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Der verrücktmachende Baum

Bursera graveolens (KUNTH) TRIANA et PLANCH.
Publiziert am: 07.06.11 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Markus Berger
Foto: Markus Berger
Es reicht.*
*MITTEILUNG DES PALO SANTO-PFLANZENGEISTES


„Palo Santo, das ‚heilige Holz’, wird aus den harzigen Stammstücken des kleinen Palo-Santo-Baumes (...) gewonnen. Es ist ein sehr intensiv duftendes, alles, selbst doppelte Zip-lock-Plastikbeutel und Schalenkoffer durchdringendes, schwül-süßliches Rohmaterial.“1

Einleitendes
Die Gattung Bursera JACQ. ex LINNÉ gehört zur Familie der Burseraceae (Balsambaumgewächse). Diese Bäume produzieren aromatische Harze, beispielsweise Copal. Bursera graveolens (Trivialbezeichnungen: Copal De Santo, Crispin (span.), Holy Wood, Incense Tree, Mexikanischer Balsambaum, Palo Santo (span.), Sacred Wood, Sagewood, Sassafras (span.); Varietät: Bursera graveolens (KUNTH) TRIANA et PLANCH. var. villosula CUATREC) ist in Südamerika (Mexiko, Peru, Chile, Kolumbien, Ecuador usw.) heimisch. Der Baum hat einen weißen Stamm, ähnlich der Birke, und trägt während Trockenperioden keine Blätter.

Palo Santo wird von peruanischen bzw. südamerikanischen Schamanen traditionell auf glühenden Kohlen geräuchert. Die entstehenden Dämpfe verströmen einen intensiven Geruch nach Zimt, Kokos oder Weihrauch und vermögen Krankheiten zu heilen oder vorzubeugen und schützen vor Zaubereien, Übelkeit und Unglück. Palo Santo wird als Analagetikum, Entzündungshemmer, Aphrodisiakum, Diuretikum, Schleimlöser und Insektizid genutzt. Ein Aufguss aus der Rinde ist wirksam gegen Ruhr. Außerdem kann mit Bursera-Rauch der Körper nach sogenannten „unreinen Kontakten”, vor allem mit bösen Personen oder Leichen, gereinigt werden.
Auch „mit Cocaritualen wird (...) Palo Santo, ‚Heiliger Baum’, assoziiert. Dessen Holz ist ein stark riechender Räucherstoff, der in ganz Südamerika genutzt wird, vor allem im andinen Hochland von Ecuador bis Chile (...). Gewöhnlich wird der Name einem strauchartigen kleinen Baum [Bursera graveolens (...)] gegeben, der mit dem arabischen Weihrauchbaum (Boswellia sacra FLÜCK.) verwandt ist. (...) Das Holz wird alleine zerkleinert, mit Harzen gemischt oder zusammen mit trockenen Cocablättern zu Beginn der Divination geräuchert (...)“²

Was bisher nicht bekannt war, ist die Tatsache, dass Bursera graveolens – direkt eingeatmet – starke psychoaktive Wirkungen induziert. Zwar wurde schon 1985 über eine leichte psychische Stimulanz des Räucherstoffes berichtet: „Der Duft manipuliert den Geist und erhöht das ästhetische Bewußtsein des Patienten (...)“³. Dennoch findet sich bisher nirgends auch nur der Ansatz eines Erfahrungsberichtes von vorsätzlich echtem Konsum des Baumes.
Leider wurde bisher auch über die Inhaltsstoffe der Bursera graveolens nicht viel publiziert. Erwiesen ist, dass Monoterpenole, Ester und Linaloe-Öl mit Geraniol, Laevo-Linalol, Linalylazetat, Methyl-Heptenol, Linalol, alpha-Terpineol und Linaloloxiden, und möglicherweise Alkaloide im Holz des Baumes vorkommen. Welche Komponente aber für die unglaublichen psychoaktiven Effekte verantwortlich ist, bleibt derzeit unklar.

Wirkungen & Erfahrungen
Sitzt man inmitten einer Palo-Santo-Räucherung, beschränken sich die psychopharmakologischen Effekte auf Ruhe und Ausgeglichenheit. Wird der Bursera-Rauch direkt eingeatmet, berichten alle Probanden von heftiger psychischer Stimulation. Geraucht induziert das Holz noch stärkere Wirkungen, die nur schwer beschreibbar sind. Je nach Dosis, Set und Setting wirkt Bursera-Rauch euphorisierend, enthemmend und aufputschend, kann aber – und das ist das sensationelle – sowohl gleichzeitig als auch alleinig sedativ, narkotisierend und schlaffördernd und auch richtiggehend psychedelisch wirken. Alle bisherigen Experimentatoren berichten über eine Eingewöhnungsphase. Das heißt, Bursera graveolens muss – ähnlich wie bei Cannabisprodukten oder Salvia divinorum – mehrmals eingenommen werden, um die volle psychotrope Wirkung zu erreichen. Der Bursera-Rausch wird also von mal zu mal stärker wahrgenommen.

Tripreport
Ich atmete den beim Verbrennen entstehenden Rauch des rindenlosen Burseraholzes, das übrigens ohne Umwege von Kolumbien nach Deutschland gelangt war, ungefiltert ein und hielt ihn für einige Sekunden in der Lunge. Ich führte das glimmende und rauchende Stück Holz direkt unter meine Nase und atmete für ein bis zwei Minuten normal weiter, nahm also eine Menge des Rauches auf.
Der langsam und schleichend beginnende Bursera-Rausch eröffnete zunächst ein Kribbeln in den Gliedmaßen, gefolgt von einem Zustand des Stonedseins, den ich spontan als Cannabis-ähnlich empfand: ein angenehmer und subtiler Schwindel mit dem Gefühl, eine wohlige, mich streichelnde Wollmütze auf dem Haupte zu tragen.
Der eigentliche Charakter eines Bursera-Trips ist schier unbeschreiblich und mit den Mitteln der normalen Definitionsmöglichkeiten nicht zu erfassen: Dem eher lustig Gestimmten kann ein Lachflash erster Güteklasse blühen, den eher Abgeschlafften erwartet die totale Entspannung oder auch ein ruhiger Schlaf. Ist man aktiv und beweglich, putscht Bursera fast Amphetamin-analog auf, ist man aber gemütlich und ruhig gestimmt, hilft Bursera einen meditativen, rekreativen, ja empathogenen oder auch komplett psychedelischen Geisteszustand zu erlangen.

Bezogen auf Emotionen, Stimmungen und unbewusste Geistesinhalte ist uns ähnliches schon von anderen Psychoaktiva bekannt – wir nennen das Phänomen Transistor- oder Verstärker-Effekt. Ob Cannabis, LSD, Psilocybin oder Opium: Jede dieser Drogen wirkt je nach Gemütslage, Verfassung und Konstitution, Empfänglichkeit und äußeren Umständen different. Allerdings ist dies kein passender Vergleich für Bursera-Wirkungen.
Ich habe niemals eine solch einschneidende und explizite Bandbreite von Wirkprofilen bei einer einzigen Substanz oder Pflanze erlebt. Bursera kann dabei nicht nur all diese Spektren – entaktogen, stimulierend, psychedelisch, empathogen, narkotisierend und sedativ – einzeln bedienen. Das wahrhaft Unglaubliche ist, dass der Bursera-graveolens-Rausch all diese Komponenten GLEICHZEITIG induzieren kann. Hier aber beginnt ein Feld, das sich mit Worten nicht beschreiben lässt. Diese gleichzeitig Amphetamin-ähnliche, sedative und halluzinogene Wirkung kann schriftlich nur unzureichend dargestellt werden und beschränkt sich auch auf die Aussage, dass die Effekte in der Tat zur selben Zeit auftreten können.

Diese Erfahrungen indes, traten bei allen mir bekannten Personen in der gleichen Art auf. Allenfalls die Intensität mag schwanken. Daher darf dieser eine Erfahrungsbericht genügen; es würden ansonsten möglicherweise nur Wiederholungen folgen.
Bemerkenswert: Die meisten Palo-Santo-Experimentatoren haben eine unglaubliche Ehrfurcht – ja, teilweise sogar Angst vor dem Holz, zumindest aber haben alle großen Respekt vor diesem Zauberbaum. Der Pflanzengeist der Bursera graveolens ist ein wahrhaft machtvoller, facettenreicher und gütiger. Soviel ist sicher. Übrigens scheint die Spezies Bursera microphylla GRAY die gleichen oder wenigstens analoge Inhaltsstoffe zu enthalten. Die Art kann nämlich vermutlich gleichfalls genutzt werden4.

Nachtrag:
Experimente mit Burseramaterial, das ich über den Kräuterhandel bezog, verliefen unbefriedigend und geradezu wirkungslos.
Möglicherweise ist nur eine spezielle Rasse der Art pharmakologisch wirksam, oder die über den Versandhandel erworbene Ware war schlicht eine Fälschung.

Synonyme für
Bursera Graveolens


Amyris caranifera
WILLD. ex ENGL.
Bursera graveolens fo. malacophylla (B.L. ROB.) J.F. MACBR.
Bursera malacophylla
B.L. ROB.
Bursera penicillata
(DC.) ENGELM.
Bursera tacamaco
TRIANA et PLANCH.
Elaphrium graveolens
KUNTH
Elaphrium pubescens
SCHLTDL.
Elaphrium tatamaco
TUL.
Spondias edmonstonei
HOOK. f.
Terebinthus graveolens
(KUNTH) ROSE



Bezugsquellen
Europa
www.kraeutergarten-muenchen.de
Außerhalb Europas
www.urbanshaman.net


Fußnoten:
1 RÄTSCH et OTT 2003: 59
² RÄTSCH et OTT 2003: 58
³ GEBHART-SAYER 1985
4 RÄTSCH et OTT 2003: 59


Literatur
Ayala, J.R.; Cruz, A.M.; Miranda, Z. (1994), Effects of the aqueous extract of Canavalia ensiformis, Bursera graveolens, Petiveria alliacea, and Parthenium hysterophorus on sorghum germination. Technical note, Cuban Trypanosoma cruzi. Journal of Ethnopharmacology 62(2): 107-115
Clark, D.A.; Clark, D.B. (1981), Effects of seed dispersal by animals on the regeneration of Bursera graveolens (Burseraceae) on Santa Fe Island, Galapagos, Oecologia 49: 73-75
Gebhart-Sayer, Angelika (1985), The Geometic Designs of the Shipibo Conibo in Ritual Context, Journal of Latin American Lore 11(2): 143-175
Nakanishi, T.; Inatomi, Y.; Arai, S.; Yamada, T., Fukatsu, H.; Murata, H.; Inada, A.; Matsuura, N.; Ubukata, M.; Murata, J.; Iinuma, M.; Ferra, M.A.P.; Tanaka, T. (2003), New Luteolin 3‘-O-Acylated Rhamnosides from Leaves of Bursera graveolens, Heterocycles 60: 2077-2083
Pernet, R. (1972), Phytochemistry of the Burseraceae, Lloydia 35(3): 280-287
Rätsch, Christian; Ott, Jonathan (2003), Coca und Kokain, Aarau: AT Verlag
Wisdom, Charles (1940), The Chorti Indians of Guatemala, Chicago: University of Chicago Press
Yukawa, Chiyoki; Iwabuchi, Hisakatsu; Kamikawa, Tadao; Komemushi, Sadao; Sawabe, Akiyoshi (2004), Terpenoids of the volatile oil of Bursera graveolens, Flavour and Fragrance Journal 19(6): 565-570


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