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Lüge, Meineid, Statistik

Der REITOX-Bericht 2010
Publiziert am: 12.01.11 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Steffen Geyer
Von wegen Entkriminalisierung....



Als die europäischen Staaten im Jahr 1993 die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) gründeten, geschah dies vor allem aus einem Grund - Sie sollte helfen, europäische Lügen über Drogen zu entlarven. Sie sollte ein „ehrliches und umfassendes Bild über den Betäubungsmittelkonsum der Europäer erstellen und staatliche Maßnahmen zu seiner Bekämpfung dokumentieren“.
In diesem Jahr wurde der deutsche Bericht (REITOX) am 11.11. vorgestellt. Leider ist er kein Faschingsscherz.


Drogenkonsum – Auf hohem Niveau stabil

Laut REITOX-Bericht, der sich dabei auf eine Studie aus dem Jahr 2009 (Epidemiological Survey on Addiction kurz ESA) beruft, haben MINDESTENS ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung Deutschlands Erfahrungen mit (illegalisierten) Drogen. Rund 5,1% oder 2.6 Mio Deutsche zwischen 18 und 64 haben in den letzten 12 Monaten Drogen konsumiert. Mindestens 2,6% der Erwachsenen oder 1,3 Mio hätten demnach im vergangenen Monat zu „verbotenen Früchten“ gegriffen. Junge Deutsche (Altersgruppe 12-18 Jahre) liegen bei der Drogenkonsumhäufigkeit leicht über den Erwachsenen (12-Monats-Prävalenz 7,4% / 30-Tage 2,8%). Insgesamt zeigen sich beim Drogenkonsum deutliche Geschlechts- und Altersunterschiede. Der Konsum ist bei Männern sowie Jüngeren weit stärker verbreitet als bei Frauen und älteren Personen. Die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmanns befleissigte sich den Journalisten einzuschärfen, dass die „stabil hohen Prävalenzwerte jugendlichen Drogenkonsums“ ein Erfolg seien. Immerhin liegen sie niedriger als im Rekordjahr 2003 (das nur zufällig als Jahr der Hysterie über jugendliche Cannabiskonsumenten in die Geschichte einging). „In Deutschland gibt es sehr erfolgreiche und vorbildliche Projekte zur Reduzierung des Cannabiskonsums, die in der Praxis der Drogen- und Suchthilfeeinrichtungen eingesetzt werden und Wirkung zeigen. Der positiven Gesamtentwicklung steht jedoch die Zahl der problematischen und intensiven Konsumenten von Cannabis gegenüber, die offensichtlich nicht zurückgeht.“ so Dyckmanns.
Die Häufigkeit des Konsums illegaler Drogen hängt maßgeblich von den Konsumerfahrungen mit Cannabis ab. Nennenswerte Konsumentenzahlen erreichen darüber hinaus nur noch Kokain, Amphetamine, Ecstasy und halluzinogene Pilze. Der Konsum von Heroin, LSD und Crack ist laut REITOX-Bericht auf kleinere Gruppen beschränkt. Lediglich 1,3 % der Erwachsenen haben im vergangenen Jahr zu einer anderen Droge (außer Cannabis) gegriffen. Insbesondere psylocibinhaltige Pilze mussten in diesem Jahr für den Beweis der „Wirksamkeit staatlicher Kontrollmaßnahmen“ herhalten. Seit dem Verbot der „Magic Mushrooms“ im Jahr 2006 sank deren Konsumverbreitung von 0,4% auf 0,1% der Erwachsenen.

Drogenkriminalität – Jagd auf Konsumenten geht weiter

Im Jahr 2009 wurden insgesamt 235.842 Rauschgiftdelikte erfasst (2008: 239.951). Die Zahl der Rauschgiftdelikte sank damit gegenüber dem Vorjahr um 1,7 Prozent. 134.324 mal wurde gegen Cannabisnutzer ermittelt. Das sind rund 57 % aller Taten.
Auch bei den „Konsumnahen Delikten“ ist Cannabis einsamer Spitzenreiter. Von den rund 170.000 allgemeinen Verstößen gegen das BtMG richteten sich 60,2% (etwas mehr als 100.000 Fälle) gegen Konsumenten des vergleichsweise harmlosen Genussmittels. Trotz vermeintlich sinkender Konsumentenzahlen und einem seit 2004 anhaltenden Trend zu weniger Drogentaten, steigt die Anzahl der Verurteilungen wegen Drogendelikten schon seit den 1980er Jahren kontinuierlich an. Noch liegen die endgültigen Daten für 2009 nicht vor, aber es ist davon auszugehen, dass wie in den Vorjahren mindestens jedes dritte Verfahren zu einer Verurteilung führt. Demnach sind wegen Drogendelikten allein im Jahr 2009 rund 18.000 Freiheitsstrafen und mindestens 35.000 Geldstrafen ausgesprochen worden. Cannabisbesitz führt auch diese traurige Statistik deutlich an. Lediglich rund 3% der Verurteilungen richten sich gegen Handelsdelikte.

Drogen im Straßenverkehr – Technik rettet Leben

Laut REITOX-Bericht, der an dieser Stelle das Statistische Bundesamt zitiert, standen im Jahr 16.500 Unfallbeteiligte unter dem Einfluss von Alkohol (5,3% aller Verkehrsunfälle) und 1.281 (0,3%) unter dem Einfluss „anderer berauschender Mittel“. Wie die Gesamtunfallzahlen liegen diese Werte leicht unter denen des Vorjahrs. Ein Trend, der bereits seit Mitte der Neunziger Jahre anhält und im Wesentlichen auf verbesserte Fahrzeugtechnik (Assistenzsysteme) zurückzuführen ist. Die DBDD rechnet in diesem Bereich mit einer „deutlichen Untererfassung der Rauschmittelfälle“ und rät zu gezielter Fahndung.

Suchthilfe – Cannabis auf dem Vormarsch?

Seit die damalige Bundesdrogenbeauftragte Marion Caspers-Merck im Jahr 2003 die Suchthilfeeinrichtungen Deutschlands dazu aufrief, verstärkt Programme für jugendliche Cannabiskonsumenten aufzulegen, wächst das Angebot solcher Maßnahmen kontinuierlich. Es darf deshalb nicht verwundern, dass sich Politik und Justiz bemühen, entsprechende Nachfrage zu erzeugen. Im Jahr 2009 war „schädlicher Gebrauch oder Abhängigkeit von Cannabis“ laut Deutscher Suchthilfestatistik (DSHS) schon bei rund 20.500 ambulanten Klienten Hauptdiagnose. Das sind rund 35% aller Fälle, in denen es um illegale Drogen ging. Die überwiegende Mehrheit der Klienten wird dabei von Gerichten zum Besuch der „Beratungsstelle“ verdonnert. Entsprechend sind Männer mit knapp 80 der Fälle deutlich stärker vertreten als die weit seltener wegen Drogendelikten verurteilten Frauen. Auch die „stationäre Cannabistherapie“ konnte bereits das dritte Jahr in Folge neue Rekordzahlen vermelden. Rund 1.800 oder jeder vierte behandelte Konsument illegaler Drogen war auf „Cannabisentzug“.

Fazit – S.N.A.F.U.

Wenn die Drogenbeauftragte der Bundesregierung von „stabil hohen Prävalenzwerten“ spricht und der Leiter der DBDD mit leuchtenden Augen vom „gewaltigen Potenzial unerreichter Problemkonsumenten insbesondere bei Cannabis“ schwärmt, können nüchterne Beobachter nur den Kopf schütteln. Wer wie Frau Dyckmanns nach fast vier Jahrzehnten deutschen Drogenkriegs und angesichts siebenstelliger Konsumentenzahlen unbeirrt von erfolgreichen Strategien faselt, verschließt die Augen vor der Realität. Das ist Drogenpolitik, die mehr schadet als sie nützt oder halt:

Situation Normal, All Fucked Up!
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