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Die Eastside Growers

Handeln, nicht quatschen
Publiziert am: 01.03.11 - Medienformen: Medienform Text

Autor: KIMO /Fotos: East Side Growers
In voller Blüte

In Spanien gibt es seit einiger Zeit so genannte Cannabis Social Clubs, deren Mitglieder in einer Art Kollektiv legal Cannabis für den eigenen Bedarf und ohne kommerziellen Hintergrund anbauen dürfen. In Deutschland werden Hanfbauern, die lediglich für den eigenen Bedarf anbauen, immer noch wie Dealer bestraft, da selbst eine Pflanze oft mehr als die „Nicht Geringe Menge“ von 7,5 Gramm THC enthält.
Die repressive Gesetzeslage hindert jedoch immer weniger Menschen daran, ihr Gras allein schon aus gesundheitlichen Gründen selbst anzubauen. Die meisten machen das still und heimlich in ihrem Kämmerlein. Nicht so die Eastside Growers.
Dieser, nennen wir ihn mal „nicht registrierter Verein“, ist mit der derzeitigen Drogenpolitik überhaupt nicht zufrieden und hat sich entschieden zu handeln: Die Mitglieder bauen Gras nach dem Vorbild der spanischen Cannabis Social Clubs im Kollektiv an, kein Gramm gelangt in den Verkauf. Anders als Spanien jedoch (noch) anonym. Wir hatten die Gelegenheit, einem Gründungsmitglied in einem Interview per e-mail ein paar Fragen stellen zu können:


Ha Jo: Hi XXXX
East Side Growers (ESG): Ahoi Hanf Journal.

Ha Jo: Wie seid ihr/bist du zu eurem Hobby gekommen?
ESG: Der Weg der Eastsiders begann klassisch: In jungen Jahren – der jüngste von uns war damals 19 – kamen wir unabhängig voneinander erstmals in Kontakt mit Cannabis. Wahrscheinlich war es irgendein Kraut von der Straße und vermutlich nicht mal wirklich gut, aber uns hat es gefallen und wir blieben dabei. Bis heute nutzt keiner von uns Cannabis zu medizinischen Zwecken, sondern rein aus Gründen des Genusses.
Jahrelang versorgten wir uns über dunkle Kanäle auf der Straße und haben beim regelmäßigen Gras-Roulette auch oft verloren und totalen Müll oder sogar gestrecktes Gras bekommen. Auf die Idee, selbst zu growen, kamen wir damals noch nicht. Stattdessen haben wir viel Energie in die Suche nach besseren Dealern verschwendet.
Zum Homegrowing kamen wir mehr durch Zufall, als einer von uns drei Samen, die er im Straßengras gefunden hat, in die Erde gesteckt und den Topf auf den Balkon gestellt hat. Wir staunten damals nicht schlecht, als wir feststellten, wie schnell die Pflanzen wuchsen und wie wenig man wissen musste, um sie am Leben zu halten. Die einzige weibliche Pflanze lieferte uns die sagenhafte Ernte von gut drei Gramm, die wir in einem einzigen Pur-Joint verkostet haben.
Es war der beste Joint unseres Lebens. Nicht wegen des Geschmacks, der war räudig. Auch nicht wegen der Wirkung, die war kaum vorhanden. Es war die Entscheidung, die wir damals getroffen haben, die diesen Joint zum besten unseres Lebens machte: Wir bauen unser eigenes Gras an!
Fortan haben wir viel gelesen, viel gesehen, viel versucht und viele Fehler gemacht – zunächst outdoor, wenig später dann indoor. Bevor wir mit unserem Projekt online gingen, haben wir gut zwei Jahre lang vor uns hingegrowt und Erfahrungen gesammelt.
Ha Jo: Wie groß ist die Gemeinschaft der Eastside-Growers ungefähr?
ESG: Zurzeit bestehen die Eastside Growers aus sieben Männern und Frauen. Es handelt sich bei uns ausschließlich um erwachsene Menschen, die die 30 lange hinter sich gelassen haben. Viele von uns haben Familie, alle einen festen Job oder eigene Unternehmen. Wir sind fest eingebunden in einen soliden Freundeskreis, sind Mitglieder in Sportvereinen und der Freiwilligen Feuerwehr und engagieren uns in einigen Verbänden.
Derzeit bildet sich eine zweite Gruppe, die zu den Eastsidern gehört, aber unabhängig von der ersten Gruppe agieren wird.


Ha Jo: Was haltet ihr von der Idee so genannter Cannabis Social Clubs?
ESG: Cannabis Social Clubs können unseres Erachtens nur ein Anfang sein, um Cannabis zurück ins Bewusstein der Gesellschaft zu bringen und die Akzeptanz bei der breiten (in Form von ausgedehnt) Masse zu erhöhen. Eine Dauerlösung für Konsumenten sind sie unserer Ansicht nach nicht. Das größte Problem sehen wir in der fortgesetzten staatlichen Kontrolle. Beim Model der Cannabisvereine steht jedem Konsumenten eine festgelegte Menge an Cannabis pro Tag zu. Wir lehnen es aber ab, uns den Cannabiskonsum zustehen zu lassen und noch viel mehr, uns unsere Konsummengen vorschreiben zu lassen. Man stelle sich nur mal vor, der wöchentliche Bierkonsum eines Deutschen würde auf sieben Flaschen beschränkt. Da säßen einige Mitbürger ab Montag Nachmittag auf dem Trockenen und Deutschland stünde vor einem Volksaufstand.
Eine für uns akzeptable Lösung kann nur die totale Genehmigung des Anbaus zur Eigenversorgung sein. Alles andere ist Stückwerk.


Ha Jo: Welche Anbautechniken nutzt ihr?
ESG: Bislang haben wir konventionell auf Erde angebaut, sind jetzt aber dabei, mit der zweiten Gruppe eine Cocos-Linie aufzubauen. Da die aber noch nicht wirklich steht, wird sie hier auch nur am Rande erwähnt. Ebenfalls in Planung befindet sich eine CO²-Anlage, wobei es sich hierbei noch um Zukunftsmusik handelt. Wir haben uns für ein rotierendes System bestehend aus Mutterbox und Blütebox entschieden. So haben wir niemals einen großen Vorrat an Gras, aber den brauchen wir auch nicht, da wir jede Woche frisch ernten und den Schrank neu bestücken können.
Als Blütefläche stehen uns 1 m² (Erde) bzw. 1,44 m² (Cocos) bei jeweils zwei m Höhe zur Verfügung. Die Vegetation findet auf 0,64 m² (Erde) bzw. auf 1 m² (Cocos) statt. In Zukunft sollen die beiden Linien identisch gefahren werden, wobei die Maße der Cocos-Linie zum Standard gemacht werden.
Die Beleuchtung ist bei beiden Linien dem Volumen der Boxen angepasst. Auf die Erd-Linie bezogen heißt das, dass die Blütepflanzen mit einer 400 Watt Natriumdampflampe, die Mütter und die Pflanzen in der Vegetation mit einer 250 Watt Metall-Halogenlampe beleuchtet werden. Bei der Cocos-Linie kommt in der Blütebox eine 600er NDL, in der Vegetationsbox eine 400er MH zum Einsatz. Bei beiden Linien identisch ist die 110 Watt Leuchtstoffröhren-Armatur, die die Stecklinge mit Licht versorgt.
Die Erde-Gruppe verwendet in der Blüte Töpfe mit einer Endgröße von 7 Litern, die Cocos-Gruppe wird in 4 – 9 Liter Anzuchtblöcken growen. Als Dünger verwenden wir große Teile der Bio-Reihe von Advanced Nutrients.


Ha Jo: Welche Sorten züchtet ihr?
ESG: Zurzeit haben wir acht verschiedene Strains in den Schränken:

Critical Bilbo (Dinafem)

Great White Shark (Greenhouse Seed Company)

Lemon Skunk (Greenhouse Seed Company)
Mango (KC Brains)

Sensi Star (Paradise Seeds)

Strawberry Blue (World of Seeds)

Super Skunk (Sensi Seeds)

White Widow (Dutch Passion)

Außerderm selektieren wir zwei mögliche neue Mütter. Dabei handelt es sich um die „Tramuntana Star“ und die „Ballerblume6“ der mallorquinischen Samenbank „Mallorca-Seeds“, die die beiden neuen Strains im März auf den Markt gebracht hat.


















Das Sensi Star wächst und gedeiht



Ha Jo: Arbeitet ihr zum Blühen mit Sämlingen oder Stecklingen?
ESG: Grundsätzlich arbeiten wir mit Stecklingen, da nur so das rotierende System aufrecht zu halten ist. Neue Mütter selektieren wir allerdings gerne selber und zwar aus regulären Samen.


















Die Stecklingsstation

Ha Jo: Beschreibe doch mal einen „Standarddurchgang“ vom Steckling bis zur Ernte.
ESG: Nachdem die Stecklinge bewurzelt sind, wofür sie bei hoher Luftfeuchtigkeit und relativ hohen Bodentemperaturen zwischen 8 und 10 Tagen brauchen, pflanzen wir sie in kleine Anzuchttöpfe mit Anzuchterde. Die ist weniger stark vorgedüngt und ist für die jungen Wurzeln verträglicher. In den ersten Tagen werden sie mit Wasser und Rhizotonic von Canna gegossen, wobei der pH-Wert anfangs bei 5,0, später bei 5,5 liegt. Abhängig von der Raumtemperatur – wir haben uns gegen eine aktive Heizung entschieden und müssen mit Tiefsttemperaturen von 13-15 Grad leben – lassen wir die Jungpflanzen 15 bis 20 Tage, im Sommer 10 bis 15 Tage in der Vegetation, bis sie ungefähr eine Höhe von 30 cm erreicht haben. Das ist allerdings ein wenig abhängig vom Streckverhalten des jeweiligen Strains nach Einleiten der Blüte. So lassen wir eine SensiStar beispielsweise schon mal auf 40 cm heranwachsen, wobei eine Critical Bilbo bereits mit 20 bis 25 cm in die Blüte geschickt wird. Während der vegetativen Phase werden die Pflanzen zwei Mal umgetopft: In 3 und in 7 Liter Töpfe.
Die Stecklinge erhalten während der Vegetation keinen zusätzlichen Dünger, da die Erde ausreichend vorgedüngt ist. Die Mütter versorgen wir mit organischem Volldünger, B-Vitaminen und Enzymen. Zusätzlich kommt einmal pro Woche ein Glukosesirup zum Einsatz. Der EC-Wert bewegt sich zwischen 0,8mS und 1,0mS, der pH-Wert liegt bei den Mutterpflanzen bei 5,5, bei den Jungpflanzen bei 5,0.
Nach ihrem Umzug in die Blütekammer und der damit verbundenen Umstellung auf einen zwölfstündigen Beleuchtungszyklus erhalten die Pflanzen ihre erste leichte Düngergabe mit einem EC-Wert von 1,2mS bis 1,5mS. Dabei verwenden wir die gleiche Zusammensetzung wie für die Mütter, da die Pflanzen zunächst ernorm in die Höhe schießen und dementsprechend einen Wachstumsdünger brauchen.
Gegen Ende der zweiten Blütewoche wechseln wir den Dünger und versorgen die Pflanzen mit organischem Volldünger, B-Vitaminen, Enzymen, Blütestimulatoren, Kohlehydraten und einem THC Verstärker.
Der pH-Wert liegt dabei konstant bei 5,5. Da wir keine Lust haben, acht verschiedene Nährlösungen vorzubereiten, müssen wir hinsichtlich des EC-Wertes Kompromisse eingehen. Was einer Great White Shark gerade recht ist – ein EC von bis zu 2,2 – bringt eine Critical Bilbo schlichtweg um. So müssen alle mit einem EC von 1,5 bis 1,8 leben und schaffen das bislang auch ganz gut.
Gegen Ende der 5. Woche wechseln wir den Blütestimulator und ziehen damit die Gabe von Phosphor und Kalium an, was die Blüten signifikant schwellen und richtig kompakt werden lässt. Am Ende der 7. Woche – von 8-Wochen-Blühern ausgehend – stellen wir die Düngergabe komplett ein und spülen mit einem speziellen Flusher mindestens 5 Tage lang. Sobald die Eintrübung des Harzes erfolgt ist, wird geerntet. Leider wird dieser Zeitpunkt aber aufgrund von Versorgungsengpässen gerne auch mal um einige Tage nach vorne verlegt. Währenddessen werden natürlich weiterhin Stecklinge geschnitten und bewurzelt, da wir fast jede Woche ausreichend großen Nachschub für die Blütebox brauchen.
Das Trocknen findet in einem dunklen, ungeheizten Raum statt. In diesem Zusammenhang gilt unser ganzer Dank einer unserer Ehefrauen, die seit Jahren auf ihr Gäste-Badezimmer verzichtet! Es dauert zwischen zwölf und 15 Tagen, bis das Weed trocken ist.
Auf eine Fermentierung verzichten wir aus Zeitgründen. Wir ernten schlichtweg nicht genug, um das Gras wochenlang fermentieren und veredeln zu lassen.
Über die Lagerung unserer Ernte brauchen wir uns keine Gedanken zu machen, da jedem Eastsider nicht mehr als 10 Gramm pro Woche zur Verfügung stehen. Durch die Erweiterung der Anbaufläche wird sich das zwar geringfügig erhöhen, aber immer noch keinen Grund darstellen, sich Gedanken über eine Vorratshaltung machen zu müssen.

























'ne schicke Mango

Ha Jo: Wie vermeidet ihr die „Kommerzialisierung“ eures Projekts?
ESG: Wie gesagt, jeder Eastside-Grower bekommt maximal 10 Gramm die Woche. Die verhältnismäßig kleine Anbaufläche und die daraus resultierenden Erntemengen sind einerseits ein Nachteil, weil man oft Kompromisse hinsichtlich Erntezeitpunkt und Trocknungsmethode eingehen muss. Andererseits ist genau das der fast einzig wirksame Schutz gegen eine Kommerzialisierung. Da es sich bei den Eastside Growers ausschließlich um Dauerkonsumenten handelt, steht schlichtweg nicht genug zur Verfügung, um vom Wochenbudget etwas zu verkaufen. Da sich niemand von uns die Blöße geben würde, Gras auf der Straße zu kaufen und es sehr verdächtig erscheinen würde, wenn eines der Mitglieder ein anderes wegen Gras anhauen würde, weil das eigene aus mysteriösen Gründen verschwunden ist, gehen wir einfach davon aus, dass jeder Eastsider sein Kraut ausschließlich für sich verwendet, was das Einladen von Freunden zum gemeinsamen Joint allerdings nicht ausschließt.

Ha Jo: Wie schützt ihr euch vor Pilzen und Ungetier?
ESG: Das Wichtigste gegen Schimmel ist eine vernünftige Be- und Entlüftung sowie eine ständige Umwälzung der Luft. Sollten sich doch mal erste Anzeichen von Mehltau oder anderem Schimmel bemerkbar machen, sprühen wir ökologische Fungizide. Dabei machen wir keinen Unterschied zwischen Blüte- und Mutterpflanzen. Natürlich hat das zur Folge, dass der Erntezeitpunkt der nächsten reifen Pflanzen um mindestens zehn Tage nach hinten verschoben werden muss. Daher achten wir penibel darauf, ständig frische Luft in den Boxen zu haben.
Gegen Insekten gehen wir bei den Müttern und Stecklingen präventiv mit Neem-Öl vor. Die Mütter werden alle zehn Tage mit Neem im Wasser gegossen, die Stecklinge werden nach dem Schneiden in eine Neem-Lösung getaucht und vor dem Einzug in die Vegi-Box noch einmal mit Neem besprüht.
Das Wichtigste von allem ist allerdings Sauberkeit. In einer sauberen, luftigen und trockenen Umgebung fühlen sich die wenigsten Insekten wohl. Wenn verstreute Erde beseitigt, ausgelaufenes Wasser und abgestorbene Blätter entfernt werden, ist das Risiko eines Insektenbefalls deutlich reduziert.
Mit dieser Methode haben wir bislang erst zwei Mal ungebetenen Besuch in Form von weißen Fliegen und Schmierläusen gehabt.




















Temperatur und Luftfeuchtigkeit passen.....

Ha Jo: Wie schützt ihr euch vor zweibeingen Schädlingen oder: Was gehört zu einer guten Tarnung?
ESG: Da wir mit unserem Projekt die Normalisierung von Cannabis in der Gesellschaft erreichen wollen und zeigen möchten, dass es „vollwertige Mitglieder“ eben dieser Gesellschaft sind, die Cannabis konsumieren, verstecken wir uns nicht. Im Gegenteil: Wir konfrontieren auch uns unbekannte Gegenüber oft mit Statements Pro-Cannabis und versuchen, Aufklärungsarbeit an forderster Front zu leisten.
Selbstverständlich aber gehen wir mit unserem Grow nicht hausieren und halten sowohl die Tatsache des Grows an sich als auch seine Location geheim. Dazu gehört unter anderem, dass wir starke Entlüfter und große Aktivkohlefilter benutzen, das Ausblasgeräusch der Abluftschläuche auf Null reduziert und Lichtausfall vermieden haben. Dabei haben wir gleichzeitig darauf geachtet, dass von außen keine Veränderungen sichtbar sind und unser Leben ganz normal weitergehen kann – Licht an, Licht aus, Fenster auf, Fenster zu, wie bei jedem Nachbarn. Gleichzeitig achten wir darauf, dass sich die Nachbarschaft nicht zur Gänze vor unserem Grow-Haus versammelt hat, während wir die Spezialerde säckeweise aus dem Auto laden.
Doch vor all dem steht: No tell, no smell, no sell – kein Gelaber, kein Gestank, kein Verkauf! Wenn man sich daran hält, seinen Strom nicht klaut und regelmäßig bezahlt, die Wohnung des Nachbarn ein Stockwerk tiefer nicht flutet und es tunlichst vermeidet, die Hütte per Kurzschluss anzuzünden, fällt uns im Augenblick kein Grund ein, warum ein kleiner, nicht kommerzieller Grow auffliegen sollte.
Befreundete Gruppen growen bereits seit Jahrzehnten still und leise vor sich hin, tun keinem weh und kennen den Schwarzmarkt nur vom Hörensagen.


Ha Jo: Wieviel Arbeit steckt ein Eastside-Grower durchschnittlich in sein Hobby?
ESG: Die „Arbeit“ eines Eastsiders in Stunden auszudrücken, fällt uns schwer. Wieviel Arbeit ist es, mit guten Freunden Stecklinge einzutopfen, dumme Sprüche zu klopfen und sich darauf zu freuen, dass bald das Licht in den Boxen angeht? Wie lange dauert es, ein Belüftungskonzept zu überdenken, während man gemütlich beisammen sitzt und die Früchte seiner Arbeit genießt? Aber gut, wir wollen es versuchen ...
Täglich kümmert sich einer von uns um die Pflanzen. Das heißt, es wird auf Ungeziefer und Schimmel kontrolliert, welke Blätter werden entfernt und die Pflanzen generell auf ihren Vitalzustand untersucht. Das nimmt etwa 20 Minuten in Anspruch. Jeden zweiten bis dritten Tag muss gegossen werden, was etwa eine Stunde dauert. Pro Woche fallen zwei weitere Stunden Erntearbeit und eine Stunde Stecklingsarbeit an, womit wir auf eine Wochenarbeitszeit von rund 8 bis 10 Stunden praktischer Arbeit kommen.
Theoretisch kommt also jeder von uns auf eine Wochenarbeitszeit von einer Stunde, wobei das natürlich weit entfernt von jeder Wahrheit liegt. Unser Webdesigner und -redakteur hat Tage damit verbracht, die Seite zu bauen und sitzt jetzt mindestens eine Stunde pro Woche daran, Bilder zu bearbeiten, Texte zu schreiben und User-Kommentare zu beantworten. Unser Dünger-Spezialist hat Tage seines Lebens auf Messen und in Growshops verbracht, sich mit Wissenschaftlern und Landwirten unterhalten und seine Nase in wohl jedes Düngerbuch gesteckt, das verfügbar ist.
Immer wieder sitzen wir zusammen und versuchen Lösungen oder Verbesserungen für das System zu finden. Rein Betriebswirtschaftlich ist das natürlich Arbeit. Für uns ist es aber vielmehr das gemeinsame Ausleben eines Hobbies unter langjährigen Freunden.


Ha Jo: Was haltet ihr von „Bio“ beim Hanfanbau?
ESG: Wir haben uns aus Gründen des Geschmacks und der Ertragsmenge für den ökologischen Anbau entschieden. Wir haben mit chemischen Düngern – von welchem Hersteller auch immer – nie die Ergebnisse erzielt, wie sie uns biologische Dünger liefern. Es scheint bei der richtigen Zusammensetzung auf viel mehr anzukommen, als auf das passende Mischungsverhältnis verschiedener Salze. Die Bioorganismen, Enzyme und Mikroben, die in unserem biologischem Dünger enthalten sind, scheinen den Bedürfnissen unserer Pflanzen deutlich näher zu kommen.


















Sortenvielfalt sorgt für Abwechselung

Ha Jo: Nach der Pflege kommt dann die Ernte?
ESG: Die Ernte ist der anstrengendste und aufregendste Teil der ganzen Woche. Anstrengend, weil einiges an Fingerspitzengefühl, Geduld und Ausdauer erforderlich ist und uns die austretenden ätherischen Öle manchmal derart zusetzen, dass wir Kopfschmerzen bekommen. Aufregend, weil jede Blüte anders ist, auch wenn es von außen nicht so scheint. Die Konsistenz, die Intension des Geruchs und die Trübung der Harzkristalle sind von Pflanze zu Pflanze innerhalb eines Strains unterschiedlich ausgeprägt.
Bevor wir ernten, wird die Erde eine Woche lang kräftig gespült, um Düngerrückstände so weit wie möglich aus der Pflanze zu ziehen. Gegen Ende der eigenlichen Blütedauer – bei uns sind das in der Regel zwischen 56 und 64 Tagen – schauen wir uns mittels eines Taschenmikroskop die Trübung der Kristalle an. Sind sie transparent, bleibt die Pflanze noch einige Tage stehen. Sind die Harzköpfe leicht eingetrübt und nicht mehr durchsichtig, ist der richtige Erntezeitpunkt gekommen. Hat sich die Masse der Trichome bereits bernsteinfarben bis braun verfärbt, verkloppen wir den Schuldigen und ernten die Pflanze sofort. Dazu holen wir sie aus dem Blüteschrank und stellen den Topf mit Pflanze auf einen drehbaren Hocker. Drumherum sitzen je nach Lust und Laune bis zu drei Eastside Growers und entfernen zunächst die Sonnensegel. Das geht noch ohne Schere und Handschuhe, weil sich die riesigen Blätter mit einem beherzten Ruck schnell vom Stamm lösen.
Den kleineren Blütenblättern rücken wir mit Scheren zu Leibe. Dabei arbeiten wir uns von unten nach oben durch, jeder in seinem Abschnitt, und achten darauf, nicht zu viele Blätter stehen zu lassen, aber die harzüberzogenen Exemplare nicht abzuschneiden. Gerne wird im Eifer des Gefechts auch mal ein ganzer Bud abgeschnitten, was eine Strafzahlung von 5 Euro in die Düngerkasse zur Folge hat. Alle paar Minuten wird der Hocker gedreht, und jeder erhält den Abschnitt des Vorgängers. So haben wir innerhalb von 10 Minuten eine sauber manikürte, mehrfach überarbeitete Pflanze, die dann knapp über dem Boden abgeschnitten und in unserem Trockenraum kopfüber aufgehängt wird.


Ha Jo: Gibt es Tricks, auf die ihr schwört, die aber in keinem Buch zu finden sind?
ESG: Nein. Wir können das Rad nicht neu erfinden, und bei all der veröffentlichten Lektüre auf dem internationalen Markt gibt es nichts, was nicht schon mal ausprobiert worden wäre.
Ha Jo: Versucht ihr eine möglichst große Sortenvielfalt zu wahren? Wenn ja, wie?
ESG: Was die Sortenvielfalt anbelangt, ergibt sich die schon aus den persönlichen Vorlieben eines jeden Einzelnen. Jeder Eastsider hat seine persönliche Lieblingspflanze, die er unter unseren Müttern wiederfindet. Sollen neue Strains dazukommen, muss ein anderer aus Platzgründen leider weichen. Das wird dann aber demokratisch entschieden.


Ha Jo: Wie hoch sind die Erträge bei welchen Sorten?
ESG: Zur Erntemenge können wir keine generellen Angaben machen, da diese von vielen Faktoren abhängt. So liegen die erzielten Erträge im Winter beispielsweise gut 10% unter den Sommererträgen, die Erträge des Sommers weitere 10% unter denen im Frühjahr und im Herbst. Um trotzdem einen groben Überblick zu erhalten, haben wir die Erträge gemittelt. Bei den Angaben handelt es sich um die trockene Menge in Gramm pro Pflanze.

Critical Bilbo: 25 – 30 g

Great White Shark: 30 – 35 g

Lemon Skunk: 20 – 25 g

Mango: 20 – 25 g

Sensi Star: 30 – 35 g

Strawberry Blue: 20 – 25 g

Super Skunk: 30 – 35 g

White Widow: 30 – 35 g


Ha Jo: Worauf achtet ihr bei der Wahl der Sorte?
ESG: Uns kommt es bei der Wahl unserer Strains gleich auf mehrere Faktoren an: Wirkung, Konsistenz der Buds, Geschmack und Geruch. Die Ertragsmenge ist zweitrangig. Wenn eine Pflanze wie die Lemon Skunk oder die Mango nicht so viel abwerfen, dann stellen wir eben mehrere davon in die Blüte. Wegen ein paar Gramm weniger am Stengel auf den exquisiten Geschmack einer Lemon Skunk oder auf den tollen Effekt einer Mango zu verzichten, würde uns nicht einfallen. Bei uns steht Qualität ganz klar vor Quantität.

Ha Jo: Habt ihr auch schon versucht, eigene Sorten zu züchten?
ESG: Wir haben es nicht nur versucht, wir haben es sogar geschafft, unsere eigenen Sorten zu züchten. Dabei handelte es sich allerdings um eine ungewollte Bestäubung durch einen Zwitter und kann somit wohl nicht als erfolgreicher Zuchtversuch gewertet werden ;)
Ernsthaft versucht haben wir das noch nicht. Wir machen noch zu viele Fehler, um wirklich in der Lage zu sein, stabile Strains zu ziehen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.


Ha Jo: Was haltet ihr von feminisiertem Saatgut?
ESG: Im Prinzip spricht nichts gegen feminisiertes Saatgut, wenn es nicht das einzige ist, was noch auf dem Markt erhältlich ist. Als wir anfingen, haben wir uns über feminisierte Samen sehr gefreut und auch nie schlechte Erfahrungen damit gemacht. So hatten wir wenigstens die Gewissheit, dass wir unseren Platz nicht mit männlichen Pflanzen verschwendeten.
Für die Selektion neuer Mütter setzen wir allerdings voll und ganz auf die Kraft der Natur und somit auf reguläres Saatgut. Wir haben uns sagen lassen, dass die Mütter stabiler werden und länger Stecklinge liefern als die Mütter aus feminisierten Samen. Wir haben bislang mit einer Sweet Tooth nur eine einzige Mutter aus feminsierten Samen gezogen und sie nach nur wenigen Monaten in die Blüte geschickt. Sie war anfällig für Vorblüte und Schimmel und wuchs ziemlich ungleichmäßig. Seitdem kommt uns nur noch reguläres Saatgut in die Tüte, wenn es an eine Selektion geht.


Ha Jo: Was macht ihr mit den Ernteresten?
ESG: Erntereste fliegen bei uns auf den Müll. Wir sind alle keine großen Freunde von Haschisch, und für Butter oder Öl haben wir nicht genug Erntereste. Die blütennahen Blättchen sind bei uns überzogen von Harz und bleiben dran. Die Sonnensegel und Stengel reichen beim besten Willen nicht aus, um daraus etwas antändiges zu zaubern. Wenn wir da falsch liegen, möge man uns korrigieren.

Ha Jo: Wollt ihr unsreren Leser/inne/n noch was mit auf den Weg geben?
ESG: Wir würden uns freuen, wenn wir in Zukunft von weiteren Projekten wie dem unsrigen hören würden. Wir glauben, dass sich nur etwas an der Cannabis-Politik ändern kann, wenn Fakten geschaffen werden. Und vor allem: Macht es publik! Steht in eurem Freundes- und Bekanntenkreis zu eurem Marihuanakonsum. Der ist nach wie vor in Deutschland nicht verboten.

Hajo: Vielen Dank für das Gespräch, passt auf euch auf. Tschö.
ESG: Keine Ursache, wir tun unser Bestes. Tschüss.



























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