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Mütter in der Blüte ihres Lebens

Leckeres Gnadenbrot für fleißige Hanf-Damen
Publiziert am: 07.06.11 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Text:Henk/Übersetzung:KIMO
2. Woche - Foto: Henk

Henk ist wieder da. Nach fast einjähriger Abstinenz hat unser niederländischer Heimgärtner wieder einen Report der Extraklasse rumgeschickt, in dem er beschreibt, wie man altgedienten Hanf-Ladies sozusagen den letzten Schliff verpasst.

„Mama fühlt sich schlecht“
„Ein Freund von mir hatte in seinem Kämmerlein schon seit einer Weile eine „Church“-Mutterpflanze stehen, weil er im Freundeskreis hier und da Stecklinge weitergibt. Freunde, Bekannte oder auch meine Wenigkeit geben ihm dann immer ein wenig Rauchware der eigenen Ernte als Gegenleistung für die Stecklinge und so hat er immer etwas zu rauchen, ohne kommerziell oder im großen Stil anzubauen. Das geht schon seit Jahren so und alle freuen sich.
Seine Mutterpflanzen stellt er für gewöhnlich in „Water Farms“ von GHE. Normalerweise lässt er sie spätestens nach einem Jahr outdoor ausblühen, da die „Water Farms“ dann langsam zu klein werden und das dichte Wurzelwerk mit den Hydro-Steinchen so verwachsen ist, dass ein Umtopfen kaum noch möglich wäre.

Bei der „Church“ Mutter gab es dann aber ein Problem: Eigentlich sollte die noch bis zum kommenden Sommer stehen bleiben und Stecklinge liefern. Im Oktober hat „ihr“ Grower dann entdeckt, dass Stamm und Wurzelwerk nicht mehr gesund waren, trotz regelmäßiger Enzymgabe und guter Pflege fing die Pflanze am Übergang vom Stamm zum Medium an zu faulen. Die beste Lösung wäre es gewesen, die Mutterpflanze einfach ins Freie zu setzen und dort ausblühen zu lassen.
Das kam leider im Oktober nicht mehr in Frage. Also hat mich der Kollege gefragt, ob ich nicht ein wenig Platz und eine gute Idee habe, wie der kranken, altgedienten Mama geholfen werden könne. Ansonsten bliebe wohl nur noch der Hexler und der Komposthaufen. Ich hatte noch ein wenig gebrauchtes Grow-Equipment und die Aussicht auf eine Gratis-Mutterpflanze hat mich dann in den nächsten Shop getrieben, wo ich dann die Box und den Rest gekauft habe, um die Pflanze nach deren Genesung Früchte tragen zu lassen.

Ich hatte noch einen 180m³ Ventilations-Lüfter mit Filter, einen Klimacontroller und einen gebrauchten Cooltube zu Hause. Dazu habe ich mir die Green-Bud Box Mylar, eine 250 Watt Lampe, ein zusätzliches Wuchsleuchtmittel für die ersten beiden Wochen sowie einem Adjsut-a-Wing Reflektor gekauft, den ich über den Cooltube montiert habe. Bei den meisten Cooltube-Modellen sind die mitgelieferten Reflektoren nicht besonders effektiv und bilden oft sogar einen Hotspot in der Mitte des Zeltes, so dass die Spitzen der mittig stehenden Pflanzen verbrennen, während die außen stehenden zu wenig Licht abbekommen. Zur Vermeidung eines Hotspots habe ich zusätzlich noch einen Mini-Ventilator an den Reflektor geklemmt, der genau auf den heißesten Punkt des Leuchtmittels gerichtet war.
Töpfe habe ich nicht viele gebraucht, denn nachdem ich für die Mutter einen 25-Liter Topf ausgesucht hatte , war die Kammer fast voll. In die Ecken habe ich dann noch vier gut vorgewachsene Stecklinge der gleichen Sorte gestellt, damit ich das Licht auch voll ausnutze.

Als Medium habe ich Kokos mit ein wenig Perlite genommen und die Flora-Serie von GHE nehme ich ja sowieso auch für meine „reguläre“ Homebox. Also habe ich zu der vorhandenen Hardware noch knapp 300 € investiert. Nachdem alles aufgebaut war, habe ich dann die Mutterpflanze und die vier Steckis abgeholt und zu Hause in die schon vorbereitete Box gestellt.

Ein Stamm - 12 Pflanzen
Bei den Jungpflanzen gab es nicht viel zu beachten, ich habe lediglich das untere Drittel komplett freigeschnitten, damit die Pflanze keine Energie in dem Bereich verschwendet, an den kein Licht kommt. Eine 250 Watt Lampe hat eine sehr geringe Tiefenwirkung und da sollte man wirklich alle unteren Triebe komplett entfernen. Die geringe Tiefenwirkung ist ein Mitgrund für die Benutzung des Cooltubes, da ich die Lichtquelle so fast direkt über die Pflanzen hängen kann. Ich passe immer auf, dass ich einen Cooltube aus Duran-Schott-Glas mit 2,2 Millimeter Dicke erstehe. Die mit 3,0 Millimetern dickeren Versionen aus China Glas klauen definitiv mehr Licht.
Bei der Mutterpflanze sahen die Vorbereitungen ein wenig komplizierter aus, weil ich sie zuerst einmal ganz vorsichtig aus der „Water Farm“ befreien musste. Den Ballen aus Hydrokorrels, Wurzeln und verfaulter, organischer Materie muss zuerst einmal gereinigt werden, damit es im neuen Topf nicht weiter fault. Dazu spüle ich den Ballen ganz vorsichtig unter der Dusche ab.
Wenn das Gröbste abgespült ist, säubere ich den verbleibenden Rest vorsichtig mit den Händen, wobei ich versuche, so wenig intaktes Wurzelwerk wie möglich zu beschädigen. Nach der Prozedur war bei der kranken „Church“ nicht mehr viel vom ursprünglichen Wurzelballen übrig, aber es sollte zum Überleben reichen. Dann habe ich noch die befallenen, feuchten Stellen am Stammübergang mit einem Skalpell aus dem schon total verholzten Stängel geschnitten und die Hanfdame in den vorbereiteten 25 Liter Topf umgepflanzt.

Damit sie sich schneller erholt, habe ich dann noch alle gelben Blätter und schlecht versorgten Äste abgeschnitten und die Ex-Mutti mit Wurzelstimulator und Trichoderma-Pilz angegossen. Den pH-Wert habe ich durchgehend bei 6,0 gehalten. Mit dem Einleiten der Blüte musste ich natürlich warten, bis sich die Wurzeln und somit die ganze Pflanze von der Rettungsaktion erholt hatte(n). Deshalb habe ich die Zeitschaltuhr bis auf Weiteres auf 18 Stunden Beleuchtung gestellt. Am Anfang hat sie noch alle verbleibenden Köpfe hängen lassen, aber nach drei Tagen konnte man sehen, dass sich der Zustand fast stündlich verbessert. Am vierten Tag haben die Blätter dann schon wieder angefangen zu wachsen, und ich konnte den zweiten Schritt der Blütevorbereitung für Ex-Mütter einleiten:
Ich habe schon oft gesehen, dass Grower eine Mutter in die Blüte schicken, ohne sie vorher zu beschneiden oder gar „in Form“ zu bringen. Das Ergebnis ist eine ausgeblühte Pflanze mit hunderten von mittelgroßen und kleinen Blüten, die viel Arbeit beim Ernten machen. Außerdem landen viele so genannte „Popcornbuds“ der unteren Triebe in den Knippresten (Ernteabfällen), weil sich ein Beschneiden dieser Miniatur-Blüten kaum lohnt.
Durch das monate- oder gar jahrelange Beschneiden hat eine ausgediente Mutter meist sehr viele Verzweigungen, die wiederum für die nicht gern gesehenen „Popcornbuds“ sorgen. Um dem entgegen zu wirken, muss die Anzahl der Triebe von vorne herein auf ein Minimum reduziert werden. Eine Mutterpflanze hat ein für sehr viele Äste aufgebautes Versorgungssystem. Schneidet man die meisten Äste ab, so wird sie alle Kraft dafür aufbringen, die verbliebenen optimal zu versorgen und an ihnen fette Buds ausbilden. Ich habe mich deshalb entschieden, die Mutterpflanze auf 12 Äste zu reduzieren, acht für die Topfränder und drei für die Mitte. Deshalb habe ich, nachdem die „Church“ sich vom Umtopfen erholt hatte, bis auf 12 verbleibende, alle Triebe komplett entfernt. Dieses Dutzend habe ich dann mit Hilfe von Kabelbindern und Bambusstöcken vertikal gebogen, damit sie sich gleichmäßig über die Grundfläche des Topfs verteilen.

Im Prinzip habe ich aus der Mutter 12 einzelne Pflanzen gemacht, die alle über einen Stamm versorgt werden. Am Anfang sah das schon ziemlich seltsam aus, so ein fetter, kurzer Stamm mit Kabelbindern und Bambusstöcken, aber nach einer Woche konnte ich sehen, dass es sich in die gewünschte Richtung entwickelt. Die vier Stecklinge waren während der 14 Tage der „Mütter-Genesung“ schon fast 40 Zentimeter hoch geworden und es wurde langsam Zeit, die Blüte einzuleiten. Zu diesem Zeitpunkt war Mami knappe 30 Zentimeter hoch, aber dafür sehr breit, weil ich die Triebe ja zur Seite weg gebogen habe. Ich musste die Mutter sogar auf eine Kiste stellen, damit sie das gleiche Niveau wie die anderen vier hatte. Aber kurz nach der Umstellung auf 12 Stunden Beleuchtungszeit haben alle fünf angefangen, wie wild zu wachsen. Die vier einzelnen Pflanzen habe ich zu Blütebeginn aus schon erwähnten Gründen auch bis 30 Zentimeter über den Boden alle Triebe entfernt.































Kurz vor der Ernte - Foto: Henk


Die Form stimmt
Vom dritten Blütetag an musste ich die Lampe täglicher höher hängen. Weil die Pflanzen in der Vorblüte so extrem schnell wachsen, gebe ich auch die ersten beiden Wochen weiterhin das Wuchsschema beim Mischen des Düngers und stelle meinen Düngermischung erst um den 15. Blütetag auf eine Phosphor-Kalium- reiche Blütedüngung um. Mit dem Licht halte ich es genau so, ich nutze die ersten 15 Blühtage das blaue Wachstumslicht. So bleiben die Internodien (Abstände zwischen den Blüteansätzen) schön gedrungen und die Buds werden schön kompakt. Wichtig war zu beobachten, ob mein Plan, dass sich jeder einzelne Trieb der Mutti wie ein einzelner Topbud entwickelt, aufgeht. Ich musste die Stellung der Kabelbinder an den Bambusstöcken zwar hin und wieder korrigieren, aber im Prinzip ist genau das passiert, was ich erwartet hatte: Alle Triebe entwickeln sich wie Haupttriebe und bald ist die ganze Topffläche, die nach dem Umtopfen noch sehr kahl und ärmlich aussah,mit Blüteansätzen bedeckt. Gegossen habe nicht allzu oft, weil ich der Meinung bin, dass Staunässe auch bei Kokos nicht förderlich ist. Ich verstehe bis heute nicht, weshalb einige Grower auf Kokos jeden Tag gießen, zumindest bei meinen vergangenen Feldversuchen war das absolut kontraproduktiv. Ich gieße wie bei Erde, nach Bedarf, wenn das Medium schon ein wenig angetrocknet, aber noch nicht ausgetrocknet ist. Beim Ec-Wert habe ich nach der Erholungsphase mit 1,4 mS angefangen und ihn dann langsam aber kontinuierlich bis auf 2,5mS in der fünften Blütewoche gesteigert. Danach habe ich ihn langsam auf 1,8mS runtergefahren, bis ich in der letzten Woche nur noch Osmosewasser und Final Phase gegeben habe. Wie man sieht ist der Plan aufgegangen: Keine Mini-Buds, nur schöne, leicht zu bearbeitende Tops, an denen ordentlich was dranhängt.
Unser Leitungswasser in Adam ist ein wenig salzig und mit Osmosewasser erzielt man auch im Kleinen bessere Ergebnisse. Mittlerweile gibt es Osmoseanlagen für den Hausgebrauch ab 80 €. Ich finde es auch nicht besonders aufwendig, wenn ich das Ding einmal die Woche für ein paar Stunden anwerfe. Als Hobbygrower brauche ich ja nicht viel und 20 Liter reichen eine ganze Weile.

Anfangs habe ich 50/50 mit Leitungswasser gemischt, aber mittlerweile nehme ich 80 Prozent Osmosewasser. So kann ich zielgenauer düngen und eventuelle Defizite der Pflanze schneller analysieren. Leitungswasser ist ein Unsicherheitsfaktor, auch weil alle Düngerhersteller ihre Zusammensetzungen auf weiches, salzarmes Wasser optimieren. Und gerade bei so gestressten Pflanzen wie der „Church“ Mama ist es wichtig, wirklich das Optimum zu geben. Die sah nach dem Umtopfen echt schon fast tot aus, wenn ich das mal mit den Fotos aus der letzten Blütewoche vergleiche. Der Ex-Besitzer hat sich kürzlich angeschaut, was er vor knapp zwei Monaten in die Tonne kloppen wollte und konnte es kaum fassen. Hanf ist sehr widerstandsfähig

Erntespaß durch richtige Beschneidung
Und das Beste kommt noch: Die Ernte. Wie oft habe ich Leute, die Muttis ausgeblüht haben, über die „Fummelei“ bei der Ernte fluchen hören. Ich muss eigentlich nur 12 Tops maniküren. Meine Erfahrung sagt mir, dass sowohl Menge als auch Qualität sehr ordentlich sein werden. Ich denke zusammen mit den anderen vier werden das gegen Ende so um die 200 Gramm werden.
Trocknen werde ich direkt in der dunklen Kammer auf einem Hängenetz, was ich genau so zurechtgestutzt habe, dass es über den Reflektor passt. Eigentlich wollte ich nur einen Durchgang hier zu Hause machen, aber das Ding ist so klein und unauffällig, dass ich es nach dem Trocknen ein zweites Mal wage. Diesmal aber mit gesunden Stecklingen, am Anfang habe ich mich bei diesem Durchgang eher gefühlt wie ein Krankenpfleger denn als Hanfgärtner. Aber hat sich ja dann noch schön entwickelt.

Epilog
Wieder in Berlin angekommen vergehen kaum zwei Wochen, da klingelt das Telefon: „Hi, hier ist Henk. Ich habe dir noch ein paar Fotos mit der Post geschickt. Schau mal morgen in den Briefkasten.“
Zwei Tage später halte ich einen Brief unseres Kollegen in der Hand, mit sehr schönen Fotos von einer kleinen, aber feinen Ernte und ein paar netten Zeilen: „Ertrag: 227 Gramm, Qualität ausgezeichnet, nächster Durchgang seit einer Woche „online“.
Grüße Henk“





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