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Verstecken ist nicht mehr

Am 8. Mai ist wieder Hanftag
Publiziert am: 03.05.10 - Medienformen: Medienform Text

Die Prohibition treibt immer skurrilere Blüten, nicht nur in Bayern werden die Rechte von Hanfpatienten und -liebhabern mit Füßen getreten: Medizinisches Cannabis ist immer noch keine zugelassene Arznei, obwohl es mittlerweile so viele Patienten gibt, dass die Bundesopiumstelle mit der Bearbeitung der Neuanträge gar nicht hinterherkommt und für die Patienten lange Wartezeiten entstehen, die sie ohne Medikament überstehen müssen. Bei einer Unverträglichkeit von Dronabinol ist es immer noch nicht möglich, sich die Medizin selbst zu züchten, so wie es in anderen Ländern mit einer Regelung von Cannabis als Medizin üblich ist. Obwohl es für alle Seiten die kostengünstigste Lösung wäre, müssen Patienten, die auf natürliches Cannabiskraut angewiesen sind, die Hanfblüten teuer aus den Niederlanden importieren, so dass die Apotheken selbst an der in Deutschland nicht zugelassenen Medzin noch verdienen.
Teile von Nordrhein-Westfalen haben die Geringe Menge de facto abgeschafft, Führerscheine von Gelegenheitskonsumenten werden bundesweit einkassiert, obwohl die Fahrer nie bekifft gefahren sind und selbst Fußgänger oder Zugreisende werden einfach mal durchsucht, weil sie äußerlich ins Beuteschema „Drogenkonsument“ passen. Kleine Hanfbauern werden weiterhin zu Bewährungs- oder Gefängnisstrafen verurteilt, weil ein veraltetes Urteil seit nunmehr 24 Jahren dafür sorgt, dass die Geringe Menge selbst beim Anbau einer Hanfpflanze überschritten wird.
Das Schlimmste daran: Wir Deutschen lassen uns, im Gegensatz zu unseren Nachbarn in Tschechien, Polen, Belgien, Österreich oder der Schweiz, alles gefallen. In Deutschland lässt man sich auf offener Strasse aufgrund der Frisur einfach ausziehen, anstatt auf seine Bürgerrechte zu bestehen oder man gibt die Urin-Probe wider besserem Wissen ab, anstatt die obligatorische Blutprobe gleich einzufordern. Der Polizist könnte ja denken ... tut er aber nicht, er handelt stur nach Vorschrift. Selbst der mögliche Blick eines Beamten in den Rucksack oder gar nur die Videokamera der Polizei hält so manchen vom Besuch einer Hanfdemo ab.
Einmal auf der Hanfdemo angekommen, lassen sich die Teilnehmer aufgrund des Drohszenarios einschüchtern, kiffen gar nicht oder ängstlich und versteckt - undenkbar in Wien, Prag, Zürich oder Brüssel. In diesen Ländern werden kleinere Verstöße gegen das BtmG auch nicht härter bestraft als in Frankfurt oder Berlin, in den USA sogar viel härter. Trotzdem sind die Teilnehmerzahlen auf den Legalisierungsveranstaltungen in diesen Ländern stabil oder gar im Steigen begriffen, während die traditionelle Hanfparade, ehemals Europas größte Hanfdemo mit fast 100.000 Menschen auf Achse, um 1000 Teilnehmer kämpfen muss. Deutsche Tradition: Wenn‘s wirklich um was geht, sind wir in Europa wie immer bei den Letzten. Wenn wir nicht wieder lernen, unsere Rechte als Hanfpatienten, -konsumenten, -bauern oder -verkäufer selbstbewusst, offen und ohne Angst vor möglicher Schikane einzufordern, wird die Stigmatisierung von über vier Millionen Menschen Formen annehmen, die eines Rechtsstaates nicht würdig sind. Bayern ist da schon heute Trendsetter. In anderen Ländern riskiert man sein Leben, wenn man gegen unbezahlbare Brotpreise demonstriert, während bei uns eine schlappe Körperkontrolle als Abschreckung zur freien Meinungsaüßerung dienen kann. Andere machen sich einen Spaß daraus, unbeholfene Beamte beim Fingern zu provozieren, der deutsche Kiffermichel macht sich ins Hemd.
Hanf wird weiterhin, jedoch anders als oft behauptet, mißbraucht, indem die Prohibition als beste Geldwaschanlage und Motor vieler verborgener Geschäfte dient. Denkt man als Politiker laut über deren Abschaffung nach, hat man schnell mächtige Feinde, die nicht aus dem drogen- oder gesundheitspolitischen Lager kommen. Das sollte zu denken geben und muss sich schnellstens ändern.
Deshalb:
Verstecken ist nicht mehr - auf zum Hanftag 2010.


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