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Die Sportzigarette danach

Jährlich werden unzählige Sportlerkarrieren vorzeitig beendet, und das wegen angeblichen Dopings mit Tetrahydrocannabinol. Die Richtlinien der internationalen Sportverbände sind eindeutig: Cannabiskonsum hat im Sport keinen Platz – und dazu zählt auch der Après-Joint nach der Turnstunde.
Publiziert am: 01.11.10 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Sadhu van Hemp
Welcher Sportfreund kennt es nicht, das Bierchen danach? Für viele Turnbrüder und Turnschwestern ist die dritte Halbzeit die schönste, wenn man im Schweiße seines Angesichts und von körpereigenen Endorphinen durchflutet im Kreise seiner Mannschaftskollegen sitzt und die Seele baumeln lässt. In vielen deutschen Fußballteams ist nicht der der wichtigste Mann, der die Tore schießt, sondern der, der den Bierkasten trägt. Bei den Bayern aus München ist es sogar gute alte Tradition, mit Gerstensaft zu duschen.
Nun würde kein Sportverband der Welt auf die Idee kommen, das Genussmittel Bier auf die Dopingliste zu setzen und die Konsumenten als unsportliche Betrüger zu ächten, obwohl das Betäubungsmittel Alkohol erwiesenermaßen im Wettkampf eingesetzt zu Schwankungen in der Leistung, Motivation und Konzentration führt. Insbesondere Sonntag morgens auf deutschen Fußballplätzen um die Ecke wird dieses Phänomen sichtbar, wenn sich restalkoholisierte Freizeitkicker ohne Sinn und Verstand gegenseitig in die Knochen treten, und das vor den blutunterlaufenen Augen des Schiedsrichters, der es noch gerade so vom Tresen in den Mittelkreis des Schlackeplatzes geschafft hat.
Ganz anders verhält es sich jedoch, wenn der Sportler nach dem Training ein bisschen Cannabis oder Haschisch inhaliert, um zur Ruhe zu kommen. Im Amateur- und Profibereich unserer Sportvereine gilt nämlich der Grundsatz des absoluten Cannabis-Verbots, das das Deutsche Sportgericht in unzähligen Schuldsprüchen in Stein gemeißelt hat: „Spieler unter THC-Einfluss erleben eine Distanz zur aktuellen Spielsituation, sind risikobereiter und können daher für Mitspieler eine erhöhte potenzielle Verletzungsgefahr darstellen.“
Diese Argumentation offenbart den geistigen Kleinwuchs der Sportfunktionäre, die mal eben die Wirkung des Alkohols dem Hanf andichten und mit dieser Lüge schamlos zu Felde ziehen. Dass die Sportverbände dabei gegen das vom Bundesverfassungsgericht 1994 bestätigte Recht auf Rausch hinsichtlich des Cannabisgenusses verstoßen, wird völlig ausgeblendet – offensichtlich sind im Anti-Doping-Krieg Kollateralschäden zulässig, wenn es um den Endsieg geht. Dass es bis heute kein Athlet gewagt hat, sein Grundrecht auf Rausch einzuklagen, zeigt, dass Angst vor Repressionen die Seele auffrisst, auch die der kiffenden Sportskanone. Die Spritköppe der großen deutschen Sportverbände stoßen auf keinen nennenswerten Widerstand, was das THC-Verbot betrifft, und der unselige Slogan „KEINE MACHT DEN DROGEN“ ist nach wie vor die Parole, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche frühzeitig auf den Konsum einer der härtesten Drogen der Welt zu trainieren – den Alkohol. Diese kleine Freizeit-Ethik der Sportfunktionäre ist dann auch die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit, besonders im Juniorenbereich, wo ein Joint genügt, um sich die Karriere im Leistungssport zu verbauen. Statt jungen Erwachsenen, die wie alle in diesem Alter noch auf der Suche sind, einen lebensnahen und offenen Hort zu bieten, vergrault man die Talente, schneidet ihnen wegen Missachtung des Grundsatzes „Saufen ja – Kiffen nein!“ die Ehre ab.

Die NBA-Korbjäger lachen hingegen über die Dopingrichtlinien des Deutschen Sportbundes, denn wie die New York Times zu berichten weiß, rauchen 70% der Basketballprofis regelmäßig Pot – und die Sportfunktionäre gucken weg, schließlich sind die hochbezahlten Ballkünstler das lebende Kapital der Clubeigentümer. Da hat es keinen Schnüffler der World Anti-Doping Agency (WADA) zu interessieren, ob die Kunst stoned ausgeübt wird oder nicht. Dem Publikum ist es sowieso schnurz, Hauptsache schnelle Dribblings, scharfe No-Look-Pässe und präzise Dreierwürfe sorgen für Kurzweil. Die ewige Bestenliste der kiffenden Riesen führt große Namen auf, darunter lebende Legenden wie Charles Barkley, Dennis Rodman oder Damon Stoudamire, die längst keinen Hehl mehr daraus machen, dass Hanf als homöopathisches Hausmittelchen gegen den Stress der Liga mit über 82 Spielen bestens geeignet ist.
Der Umgang mit kiffenden Sportlern ist aber auch in den USA verlogen und treibt so manche Blüte. Zum Beispiel die des Forward der Chicago Bulls Joakim Noah. Das Söhnchen des einstigen French-Open-Siegers und heutigen Popsängers Yannik Noah wurde 2008 während der Off-Season nach einer durchzechten Nacht in Florida von einer Polizeistreife aufgegriffen, nachdem man ihn mit einer Plastikflasche angetroffen hatte, in der eine gold-gelbe Flüssigkeit glänzte. Nein, er trug nicht seine Notdurft mit sich herum, auch nicht öffentliches Kiffen wurde dem Zwei-Meter-Hünen zum Verhängnis, sondern der niedliche Umstand, dass das Durststillen in der Öffentlichkeit mit Cognac verboten ist. Auf dem Revier fand sich dann aber noch eine Marihuana-Zigarette an, die der Strafanzeige wegen öffentlichen Komasaufens die nötige Brisanz verlieh und dem sportiven Dreadlock-Träger eine Nacht hinter Gittern und eine Schlagzeile im amerikanischen Blätterwald einbrachte. Der Manager der Chicago Bulls brachte es schließlich auf den Punkt: „Hätte er mal den Hennessy weggelassen.“ Die Strafe betrug satte 406 Dollar, die der NBA-Superstar wohl aus der Tagesportokasse bezahlt hat, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Haschbruder der Bulls gerade einen Fünf-Jahres-Vertrag über 60 Millionen Dollar abgeschlossen hat.

Auch in Deutschland fliegen regelmäßig THC-gedopte Basketballer von Korb zu Korb, gerade so als wäre diese Leibesübung extra für Kiffer erfunden worden. Kaum hat die BBL-Saison begonnen, kann man die Uhr danach stellen, bis der erste Dribbelkünstler den Doping-Kontrolleuren ins Netz geht. Auch die deutsche Rangliste ertappter Korbballer hat Rang und Namen: Vorneweg Heiko Schaffartzik. Der aktuelle Guard der Nationalmannschaft wurde 2005 des THC-Dopings überführt, genauso wie Nate Fox, der 2008 erwischt wurde und für den Sponsor seines Clubs, die Pharmabude Bayer-Schering, schlechte, sehr schlechte Reklame machte. Selbst in der 2. Basketballbundesliga finden sich Spieler, die fleißig THC-Abbauprodukte ins Röhrchen machen, wie z.B. Ermen Reyes-Napoles von Science City Jena.
Endlos ist die Liste der Schuldigen, und sie wird mit jedem Wettkampf länger. In Fachkreisen wird gemunkelt, dass ca. 15 Prozent der in Deutschland ermittelten positiven Dopingproben mit den Abbauprodukten des gemeinen Hanfes kontaminiert sind. Kiffer gehören demnach zur größten Sünderfraktion der dopenden Athleten. In die Schlagzeilen kommt aber nicht jeder kiffende Leistungssportler, denn letztlich gehört dem Champion die ganz große Aufmerksamkeit, und der wird sich hüten, ausgerechnet durch die lächerliche Substanz THC aufzufliegen. Hasch-Doper aus dem zweiten und dritten Glied und Semiprofis einer Randsportart werden still und leise bestraft und suspendiert. Die große Medienshow bleibt den Hardcorejunkies aus der Radsportszene wie Alberto Contador oder Jan Ullrich vorbehalten, es sei denn, man schwimmt Weltrekorde und heißt Michael Phelps. Ausgerechnet dieser Prototyp eines amerikanischen Traumschwiegersohnes brüskiert die Weltöffentlichkeit, indem er, der vierzehnfache Olympiasieger, ungeniert an der Wasserpfeife saugt, anstatt in Milch schwimmende Cornflakes zu schlabbern. Leider zeigte die kraulende Werbe-Ikone kein Rückgrat. Brav hat er den Schwanz eingezogen, alles bereut – und vom Teufelskraut abgeschworen.

Die Frage, wer die Macht hat, Cannabis von der Dopingliste zu nehmen, ist daher nicht so einfach zu beantworten. Den Bonzen der Sportdachverbände fehlt die nötige Unabhängigkeit von den politischen Entscheidungsträgern, die ihrerseits nur Vasallen des Großkapitals sind. Nicht von ungefähr tragen die Bundesligaspieler aus Leverkusen den Namen eines Pharmakonzerns im Vereinswappen, und die Balljungen in der Veltins-Arena sind die Biertrinker von morgen. Die einzigen, die wirklich etwas bewegen können, sind die Sportler selbst. Ein leises Aufbegehren zeigte letztes Jahr die internationale Spielervereinigung der Profifußballer Fifpro. Usbekistan und die Niederlande (wer sonst?) haben eine mutige Initiative gestartet, die für eine Legalisierung von Cannabis eintritt. Die Spielervereinigung argumentiert u.a. damit, dass bislang kein Nachweis auf eine bessere oder außergewöhnliche Leistung bei Sportlern unter Cannabiseinfluss erbracht wurde. Übrigens: Der Deutsche Fußballbund (DFB), mit sechs Millionen Mitgliedern der größte Sportverband der Welt, gehört der Fifpro nicht an – wer sonst!


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