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Psychoaktive Pflanzen unserer Heimat

Teil 5: Schlaf- und Klatschmohn
Publiziert am: 01.03.11 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Markus Berger
Text & Fotos: Markus Berger

Vorweg: Dieser Teil befasst sich mit gleich zwei Pflanzen, die man in unseren Breiten im Sommer oft antrifft: Das ist zum einen der wilde Klatschmohn (Papaver rhoeas), der Felder, Wiesen und Wegränder ziert, zum anderen der originale Schlafmohn (Papaver somniferum), der gern in Gärten kultiviert wird, den ich aber auch schon verwildert im Feld gefunden habe.

Steckbrief
Schlaf- und Klatschmohn
Papaver somniferum LINNÉ
Papaver rhoeas LINNÉ
Familie:
Papaveraceae (Mohngewächse)
Synonyme:
Papaver rhoeas: Papaver strigosum (BOENN.) SCHUR.
Papaver somniferum: Papaver glaucum BOISS. et HAUSSKN., Papaver nigrum DC., Papaver officinale GMEL., Papaver setigerum DC.
Trivialnamen:
Papaver rhoeas: Klatschmohn, Corn-poppy, Wild-poppy, Pavot coquelicot / Papaver somniferum: Black-poppy, Feldmohn, Garden-poppy, Gartenmohn, Magenkraut, Opium-poppy, Pavot somnifere, Poppy, Schlafmohn, White-poppy u.v.a.
Vorkommen:
Papaver somniferum: ursprünglich in Europa beheimatet, kommt der Schlafmohn heute weltweit als Kultivar vor, in der Schweiz sogar als Wildpflanze, Juni bis August / Papaver rhoeas: ganz Europa, von Mai bis August auf Feldern und Wiesen, an Wegrändern, auf Schuttplätzen.


Botanik

Bei beiden Papaver-Arten handelt es sich um einjährige Gewächse (was nicht bei allen Mohnsorten der Fall ist), mit einfachem oder verzweigendem Stengel, der bei Papaver somniferum glatt, bei Papaver rhoeas abstehend behaart ist. Am Stengel der Pflanzen bildet sich eine einzige, zartblättrige Blüte (Papaver somniferum: weiß, violett-weiß, violett, hellblau, purpur, rosa oder in verschiedenen Rottönen, bis hin zur fast schwarzen Blüte; oft mit Fleck am Grund der Blätter / Papaver rhoeas: hauptsächlich rot, in unterschiedlichen Varietäten) mit vier Kronblättern. Der Schlafmohn wächst bis zu 175 Zentimeter, Klatschmohn bis zu 90 Zentimeter. Die Blätter des Schlafmohns sind gezahnt, länglich bis oval, bläulich-grün, stengelumfassend und ungeteilt, die des Klatschmohns einfach bzw. doppelt fiederspaltig. Beide Arten bilden in der Regel dunkelbraunen Samen aus (wobei es Somniferum-Samen in den unterschiedlichsten Farben gibt: gelblich, graulich, bräunlich, schwarz), der in sich der Frucht (Mohnkapsel) befindet. Beide Spezies beinhalten eine weiße Latex (Milchsaft).

Wirkstoffe
Opiumalkaloide im Schlafmohn (Morphin, Codein, Papaverin, Narcotin, das inaktive Thebain und etwa 35 weitere), im Klatschmohn Rhoeadin und andere Alkaloide.

Geschichte
Um die Mohngewächse rankt sich eine derart lange Historie, verbunden mit schrecklichen sozialen Ereignissen, wie beispielsweise dem Opiumkrieg (1840 bis 1842), den Opiumverordnungen im 20. Jahrhundert usw., dass ein eigenes Buch mit dieser gefüllt werden kann –und sogar ist. Bei näherem geschichtlichen Interesse muss ich unbedingt auf Werner Piepers Buch „Die Geschichte des O“ (Löhrbach: The Grüne Kraft) verweisen. Hier wird alles themenrelevante auf verständliche, gut lesbare Art zusammengefasst.
Schlaf- und Klatschmohn wurde und wird als Rausch-, Nahrungs-, Liebes- und Heilmittel eingesetzt, wobei Papaver rhoeas früher als Schlafmittel und Sedativum für Kinder benutzt wurde.

Verwendung
Die getrockneten Pflanzen (Blätter, Blüten, Kapseln) und der eingetrocknete Milchsaft (der durch Anritzen der unreifen Kaspeln gewonnen wird) können geraucht werden. Aus den trockenen oder frischen Kapseln kann ein teeartiger Aufguss (á Person werden 8 bis 10 trockene Kapseln etwa 20 Minuten gekocht) oder ein Alkoholikum (durch Einlegen in Bier, Wein oder Schnaps) bereitet werden. Getrocknete Mohnkapseln werden auch geräuchert.

Wirkung
Papaver somniferum bzw. Opium wirken trauminduzierend, narkotisierend, euphorisierend, aphrodisisch, phantastisch, in meinen Augen sogar mitunter psychedelisch (je nach Dosis, Set und Setting). Wirkungsdauer etwa 6 bis 8 Stunden. Zur Wirkung eines Mohnstrohtees schreibt Richi Moscher: „ ... Zurück in Deutschland versuchte ich nun mit allen Mitteln Opium aufzutreiben, doch nichts ging. Also nichts wie hin zum Blumenhändler und Mohnstroh gekauft. Die richtigen Mohnkapseln konnte man daran erkennen, daß an ihnen noch die Kratzer vom „Melken“ zu sehen waren (...). Die Wirkung dieser Mohntees war unberechenbar, der Geschmack eklig. Von gar nichts, über leichte Dösigkeit, bis hin zur Lähmung des Atemzentrums war alles drin und kam alles vor. Sicherlich eine lohnenswerte Erfahrung, sich über Stunden hinweg wachhalten zu müssen und dabei bewußt zu atmen, um ein Wegpennen in den Erstickungstod zu verhindern, aber keine, die ich allzuoft wiederholen möchte. (...) Die Sache mit der Atemlähmung passierte einem mit Mohntee unverhältnismäßig oft und zwar nicht nur mir. Warum der Tee aus Mohnkapseln soviel giftiger als Opium und selbst Heroin ist, weiß ich nicht, hat mir auch keiner sagen können.“ (Moscher 1998: 140-141)
Papaver rhoeas wird oftmals eine pharmakologische Inaktivität nachgesagt (Müller-Ebeling et Rätsch 2003: 487; Moscher in: Moscher 1998: 141), die Tatsache aber, dass Bereitungen aus dem Klatschmohn als pädiatrische Schlaf- und Beruhigungsmittel Verwendung fanden, ist in meinen Augen Beweis genug, dass Papaver rhoeas bzw. dessen Alkaloide eine gewisse Aktivität besitzen, sedative und hypnotische Substanzen gehören nämlich selbstverständlich auch zu den Psychoaktiva.
Moscher schreibt dazu: „Klatschmohn wird in manchen Hexensalben aufgeführt. Aber was wir auch versuchten: Das Zeug törnt null.“ (Moscher 1998: 141)

Gefahren & Nebenwirkungen
Über die Gefahren eines Mohntees haben wir bereits einiges gelesen. Die allgemeinen Nebenwirkungen des Opium-/Morphin-/Mohn-Konsums können sein: Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüche, Bradykardie (pathologisch verlangsamte Herzfrequenz), Juckreiz, Kopfschmerz, Muskelerschlaffung, Schwindelgefühl, Myosis (Engstellung der Pupillen), Verstopfung, Mundtrockenheit, Hypotonie (niedriger Blutdruck), Gleichgewichtsstörungen, bis hin zur Bewusstlosigkeit. Die größte Gefahr im Zusammenhang mit den Opiaten – in welcher Form auch immer – ist die einer schnell erreichten, schweren psychischen und physischen Abhängigkeit. Allerdings ist die Geschichte vom einmaligen anfixen, also der Entwicklung einer Abhängigkeit nach einer Konsumeinheit Opiat, nichts weiter als ein Märchen (dasselbe gilt auch für das Kokainprodukt Crack). Keine Droge verursacht nach einmaligem Gebrauch eine Sucht!

Rechtslage
Schlafmohn ist laut Anlage II des BtMG als Opiumlieferant ein nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel und verboten. Ausnahmeregelung: Zu Zierzwecken dürfen bis zu 10 Quadratmeter des eigenen Gartens mit Papaver somniferum bepflanzt werden. Der Klatschmohn unterliegt keinen Bestimmungen.

Literatur:
Berger, Markus (2003), Opiat und Opioid – Eine kleine Begriffsdefinition, Entheogene Blätter 8/2003: 6
Müller-Ebeling, Claudia; Rätsch, Christian (2003), Lexikon der Liebesmittel, Aarau: AT Verlag
Pieper, Werner (Hg.) (1998), Die Geschichte des O. Opiumfreuden-Opiumkriege, Löhrbach: The Grüne Kraft
Rätsch, Christian (1998), Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Aarau: AT Verlag
Moscher, Richi (1998), Freud und Leid eines verbesserlichen Opiumusers, in: Pieper, Werner (Hg.) (1998), Die Geschichte des O. Opiumfreuden-Opiumkriege, Löhrbach: The Grüne Kraft, Seiten 139-143


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