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Psychoaktive Pflanzen unserer Heimat

Kalmus
Publiziert am: 03.05.11 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Markus Berger
Acorus Gramineus - Foto: M. Berger

Steckbrief

Acorus calamus LINNÉ
Acorus gramineus SOLAND
Familie:
Araceae (Aronstabgewächse)

SYNONYME:

Acorus calamus: Acorus aromaticus Gilib., Acorus odoratus LAM., Acorus vulgaris LINNÉ und Acorus vulgaris (WILLD.) KERNER

Trivialnamen:

Acorus calamus: Ackermagen, Ackerwurz, bachh (hind.), Calamus, Gewürzkalmus, kalmanjuuri (fin.), Kalmus, kalmusrot (schwed.), Kolmas, Magenwurz, racha (ved.), Schiemenwurz, shih-ch‘ang pu (chin.), sweet flag (engl.), sweet sedge (engl.), Venuspflanze u.v.a. / Acorus gramineus: Ch’ang-p’u (chin.), gräskalmus (schwed.), heinäkalmojuuri (fin.), Japanese Sweet Flag (engl.), Shi chang pu (chin.) u.a.

Vorkommen:

Acorus calamus stammt ursprünglich aus Südasien, heute ist er aber weltweit in Sumpf- und Teichgebieten sowie stehenden Gewässern verbreitet. Die Pflanze benötigt stickstoff-haltigen Boden und einen sonnigen Standort. Acorus gramineus ist in Asien beheimatet.

Botanik

Acorus calamus ist ein 60 bis 120 Zentimeter hohes, aufrecht wachsendes, Rhizome bildendes Sumpfgewächs mit kolbenartiger, grünlich-gelber Blüte, schwertförmigen Blättern und starkem Duft. Acorus gramineus ist kleiner und hat bis zu zwanzig Zentimeter lange Blätter. Von beiden Arten existieren Varietäten und Kultivare.

Wirkstoffe

Der europäische Kalmus enthält beta-Asaron, Decadienal, Caryophyllen, Humulen, Curcumen, Acoron, Neoacoron, Acorin, Gerbstoffe und Schleim im ätherischen Öl des Wurzelstocks. Der dem europäischen Kalmus nah verwandte Acorus gramineus SOLAND. enthält alpha-Asaron, beta-Asaron, Safrol und Eugenol sowie alpha-Humulen, Sekishon und andere.

Geschichte

In Ägypten und China ist Kalmus seit Tausenden von Jahren bekannt und ein beliebtes Aphrodisiakum. In Tibet wird Acorus calamus zur geistigen Reinheit und für verbessertes Konzentrationsvermögen geräuchert. Auch in der indischen Ayurveda ist der Kalmus als Heilmittel für seelische und körperliche Erschöpfungszustände sowie zur Verjüngung des Geistes eine wichtige Pflanze. Medizinisch ist Acorus calamus schon lange bekannt. Er war in Europa schon im Mittelalter populär und als Heilmittel beliebt, er ist unter anderem bei Verdauungs- und Magenproblemen anwendbar.
Die Cree-Indianer im nordwestlichen Kanada nutzen den Kalmus zu psychoaktiven Zwecken. Um die Wirkstoffe aus der Wurzel zu gewinnen, wird diese gekaut. Es existieren verschiedene sogenannte Sippen innerhalb der Art Acorus calamus. Richard Evans Schultes und Albert Hofmann geben an, dass die von den Cree als Halluzinogen verwendeten Acorus-Pflanzen keine Asarone enthalten (SCHULTES et HOFMANN 1998: 34). Die genutzte Sippe dürfte aber in jedem Fall die ebenfalls potenten psychoaktiven Verbindungen Safrol und Eugenol beinhalten.

Verwendung

Auskauen, Essen oder Trinken des bei unter 70° C getrockneten Wurzelstocks. In der Literatur wird meist ein etwa zehn bis fünfundzwanzig Zentimeter langes Wurzelstück als Konsumeinheit angegeben. Das ist allerdings sehr ungenau.1 Möchte man die Wurzel auskauen, reicht es, sie in daumendicke Teile zu zerschneiden. Soll sie jedoch gegessen oder als Kaltgetränk konsumiert werden, empfiehlt es sich, das Wurzelstück zu pulverisieren. Hier wird in der Literatur oftmals eine Menge von zehn bis zwanzig Gramm Wurzelpulver empfohlen. Ich habe in verschiedenen Bioassays allerdings die Erfahrung gemacht, dass Mengen bis 100 Gramm völlig wirkungslos sind (siehe unten: Wirkung). Auch Christian Rätsch bestätigt das. Christian hat „auch bei sehr hohen Dosierungen (bis 100 g des ausgekochten, getrockneten Wurzelstockes) keinerlei halluzinogene, psychedelische, entheogene oder sonstwie visionäre Wirkungen bemerken können“ (Rätsch 1998: 42). Ich habe selbst auch erst bei 150 Gramm eindeutige Wirkungen verspürt und komme von daher mit Christian überein. Allerdings ist das Erhitzen des Materials, z. B. beim Bereiten eines Aufgusses oder auch bei Auskochungen, nicht unbedingt angebracht, da dies die Aktivität beeinträchtigt. Ich habe immer Kaltauszüge bereitet und in manchem Fall mit chinesischem Kalmus (Acorus gramineus) gute Erfolge erzielt. Ich muss allerdings ausdrücklich betonen: Selbstexperimente können unglaublich gefährlich sein! Vor allem dann, wenn man nur diesen Artikel zur Grundlage hat und sonst nichts weiter weiß. Gefahr lauert hauptsächlich in den von mir angegebenen Dosierungen. Mengen von 100 Gramm oder mehr sollte sich niemand antun. Ich selbst habe auch erst nach jahrelangem ‚pychonautischen Studium’ solche Experimente in Eigenverantwortung gewagt und aufs Peinlichste vorbereitet. Außerdem ist die Erforschung dieser Pflanzen bzw. Substanzen glücklicherweise mein Job, so dass hier eine gänzlich andere Situation vorliegt, als bei dem, der mit den diversen Pflanzen nur die Abwesenheit anderer Psychoaktiva substituieren will. Darüberhinaus gibt es noch andere, harmlosere Verwendungsmöglichkeiten als die orale Einnahme: Kalmus kann genauso gut geräuchert oder geraucht werden. Manchmal wird die pulverisierte Wurzel in Form eines Badeszusatzes als Aphrodisiakum verwendet (Rätsch 1998: 41).
































Acorus calamus (hell) - Foto: M. Berger






Wirkung

Verschiedene Experimente an Geist und Körper von Markus Berger hatten zum Ergebnis: In geringer Dosis, etwa 100 Gramm pulverisierte Wurzel als Kaltgetränk, erzeugte Acorus gramineus eine leichte Stimmungsaufhellung, die aber auch bloße Einbildung gewesen sein kann und keine weiteren Effekte. 150 Gramm des selben Wurzelstücks wirkten schwach euphorsierend und stimmungsaufhellend. 250 Gramm Kalmus-Wurzel erzeugen eindeutige euphorisierende, leicht entaktogene Effekte und keinerlei Halluzinationen. In einem älteren Artikel beschrieb ich die Wirkung als vom Gemütszustand fast visionär scheinend (BERGER 2003). Diese Behauptung möchte ich revidieren, da ich dies nach weiteren Versuchen nicht bestätigen kann.

Gefahren & Nebenwirkungen

An Ratten vorgenommene Tests hatten zum Ergebnis, dass große Mengen Kalmus kanzerogen wirken können. Das heißt aber noch lange nicht, dass dies beim Menschen ebenso der Fall ist. Aus der MDMA-Forschung ist beispielsweise bekannt, dass hohe Dosen MDMA Rattengehirne nachhaltig schädigen. Beim Menschen konnte solches aber nicht nachgewiesen werden. Kalmus darf wegen der Asarone keinesfalls in Verbindung mit MAO-Hemmern² eingenommen werden!

Rechtslage

Acorus calamus und Acorus gramineus unterliegen keinen Bestimmungen. Kalmusöl gibt es mittlerweile nicht mehr auf dem Markt, was mit einer angeblichen krebserregenden Wirkung begründet wird. Solange im fertigen Getränk weniger als 1 Milligramm Asaron enthalten ist, darf Kalmus als Aromazusatz beigegeben werden (RÄTSCH 1998: 42).

Literatur (Auswahl):

Berger, Markus (2003), Psychoaktive Gewürze, Entheogene Blätter 3/03:
Rätsch, Christian (1998), Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Aarau: AT Verlag
Schultes, Richard E. und Hofmann, Albert (1998), Pflanzen der Götter, Aarau: AT Verlag
Schuldes, Bert Marco (2001), Psychoaktive Pflanzen, Löhrbach: Werner Pieper and The Grüne Kraft
Fußnoten:
1 Ich habe in älteren Artikeln die selben Aussagen getätigt, tue dies aber inzwischen nicht mehr. Man lernt ja nie aus.
2 Viele Antidepressiva aber auch andere psychoaktive Pflanzen, z.B. Passiflora spp., Peganum harmala, Banisteriopsis caapi usw., enthalten MAO-Hemmer. Zur MAO-Hemmung siehe Folge 1 dieser Serie „Phragmites australis“.



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