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Rolys Silberscheiben des Monats Mai 2011

Publiziert am: 02.05.11 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Roly
Maike Rosa Vogel: Unvollkommen

Maike Rosa Vogel: Unvollkommen
our choice

Diese sympathische Frau hier wuchs in Frankfurt in einem gesangsfreudigen 68er Haushalt auf. Schon früh brach sie die Schule ab und gründete mit 14 Jahren ihre erste Band. Nach Jahren als Postbotin, Kellnerin und Fahrradkurier bewarb sie sich an der Popakademie in Mannheim, dort traf sie u.a. den Komponisten Konstantin Gropper und der sagte Ende letzten Jahres: „Maike setzt die Tauchfahrt durch ihr Innerstes fort. Mit einer schonungslosen Ehrlichkeit und einem Mut, den ich immer nur bewundern kann. Die Musik ist diesmal näher an der Intimität der Texte und trifft mit Dylan im Geiste noch unmittelbarer.“ Nachdem ihr Debütalbum „Golden“ als „gebürstete Melancholie, neudeutsche Gefühligkeit und seidenglänzende Arrangements“ (ME) gefeiert wurde, erscheint nun fast drei Jahre später ihr zweites Album „Unvollkommen“, teils von Sven Regener (Element Of Crime) in den Hansa Studios Berlin aufgenommen und gemischt, teils von Maike selbst bei sich zuhause. „Machen wir Liebe zusammen oder tragen wir Munition an die Front?“ - In elf Songs zwischen unsentimentaler Chanson-Poesie, sanfter Folk-Intimität und kritischer Protestsänger-Emphase singt sie von dem, was wir brauchen und wollen: Liebe, Sex und Veränderung der Welt zum Besseren. Sie versöhnt uns mit unserem Scheitern und ermuntert uns zu neuen Taten. Ihre Texte weisen komplexe und vielschichtige Erzählstränge auf, die eigene Interpretationen zulassen und manchmal erst nach mehrmaligem Hören klar verständlich werden. „Das Herz in diese Welt zu tragen“ - das ist für Maike Rosa Vogel keine Utopie, sondern existenzieller Sinn. Ihr Album „Unvollkommen“ ist unkonventionelle Frühlingsmusik mit Tiefgang. Aufrichtig und textlich wie klanglich-stimmlich voller Überraschungen.

www.myspace.com/maikerosavogel
www.maikerosavogel.com




DJ Hell: Coming Home
stereo deluxe

Im Jahre 1962 als Helmut Josef Geier im oberbayrischen Altenmarkt an der Alz geboren, ist der Disko B Gigolo seit Mitte der 80er Jahre eine Institution in der deutschen DJ-Szene. Abwechslung war schon immer sein Anspruch. Wo sonst nur straighte Four-To-The-Floor-Beats ihren Weg in das DJ-Set finden, herrscht bei Hell vorurteilsfreier Eklektizismus. Umso mehr freute ich mich, als ich den fünften Teil der Mix-Serie „Coming Home“ erhielt und amüsiert auf die Tracklist blickte. Denn sein Beitrag für das Nürnberger Downtempo-Label „Stereo Deluxe“ ist ein obskures Sammelsurium an Rock-, Pop- und Punk-Songs aus den 80ern, die auch mich sehr beeinflusst haben. Gleich aus meinem Geburtsjahr kommt die elektrische Widerstands-Hymne „Ohm Sweet Ohm“ von Kraftwerk. Für die Entwicklung der deutschen Musik sehr relevant sind auch Rheingolds „Dreiklangsdimensionen“, Nina Hagens avantgardistisches Zeitzeugnis „Auf’m Friedhof“ und natürlich die Einstürzenden Neubauten und ihr Meisterwerk „Kalte Sterne“. Neben der Ostberliner Band City und ihrem Hit „Am Fenster“ dürfen weder Hildegard Knefs philosophischer „Tapetenwechsel“ noch DAFs ungewöhnliches „Der Räuber und der Prinz“ fehlen. Es folgen Klaus Nomis opernhafter „Cold Song“, Gillas emotional-discoides „Der Strom der Zeit“, Blumfelds legendäres „Tausend Tränen tief“ im DJ Koze Mix und Fehlfarbens zeitloser Klassiker „Paul ist tot“. Dazu gesellen sich Der Plan, Eberhard Schoener feat. Hazel O’Connor, Fischer Z und Ideal, bevor Ricky Shayne mit „Mamy Blue“ und Reinhard Mey mit „Gute Nacht Freunde“ das Ende einläuten. Und das geht nicht ohne eine Tonbandaufnahme einer Klaus Kinski-Lesung, in der er „Jesus Christus Erlöser“ rezitieren will und diese wegen Publikums-Protest abbricht. Ein schönes Zeitdokument, wild und mit Brüchen ausgestattet. „Aber so habe ich modernes DJing immer definiert“, sagt Hell. Richtig so und danke dafür!

www.myspace.com/djhell
www.djhell.com
www.stereodeluxe.com




Prefuse 73: The Only She Chapters
warp records

Seit mehr als zehn Jahren ist Guillermo Scott Herren jetzt musikalisch aktiv, als Prefuse 73 hat er mit Abstand den größten Eindruck hinterlassen. Während dieser Zeit erweiterte er die musikalischen Grenzen und Vorstellungen von Hip Hop, Elektronik und Avantgarde Rock. Sein Markenzeichen ist die schonungslose Cut-up-Akrobatik. Nachdem er im Jahre 2009 das Album „Everything She Touched Turned Ampexian” und die EP „The Forest Of Oversensivity EP” auf Warp veröffentlichte, folgt nun sein mit grosser Spannung erwartetes Konzeptalbum „The Only She Chapters”, das sich von seinen bisherigen Arbeiten erheblich unterscheidet. Denn die 18 neuen Stücke, die wie der Titel auch alle mit „The Only …“ beginnen, sind weitaus mehr zeitgenössische Kompositionen als Beats & Loops-Tracks. Für diese Aufnahmen arbeitete der umtriebige und samplebegeisterte Musiker diesmal mit live eingesungenen Frauenstimmen von Faidherbe, Shara Worden (My Brightest Diamond), Nico Turner, Niki Randa (School Of Seven Bells, Flying Lotus), Zola Jesus, Adron und der erst kürzlich verstorbenen Broadcast-Sängerin Trish Keenan. So entstand mit der Zeit ein Album, bei dem die Frauensymbolik als Konzept fungiert, was sich auch im Artwork von Illustrator Yuko Michishita und Fotograf Angel Ceballos niedergeschlagen hat. Doch obwohl das Album konzeptionell strukturiert ist, wurde der musikalische Wandteppich eher unorthodox gewoben - ein Effekt, der durch die unterschiedlichen Herangehensweisen der Sängerinnen noch verstärkt wird. Prefuse 73 gelingt es überzeugend, eigene Klischees und bisher Erlerntes zu überspringen und seine Horizonte und Ästhetik zu erweitern. Sein Album sieht er als „eine offene Einladung für alle, die zuhören wollen.“ Und das sollte man unbedingt.

www.myspace.com/prefusion1973
www.prefuse73.com
www.warp.net/prefuse-73




James Pants: James Pants
stones throw

Das Label Stones Throw aus Los Angeles ist seit 15 Jahren ein Garant für Qualität im Bereich Black Music. Künstler wie Madlib, Dudley Perkins, Georgia Anne Muldrow, Oh No, Arabian Prince, Dâm-Funk oder zuletzt auch Aloe Blacc genossen musikalisch alle Freiheiten. Im Jahre 2008 hiess der Shooting-Star des Labels: James Pants. Nach der restlos ausverkauften ersten 12“ „Ka$h“ und der streng limitierten EP „Rhythm Trax“ präsentierte der texanische Multi-Instrumentalist (geboren in Richmond, Virginia) mit „Welcome“ ein Debütalbum voller Ideenreichtum und vielseitiger Einflüsse aus Electro, 80er Soul, Synthie Pop, frühen Rap-Elementen, New Wave und Post-Punk Disco. Anderthalb Jahre später schob er auf dem Nachfolger „Seven Seals“ die Disco- und New Wave-Einflüsse zur Seite und rückte stattdessen Psychedelic Rock und simple Electronika in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Nun ist es Zeit für sein selbstbetiteltes Album „James Pants“, um darauf seinen musikalischen Faden zwischen luftigem 80s Boogie, gewichtigen Garage Rock-Klängen und experimentellen Synthie-Spielereien zu spinnen.
Die 14 Tracks klingen alle völlig unangestrengt, obwohl man sich ob der musikalischen Detailvielfalt sicher sein kann, dass hier einiges an Tüftelei dahinter steckt. Meine Highlights sind das rockig driftende „Every Night I Dream“, das lieblich gezupfte „Clouds Over The Pacific“, das erotisch flirrende „A Little Bit Closer”, das leidenschaftlich hymnische „Screams Of Passion”, das ruhig verzaubernde „Incantation”, das romantisch groovende „Darlin’”, das angejazzt poppige „Alone” und das verträumt filmische „Dreamboat“. Angefangen hat James Pants beim Kultlabel Stones Throw übrigens als Praktikant. Heute ist er dessen Aushängeschild in Sachen Crossover mit Stil. Sympathisch verschroben, extravagant und diffizil zugleich.

www.myspace.com/jamespants
www.jamespants.com
www.stonesthrow.com




Robag Wruhme: Thora Vukk
pampa records

Gabor Schablitzki bildete bis Ende des Jahres 2010 zusammen mit Sören Bodner alias Monkey Maffia das DJ-Duo Wighnomy Brothers. Seit 2002 kennt man den Mann aus Jena aber auch unter seinem Pseudonym Robag Wruhme, unter dem er im Jahre 2004 für die minimalen Technogrooves auf seinem Debütalbum „Wuzzelbud ,KK’“ (Musik Krause) viel Lob erntet. Nach einer Split-12“ mit Isloée und der Mix-CD „Wuppdeckmischmampflow“ auf Kompakt steht er nun mit seinem zweiten Album in den Startlöchern. Auf „Thora Vukk“ sind ein heller und ein dunkler Fluss ineinander verwoben. Packende Grooves mit verführerischen Sounds werden von fünf klanglich unheimlich intensiven „Brücken“ unterbrochen, die eine ganz andere Art von Neugierde wecken. Während die ersten drei Tracks eher auf den Körper abzielen, dringt das Album mit „Pnom Global“ mit bezaubernd schönen Strings in die Seele ein. Meine Lieblingsstücke sind „Tulpa Ovi“, „Prognosen Bomm” und das charmant hingehauchte Schlaflied „Ende“.
Auch wenn subtil eingesetzte Melodien im Vordergrund stehen, erweitert Wruhme das klassische Klangrepertoire um zahlreiche Naturaufnahmen und alltägliche Geräusche wie klirrende Gläser, Sommergewitter, zirpende Insekten und das Schaltgeräusch einer Neonröhre. Wenn die musikalischen Klischees vergessen sind, blicken sie mit Kinderaugen auf die Musik. So wie man ihn auf dem Cover im Alter von acht Jahren mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder winkend auf einer Autobahnbrücke sieht. Mit „Thora Vukk“ auf DJ Koze Label Pampa Records gelingt Robag Wruhme sicher eines der emotionalsten und zeitlosesten Elektronikalben des Jahres.

www.robag.fm
www.kompakt.fm
www.pamparecords.com


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