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Psychoaktive Pflanzen unserer Heimat

Besenginster
Publiziert am: 07.06.11 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Markus Berger
Cytisus rot

Besenginster
Steckbrief
Cytisus scoparius (L.) LINK
Cytisus spp.
Familie:
Leguminosae (Hülsenfruchtgewächse)

SYNONYME:
Genista angulata POIRET, Genista glabra SPACH, Genista hirsuta MOENCH, Genista scoparia (L.) LAM., Genista scoparius DC., Sarothamnus scoparius L., Spartium angulosum GILIB., Spartium scoparium L. und andere.

Trivialnamen:
Besenginster, broom (engl.), Ginster

Vorkommen:
Cytisus scoparius ist in Europa beheimatet. Zur Ginsterfamilie zählen etwa fünfzig Spezies, die ursprünglich aus der alten Welt stammen. Davon sind ungefähr dreißig Arten in Europa beheimatet. Der Besenginster kann wildwachsend in Föhrenwäldern gefunden werden. Ginsterarten blühen von Mai bis Juli an sonnigen und trockenen Stellen und auf sandig-erdigem Boden. Außerdem sind die Cytisus-Spezies beliebte Zierpflanzen, die in so gut wie jedem Gartenfachhandel gekauft werden können.


Botanik
Die Ginsterarten (Cytisus spp.) sind ausdauernde und wenig beblätterte, bis zu zwei Meter hohe Strauchgewächse aus der Familie der Hülsenfruchtgewächse (Leguminosae), welche wiederum den Schmetterlingsblütengewächsen (Fabaceae) untergeordnet sind. Die Pflanzen haben grüne, rutige und gerillte Zweige, kleine grüne Blätter, eine große gelbe Blüte und eine dunkelbraune Fruchthülse. Die Vermehrung geschieht per Steckling (vegetativ) oder per Samenanzucht (generativ). Die Samen werden im Januar vorgekeimt und gepflanzt. Cytisus-Arten sind bei uns heimisch, mögen aber keinen Frost.

Wirkstoffe
Das Hauptalkaloid der Ginsterarten ist Cytisin, wobei nicht alle Arten das gleiche Inhaltsstoffvorkommen aufweisen. Der Besenginster Cytisus scoparius zum Beispiel, scheint kein Cytisin zu enthalten, dafür aber die Alkaloide Spartein (ein tetrazyklisches Chinolizidinalkaloid; Syn.: Lupinidin), Sarothamnin und Genistein (alpha-Isospartein) im Kraut und im Samen sowie Tyramin und andere Phenethylamine in den Blüten. Der Kanarische Ginster Cytisus canariensis enthält Cytisin und andere Alkaloide.
Cytisus australis, Gensita germanica, Spartium junceum, Laburnum alpinum (Cytisus alpinus) und Laburnum anagyroides (Cytisus laburnum) sind ebenfalls Cytisin-Lieferanten. Letztgenannter enthält außerdem die Alkaloide Laburnin, Laburnamin, N-Methylcytisin und Hydroxynorcytisin. Bei Genista tinctoria konnten neben Cytisin auch Methylcytisin, Spartein und das mit Lupanin eng verwandte Anagyrin aus dem Kraut isoliert werden. Genista piloso enthält neben Cytisin die Lupinalkaloide Spartein, Retamin, Anagyrin und Genistin.

Geschichte
Die in Europa beheimatete Ginsterart Cytisus scoparius war schon Dioskorides bekannt. Hildegard von Bingen (1098-1179) vermerkte den Ginster als Heilpflanze, die „Sarothamni scoparii herball“ oder „Spartii scoparii herball“ genannt wurde. Von dieser Bezeichnung leitet sich der Name Spartein für einen Inhaltsstoff der Ginsterarten ab. Publius Vergilius Maro, Autor der Hirtengedichte, der immerhin 70 bis 19 vor unserer Zeitrechnung lebte, kannte Genista germanicum schon. Offenbar entdeckten die Menschen vor einiger Zeit, dass Schafe Cytisus-Arten genießen und nach Einnahme des Krauts auffällige Verhaltensweisen an den Tag legen und taten es ihnen darauf gleich. So wie schon oft in der Geschichte, waren auch hier Tiere Vorbild für menschlichen Rauschmittelgenuss. Aus dem Reisig wurden früher Besen hergestellt, auch sollen die Hexenbesen aus Ginster gefertigt worden sein. Von dieser Tradition leitet sich der Name Besenginster (für Cytisus scoparius) ab. Schon in der Neuzeit verwendete man Cytisus-Blätter und Blüten als Bieradditiv und als Aphrodisiakum. Blüten des Cytisus scoparius werden in der traditionellen Medizin als Blutreinigungsmittel und Diuretikum benutzt.
































Cytisus praecox - Foto: M. Berger

Verwendung
Laut Rätsch wurde die Verwendung des Kanarischen Ginsters als Psychoaktivum von einem Yaqui-Schamanen während eines Peyoterituals entdeckt. Seine Vision zeigte ihm die Ginsterblüten und gab ihm ein, diese zu rauchen (RÄTSCH 1998: 191). Seitdem gebrauchen die Yaqui die Pflanze rituell (FADIMAN 1965). Der Ethnopharmakologe mutmaßt weiter: „Vielleicht war [Cytisus canariensis] bereits eine Ritualpflanze der Guanchen, der kanarischen Ureinwohner, die im 15. Jahrhundert noch steinzeitlich lebten und die Große Göttin (Tara) in ausgemalten Ritualhöhlen verehrten (...). (...) Durch den Sklavenhandel gelangten viele Pflanzen von den Kanaren in die Neue Welt, mit ihnen vielleicht auch der Gebrauch von Ginster als Rauschmittel“ (RÄTSCH 1998: 190). Cytisusblüten werden außerdem in den Vereinigten Staaten als Tabaksubstitut geraucht (FADIMAN 1965).

Wirkung
Adam Gottlieb gibt in ‘Legal Highs’ eine Anwendungsinformation zum Ginster: „Die Blüten werden gesammelt, für zehn Tage in einem verschlossenen Gefäß gelagert, getrocknet und in Zigaretten gedreht. Der Rauch sollte lange in der Lunge behalten werden. (...) Effekte: Eine Zigarette verursacht für etwa zwei Stunden ein entspanntes Gefühl. Mehrere induzieren eine tiefere Entspanntheit und eine länger andauernde Wirkung (vier bis fünf Stunden).
Während der ersten zwei Stunden ist dabei die Entspannung am tiefsten, gefolgt von einer geistigen Wachheit und einer gesteigerten Farbwahrnehmung ohne Halluzinationen“
(GOTTLIEB 1994). Was mir unklar blieb, ist der Grund für das zehntägige Lagern der Blätter, zumal diese sowieso getrocknet werden müssen. Gebe ich die frisch geernteten Blätter in ein Glas oder gar in eine verschlossene Plastiktüte oder ähnliches, wird die Ernte schwitzen und letztendlich faulen.
Vielleicht handelt es sich hier aber auch einfach um einen Verständnisfehler. Das gewissenhafte Trocknen der Blätter sollte ausreichen.

Gefahren & Nebenwirkungen
Natürlich muss von einer generellen Gefahr von als toxisch gewerteten Substanzen ausgegangen werden. Ich habe zum Cytisin, dem Hauptwirtkstoff der Ginsterarten ein interessantes Zitat entdeckt: „Die Gefahr von Goldregen wird in den Medien überbewertet (...). Auch wenn die Fabaceae ein großes Repertoire an Giftstoffen aufweist, bestehe kaum Lebensgefahr für Kinder. Denn auch diese Samen, die durch das Alkaloid (-)-Cytisin toxisch sind, brennen in Mund und Rachen und führen in der Regel zu starkem Erbrechen. Diese heftige Reaktion des Organismus schütze so vor schwer wiegenden Vergiftungserscheinungen. Sollten Kinder dennoch mehrere Samen gegessen haben, müsse schnell gehandelt werden“ (BECKER 2003).

Rechtslage
Die Ginsterarten unterliegen keinen Bestimmungen.

Literatur (Auswahl):
BECKER, CONNY (2003), Schön, aber giftig, Pharmazeutische Zeitung 2003-32; http://www.apotheker-zeitung.de/pza/2003-32/pharm6.htm
FADIMAN, JAMES (1965), Genista canariensis: A Minor Psychedelic, Economic Botany 19: 383-384
GOTTLIEB, ADAM (1994), Legal Highs. A Concise Encyclopedia of Legal Herbs and Chemicals with Psychoactive Properties; 2. Aufl., Berkeley: Ronin Publishing
OTT, JONATHAN (1996), Pharmacotheon, Kennewick: Natural Products Co.
RÄTSCH, CHRISTIAN (1998), Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Aarau: AT Verlag
RÄTSCH, CHRISTIAN (2003), Schamanenpflanze Tabak Band 2: Das Rauchkraut erobert die Alte Welt, Solothurn: Nachtschatten Verlag
SCHULTES, R.E. (1969), The plant kingdom and hallucinogens (part II), Bulletin on Narcotics 4: 15-27






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