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Das wird teuer

Cannabis als Medizin in Deutschland:
Wer profitiert vom aktuellen Modell?
Publiziert am: 05.07.10 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Michael Knodt
Wer wäre der wirkliche Verlierer, wenn Deutschland die Behandlung mit medizinischem Cannabis ohne großen bürokratischen Aufwand, ähnlich wie in Spanien, den USA, Tschechien oder Kanada, zuließe? Jugendliche, die dauerbekifft mit einem gefaketen Rezept auf der Strasse gammeln? All die Cannabis-Gefährdeten, die dann einen gesellschaftlichen und sozialen Komplettabsturz erleiden würden?

Wohl kaum, die wahren Verlierer hießen Avensis, Novartis, Hexal, Bayer oder Astra-Zeneca, um nur einige zu nennen. Der Plan der Pharma-Riesen, die vielen nützlichen Cannabinoide zuerst zu synthetisieren und dann zu verkaufen, nimmt konkrete Formen an, während die beauftragten Lobbyisten im Bundestag die Zulassung und Kostenübernahme von pflanzlichem Cannabis so lange zu verhindern wissen, bis man mit künstlich hergestellten Cannabinoiden genauso viel Geld verdienen kann wie mit herkömmlichen Arzneimitteln. Trotz positiver Beispiele aus den erwähnten Ländern besteht die Bundesregierung auf eigene Studien zu Cannabinoiden, lässt aber gleichzeitig keinerlei Pilotprojekte oder Forschung mit natürlichem Cannabis zu. Selbst anerkannte Patienten erhalten nicht einfach ein Rezept, sie erhalten lediglich eine Ausnahmegenehmigung, müssen ihr Medikament selbst bezahlen und machen sich strafbar, wenn sie genau die gleiche Pflanze, die es getrocknet für sie in der Apotheke gibt, auf der Fensterbank selbst anpflanzen. Kurzum: Es ist mehr als offensichtlich, dass es den Patienten so schwer gemacht werden soll wie nur irgendwie möglich.

Kürzlich hat die BARMER-Ersatzkasse eine Liste mit den zehn teuersten Medikamenten in Deutschland veröffentlicht. Fünf dieser Medikamente lindern die Symptome bei MS, zwei helfen gegen Rheuma, eins gegen Asthma, eins gegen Krebs und eines gegen Magenleiden.

Gerade bei MS sind alle Medikamente Symptomlinderer, bekämpfen also nicht die Ursache der Krankheit. Auch bei Rheuma, Krebs und Asthma gibt es zahlreiche Studien, die Cannabis eine heilende oder lindernde Wirkung zuschreiben. Das teuerste Medikament von allen, Humira, wird neben der Rheumabehandlung auch zur Behandlung von Morbus Crohn eingesetzt, bei dieser entzündlichen, chronischen Darmerkrankung gibt es ebenfalls seit Jahren anerkannte Cannabis-Patienten in Deutschland. In anderen Ländern ist Morbus Crohn als Indikation für Cannabis- Medizin ebenso anerkannt. Sicherlich wären nicht all diese High-Tech Medikamente einfach mal schnell durch Cannabis zu ersetzen, aber gerade bei denen, die lediglich die Symptome der betreffenden Krankheit lindern, könnten pflanzliche Cannabinoide eine kostengünstige Alternative darstellen, wie viele Patienten in anderen Ländern beweisen. Und zwar ab sofort und vor allen Dingen kostengünstig und effektiv.
Momentan wird in Deutschland vorsätzlich verhindert, dass auf diesem Gebiet überhaupt geforscht wird. Ein Unternehmen wie Bionorica, Deutschlands größter Phyto-Arzneimittelproduzent, verlagert seine Forschung mit pflanzlichen Cannabinoiden nach Österreich, weil die Behörden dort, anders als in Deutschland, gerne kooperieren. Gerade bei MS gibt es unzählige Beispiele aus Kanada oder den USA, bei denen pflanzliches Cannabis die Symptome soweit lindert, dass teure Medikamente überflüssig werden.
Das Hauptargument, pflanzliches Cannabis entspreche nicht Arzneimittelstandards, widerlegen die Regierungen von Kanada und den Niederlanden eindrucksvoll: In beiden Ländern gibt es ein medizinisches Cannabis-Programm, bei dem der Staat den Auftrag zur Zucht von Cannabis mit immer gleich bleibenden Wirkstoffgehalt und Eigenschaften in Auftrag gegeben hat. Dieses Modell funktioniert erfolgreich, in den Niederlanden produziert die Firma Bedrocan seit Jahren drei Sorten Cannabis für Apotheken, das medizinischen Standards entspricht.

Während die Lobbyisten der Pharmaindustrie weiterhin still und leise in den entsprechenden Ausschüssen daran arbeiten, die Verfügbarkeit von pflanzlichem, medizinischem Cannabis aus Gründen zukünftiger Profite zu verhindern, schieben sie den Schwarzen Peter in öffentlichkeitswirksamen Fällen wie dem von Ute Köhler dem Gesetzgeber zu: Sie argumentieren, sowohl dem in Frankfurt künstlich hergestellten Dronabinol als auch den importierten Cannabisblüten aus niederländischen Apotheken verweigere die Bundesregierung seit Jahren die Zulassung als Medikament und somit auch die Möglichkeit einer Kostenübernahme. Und für Ausnahmegenehmigungen zahlt der Patient.

Dabei ist es genau diese Haltung, zu der die Bundesregierungen seit Schröder von der allmächtigen Pharma-Lobby gedrängt werden. Das konnte jede/r interessierte BürgerIn bei einer öffentlichen Sitzung im Gesundheitsausschuss im Jahre 2008 beobachten. Dort war im Prinzip der Konsens zwischen Kassen und Industrie schon beschlossen, die Alternative von pflanzlichen Cannabis als Medizin wurde nur noch am Rande erwähnt. Bei der Verwendung von Cannabis als Medizin wird es in Deutschland, geht es nach dem Willen der Kassen und Arzneimittelhersteller, zukünftig nur noch um künstliche Cannabinoide gehen. Das derzeit einzig zur Verfügung stehende synthetische Cannabis-Medikament, Dronabinol, ist ungefähr sechs mal so teuer wie die pflanzliche Alternative.

Da weiß man jetzt schon, wo die Reise hingehen soll. Sind erst einmal ausreichend synthetisierte Cannabinoide auf dem Markt, werden die Kosten auch von den Kassen übernommen. So bleiben die Profite bei denen, die seit jeher am Verbot von Cannabis in der Medizin verdient haben und noch immer verdienen.

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