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Immer langsam:

Natürlich bremsen mit Hanf
Publiziert am: 02.03.11 - Medienformen: Medienform Text

Es geht abwärts!

Es gibt zwei Arten mich zu berauschen, von denen ich einfach nicht lassen möchte: Ich fahre seit über 30 Jahren Ski und kiffe mittlerweile auch schon gute 20 Jahre. Alkohol, schnelle Autos, Internetpornos, exzessive Zockerei oder gar härtere Sachen sind nicht mein Ding. Dieses Jahr habe ich mich seit langer Zeit mal wieder dazu entscheiden, meinen Skiurlaub aufgrund eines unschlagbaren „Familienangebots“ in einem „angesagten“ Skiort in Tirol zu verbringen. Mit Apres-Ski, Tätärätä und Helau, das Niveau einiger Gastro-Betriebe liegt nur undeutlich über Ballermann, also nicht unbedingt ein Ambiente, das Hanfliebhabern zusagt.
Aber Kiffer sind ja tolerant, und da ich wusste, was mich erwartet, sieht man zum Wohle der Kinder über vieles hinweg, nicht aber über alles: Trotz Alkoholverbots auf der Piste saufen sich einige „Sportler“ schon um 11 Uhr vormittags den Rausch an, der sie wenig später zur übel riechenden, unkontrollierbaren Silvester-Rakete auf zwei Brettern mutieren lässt. Schlimm genug, dass ein gepflegter Cappuchino nach dem Skifahren nur in Läden mit einem Durchschnittsalter von 65+ angeboten wird, weil alle anderen Lokalitäten vom Anton aus Tirol und seinen besoffenen Kumpels okkupiert sind: „Ich will mit Dir fliegen“ oder „We are the people“ heißen die Highlights deutscher Leitkultur 2011, die einem schon morgens um neun so richtig zum Rasen bringen könnten. Das aber ist gefährlich und ein solch angespannter Zustand ist als Grundlage für einen sicheren, chilligen Skitag ungeeignet.
An der Liftstation noch völlig aufgebracht ob der unmenschlichen Beschallung und den Glühwein-Fahnenträgern der „Willi-Vernichter“ aus dem Badischen (na proscht) hinter mir, überlege ich, den Saufbrüdern oben erstmal zu zeigen, was eine Harke ist: Meinen ersten spontanen Gedanken, vor den Augen der Saufbrüderschaft mit Geschwindigkeit und skifahrerischem Können zu posen, verwerfe ich auf dem Weg nach oben nach dem ersten tiefen Zug an der Tüte. Zum Glück gibt es Sessellifte oder gar Gondeln, in denen man mit Ausnahme der Stoßzeiten meist alleine unterwegs ist. Ausgestattet mit einer vorgedrehten Sportzigartette in einer stoßfesten Hülse bietet die Fahrt Richtung Gipfel ausreichend Zeit, ein paar Züge gegen das Rasen - zur Entschleunigung - zu nehmen. In Zeiten von vollen Pisten, trunkenen Pflugbogenkünstlern, rasanten Carvingschwüngen und vollen Notaufnahmen ist eine natürliche Speedbremse einfach sicherer als Restalkohol vom Vorabend oder der Jagertee zum Frühstück.
Ich habe jetzt vielmehr Lust, mir die Idioten ganz in Ruhe von oben anzuschauen. An der Bergstation angekommen fummele ich dann so lange an meinen Handschuhen, bis die Schnapsdrosseln ihre ersten Fahrversuche unternehmen. Als der erste „Willi-Vernichter“ lachend-lallend umfällt, wobei sich seine Thermosflsche mit Glühwein im Rucksack entleert, bevor er überhaupt losgefahren ist, denke ich nur: „Proscht. Das sind genau die, vor denen ich meine Kinder immer warne“. Mir wird ganz schlecht bei dem Gedanken, dass so ein Promille-Artist irgendwann mal meinem sieben Jahre alten Sohn reinbrettert, den ich vor 20 Minuten in der Skischule abgegeben habe.
Ich fahr‘ dann lieber doch ein wenig Ski, mir jederzeit bewusst darüber, dass das, was ich da gerade mache, schnell und deshalb auch gefährlich ist. Daran erinnern auch der Rettungshubschrauber und der Akia (ein Rettungsschlitten), die mehrmals täglich in regelmäßigen Abständen ausrücken müssen, um verletze Skifahrer zu bergen.
Nicht zu unterschätzen ist die Aggressivität, die, bedingt durch die Geschwindigkeit, ähnlich wie beim Autofahren, viele Hobby-Skikünstler befällt, denen man ein so rüdes Verhalten im Alltag gar nicht zutraut. Dazu noch ein, zwei Bierchen zum Mittag auf der Hütt‘n und fertig ist gefährliche Mix aus Geschwindigkeit, aggressivem Fahrverhalten und fehlender Rücksicht. Deshalb passieren auch die meisten Ski-Unfälle in den Nachmittagsstunden.
Ich hingegen komme mir, Hanf sei Dank, fast immer zu schnell vor, wenn ich es mal laufen lasse. Lieber ein wenig langsamer, bloß niemanden erschrecken, nicht auffallen (der Kiffer-Reflex), nur nicht zu dicht an die „anderen“ ran. Lieber technisch sauber fahren, auf die Kleinigkeiten achten und an den berühmten „Conscious Move*“ denken und trotzdem im Flow bleiben. Still genießen. Ihr versteht schon, was ich meine, oder?
Vielleicht denken jetzt einige: „Ja, ist der denn bescheuert, stoned auf die Piste zu gehen?“
Hmm, vor 20 Jahren wäre das vielleicht ein berechtigter Einwand gewesen, meine Grenze zu finden, hat ein paar Jahre gedauert. Aber selbst in diesen Zeiten war ich im Skiurlaub meinen sturztrunkenen Jugendfreunden reaktions- und skitechnisch immer haushoch überlegen. Die waren halt besoffen, ich war stoned.
Heutzutage fahre ich nie total stoned Ski, sondern eher medizinisch dosiert. Ein, zwei Züge halt, mehr geht sowieso nicht im Lift ;-). Wenn ich Auto fahre, kiffe ich zum Beispiel gar nicht, weil es allgemeiner Konsens ist, nüchtern zu fahren. Ich möchte da nicht aus der Reihe tanzen, auch wenn ich die Erfahrung gemacht habe, dass mein Reaktionsvermögen nach einem Zug am Joint nicht so eingeschränkt wie mit 0,4 Promille ist. Die Akzeptanz von Alkoholfahrten im Vergleich zu anderen Drogen im Strassenverkehr ist ein anders Thema (siehe „Lalüüü, Lallaaa...“ auf Seite 3).
Auf der Piste ist meine Art der natürlichen Entschleunigung wie eine Lebensversicherung, so lange scharenweise angetrunkene Narren, Speedsüchtige oder Hobby-Rennläufer, die, ungebremst von Behörden oder Kontrollen, ihr Unwesen auf Kosten sportbegeisterter Skiläufer treiben.

Kommendes Jahr geht‘s nach Colorado, dort ist die Verwendung von „Medical Pot“ in den Skiorten weit verbreitet und toleriert. Da kann man sogar im Warmen kiffen.

* Conscious Move: Jamaikanische Redewendung - Keine unbedachten Bewegungen machen, jeden Schritt bewusst tun, jedoch ohne dabei zu verkrampfen.
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