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40 Jahre Kampf für Hanf

Von den Haschrebellen zum Hanftag
Publiziert am: 04.05.10 - Medienformen: Medienform Text

Brothers and Sisters, the Time has come,
For each and everyone of you to decide,
Whether you are gonna be the problem
Or whether you are gonna be the solution!
(Motor City Five, 1964)


Die späten 60er Jahre waren eine wilde Zeit. Spätestens nach dem Tod Benno Ohnesorgs 1967 und dem Attentat auf Rudi Dutschke 1968 war eine ganze Generation zum Aufstand bereit. Doch bevor die Frage, wie die Revolution zu führen sei, entschieden war, zerfiel 1970 der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS), der die Studentenbewegung bis dahin ideologisch und logistisch angeführt hatte.
Anders als die Mehrheit der bundesrepublikanischen APO-Vertreter, die den Konsum von Drogen mit Lenin als „reaktionär und volksschädlich“ ablehnten, gab es in Berlin rund um die Kommune 1 einen „revolutionären Zirkel“, der ganz auf „Befreiung durch Berauschung“ setzte. Irgendwann entstand als Verballhornung der Sprache kommunistischer Gruppen die Bezeichnung „Zentralrat der herumschweifenden Haschrebellen“ und die Bundesrepublik Deutschland hatte ihre erste Legalisierungsorganisation.
Na gut... Eine echte „Organisation“ waren die Haschrebellen nie. Der Zentralrat tagte, wo immer sich zwei, drei „Rebellen“ zum „Rauchen, Saufen und Trippen“ trafen und Entscheidungen trafen die, „die gerade ansprechbar waren“.
In Flugblättern forderten die Haschrebellen, die sich selbst als den „militanten Kern der Berliner Subkultur“ bezeichneten unter anderem „Werdet wild und tut schöne Sachen“ und argumentierten „Gegen das moderne Sklavenhaltertum des Spätkapitalismus - Für eigene Entscheidung über Körper und Lebensform“.
Ihre Aktionen und Gerichtsverfahren finanzierten die
Haschrebellen durch schwunghaften Handel mit marrokanischen und libanesischen Spezialitäten :) Und Geld war bitter nötig, seit sich die Bananenrepublik Deutschland 1970 ein Betäubungsmittelgesetz amerikanischen Vorbilds gegeben hatte und sich Berliner Behörden daran machten, den „kommunistischen Drogensumpf in der Vier-Mächte-Stadt“ trocken zu legen.
Die Haschrebellen hatten kein geschlossenes Weltbild und erst recht keine geordnete Programatik. Sie äußerte sich spontan und situationsbezogen - Meist in Flugblättern oder „ihrer“ Untergrundzeitung 889, gerne aber auch mit Smoke-Ins oder Farb- und Rauchbombenattacken auf die gehobene Gesellschaft.
„Die Möglichkeiten in unseren Köpfen sind >super<. Die Möglichkeiten unsere >Supergedanken< mitzuteilen, sind hingegen noch äußerst begrenzt.“ gaben die Haschrebellen offen zu. Daran sollte sich bis zur „Selbstauflösung“ des Zentralrats in den Wochen nach dem gewaltsamen Tod Georg von Rauchs am 4. Dezember 1971 durch eine Kugel aus der Pistole eines Berliner Polizisten nichts ändern.
Die Haschrebellen waren Kinder ihrer Zeit. Keiner der Damals Mitte-20-Jährigen wollte ernsthaft „die Welt retten“. Den eigenen Rausch zu befreien, das Recht auf Substanz-Selbstbestimmung und das Image Berlins als Drogenhauptstadt Deutschlands verdanken wir ihnen dennoch!
Die erneute Radikalisierung der Studentenbewegung und den „deutschen Herbst“ 1977 erlebten die ehemaligen Haschrebellen sehr unterschiedlich. Viele saßen in Gefängnissen oder waren nach Indien und Afghanistan geflüchtet. Mancher spielte beim Amoklauf der RAF sogar mit.
In den 80er Jahren war Berlin „drogenpolitisch tot“, wie es der Kabarettist Wolfgang Neuß resignierend formulierte. Allenfalls die „Kinder vom Bahnhof Zoo“ machten noch Schlagzeilen. Fast schien es, als würde Berlin auf ewig „im Würgegriff des Heroin“ bleiben. Einziger Lichtblick war eine Talkshow am 5. Dezember 1983. Dabei verlas Neuss ein angeblich vom damaligen Regierenden Bürgermeister Richard von Weizsäcker an ihn gerichtetes Glückwunschtelegramm mit dem Satz: „Auf deutschem Boden darf nie mehr ein Joint ausgehen!“
Eine „Wiedergeburt“ erlebten die Ideale der Haschrebellen erst in den Neunziger Jahren. Berlin machte sich daran erneut zur Hanfhauptstadt zu werden...
Wegbereiter und Steigbügel der neuen Bewegung war der H.A.N.F. e.V., der sich bei seiner Gründung im Jahr 1993 auf die Fahnen schrieb, „der Nutzpflanze Hanf zum Sieg zu verhelfen“. Um diesem mutigen Ziel näher zu kommen, eröffnete der Verein am 6. Dezember 1994 das Hanf Museum Berlin, dass er bis heute betreibt.
Das Museum informiert Berliner und Berlinbesucher seither über nahezu alle Aspekte der Pflanze Cannabis und ist Heimat zahlreicher Hanfinitiativen und -aktivisten. Die Grüne Hilfe hat hier ihr Büro und auch die Hanfparade ist eine „Erfindung“ von Mitgliedern des dienstältesten deutschen Hanfvereins.
Seit 1997 findet die größte deutsche Demonstration für die Legalisierung von Hanf als Rohstoff, Medizin und Genussmittel in Berlin statt. Besonders in den Jahren bis 2003 gelang es den Organisatoren regelmäßig zehntausende Legalisierungsbefürworter zu vereinen.
Fortwährender Kampf mit Berliner Behörden, Gerichtsverfahren und fehlendes wirtschaftliches Geschick führten 2006 zur Zahlungsunfähigkeit des Bündnis Hanfparade. Angesichts dieses traurigen Höhepunkts einer tiefgreifenden Hanfkrise, in den Jahren 2004-06 hatten mehrere Hanfdemos, -vereine und -messen die Arbeit eingestellt, sah es so aus, als würde die „Legalisierungsszene“ erneut und schlimmstenfalls auf Jahre in Dornröschenschlaf versinken.
Zum Glück irrten sich Schwarzmaler und die „Kiffer kriegen halt nix gebacken“-Fraktion! Anders als in den 70er Jahren war die „Bewegung“ diesmal auf Rückschläge vorbereitet und gab nicht klein bei.
Inzwischen wachsen neue Organisationen und Veranstaltungen heran, die ihre geistige Heimat oft in den Redaktionsräumen des Hanf Journals haben. Der Deutsche Hanf Verband und nicht zuletzt der Hanftag sind der sichtbare Beweis dafür, dass Berlin mehr zu bieten hat als Legalisierungsstrohfeuer.
Der Kampf um Hanf mag schon ein Menschenleben dauern, in Berlin wird er dennoch weiter geführt werden. Hier ist man sicher ihn zu gewinnen!
Wie lange er noch dauert, hängt von den Kiffern ab. Mit deiner Hilfe könnte es Übermorgen soweit sein... Oder hättest du am Neujahrstag 1989 gewettet, dass der 40. Geburtstag der DDR ihr letzter sein würde?

„High sein! Frei sein! Terror muss dabei sein!“

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