Hanf Journal Logo Teil 1
Hanf Journal Logo Teil 2
*
  SITEMAP
 
  * Rubriken
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

*
 
*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-

*
 
*
-
-
-
-

- news
*
Versenden: Artikel drucken Bild Druckversion

Wie beeinflusst Cannabis den Verlauf einer HIV-Infektion?

Franjo Grotenhermen ist Vorstand und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin
Publiziert am: 10.01.11 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Franjo Grotenhermen
Dr.Franjo Grotenhermen

Um es gleich vorweg zu nehmen: Niemand kann heute wirklich sagen, ob und wie der Konsum von Cannabis den Verlauf einer HIV-Infektion beinflusst. Es gibt sowohl Hinweise, dass es einen negativen Einfluss geben könnte, weil THC im Tierexperiment die Infektabwehr gegen verschiedene Erreger reduzieren kann, beispielsweise gegen Infektionen mit Herpes-Viren. Diese immununterdrückende Wirkung von THC hat möglicherweise Vorteile bei anderen Erkrankungen, die mit Entzündungen einhergehen, wie beispielsweise chronischen Darmentzündungen. Auch das ist bekannt. Eine Unterdrückung des Immunsystems wäre bei einer HIV-Infektion allerdings unerwünscht, sodass es danach logisch erscheinen würde, HIV-Positiven von einem Cannabiskonsum abzuraten.
Überraschenderweise hat kürzlich eine Untersuchung an der Universität von Louisiana in den USA mit Rhesusaffen ergeben, dass die Gabe von THC an SIV-positive Affen das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen konnte. Der SI-Virus bei Affen entspricht dem HI-Virus beim Menschen. Wenn sich die Ergebnisse dieser Studie auf den Menschen übertragen ließen, würde das bedeuten, dass Menschen mit HIV nicht nur wegen seiner symptomatischen Effekte auf Appetit, Übelkeit, Schmerzen und Stimmung Cannabis nutzen könnten, sondern auch weil es den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen könnte.
Letztlich kann diese Frage nur durch epidemlologische Forschung geklärt werden. Bei der epidemlologischen Forschung wird untersucht, welche Faktoren beispielsweise den Verlauf einer Erkrankung bei Menschen beeinflussen. Um dabei zu zuverlässigen Aussagen gelangen zu können, müssen eine große Zahl von Personen über viele Jahre begleitet, in bestimmten Abständen untersucht und hinsichtlich ihrer Lebensgewohnheiten befragt werden.
Es mag heute seltsam erscheinen, aber es hat Jahrzehnte gedauert, um sicher nachzuweisen, dass das Rauchen von Tabak das Risiko für die Entwicklung von Lungenkrebs und anderen Krebsarten erhöht. Ähnlich verhält es sich mit anderen medizinischen Erkenntnissen aus der epidemlologischen Forschung, die heute als gesichert gelten. Insbesondere, wenn die Einflüsse bestimmter Faktoren nur sehr schwach sind, ist es aber häufig sehr schwierig überhaupt einen Einfluss nachzuweisen, weil die Lebenswelten der Menschen komplexer sind als die kontrollierbaren Einflüsse in einem Zellexperiment.
Aber zurück zu der Studie mit den Rhesusaffen. Die Tiere im Alter von vier bis sechs Jahren erhielten vor der Infektion mit dem SI-Virus täglich THC (zunächst 0,18 mg/kg, nach zwei Wochen gesteigert auf 0,32 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht). Vor der Infektion mit dem Virus, etwa einen Monat nach Beginn der THC-Gabe, hatte sich eine Toleranz gegen die THC-Wirkungen entwickelt, sodass die Tiere sich normal verhielten. Dann wurden acht Tiere mit dem SI-Virus infiziert. Die THC-Gabe wurde während der gesamten Studie fortgeführt. Die Autoren schrieben in ihrem Beitrag: „Entgegen unseren Erwartungen erhöhte die chronische Cannabinoid-Gabe nicht signifikant die Viruslast oder verschlechterte die Immunfunktionen.“
Im Gegenteil:
Beginnend ab dem zweiten Monat war die Viruslast bei den Tieren, die mit THC behandelt wurden, geringer als bei einer Vergleichsgruppe, die ebenfalls infiziert worden war, jedoch kein THC erhielt. In beiden Gruppen gab es in den ersten fünf Monaten nach der Infektion keine Todesfälle. Zwei der Tiere ohne THC starben jedoch kurz nach fünf Monaten und ein drittes Tier erreichte das Endstadium der Erkrankung nach sieben Monaten. Bei den mit THC behandelten Tieren erreichte der erste Affe erst nach elf Monaten nach der Infektion das Endstadium der Erkrankung. Es gab auch unterschiedliche Verläufe beim Gewicht. Insbesondere zwischen den Monaten 3 und 6 nach der Infektion zeigte sich bei den nicht mit THC behandelten Tieren eine Tendenz zu einem Gewichtsverlust, nicht jedoch bei den mit THC behandelten Tieren.
Um die Möglichkeit zu untersuchen, dass das bessere Überleben von Tieren, die THC erhalten hatten, auf einer direkten Unterdrückung der Virusvermehrung beruhen könnte, führten die Forscher Zellexperimente durch. Dazu wurden menschliche T-Lymphozyten, die mit dem SI-Virus infiziert worden waren, untersucht. Eine THC-Behandlung führte in der Tat dazu, dass die Viruslast in den Zellen 3 und 6 Tage nach der SIV-Infektion signifikant reduziert war.
Schlussfolgernd schreiben die Autoren, dass „die Behandlung mit Delta-9-THC eindeutig nicht das Fortschreiten der Erkrankung förderte, sondern in der Tat in einer generalisierten Reduzierung klassischer Marker der SIV-Erkrankung resultierte. Die Mechanismen, die dieser reduzierten Sterblichkeit bei mit Cannabinoiden behandelten SIV-infizierten Tieren zugrundeliegt, müssen noch erforscht werden. Allerdings vermuten wir auf der Basis unserer Ergebnisse und Berichten in der Literatur, dass die Erhaltung der Körpermasse, die Reduzierung der Virusvermehrung und ein allgemein immunsuppressiver Effekt von Cannabinoiden zu einer Verbesserung des SIV-Krankheitsverlaufs in unserer Studie beigetragen haben könnte.“


Versenden: Artikel drucken Druckversion Versenden: Artikel bookmarken bei einem ServiceBookmark it!

Mehr zum Thema:

Weitere Artikel von Dr. med. Franjo Grotenhermen gibt es in den Dossiers

- Diskutiere das Thema im Hanf Journal Forum

*
  Sonderausgaben
-