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Rolys Silberscheiben des Monats November 2010
Publiziert am: 05.11.10 - Medienformen: Medienform Text

Various: Selected Label Works 2
(permanent vacation)


Das von Tom Bioly und Benjamin Fröhlich im Jahre 2006 gegründete Label hat mir in den letzten Jahren viel Freude bereitet. Ihre Musik steht vom Grundgedanken fest auf einem Disco- und Cosmic-Fundament, doch in den letzten zwei Jahren sind die beiden neue Wege gegangen und haben ihr Portfolio variiert. Vor allem die Alben von Kathy Diamond und Sally Saphiro fand ich sehr heiss, während Antenas Kult-Album „Camino Del Sol“ und die „Mandarinenträume“ mit alten Perlen aus dem ostdeutschen AMIGA-Archiv für mich historisch ziemlich aufschlussreich waren. In einem Zeppelin hoch über den Münchner Wolken wird nun der vierjährige Geburtstag und die 50. Veröffentlichung mit der zweiten Ausgabe der „Selected Label Works“ gefeiert.
Auf zwei CDs bzw. 22 bisher nur auf Vinyl erhältlichen Highlights des letzten Jahres wird Disco in all seinen neuen Spielarten wieder dahin zurückgeholt, wo Giorgio Moroder vor über 30 Jahren mit seiner Munich Machine und Donna Summer den Sound der Clubs massgeblich prägte. Irgendwo zwischen Power Pop, Italo House und anderen Disco-Hybriden sind besonders „Need Your Loving“ und „Coma Cat“ (Tensnake), „Reckless (With Your Love)“ (Azari & III), „Delta NRG“ (Lauer), „Come To Die“ (DMX Krew), „Miracle“ und „My Fantasy“ (Sally Saphiro / Bogdan Irkük + Bottin Remix) sowie „I Need You Tonight” (Moonoton feat Olga Ponomaryova), „Serenity“ (Lexx) und „L-O-V-E“ (Boom Clap Bachelors), hervorzuheben, die fantastische Vibes mit sich bringen. Gratulation und weiterhin einen groovigen Urlaub!
www.myspace.com/permanentvacationrecords
www.perm-vac.com




Gilles Peterson presents: Worldwide – A celebration of his syndicated radio show
(bbe music)


Sein Name ist mit der Radioshow „Worldwide“ untrennbar verbunden. Doch Gilles Peterson sollte Kennern und Liebhabern von Funk, Soul, Jazz, Fusion und anderen Sounds ohnehin ein Begriff sein, die nicht sein Wirken über den Äther verfolgen. Mitte der 1980er Jahre prägte er den Terminus „Acid Jazz“ für einen Musikstil, der stark vom Jazz und Funk der 1970er Jahre beeinflusst war, und gründete 1988 zusammen mit Eddie Piller das gleichnamige Label. 1990 verliess er Acid Jazz und rief das Label Talkin’ Loud ins Leben, das mit Künstlern wie Courtney Pine, MJ Cole, The Young Disciples, Reprazent, 4Hero, Incognito, Terry Callier und Galliano für Furore sorgte. Seit seine Sendung „Worldwide“ 1998 auf BBC Radio 1 startete, beweist er immer wieder sein unglaubliches Talent für Neuentdeckungen und macht diese seinen Hörern rund um den Globus schmackhaft wie kein anderer.
Mit der nun vorliegenden Compilation erweist BBE einer bahnbrechenden Radioshow, ihrer vielfältigen Musik und einer einzigartigen Persönlichkeit die Ehre. Der Fokus liegt dabei auf einer ganz besonderen Auswahl von zeitlosen Perlen, die bei „Worldwide“ zum ersten Mal liefen. Von Nitin Sawhney, Cinematic Orchestra feat. Roots Manuva, Q-Tip, Erykah Badu und Jill Scott über Herbert, Amy Winehouse, M.I.A., Vikter Duplaix und Sa-Ra bis zu Steve Spacek, Amerie, Sebastien Tellier, Little Dragon und Darkstar gibt’s hier eine sehr sympathische Weltreise für DJs, Radiofans und Musikliebhaber. Und wer mehr Hip Hop braucht, checkt mal bitte die Pugs Atomz und ihr neues Album „The Decade“. Fein!
www.myspace.com/gillespeterson
www.gillespetersonworldwide.com




High Tone: Out Back
(jarring effects)


Setzt man sich intensiv mit Elektro-Dub auseinander, kommt man früher oder später nicht an High Tone vorbei. Seit über zehn Jahren erobern die fünf Franzosen jede Stadt und jeden Club im Sturm. Die kreativen Alchemiker aus Lyon transzendieren exotische Ethno-Samples mit Industrial-Sounds, Hip Hop und Trip Hop Elementen zu einem erstklassigen Novo-Dub zwischen Vintage-Tradition und moderner Elektro-Atmosphäre.
Nachdem ihnen ihr letztes Album „Underground Wobble“ im Treibwasser der Dubstep-Bewegung auch international noch mehr Gehör verschafft hat, wirbeln High Tone auch auf ihrem neuen Doppelalbum „Out Back“ wieder allerlei Zutaten wild durcheinander. Mit tief im Raum versteckten Drums, pulsierenden Basslines, mystischen Melodien und verspielten Sampling-Methoden wird auf 16 Tracks ein faszinierender Klangteppich ausgebreitet. Nach dem orientalischen Dubstep-Brummer „Spank” stampft das flirrende „Dirty Urban Beat“ nach vorne und „Dub Wha“ preist die Offbeats. Der New Yorker MC Oddateee rappt auf „Liqor“, Pupa Jim präsentiert ein klassisches „Rub-A-Dub Anthem”, während die KRS-One-Hommage „Boogie Dub Production“ mit Synthies und gescratchten Vocalsamples arrangiert wurde. Die zweite CD gibt in einer eher filmischen Atmosphäre den akustischen Instrumenten mehr Raum, ihre bildreiche Klangtextur zu entwickeln. Gefüllt mit bassgewaltiger Energie, düsterem Ideenreichtum und einer kontrastreichen Dramaturgie gleicht „Out Back“ einem bizarren Abenteuerspielplatz ohne Kindersicherung. Schön dynamisch!
www.hightone.org
www.jarringeffects.net




Aloe Blacc: Good Things
(stones throw)


Der Soul ist zurück in der schwarzen Musik Amerikas. So tritt mit Aloe Blacc, als MC von der Gruppe Emanon seit 1995 bereits bekannt, der nächste Stones Throw Künstler auf den Plan, um die alte Musik mit Leben zu füllen. Als Solo-Künstler hat er sich dem Gesang hingegeben und veröffentlicht nun mit „Good Things“ sein zweites Soloalbum. Die von Armut und Sucht erzählende Soul-Nummer „I Need A Dollar“ mit Staccato-Klavier und smoothen Bläsersätzen wurde als Titelmusik zur Fernsehserie „How To Make It In America“ des amerikanischen Pay-TV Senders HBO verwendet und schaffte es bereits zwei Wochen vor Veröffentlichung in die Top 100 Airplay-Charts.
Waren es beim Vorgänger „Shine Trough“ (2006) noch die Latino-Eckpfeiler, auf denen das Soundgerüst getragen wurde, so bewegt sich Aloe Blacc diesmal vermehrt in der klassischen Soul-Ecke. Inhaltlich dreht sich die neue Platte um Themen wie Arbeits- und Obdachlosigkeit, Plünderungen und wirtschaftliches Ungleichgewicht. Blacc selbst sagt dazu: „Für mich hat Musik die Aufgabe unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft zu verbessern.“ Im Herzen bezeichnet sich Blacc als ein „musikalischer Robin Hood“ im Zeitalter der Wirtschaftrezession. Gekonnt verbindet er auf „Good Things“ die Wärme von Bill Withers Stimme mit dem politischen Bewusstsein Marvin Gayes, covert Velvet Underground („Femme Fatale“) und zitiert Gil Scott-Herons Spruch „The revolution will not be televised“. Mit seiner eindrucksvollen Stimme und den eingespielten Instrumenten vermittelt er das Soulgefühl der frühen 70er Jahre. Good Things.
www.myspace.com/aloeblaccmusic
www.aloeblacc.com




Blumio: Tokio Bordell
(japsensoul)


Irokesenschnitt, verrückte Videos und witzige Texte – spätestens seit seinem ersten Solo-Longplayer „Yellow Album” im Juni 2009 mischt der Düsseldorfer Rapper die deutsche Rapszene kräftig auf. Und nach seinem vorbildlichen Song „Hey Mr. Nazi“ geht’s im „Tokio Bordell“ fröhlich weiter. Schon das Cover, auf dem Blumio als rockende Geisha ironisch mit den Geschlechterrollen jongliert, verspricht einiges. Zusammen mit Hausproduzent Don Tone und ab und zu begleitet von Jessica Jean trifft er auf 20 Songs genau den Zeitgeist.
In „Eberhard“ erklärt er Heranwachsenden den richtigen Umgang mit dem World Wide Web. „Wag es nicht, eine Lady eine Schlampe zu nennen, wag es nicht, meinen Bauch eine Wampe zu nennen“ heisst im nächsten Song (die Flöte kenn’ ich doch). „Grenzenlos“ beschreibt das Schlafen im Tourbus und Gedankenmachen während der Fahrt sowie das Kribbeln vor dem Aufritt. Offenherzig ist er „Für immer Mamas Liebling“, beschäftigt sich mit Hasskommentaren auf Youtube („Ich bin doch gar kein Hurensohn“) und quatscht über „Die Fliege“, bevor „Der ehrlichste Song der Welt“ eine tiefe Sinnkrise schildert. Zwischen zwei alberne Skits setzt er das schaurige „Hab keine Angst“ und erläutert dann in „Die Welt ist schwul“, was passieren würde, wenn die Heterosexuellen in der Minderheit wären. Super sind auch das paranoide „Blockbuster“, wenn er vom fehlenden Vertrauen gegenüber der eigenen Freundin spricht, der spassige Bouncer „So geht Hip Hop heute“ und die drei Bonus-Tracks. Japsensouls funky Freigeist zeigt allen Gangster-Rappern, dass ihre Zeit langsam aber sicher abläuft. Nieder mit sinnlosen Phrasen mit Kindergartenflow und Pitbull-Attitüde, zurück zum Rap mit intelligentem Wortwitz und originellen Storytelling. Hier wird ein verloren geglaubtes Spektrum aus der goldenen Deutschrap-Ära wieder aufgerissen. Prima, dieses Freudenhaus!
www.myspace.com/blumio
www.blumio.net


Roly
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