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Zugeschaut, mitgebaut
Camouflage your grass with glass
Publiziert am: 08.03.10 - Medienformen: Medienform Text

Fotos: Marie L.

Mit großen Schritten naht die Outdoor-Saison. Draußen anbauen ist in Polen, obwohl das Klima relativ kühl und die Ernte oft von suboptimaler Qualität ist, immer noch die populärste Anbaumethode. Viele Grower verfügen weder über das Geld für Indooranlagen noch über eine ausreichend diskrete Lokalität für diesem Zweck. Outdoor ist die einfachere und weitaus sicherere Methode, denn Polen ist in Sachen Eigenanbau sehr restriktiv: Selbst wenn nur eine sehr geringe Menge bei dir gefunden wird, musst du mit bis zu drei Jahren Haftstrafe rechnen; das Haus wird sowieso durchsucht und es wäre besser, wenn man dort keine Pflanzen finden würde. Es kommt leider auch vor, dass ein Bekannter einen anderen denunziert, nur um freigelassen zu werden. Aus diesem Grund wird Hanf an den abgelegenen Orten gepflanzt, auf den Wiesen oder auf den Lichtungen in den Wäldern. Selbstverständlich nicht auf dem eigenen Grundstück oder im Garten, wo – trotz bester Bedingungen – selbst gut getarnte Gewächshäuser für den gesamtem Blühzyklus nicht in Frage kommen (Anmerkung des Übersetzers: kennt man hier aus südlichen Gefilden).
Im Frühling machen sich die Gärtner an die Arbeit, um aus den Samen an einem warmen Ort kräftige Jungpflanzen vorzubereiten, die man dann später nach draußen bringen kann. Stecklinge nutzt man eher nicht, (in Polen sind Hanfsamen legal) und aus den Samen erhält man meistens zu wenige kräftige Jungpflanzen, wenn man sie im Frühjahr einfach direkt in die Erde pflanzen würde.
Deshalb ziehen die meisten hier ihre Sämlinge am Fensterbrett hoch, wobei das auch nicht ganz unproblematisch ist: Vom Stress beim Transport und Einpflanzen ganz abgesehen, bereitet die Vorbereitung von Jungpflanzen häufig Probleme, weil die Stiele auf dem Fensterbrett, wo sich diese Prozedur meistens abspielt, oft dünn und brüchig werden, da der Wind fehlt. Noch schlimmer: es ist zu dunkel und die Blätter und Wurzeln wachsen nur langsam, während wir sie eigentlich so schnell wie möglich in die Sonne bringen und somit den risikoträchtigen Schatz vom Zuhause loswerden wollen.
Wenn wir die Kleinen zu früh in die Welt schicken, selbst auf den Balkon / in den Garten zwischen die Blumen, erfrieren oft die meisten oder sie werden von den Schnecken gefressen. Am Fenster können die ambitionierten Grower neben die künftige Stecklinge eine provisorische, rückstrahlende Wand aus weißem Karton, Lampen mit energiesparenden Leuchtstoffröhren sowie auch die Ventilatoren stellen, damit die Stecklinge ein bisschen früher größer und stärker werden. Eine andere Notlösung ist es, die Blumentöpfe - einen nach dem anderen - bei schönem Wetter in die Sonne zu stellen und sie dann wieder für die Nacht und bei schlechtem Wetter ins Warme zu tragen. Meistens muss man sich aufgrund des immer noch kalten Frühlings in Polen damit abfinden, dass die Pflanzen dürftiger werden, manche nicht überleben und alles wahnsinnig lange dauert. Wir planen hier bis zu zweieinhalb Wochen nach der Keimung ein, bis die Sämlinge einen kleinen Topf (7x7x10cm) voll durchwurzelt haben.
Eine gute Methode, die Vorbereitung der Stecklinge zu optimieren, ist ein kleines Gewächshaus für den Balkon / für den Garten. Es kann in einer einfachen Schnellversion gekauft als bessere und schwierigere Variante ein wenig modifiziert werden, individuelle Mischkonstruktionen beider Varianten sind natürlich auch möglich. Das Häuschen schützt die Pflanzen vor Zertreten, Zerstören und Zerfressen durch die Schnecken, Maulwürfe und andere Tiere, vor Austrocknen in der Sonne, UV-Strahlen und Hagel: Im Inneren ist es warm, was vor allem für die unterirdischen Teile der Pflanze wichtig ist. Der thermische Schock wird somit kleiner, die Pflanze kann sich langsam an die draußen herrschende Temperatur gewöhnen, die weitere Anpassung ist abhängig von den Temperaturen im Gewächshäuschen und den anderen Faktoren wie Lichteinstrahlung, auf die wir keinen Einfluss haben.
Wir stellen die Pflanzen mit den ersten wenigen Blättern hinein. Zuerst bringen wir noch alles für die Nacht ins Haus, ab Anfang April brauchen wir das nicht mehr tun, wenn es keinen Frost gibt. Es ist kein Problem, das Häuschen nach drinnen zu tragen, weil wir so alles auf einmal tragen können und nicht hin und her mit jedem einzelnen Blumentopf laufen müssen. Später müssen wir es auch nicht mehr in die Kartons umpacken, wir können den ganzen Minigarten bedecken und auf unser Feld tragen. Im Glashaus bekommen die Kleinen ständig viel mehr Licht als auf einem nach Süden gerichteten Fensterbrett.

So wird’s gemacht

Ich schlage vor, unter die Blumentöpfe einen wärmeisolierenden (in unserem Fall geht es um die Kälte von der Erde), wasserdichten und womöglich noch leichten Stoff zu legen. Dafür eignet sich Holz am besten, Mineralwolle kommt nicht in Frage, weil die Blumentöpfe dann unstabil stehen. Ich würde irgendein Plastik oder noch besser Styropor vorschlagen. Das sollte nämlich nicht allzu viel Licht gegen den unteren Teil der Blätter reflektieren. Es wäre optimal, diesen Boden schwarz zu streichen/mit einer schwarzen Folie zu decken, z.B. aus einem Müllsack – die würde zusätzlich noch wärmer von der Sonne. Die Wurzel ist der Hauptteil der Pflanze, die sich – ähnlich wie die Klone – viel besser und schneller in der Wärme entwickelt.
Für die Wände und Deckel eignet sich am besten Plexiglas. Es hat keine Nachteile des Glases. Es wird langsam warm, speichert die Wärme aber gut und hält sie für einige Zeit, wenn es bereits dunkel geworden ist. Der einzige Nachteil, auch wenn nur ein klitzekleiner, ist eine große Anfälligkeit für Kratzer. Wer selbst nicht basteln möchte, besorgt sich einfach ein gebrauchtes, fertiges Aquarium aus einem Kunststoff oder Plexiglas vom Flohmarkt oder einen günstigen Aquariums-Bausatz zum Selbst-Montieren. Ein solches Glashaus ist klein und handlich, hat auch gute Temperatur und Feuchtigkeits-Parameter. Zur Tarnung können wir es mit nicht allzu dichter Gardine bedecken oder mit einem Netz, das bei den Bauarbeiten benutzt wird, oder … hier gibt es viele Möglichkeiten. Den Deckel montieren wir so fest oder beschweren so, dass er selbst beim Sturm nicht herunterfällt.
Die Bedingungen im Häuschen und sein Inhalt werden auch Schnecken und Insekten locken, darunter auch diejenigen, die für unsere Kleinen gefährlich sind (und ich kann es mir nicht vorstellen, drinnen Ameisen oder andere Nutztiere zu halten, dagegen hilft es, eine Bierfalle aufzustellen). Gegen die Schnecken reichen nicht allzu große Öffnungen, die man auch mit allerlei luftdurchlässigen Material verstopfen kann. Die beschriebenen Varianten eines Hauses garantieren zwar eine angemessenen Schutz vor Kälte, erfordern aber zudem eine Isolation von unten. Sind es draußen 3 °C, entwickelt sich die Pflanze langsam, das Schlimmste ist aber die Gefahr des Bodenfrostes. Hält sich jemand für einen McGyver, kann er eine Heizmatte, Lüfter oder sogar Leuchtstoffröhre, die selbstverständlich innerhalb des natürlichen Tages leuchtet, und nicht in der Nacht über dem Häuschen montieren, für mich ist das aber unnötig kompliziert. Es hilft nicht viel in den Outdoor-Verhältnissen, nimmt aber viel Zeit und Arbeit in Anspruch, verbraucht auch viel Strom, bereitet ein Problem mit der aufgrund der Isolierung der Kabel und lockt Nagetiere. Wer aber gerne bastelt, kann seine Konstruktion zu einer Mikrobox für den häuslichen Bedarf umgestalten.
Trotz dieser Vorteile sollen wir aber auch die Nachteile im Auge behalten. Unser Glashaus kann nämlich auch unerwünschte Probleme bereiten. Das erste sind die Stiele: da sie zu wenig Wind abbekommen und so zur Dünnstieligkeit neigen, kann man die Pflanzen für einige Zeit aus dem Haus stellen, vor allem die größeren. Vor dem Einpflanzen sollte man die Pflanzen aus dem Häuschen dann unbedingt mit einem Holzstöckchen oder ähnlichem stützen. Der zweite potenzielle Nachteil ist das Wetter: Ist es schön, wird bei einer hohen Temperatur drinnen der Wasserverbrauch durch die Verdampfung aus den Blättern sehr groß und das Medium trocknet schnell aus, was wiederum der Wuzelbildung schadet. Vorbeugen kann man, indem man größenverstellbare Ventilationsöffnungen ähnlich der der Mini-Gewächshauser aus dem Baumarkt macht und bei Sonne oft gießt und besprüht. Die Blumentöpfe müssen natürlch größer sein als diejenigen, die wir für das Fensterbrett brauchen würden, weil sie so von den Wurzeln schnell gefüllt werden. Als Medium benutzen wir eine Mischung aus Erde, mit vielen Mineralien, die das Wasser speichern und das Medium locker machen, wodurch die Luft in die Wurzeln durchdringen kann (Vermiculite, Perlite oder einen Kokos-Substrat).
In der Anfangsphase beobachten wir den Stand der Dinge ganz sorgfältig. Wir entfernen die Flüssigkeit, die sich an den Untersetzern der Blumentöpfe anstaut. Staunässe ist ungesund, außerdem leitet sie die Kälte und ist ein guter Ort, an dem sich schädliche Organismen entwickeln können. Wir gießen am Morgen mit lauwarmem Wasser und, wenn es notwendig ist, auch am Abend. An den ersten Lebenstagen braucht man nicht so viele Nährstoffe, nach einer Woche fangen wir an, ein wenig Stickstoff Dünger fürs Blattwachstum zu sprühen sowie einen Schuss Blütedünger für die Wurzelbildung zu gießen. Aber vorsichtig, weil sie noch sehr sensibel sind. Der Umgang mit lebendigen Pflanzen benötigt ein Gefühl, vor allem, wenn es um junge Pflanzen in so wechselhaften Bedingungen draußen geht. Wir fangen vorsichtig an, nach dem Einpflanzen stellen wir das Glashaus bei mildem Wetter für einen Tag oder für ein paar Stunden nach draußen, wir lassen es jedoch nicht überNacht stehen. Dann können wir langsam die Pflanzen daran gewöhnen, wir prüfen aber den Wetterbericht und gehen das Risiko beim Frost nicht ein. Sobald die Pflanzen größer sind, sollen sie die Temperaturen von -1 -2 °C überstehen.
So werden sie so auf das Leben in der Natur viel besser vorbereitet als die auf dem Fensterbrett gezüchteten Pflanzen.




Ein Standardtermin, um die Pflanzen dann auszusetzen, liegt in Warschau zwischen dem 10. April und dem 20. Mai. In den meisten Jahren gibt es in dieser Zeit keinen Frost oder höchstens nur noch einen kurzen Nachtfrost, der den Pflanzen nicht schadet. Bei den polnischen Klimaverhältnissen hat die Verlängerung der vegetativen Phase eine gravierende Bedeutung und ein Monat Wachstum bedeutet einen beträchtlichen Unterschied bei der Ernte.



Text: Lutek Übersetzung: Lutek/Kimo
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