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Beschneidung …
… ist ein zweischneidiges Schwert
Publiziert am: 03.03.11 - Medienformen: Medienform Text

Eine beschnittene Mutter in der Blüte - Foto: Archiv
















„Teilen oder Spalten nennt man den Eingriff in das Wachstum der Pflanze, wenn die Spitze des Stammes mit einem scharfen Schnitt entfernt wird. Dies wird angewendet, wenn man erreichen möchte, dass sich mehrere Hauptstengel an den Pflanzen bilden und/oder die Höhe eingeschränkt werden soll. Gerade wenn man das Gewächs im Garten, dem Balkon oder dem Gewächshaus anwachsen lässt, ist dies eine gute präventive Maßnahme gegen die ungebetene Wahrnehmung von Dritten.

Viele denken sich, dass viele Haupttriebe auch mehr Ernteertrag bedeutet. Bei manchen Pflanzen und unter den richtigen Umständen ist es möglich, so zu einer höheren Ernte zu kommen, jedoch ist das keine typische Eigenschaft einer jeden Hanfsorte. Auch nicht zu vergessen ist, dass wie gut der Schnitt auch immer gemacht wurde, er für die Pflanze nicht natürlich ist. Das Wachstum jeder Pflanze hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren in der Umgebung ab, an denen sich die gesamte Struktur der Pflanze, neben ihrem möglichen Potential, orientiert (Größe, Anzahl der Seitentriebe, etc.). Man sollte sich daher schon voher genau überlegen, ob sich eine Beschneidung des Hauptstammes bei den gebotenen Bedingungen überhaupt lohnt. Wenn man sich dafür entscheidet, sollten die Pflanzen bereits gut durchgewurzelt haben, keinen weiteren Belastungen ausgesetzt sein und nicht weiter umgetopft oder gar transportiert werden. Nachdem man den Hauptstiel gekappt hat, wird dieser nicht weiter wachsen, dafür aber die Seitenstengel um so mehr. Sind drei bis fünf Tage vergangen, bilden sich zwei neue Triebe an der Stelle des Schnittes am Hauptstiel. Diese sind ein wenig dünner, werden aber schnell zu gesunder Größe heranwachsen. Die Pflanze hat nun keinen Haupttrieb mehr, ist also nicht mehr appikaldominant.

Appikaldominanz bedeutet, dass bei einer Pflanze die Ausbildung der Seitentriebe durch den Haupttrieb gehemmt wird. Das liegt an der Aktivität des primären Sprossapikalmeristems (SAM), das für die Bildung des Haupttriebs, also der Spitze, verantwortlich ist. Seitentriebe, also sekundäre, sprich „unwichtigere” Äste, wachsen aus sekundär angelegten Blattbildungsgewebe, deren Auswachsen dann durch die primäre Sprossspitze unterdrückt wird. Das geschieht durch die Produktion des Hormons Auxin in der Pflanzenspitze, das dann im unteren Teil der Pflanze die Seitentriebentwicklung unterdrückt. Nach der Entfernung der Spitze entfällt die Auxinquelle und Seitentriebe beginnen auszuwachsen, so wie beim Scroggen oder dem Supercropping. Das Beschneiden der Spitze stresst die Pflanze jedoch sehr, weil der gesamte Hormonhaushalt umgestellt werden muss. Um Ertragseinbußen zu vermeiden, sollten Spitzen nie in der Blütephase beschnitten werden. Bei Kultivierungsmethoden wie der Sea of Green (SOG) ist die Appikaldominanz sogar erwünscht, deshalb sollte man sich immer genau wissen, was beim Beschneiden von Pflanzen passiert und ob die Kultivierungsmethode ein Stutzen auch wirklich erfordert. Wird eine mit Auxin versetzte Nährlösung verabreicht, unterbleibt das Auswachsen der Seitentriebe sogar komplett.
Wenn eine Outdoor-Pflanze zum Beispiel an schattigen Plätzen steht, wird sie sich normalerweise gerade nach oben entwickeln. Wenn sie eine gewisse Größe erreicht hat und die Spitze mehr Sonnenschein ausgesetzt ist,wird sie ihr Potential entfalten und die Seitentriebe so wachsen lassen, dass diese auch so nah wie möglich ans Licht reichen.

In diesem Fall wäre eine frühe Beschneidung eine offensichtliche Falscheinschätzung, die Pflanze wird aufgrund der geringeren Lichtintensität zur Unterentwicklung gezwungen. Sollte man einen Outdoor-Grow planen, ist ein natürliches Wachstum zur Entfaltung des vollen Potentials für die Pflanzen das Empfehlenswerteste. Die Gewächse nicht zu stören, ist die beste Methode für einen natürlichen Grow. Jede Spezies aller Pflanzen hat ihren eigenen spezifischen Körperaufbau, der den Ansprüchen des natürlichen Lebensraumes entspricht und den Faktoren der Umgebung in gewissen Maße angepaßt werden kann. Eine Planze ist ein relativ simpler Organismus, der speziellen Regeln seiner Überlebens- und Reproduktionsfunktionen unterliegt. Daher versucht er, auch nach einer Beschneidung weiter zu wachsen und zu überleben, indem sich die verbleibenden Triebe so schnell wie möglich in Richtung Lichtquelle recken. Das kostet jedoch Energie, die dann zur Blütenbildung fehlt.

Unter den richtigen Bedingungen kann man durch Beschneidung einen schönen Busch mit zahlreichen Seitentrieben heranziehen, muss jedoch auch darauf achten, dass es der Pflanze Probleme machen kann, im Herbst die grünen Massen in der Luft zu halten. Auch könnten viele Mini-Buds, hervorgerufen durch Lichtmangel, an den unteren Trieben ein weniger hübsches Bild hinterlassen. Auch die Wetterbedingungen verursachen möglicherweise Probleme, da sich die Feuchte in einem dichtbewachsenen Gewächs sammeln könnte und Schimmelgefahr vor der Erntezeit besteht.
Lassen wir die Pflanze dagegen frei wachsen, garantieren wir einen maximalen Luftaustausch. Sie wird sich gut auf die Blüte wie Reifephase vorbereiten und dementsprechend entwickeln. Ein Naturgewächs weiß am besten, was gut für es ist, dazu sehen unbeschnittene Pflanzen gesünder aus und entwickeln sich normalerweise auch dementsprechend. Ebenso können viele Grower bestätigen, dass die Ernte ertragreicher und potenter ausfällt.

Die bekannteste Methode des Beschneidens ist jedoch das Wegschneiden der kompletten „Rose“ an der Spitze einer kleinen Pflanze. Mittlerweile gibt es auch die neue FIM-Methode, die eher aus Zufall enstanden ist. Ein Grower schnitt anstatt der kompletten Spitze nur 80 Prozent der „Rose“ von der Pflanze und ließ 20 Prozent des Restes an der Pflanze stehen. Daraufhin entwickelten sich nach vier bis sieben Tagen vier bis acht neue Haupttriebe an der Schnittstelle. Diese Methode ist hauptsächlich für den Indoorbereich oder das Gewächshaus interessant, weil es dort notwendig ist das extreme Wachstum zu beeinflussen. Es ist auch kein schwieriger Prozess, sondern ist schell zu erlernen und kann ruhig einmal ausprobiert werden. Wegen des geringen Raumes in einem Gewächshaus versuchen die Pflanzen, sich nicht gegeseitig Platz zu klauen und werden sich dementsprechend kleiner entwickeln. Dies passiert, weil es einfach zu eng ist und die Pflanzen „spüren“, wie schlecht zuviel Nähe im Herbst sein wird. Um nicht zu schimmeln, wachsen Plflanzen und geben dabei auf gegenseitigen Abstand Acht, auch wenn die Lichtverhältnisse genügen.
Eine der bemerkenswerten Eigenschaften von Pflanzen ist, dass sie instinktiv „wissen“, wie ein Blüteproblem auf zu kleinen Raum in Zukunft vermieden werden kann. Bei zu geringem Platz, den man erst in der Blütephase bemerkt, feuchtet man am besten die betroffenen Triebe mit Wasser an und biegt sie langsam mit den Spitzen nach unten. Ein bis zwei Tage später wird der Trieb weiterwachsen, jedoch an der Position des Eingriffes. So kann man die Höhe von Pflanzen notfalls bis kurz vorm Erntezeitpunkt recht gut beeinflußen.

Fazit
Jegliche Form des Teilens und Beschneidens sollte schon früh zu Beginn der Wachstumsphase und nie ohne Grund, Plan oder genaue Anleitung (Scrogg, FIM, LST) angewandt werden. Beim Outdoor ist Beschneiden eigentlich nur notwendig, wenn es aus Gründen der Tarnung unumgänglich ist.“




Organica
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