfalteten sie ein Transparent mit der Aufschrift „Ist heute Europatag?“ und der Organisator des GMM und Chefredakteur der „Konopravda“, Taras Ratushnyy, kettete sich symbolträchtig an den Zaun des Gebäudes.

„Wir haben keine andere Möglichkeit als diese, unsere (Meinungs)-Freiheit in diesem Land zu bewahren, die Menschen zu schützen, die unsere Forderungen unterstützen,“ sagte der ukrainische Hanf-Aktivist. Während seine Mitstreiter mit den Medienvertetern vor Ort sprachen und ihre Forderungen erläuterten, kamen annährend 200 GMM Teilnehmer dazu.
Taras und die anderen Teilnehmer fordern, das Thema Drogenpolitik und den Krieg, den die Drogen zum Thema einer Parlamentssitzung zu machen, die Polizeiwillkür und deren Involvierung beim Drogenhandel aufzudecken sowie eine Generalamnestie für Hanfkonsumenten, die zur Zeit eine Gefängnisstrafe verbüßen.

„Der GMM in Kiev ist verlegt, um Provokationen (seitens der Polizei) zu vermeiden und um die Möglichkeit zu wahren, gegen das Verbot vorzugehen.“ lautete die offizielle Stellungnahme der Veranstalter. Die Polizei stand die ganze Zeit über passiv dabei, die Anwesenheit der Journalisten hinderte sie jedoch offensichtlich daran, Verhaftungen vorzunehmen. Die Beamte trafen nichtsdestotrotz Vorbereitungen, die festgekettete Person nach dem Abzug der Pressevertreter festzunehmen, Spezialwerkzeug und eine Motorsäge standen schon bereit. Nach 90 Minuten begann sich die Versammlung aufzulösen, ohne dass jemand festgenommen worden war. Als die letzte Gruppe den Ort sicher verlassen hatte, öffnete der festgekettete Aktivist unvermittelt die Vorhängeschlösser und entzog sich dem Zugriff, indem er blitzartig auf dem Rücksitz eines Motorrads verschwand. An diesem Tag wurde niemand festgenommen und alle Teilnehmer erhielten Asyl auf dem Gelände eines 500 Meter entfernt stattfindenden Reggae-Festivals.

T.Rat

Dniepropetrovsk, 22.Mai:

Straßentheater gegen Nazis

In Dniepropetrovsk sind die Behörden ein wenig liberaler, hier kann nur ein Richterspruch eine friedliche Demonstration verhindern. So wurde der MMM auch für den 22. Mai angemeldet und genehmigt. Ist eine Demonstation von offizieller Seite trotzdem nicht erwünscht, so wird der Versammlungsort einfach ein paar Stunden vorher für eine Gegenkundgebung vergeben. Dann kann auch die Polizei die eigentliche Demo kurzerhand verbieten, um die Sicherheit zu gewährleisten. In den vergangenen Jahren haben ukrainische Nazis mit der Forderung „für ein gesundes Leben“ die Durchführung des GMM mit der zuvor beschriebenen Taktik immer wieder erfolgreich verhindert.

In diesem Jahr gab es dann aber sehr früh morgens eine Gegen-Gegen-Demo. Ein „Straßentheater gegen Nazis“ verteilte Blumen an die Passanten, verwickelte Anwesende ins Gespräch und suchte den Dialog mit allen Seiten. Die Nazis waren offensichtlich überrumpelt ob so viel Freundlichkeit und die anwesenden GMM-Aktivisten konnten auch ihr Anliegen so erfolgreich vertreten. Keine Schlägerei, keine Festnahmen.
Gegen Ende flammte die ukrainische Variante der freien Berichtstattung dann doch noch einmal kurz auf: Ein anwesender Journalist, der ein Foto vom aggressiven, pöbelden Nazimob machen wollte, wurde verprügelt und seine Kamera wurde gestohlen, ohne dass die Polizei eingeschritten wäre.

T.Rat

Toronto, 1. Mai 2010:

Über 20.000 Menschen fordern das Ende der Prohibition

Das wohl fetteste Event weltweit fand in Toronto statt.
Über 20.000 Menschen kamen im Queen‘s Park zusammen, auch um sich mit ihrem Landsmann Marc Emery solidarisch zu zeigen, der im Mai wegen US-Samenhandels an die USA ausgeliefert wurde. Auch in Toronto war die Stimmung friedlich, das Teilnehmerspektrum spiegelte, ein wenig anders als bei den meisten Demonstrationen in Europa, alle Schichten und Altersklassen der kanadischen Gesellschaft wider. Pot ist dort schon „mainstream“, also gesellschaftsfähig.
Die Polizei denkt auch hier nicht entfernt daran einzugreifen, und so verlief auch die größte Kundgebung im Rahmen des GMM friedlich und ohne Zwischenfälle ab. Was im Gegensatz zu Europa auch auffällt, ist die Unterstütung, die die kanadische Hanfszene durch zahlreiche Sponsoren erfährt.
Gerade hier zeigt sich, dass die Legalisierung nur mir breiter Unterstützung der Growing-Industrie eine Chance hat, als Thema von Bevölkerung und Medien ernst genommen zu werden (lest hierzu auch den Kommentar von KIMO ).


Iven Simonetti

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