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Ganja wird nicht nur auf Jamaika geraucht, sondern auf der ganzen Welt.

Ken Boothe
Publiziert am: 07.06.11 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Interview: Janika Takats
Ken Boothe

Seit 1967 schätzen alle Ska- und Reggae-Freunde Ken Boothe. Für’s Hanf Journal traf sich unsere Freelancerin Janika mit dem Sänger und Songwriter zum Exklusiv-Interview auf Jamaika.

Janika Takats: Was sind die wichtigsten Meilensteine deiner Karriere?
Ken Boothe: Die Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten. Ich mache seit 45 Jahren Musik, da gab es viele schöne Momente. Einer, der definitiv heraussticht, ist der Song „Every thing I own“, der in die britischen Charts kam. Ich bin 1974 mit diesem Song bei Top of the Pops auf BBC aufgetreten mit vielen anderen Stars. Bei der Christmas Gala Show hatte ich das Privileg zusammen mit Michael Jackson und Berry White in den Charts zu sein. Das war eine große Ehre für mich, auch wenn ich diesen Künstlern nie persönlich begegnet bin.
Wenn man über das Showbusiness spricht, muss man auch über Jamaika sprechen, denn dort hat alles angefangen. Wenn man sich auf Jamaika dem Publikum stellt und diesen „Test“ besteht, weiß man, dass man gut ist. Ich erinnere mich noch an meinen ersten Auftritt. Das war im Ward Theater in Down Town, Kingston. Ich war 17 Jahre alt. Meine ganze Familie ist damals gekommen, um mich auf der Bühne zu sehen. Ich glaube in den 45 Jahren meiner Karriere hat meine Mutter mich nur ein oder zwei Mal live erlebt. Mein Vater war nur bei einem meiner Auftritte dabei. Deswegen bin ich froh, dass sie wenigstens dort gesehen haben, was ihr Sohn auf der Bühne leisten kann.

JK: 2004 hast du für deinen Beitrag zur jamaikanischen Musik den „Order of Distinction“ von der Regierung verliehen bekommen. Was bedeutet dir dieser Orden?
KB: Es hat mir sehr viel bedeutet, weil es gezeigt hat, dass der Beitrag, den ich mit meiner Musik geleistet habe, Anerkennung bekommt und als Teil der jamaikanischen Kultur akzeptiert wird. Ich habe die Musik über die Jahre mitgeprägt und verändert und durch diesen Orden wurde ich dafür ausgezeichnet. Das war ein schönes Gefühl. Im selben Jahr wurde ich auch in die „Caribbean Hall of Fame“ aufgenommen und 2003 habe ich den „Prime Minister‘s Award“ erhalten. Im Laufe meiner Karriere habe ich viele Auszeichnungen bekommen. Ich bin sehr dankbar dafür und es bedeutet mir viel, dass meine Arbeit von so vielen Seiten gewürdigt wird.

JK: Wer waren deine Vorbilder, als du angefangen hast Musik zu machen?
KB: Als ich jung war, hörte ich Louis Jordan und andere Blues Sänger. Früher wurde Jamaika musikalisch stark von den USA beeinflusst. Am meisten hat mich die Gospelsängerin Mahalia Jackson inspiriert.
Ich hörte damals auch viel die Musik von Lascells Perkins. Musiker wie er haben für meine Generation den Grundstein unserer Musik gelegt. Wenn es um jamaikanische Künstler geht, war Owen Gray (Owen Grey) einer meiner ersten großen Vorbilder.
Abgesehen davon haben mich meine Familie, besonders meine Mutter und meine Schwerster, sehr dazu angeregt mit dem Singen anzufangen. Als Kind wusste ich noch nicht über Tonaufnahmen und über kommerzielle Auftritte, doch ich habe meine Mutter singen gehört und ich wollte so singen wie sie. Meine älteste Schwester war die erste in meiner Familie, die Entertainerin geworden ist. Sie hat mich stark beeinflusst und mich dazu gebracht aus mir herauszukommen und vor Menschen zu singen. Sie hat erkannt, dass ich Talent habe.

JK: Wie ist es heute, verfolgst du, was heutzutage im Musikgeschäft vor sich geht?
KB: Ich folge nicht, aber ich schließe mich an. Jede Ära hat ihre Sänger und Musiker und es hat sich viel über die Jahre verändert. Zum Teil hat die Qualität der Musik auch sehr gelitten. Doch auch heute gibt es jede Menge Künstler, die ich bewundere. Daher weiß ich, dass es immer gute Musik geben wird, weil es nach wie vor Artists gibt, die sich bemühen dem ehemaligen Standard gerecht zu werden.

JK: Denkst du, das Business hat sich zum Schlechten verändert?
KB: Es hat sich vieles verändert und nicht nur zum Guten, doch es gibt durchaus auch positive Entwicklungen. Eine ist zum Beispiel, dass Reggae Musik sich über die ganze Welt verbreitete und nun überall Fans hat. Eine Entwicklung, die mir jedoch weniger gefällt, ist die zunehmende Gewalt in der Musik. Auch zu meiner Zeit gab es Lieder mit rauen oder abfälligen Texten, doch nicht so wie heute. Damals waren es nur Worte. Heute kämpfen Artists zum Teil sogar mit Waffen, dabei geht es doch um Musik und nicht um Krieg. Ich liebe Musik, egal woher sie kommt, denn Music is Love.
























JK: Ganja wird viel in Jamaika geraucht, obwohl es bis heute illegal ist. Was denkst du darüber?
KB: Ganja wird nicht nur auf Jamaika geraucht, sondern auf der ganzen Welt. Ich denke jedoch nicht, dass Leute es in der Öffentlichkeit tun sollten, weil nicht jeder raucht. Wenn Menschen Weed rauchen möchten, sollten sie dies zu Hause tun, wo sie niemanden stören.
Ganja wird schon seit Beginn der Menschheit geraucht. Es hat definitiv seine Berechtigung. Doch Rauchen ist eine Angewohnheit, die auch negative Seiten hat, weswegen ich Niemanden zum Rauchen ermutigen würde. Trotzdem denke ich, dass es legalisiert werden sollte. Ob man raucht oder nicht, sollte jedem selbst überlassen sein. Sicher, es gibt Menschen, für die es sehr schädlich ist, doch andere kommen damit gut klar und es hat sogar positive Auswirkungen auf sie.

JK: Du warst Teil des Films „Rocksteady: the Roots of Reggae“, was kannst du mir über diesen Film erzählen?
KB: Das war ein tolles Projekt. Für diese Dokumentation haben sie viele der Künstler von damals zu Hause interviewt. Ich bin zur Premiere nach Montreal geflogen und habe die Vorführung sehr genossen. Es wurde auch ein Album aufgenommen, um die Rocksteady Ära wieder aufleben zu lassen und Zuschauern bzw. Zuhörern eine Vorstellung davon zu geben, wie diese Zeit war. Es war eine schöne Zeit. Damals haben großartige Sänger wunderbare Songs aufgenommen, die heute immer noch Hits sind. Für das Album haben sie mich und andere Künstler einige Songs noch einmal neu aufnehmen lassen. Ich habe „Freedom Street“ eingesungen. Außerdem habe ich noch „007 (Shanty Town)“ aufgenommen, weil Desmond Dekker, der den Tune ursprünglich gesungen hat, leider nicht mehr unter uns weilt. Auf dem Album bzw. im Film haben noch Marcia Griffiths, Stranger Cole, Judy Mowatt, The Tamlins, Hopeton Lewis, Leroy Sibbles und viele andere große Namen mitgewirkt. Wir alle sind nach Kanada geflogen, um das Album auf einem großen Festival zu promoten. Über 100.000 Menschen haben uns zugesehen. Live und im Internet. Ich bin sehr dankbar für diese Gelegenheit.

JK: Gibt es spezielle Erinnerungen, die du mit Deutschland verbindest?
KB: Ich liebe Deutschland es ist ein schöner sauberer Ort. Das gefällt mir an ganz Europa. Die Städte sind sauber. Auf der Expo bin ich zum ersten Mal in Deutschland aufgetreten und ich erinnere mich an meine Show auf dem Summerjam in Köln.
Ich bin gerne in Europa. Ich mag Frankreich, sie haben dort guten Wein. Ich habe dort Shows gespielt, wo ich allein auf dem Line Up stand und das Feedback des Publikums war einfach toll. Zu England habe ich eine besondere Beziehung, denn England war das erste Land, dass Reggae Musik außerhalb von Jamaika angenommen hat. Großbritannien hat viel zur Verbreitung der Musik beigetragen hat. Vor dort hat Reggae dann ganz Europa erobert. Mein erster Auftritt in England war mein erster außerhalb von Jamaika. Damals stand ich zusammen mit Alton Ellis auf der Bühne.
Ich und viele meiner Kollegen schätzen Europa, weil wir dort mit viel Respekt behandelt werden und die Menschen dort unsere Musik wirklich lieben. Es zeigt, dass Hautfarbe und Nationalitäten keine Rolle spielen. Wenn ich in Europa auftrete, stehen Menschen aus unterschiedlichsten Ländern im Publikum. Es ist ein schöner Anblick, wie ein Garten mit vielen verschiedenen Blumen.

JK: In den letzten Jahren hast du in deinem Haus ein eigenes Studio gebaut. Wen produzierst du dort?
KB: Ich konzentriere mich auf einige wenige Künstler. Ich produziere eine Sängerin namens Jewels. Sie ist erst 16 und geht noch zur Schule, doch sie hat eine wunderschöne Stimme und viel Talent. Ihr Vater ist ein Freund von mir. Dann produziere ich noch einen jungen Rapper, der in den USA lebt und einen weiteren jungen Künstler aus meiner Community. Außerdem nutzt mein Sohn das Studio, um Songs seiner Freundin aufzunehmen. Abgesehen davon nutze ich es, um eigene Aufnahmen zu machen. Durch das neue Studio habe ich viele Möglichkeiten, die ich vorher nicht hatte und so realisiere ich Ideen, die ich seit Jahren habe, aber bis jetzt nicht verwirklichen konnte. Ich liebe nicht nur jamaikanische Musik sondern auch Rhythm and Blues (R&B) und viele andere Stile.

JK: Woran arbeitest du gerade?
KB: Im Moment arbeite ich an zwei Alben. Eines davon ist ein Rhythm and Blues Album und das andere ein Reggae Album. Ich weiß noch nicht, wann sie erscheinen werden, da es mir vor allem um die Musik an sich geht. Ich will mir Zeit nehmen, um ein qualitativ hochwertiges Album aufzunehmen. Ich gebe mein Bestes und ich hoffe, dass es den Menschen gefallen wird. I did it all from my heart!

JK: Vielen Dank für das Interview.
Info: www.kenboothemusic.com
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