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Horrorunfall:

Kiffer rast 4 Menschen tot
Publiziert am: 03.05.11 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Sadhu van Hemp
Marcel Renault auf seiner letzten Fahrt

Diese blutverschmierte Schlagzeile zierte Mitte März 2011 die Titelseite der „BILD Hamburg“. Von Friesland, über Graubünden bis Kärnten bekamen die Bürger die Gruselmeldung der gleichgeschalteten Presse verabreicht, dass ein mit Rauschgift zugedröhnter Typ an einer Kreuzung in Hamburg ein Trümmerfeld hinterlassen hat. Dass sich unter den prominenten Unfallopfern auch der Drogenpapst Günter Amendt befand, löste bei den Schmierfinken den Reflex aus, Cannabis wieder einmal mehr als Killerkraut hinzustellen.

Was war geschehen? Will man den Knallzeugen der Springer-Medien Glauben schenken, raste am 12. März der Fahrer eines Kleinwagens bei Rot über die Ampel, kollidierte mit einem anderen Fahrzeug, überschlug sich mehrfach und riss dabei vier Passanten in den Tod. Dass während des Unfallhergangs die Sonne schien und die Vögel zwitscherten, wie die Bildzeitung die Tragödie geradezu poetisch ausmalte, soll uns nicht weiter interessieren, wohl aber die öffentliche Hinrichtung des Unfallfahrers, die im deutschsprachigen Blätterwald dank eifriger Springer-Journalisten vollstreckt wurde.
Print- und Onlinemedien haben ganze Arbeit geleistet, den Verkehrsunfall von Eppendorf dahingehend auszuschlachten, den Lesern das Horrorgemälde eines bösen Kifferkillers zu präsentieren, der im Vollrausch auf bestialische Weise vier prominente Bürger ermordet hat, aber selbst „nur leichte Blessuren“ erlitt. Die Botschaft, dass nur ein toter Kiffer ein guter Kiffer ist, ist nun nichts Neues aus dem Hause Springer, aber die Art und Weise, wie die Öffentlichkeit in die Irre geführt wird, ist schon besonders widerwärtig. Deshalb ist die Spekulation auch zulässig, dass die Unfallnachricht die abkommandierten Redakteure völlig aus dem Häuschen gebracht haben muss, nachdem das Ersatzhirn Suchmaschine die mutmaßlichen Pisa-Journalisten darüber in Kenntnis gesetzt hatte, dass sich hinter dem Namen Günter Amendt der Fürsprecher der Haschgiftjunkies verbirgt, also der Kifferpapst höchstselbst. Diese Information im Kopf eines Boulevardjournalisten führt natürlich zur abgeschmacktesten aller geistlosen Assoziation, um eine gruselige Schlagzeile zu produzieren. Wie von selbst steht plötzlich die Frage im Raum: „Was wäre, wenn der Fahrer zu den vier bis sechs Millionen Bürgern gehört, denen man THC-Spuren im Blut nachweisen kann?“ Wie so oft reichte ein Anruf bei der Polizeidirektion, um sich obige Headline mit einer kleinen Indiskretion absegnen zu lassen. Damit war der Weg frei, auch für die vielen inkompetenten Schreibtischtäter anderer Gazetten, die die Tragödie gnadenlos ab- und sogar umschrieben. Einen ganz besonderen Affront leistete sich die „Berliner Zeitung“, die unter dem zynischen Titel „Vier Tote, Sex und Drogen“ den Sozialwissenschaftler kurzerhand auf den Beifahrersitz des Rasers sterben ließ. Wie in der gleich titelnden „Frankfurter Rundschau“ wird dann der sinnige Schluss gezogen, Günter Amendt hätte sein Leben einem Kiffer anvertraut – frei nach dem Motto: So was kommt von so was! Der Verlust des Menschen Amendt trat und tritt komplett in den Hintergrund, stattdessen scheuen die Print- und Onlinemedien bis heute keine Pietätlosigkeit, keine Lüge, um die Leser mit dem zu indoktrinieren, was an unanständigem Tendenzjournalismus nicht zu überbieten ist. Noch am 8. April, anlässlich der Trauerfeier der Getöteten, servierte die „Berliner Morgenpost“ ihren Lesern einen Artikel mit der reißerischen Überschrift „Das richten Drogen an“. Und das, obwohl längst die ersten Untersuchungsergebnisse vorliegen und sich der Verdacht erhärtet, dass nicht das Fahren unter THC-Restspuren ursächlich für den Zusammenstoß war, sondern der simple Umstand, dass der Fahrer bereits als unverbesserlicher Unfallfahrer und PS-Rowdy auffällig geworden war und überdies seit Jahren unter epileptischen Anfällen leidet, die die Einnahme von Medikamenten erfordert.
Das zuständige Verkehrsgericht wird sich der Vorverurteilung des rechtskonservativen Medienkartells nicht anschließen und die Vita des achtunddreißigjährigen Todesfahrers etwas präziser und objektiver beleuchten, um sich ein vernünftiges Urteil zu bilden. Und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn die Gerichtsgutachter dem Anklagten nicht bescheinigen, dass er grundsätzlich zum Führen eines Kraftfahrzeugs körperlich, geistig und charakterlich ungeeignet ist – egal ob er nun kifft oder nicht. Ja, und dann, dann könnte der Titel dieses Artikels auch lauten: „Auto-BILD-Leser rast vier Alt-Hippies tot!“
Doch auf dieses Niveau wollen wir uns nicht begeben, zumal ein Nachruf auf unseren verstorbenen Freund und Bruder Günter Amendt einen Titel verdient, der seinem Schaffen und Wirken gerecht wird:

No Drugs – No Future

Diese vier Worte schmücken Günter Amendts 2003 erschienenes Buch über Drogen im Zeitalter der Globalisierung. Zugleich ist dieser Ruf das Vermächtnis eines Menschen, der sich vom Sturm des Prohibitionswahnsinns weder beugen, noch brechen ließ.


Der Tod des Publizisten in Sachen Bob Dylan und Drogenkultur hat eine Lücke hinterlassen, die so schnell niemand schließen wird. Günter Amendt strahlte wie kein anderer das Charisma des Unbestechlichen aus, der im Anti-Drogen-Krieg stets mit offenem Visier focht und seine und unsere Feinde mit gefeilter Rhetorik und messerscharfem Verstand entwaffnete – und das en passant und ohne dabei wie seine Widersacher ins Schwitzen zu geraten. Amendt war immer einer von uns! Nicht einen Tag seines Lebens ist er vom kämpferischen Weg gegen die Drogenlüge abgewichen, er hat sich stets und überall eingemischt und den Demagogen und Hetzern die Zornesröte in die Hackfressen getrieben. Während sich andere Alt-68’er auf ihre alten Tage vom Saulus zum Paulus gewandelt haben und neben einem grünen Parteibuch auch schon mal ein dickes Portefeuille mit unanständigen Wertpapieren besitzen, hat sich Günter Amendt damit begnügt, ein ruheloser Querdenker zu bleiben. Nein, Bruder Günter war keiner, der sich auf dem esoterischen Ego-Trip ins Dschungel-Camp verirrt hätte, vielmehr tingelte er für kleines Geld unaufhörlich von einer Podiumsdiskussion zum nächsten Vortrag, verfasste Bücher, Essays und Hörfunkfeatures, und wenn er mal im Fernsehen auftreten durfte, dann präsentierte er auf charmante und humorvolle Weise seinen unverwüstlichen Glauben an eine baldige drogenpolitische Wende. Und genau an diesem Punkt unterschied sich Amendt von seinen früheren Genossen, die sich auf dem Weg durch die Instanzen vom aufrechten APO-Revoluzzer mal eben zur systemrelevanten Stütze der Gesellschaft verbiegen ließen und im Anti-Hanf-Krieg wider besseres Wissen feige den Kopf einziehen.
Amendt war ein Mann, der nur seiner persönlichen Erkenntnis folgte, und das von Kindesbeinen an. Das Erste, womit ihn die Welt begrüßte, war Krieg, und das Laufen lernte er auf den Trümmern des Tausendjährigen Reichs. Wie viele Jugendliche seiner Zeit wehrte er sich gegen die Allgegenwart der unzureichend entnazifizierten Vätergeneration, die sich mit einem Persilschein die braune Farbe notdürftig abgetupft hatten und längst wieder in Amt und Würde waren. Als die Adenauer-Regierung anno 1955 die Deutsche Wehrmacht unter dem Tarnnamen Bundeswehr wiederbelebte, um im Kalten Krieg gegen den Kommunismus Gewehr bei Fuß zu stehen, kam der pazifistisch erzogene Günter Amendt unweigerlich mit dem Gesetz in Konflikt, denn keinesfalls wollte sich der schmächtige Jüngling zum stiernackigen Totschläger ausbilden lassen. Wehrdienstverweigerung kam damals noch einem Vaterlandsverrat gleich, und man will es sich gar nicht ausmalen, welch gewaltigem Druck der junge Mensch ausgesetzt war, wenn man sich die vom Nationalsozialismus deformierte Gesellschaft der Nachkriegsjahre vor Augen führt. Doch mit dem Mut der Überzeugung hielt Amendt auch das aus, absolvierte eine kaufmännische Lehre, holte das Abitur nach und studierte Soziologie, Psychologie und Germanistik. 1964 schrieb er sich an University of California in Berkeley ein und wurde Zeuge des Aufflammens der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, die wie eine Epidemie den ganzen Kontinent und wohl auch Günter Amendt erfasste. Mit dem Hippie-Virus infiziert kehrte er 1966 nach Deutschland zurück, und in der Nachbetrachtung des Zeitgeschehens drängt sich der Schluss auf, dass Günter Amendt der ominöse Patient Null war, der eigentlich sofort in Quarantäne hätte genommen werden müssen. Doch die Transatlantiker im Bundestag konnten die Gefahr in Gestalt des langhaarigen Lauspenners, der aus dem Westen kam, nicht erkennen, denn alle Augen waren gen Ostberlin und Moskau gerichtet.



























Günter Amendt - Foto: guenteramendt.de




Zurück im Vaterland tat Amendt alles, um Vater Staat auf die Füße zu treten. Er agitierte im Sozialistischen Deutschen Studentenbund, war zeitweilig dessen Chefideologe und stand Ostern 1968 an vorderster Front, als es darum ging, den Springer-Konzern im Namen des Volkes zu enteignen. Diese Anmaßung quittierte das Schmutzblattimperium mit einem Vernichtungsfeldzug gegen Amendt, der in einer Schadensersatzklage auf 72.000 D-Mark gipfelte – ein schönes Sümmchen, für das ein Werktätiger damals zehn Jahre schubbern musste. 1973 nahm Springer den Vergleich auf Zahlung von 30.000 D-Mark an, die schließlich eine linke Solidaritätsspendenaktion Mark für Mark einsammelte. Der Witz bei der Sache ist, dass der lange Prozess Amendt mehr genutzt als geschadet hat und kostenlose Werbung für seine Bücher war. Und diese Streitschriften hatten es in sich! Noch heute klingt vielen Männern 50+ der Satz des Pastors in den Ohren, dass nach 1000 Schuss Schluss ist. Mit diesem und anderem Unsinn hat Amendt in seinem Skandalbuch „Sexfront“ (1970) rigoros aufgeräumt. „Onaniere so oft, so viel oder so wenig, wie du willst, und solange es dir Spaß macht“, riet er den Jungen und Mädchen von damals, die plötzlich einen völlig neues und selbstbestimmtes Bewusstsein hinsichtlich der eigenen Sexualität entwickelten – zum Leidwesen der verklemmten Kirchenfürsten und Sittenwächter, die bis heute Amendts Verführungsschrift verteufeln.
Nachdem Amendt 1972 (ohne fremde Hilfe) promoviert hatte, räumte er nach und nach das Feld der Sexualforschung und beackerte fortan einen anderen Kriegsschauplatz, und zwar den der Drogenpolitik, die er angesichts der vielen Opfer für gescheitert erklärte. Die Forderung nach Abstinenz war in seinen Augen „weder durchsetzbar noch akzeptabel“, sondern nur der klägliche Ausdruck „totalitären Denkens“. Die sozialen, politischen und ökonomischen Auswirkungen des Umgangs mit illegalen psychoaktiven Substanzen bildeten dann auch die Grundlage für die fröhliche Wissenschaft des Dr. phil. Günter Amendt. Mit einer bewundernswerten Penetranz und Lust sägte er am ideologischen Lügengerüst der Anti-Drogen-Krieger, enttarnte getürkte Gutachten und Horrorstatistiken und munterte die Bürger unablässig auf, sich nicht das verbieten zu lassen, was als Heilkraut längst wiederentdeckt ist. „Hasch killt den Stress“, war Amendts Erkenntnis, und recht hat er in Anbetracht einer Gesellschaft, die nur noch in großer Eile unterwegs ist und sich darüber in der Zeit verliert. Amendt trat vehement für eine Verlangsamung des Lebens ein – und was hilft da besser als der gute alte Hanf. In diesem Sinne wollen wir sein Andenken in Ehren halten. Wünschen wir unserem Bruder, dass sich im Paradies stets eine Scheibe von Bob Dylan auf dem Plattenteller dreht und der Fritz Teufel täglich auf ein Tütchen vorbeischaut.


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