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Vom Stolz, ein Dealer zu sein
Publiziert am: 01.12.10 - Medienformen: Medienform Text


Mein Freund George Cloney ist Dealer. Irgendwo in Deutschland. Klingt schlimm, ist aber klasse. Nur wenige Wörter im deutschen Sprachgebrauch sind so negativ behaftet wie dieser eingedeutschte Anglizismus.
Mein Freund arbeitet hart für sein Auskommen, ohne dabei wirklich reich zu werden. Er trägt eine Menge Verantwortung, worüber er sich auch bewusst ist, hinzu kommt ein sehr hohes Risiko. Klar, dass er sich für den Job so gut bezahlen lässt wie andere, die einen risikobehafteten Beruf in verantwortlicher Position ausüben. Der Begriff Dealer schließt solche positiven Eigenschaften von vorneherein aus: Ein Dealer ist in der Vorstellung der meisten in erster Linie profitgierig und per se verantwortungslos. Oft hat diese Spezies selbst in Konsumentenkreisen einen schlechten Ruf, weil ihre oft übermäßige Vorsicht als Unfreundlichkeit interpretiert wird. Das geht soweit, dass die meisten Dealer sich scheuen, ihren Beruf selbst bei den Leuten zu benennen, die bei ihnen kaufen. „Ja, ich mach das und das, und nebenbei verkauf ich ein bißchen“, ist eine sehr verbreitete Einstellung eines designierten Hanffachverkäufers im Freundeskreis. Null Selbstbewußstsein, eigentlich sollte ein verantwortungsvoller Weed-Dealer die Einstellung: „Ich bin Grasdealer und stolz darauf“ im Herzen tragen. So wie mein Freund George.

Das ist so wie mit dem Begriff „Dread“ im Reggae oder „Nigger“ im Hip Hop. Durch die teilweise gesellschaftliche Integration der diskriminierten Randgruppe findet eine Verschiebung statt: Ein einstmals negativ besetzt Begriff wird durch gesellschaftliche Veränderungen positiv besetzt.

Hi George.
Hi Ha Jo.

Was hast Du gerade im Angebot?
Also drei Sorten Gras, AK 47, BubbleGum und ein leckeres aber leider unbekanntes Haze sowie zwei Sorten Haschisch: einen guten und einen sehr guten Marokkaner. Außerdem könnte ich Dir noch Stecklinge anbieten: AK47, Top 44, Skunk No.1 oder Jack Herer.

Zu welchen Tageskurs?
Kommt auf die Menge und die Sorte an. Beim AK47 und dem Bubble Gum gibt es für 20 Euro 2,6 Gramm und bei 50 Euro gibt es 7 Gramm, bei Hundert gebe ich 15. das Jack Herer liegt bei 12 Gramm für 100 Euro und das Hasch bei 14 Gramm auf den Hunderter für die zweite und 11 Gramm für die erste Qualität. Bei den Stecklingen gibt es keinen Mengenrabatt, hier kostet einer glatte 5 Euro. Größere Mengen habe ich nie da, gibt es bei mir auch nicht.

Wie lange machst du das schon?
Mit kleinen Pausen seit über 15 Jahren.

Schon mal erwischt worden?
Beim Verticken noch nicht, einmal haben sie bei einer Verkehrskontrolle ein kleines Rauchpiece gefunden. Das gab dann aber nur Führerscheinstress, den ich mittlerweile hinter mir habe.

An wen verkaufst du?
Auschließlich an Freunde und Bekannte. Darauf lege ich auch Wert. Ich habe einen sehr eingeschränkten Kundenkreis von ungefähr 30 Leuten. Alle sind mindestens Mitte 20 oder älter, an jüngere würde ich nie verkaufen.

Wie sieht es bei Dir mit gestrecktem Weed aus?
Oh Mann, das ist ja d a s Thema der vergangenen Jahre und eine lange Geschichte. Hat mein ganzes Geschäftsmodell, das ich bis 2007 hatte, über den Haufen geworfen. Früher habe ich mein Weed immer bei einem Typen geholt, der es aus Holland bekommen hat. Ich habe es zuerst selbst nicht gemerkt, bis Anfang 2007 ein guter Kunde meinte, das Weed sei voller Sand. Gemerkt hatte er es, weil die Tüte mit zwei Gramm Inhalt so klein aussah. Ich wollte es zuerst gar nicht glauben, aber nach einer genauen Begutachtung war es eindeutig, das Weed war voll mit feinstem Sand. Ich habe den Scheiß dann zurückgegeben und danach immer wieder Scheiß bekommen. Mit Glas, Sand, PK13/14, Brix, alles wovon man so hört. Eigentlich gab es Mitte 2007 kaum noch gutes Weed bei mir, es sei denn jemand hatte ein wenig von ihrer/seiner eigenen Ernte übrig.

Ist das jetzt wieder besser geworden?
Definitiv ja, aber ich habe auch ein wenig nachgeholfen. Meine Kunden waren ja auch total angenervt, dass es nur noch Hasch gab, weil ich die gestreckte Pampe erst gar nicht mehr ins Sortiment genommen habe. In schlechten Zeiten sollte man antizyklisch denken: „Mach deine besten Kunden zu Produzenten“ habe ich mir gedacht. Die gäben dann nicht mehr Geld für Weed aus, als sie sich leisten können. Und ich hätte zwar ein paar Kunden weniger, dafür aber immer Weed, zumindest für mich selber.

Ach so, deshalb die Stecklinge?
Genau. Ich habe früher schon einmal ein wenig gegrowt, just for fun. Also habe ich mir eine vegetative Kammer gebaut und ein paar sehr gute Stecklinge besorgt, die ich dann unter 18 Stunden Licht großgezogen habe. In der gleichen Zeit habe ich meine besten Kunden gefragt, ob sie Lust hätten, Weed anzubauen, wenn ich die Unkosten vorfinanziere und die Stecklinge liefere. Fünf oder sechs haben „ja“ gesagt.
Ich habe ihnen dann jeweils ein Set-Up mit je einer Lampe vorgestreckt, das sie mir nach der ersten Ernte in Form von leckersten Blüten zurückgezahlt haben.
Dadurch habe ich zwar ein paar Kunden verloren, aber dafür bekomme ich zweimal im Monat eine Tüte reines, ungestrecktes und wohlriechendes Indoor-Weed.
Zwei von ihnen haben sogar richtig Spaß am Growen bekommen und ihr Hobby ein wenig ausgebaut. Die brauchen jetzt auch keine Stecklinge mehr von mir (grinst).

Lebst Du ausschließlich vom Verkaufen?
Das geht leider nicht. Dann stimmt die Legende nicht. Was soll ich dem Finanzamt oder anderen Leuten erzählen? Ich habe einen normalen Job, allerdings nur 25- 30 Stunden die Woche. Nur Gras und Hasch zu verkaufen wäre außerdem zu langweilig, so lange es illegal ist.

Langweilig?
Ja, öde. Wenn ich das als Full Time Job betreiben würde, sollte es noch mehr Spaß machen. Wenn es verboten ist, muss man aber die meiste Energie in Tarnung und Täuschung investieren. Ich wäre gerne Manager eines richtigen Hanf-Fachgeschäfts. Mit verschiedensten Sorten, Beratung für Konsumenten und Patienten, Angabe von THC und CBD Gehalt, Hanfkeksen und so weiter.
Aber so lange ich aufgrund meiner Nebentätigkeit kriminalisiert und mit Kinderschändern sowie Waffenhändlern in einen Topf geworfen werde, habe ich keine Ambitionen, meine Aktivitäten auf diesem Gebiet auszubauen.

Nicht weil du Angst hast, irgendwann vor Gericht zu stehen?
Da ist es doch sowieso fast egal, ob Du ein kleiner oder großer Fisch bist. Als verurteilter Dealer ist man sowieso unten durch. Aber Angst habe ich vor anderen Dingen, ich nenne meinen Zustand die Repressions-Paranoia. Die habe ich, aber das Witzige ist, dass die meine Kunden auch haben, obwohl sie gar nicht verkaufen (lacht laut). Viele behaupten ja, dass die vom Kiffen käme. Ich sage, die oft zitierte Kiffer-Para, oder der Verfolgungswahn, wie es die Prohibitionisten nennen, ist eine direkte Folge des Hanfverbots. Mit 17 hatte ich Schiss, dass meine Mama die Longpapers findet, heute verhält es sich ähnlich bei dem Gedanken, wegen dreißig Gramm Hanf das SEK vor der Tür zu haben. Nicht aus Angst vor der Strafe an sich, sondern weil ich weiß, dass ich weder mit Mama noch mit der Staatsmacht rational und sachlich über die angebliche Missetat reden kann.
Eher so ein Gefühl der Machtlosigkeit wie bei einer ungerechten Bestrafung in der Kindheit, wenn die Eltern nicht zuhören wollten.

Wie sieht es bei dir selbst mit der Kifferei aus ?
Gerne und regelmäßig, aber nur abends. Zu besonderen Anlässen wie Parties oder im Urlaub auch schon mal früher. Am liebsten ein kopflastiges Indica pur durch die Bong.

Wie bist du eigentlich zum Verkaufen gekommen?
Wie die meisten, die ich kenne: Ich hatte früher als einziger im Freundeskreis immer ein wenig Kohle und deshalb auch immer ein fette Tüte Gras in der Tasche. Eigentlich, weil ich nicht alle drei Tage zum Ticker rennen wollte. Da hatte ich auf einmal ganz viele Freunde. Nachdem ich von den ersten Tüten mehr als die Hälfte für andere verbaut hatte, habe ich einen Obolus gefordert. So hat sich das dann nach ein zwei Jahren irgendwie ergeben, worüber ich im Nachhinein nicht undankbar bin.

Machst Du das gerne oder nur wegen des Geldes?
Ich mache das echt gerne und freue mich, dass zusätzlich was bei rumkommt. Hat was von einem Wirt und einen Seelsorger. Gäbe es Grasverkäufer als Ausbildungsberuf ...

... so wie in Oaksterdam?
... wäre ich der erste, der die Lehre macht. Mittlerweile könnte ich sogar ausbilden, 15 Jahre Berufserfahrung zählen auch im realen Leben genauso viel wie eine Ausbildung (lacht).
Was mir keinen Spaß macht, ist das Versteckspiel im bürgerlichen Leben, aber da habe ich ja schon was zu erzählt.

George, wir danken Dir recht herzlich für die offenen Worte und wünschen Dir alles nur erdenklich Gute für die Zukunft. Pass auf Dich auf und mach‘s gut.
Ich danke für das Gespräch, und sag’ den Leser/innen, dass sie lieber selbst anbauen. Das ist tausendmal ungefährlicher als verdrecktes Gras zu rauchen. Bullenstress wegen einem kleinen Grow geht schneller vorüber als körperliche Langzeitschäden von unbekannten Streckmitteln.

Das darf ich zwar nicht, denn der Hanfanbau in Deutschland ist fast genauso illegal wie der Job von George. Aber ich denke, unsere werte Leserschaft ist intelligent genug, sich ein eigenes Urteil über Georges These, selbstredend im Sinne bestehender Gesetze, zu bilden.


KIMO
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