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Die Wechselwirkungen von Cannabis mit Aspirin: Eine Frage an die Leser

Franjo Grotenhermen ist Vorstand und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin
Publiziert am: 02.08.10 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Franjo Grotenhermen
Cannabis und THC wurden und werden in Kombination mit einer Vielzahl von Medikamenten eingesetzt, ohne dass bisher starke unerwünschte Wechselwirkungen bekannt geworden sind. Klinische Studien zu Anfang des 20. Jahrhunderts und auch aus den vergangenen Jahren ergaben häufig eine wünschenswerte gegenseitige Verstärkung therapeutischer Wirkungen von Cannabiszubereitungen mit anderen Medikamenten. Daher könnte eine Kombination von Cannabis bzw. THC mit anderen Medikamenten bei vielen Erkrankungen bzw. Symptomen sinnvoll sein.

Eine Anzahl von verstärkenden Wirkungen kann erwünscht sein, wie beispielsweise die Steigerung des schmerzlindernden Effektes der Opiate oder der brechreizhemmenden Wirkungen von Phenothiazinen. Auch die Wirkungen von Medikamenten, die zur Muskelentspannung verwendet werden oder den Augeninnendruck senken, können verstärkt werden. Es können auch Effekte verstärkt werden, die eventuell die Nebenwirkungen vergrößern. So kann eine gleichzeitige Einnahme mit Amphetaminen oder trizyklischen Antidepressiva die Steigerung der Herzfrequenz fördern oder die gemeinsame Einnahme von Benzodiazepinen (z. B. Diazepam) oder anderen Beruhigungsmitteln zusammen mit THC die sedierenden (schlaffördernden) Effekte gegenseitig verstärken.

Bestimmte Medikamente können auch verschiedene Wirkungen von Cannabis abschwächen, und es ist möglich, dass Cannabis Wirkungen bestimmter Medikamente reduziert. So ist es bekannt, dass Betablocker die durch THC verursachte Steigerung der Herzfrequenz vermindern. Oder es gibt Hinweise, dass THC möglicherweise die antipsychotischen Wirkungen von Neuroleptika bei der Therapie der Schizophrenie abschwächt.

Es gibt eine Gruppe von Medikamenten, zu denen es widersprüchliche Studienergebnisse zu Wechselwirkungen mit Cannabisprodukten gibt. Das sind die so genannten nichtsteroidalen Entzündungshemmer (nichtsteroidale Antiphlogistika), zu denen beispielsweise Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin), Diclofenac, Ketorolac, Acetaminophen oder Indomethacin zählen. Diese Substanzen werden vor allem bei leichten Schmerzen oder Entzündungen verwendet.

Es gibt Hinweise, nach denen nichtsteroidale Entzündungshemmer die schmerzlindernden Wirkungen, die psychischen Effekte und die Steigerung der Herzfrequenz durch THC abschwächen können. Eine tierexperimentelle Studie der medizinischen Fakultät der Universität von Virginia aus dem Jahr 2002 zeigte, dass die Wirksamkeit und Stärke nichtsteroidaler Entzündungshemmer durch die chronische Einnahme von THC abgeschwächt wurde. Die Wissenschaftler hatten verschiedene nichtsteroidale Antiphlogistika (Aspirin, Indomethacin, Ketorolac, Acetaminophen) in Kombination mit dem Cannabinoid ausprobiert.

Andererseits gibt es auch Hinweise, nach denen sich Cannabinoide und nichtsteroidale Entzündungshemmer gegenseitig bei der Schmerzhemmung ergänzen könnten. So berichtete beispielsweise eine Gruppe von Wissenschaftlern aus der Türkei im Jahr 2006 von Experimenten mit Mäusen, nach denen der Entzündungshemmer Ketorolac und ein synthetisches Cannabinoid (WIN) sich gegenseitig hinsichtlich ihrer Schmerzlinderung verstärkten. Sie schlossen daraus, dass „die Kombination von Cannabinoiden und nichtsteroidalen Antiphlogistika einen Nutzen bei der Pharmakotherapie haben könnte“. Eine Arbeitsgruppe der Universität von Modena (Italien) kam in diesem Jahr zu einem ähnlichen Ergebnis bei Versuchen mit Ratten. Sie setzten das synthetische Cannabinoid HU210 und Acetylsalicylsäure (ASS) entweder allein oder in einer Kombination in verschiedenen Dosen ein. Dabei steigerte eine inaktive Dosis des Cannabinoids die schmerzlindernden Wirkungen einer allein nicht wirksamen Dosis ASS. Sie folgerten daraus, dass „Kombinationen niedriger Dosen von Cannabinoiden und nichtsteroidaler Antiphlogistika aus therapeutischer Sicht von Interesse sein könnten“.

Aus diesen widersprüchlichen Ergebnissen ergeben sich Fragen an die Leser des Hanf Journals:
Wenn Sie regelmäßig Cannabis konsumieren, wie wirkt sich die gelegentliche Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) oder Indomethacin bzw. anderer nichtsteroidaler Antiphlogistika aus? Auf den Schmerz oder die Entzündung? Auf die Wirkungen von Cannabis, auf die psychischen Wirkungen oder die Herzfrequenz?

Wenn Sie regelmäßig nichtsteroidale Entzündungshemmer, wie zum Beispiel Diclofenac, Indomethacin oder ASS (Aspirin), einnehmen, wie wirkt sich die gelegentliche Verwendung von Cannabis aus?
Ich bin an Ihren Erfahrungen interessiert. Bitte schicken Sie eine E-Mail mit einem kurzen Erfahrungsbericht an: franjo.grotenhermen@nova-institut.de . Alles wird vertraulich behandelt. Vielen Dank!
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