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Gefangen im Gesundheitschaos

Der Amtsschimmel: Lebensgefahr für Patienten
Publiziert am: 07.07.11 - Medienformen: Medienform Text

Schimmel macht krank



„Liebe Hanf Journal Leser,

Ich heiße Radek, bin am 6.12.1982 in Poznan geboren, lebe seit sieben Jahren in Deutschland und seit drei Jahren wohne ich in Berlin. Folgend teile ich Auszüge aus Briefen an das Bundesministerium für Gesundheit mit euch, die ich aus Krankheitsgründen um meine Versorgung mit Cannabisblüten bitten muss.

Die falsche Diagnose
Am 13.12.2005 und 17.01.2006 wurde bei mir in Dresden HIV Negativ diagnostiziert,
Am 28.02.2006 dagegen diagnostizierte man in Berlin bei mir HIV Positiv.
Am 6.07.2006 landete ich im Krankenhaus Dresden Friedrichstadt mit Fieber mit unklarer Genese.

Ich wurde daraufhin fünf Jahre lang intensiv aufgrund der falschen Diagnose mit starken HIV-Medikamenten behandelt, was die tatsächliche Erkrankung, die Infektion mit Herpesviren, zur Entwicklung eines Kaposi-Sarkoms verschlimmerte und mich an den Rand des Erträglichen führte.
Mein serologischer Befund: Herpes simplex - Humanes Herpesvirus, das seit den 80er Jahren gerne mit HIV verwechselt wird.
Dieses hatte sich in 14 Monaten zur Art Kaposi-Sarkom-Herpesvirus HHV-8 und malignen Lymphomen entwickelt.
Ich bin dazu KSHV HHV 8 Krebs erkrankt und mit einer 100 prozentigen Schwerbehinderung diagnostiziert worden. Ich habe mittlerweile circa 15 (un)verantwortliche Arztpraxen hinten mir, zwei fast erzwungene, erfolglose Chemotherapien abgeschlossen, aber dank meiner jetzigen Praxis für Onkologie und dank Unterstützung der Berliner Krebsgesellschaft geht es mir viel, viel besser:

2010: Besserung in Sicht
Endlich, Anfang September 2010 suchte ich mir nach Jahren des Leidens im Internet nächtelang Informationen über die Wirkung von Cannabis auf den menschlichen Körper, da ich die Krankenkasse von einer möglichen Therapie überzeugen wollte, um mir eine eventuelle legale Anwendung zu sichern und um von den chemischen Bomben loszukommen, die ich vorher täglich einnehmen musste. Am 5.10.2010 hatte ich daher mit meinem Arzt einen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung zum Erwerb von Cannabisprodukten gemäß § 3 Abs.2 zur Selbsttherapie gestellt und am 13.01.2011 habe ich diese Erlaubnis per Post bekommen.
Da Bedrocan-Cannabisblüten in Deutschland nicht als Medikament zugelassen sind, gab es Mitte Januar Probleme mit den Lieferungen. Daraufhin wandte ich mich an das BMC des Ministeriums für Volksgesundheit, Wohlfahrt und Sport in Den Haag. Dank deren Hilfe und der von Bedrocan in Veendam sowie auch durch Unterstützung von Mitarbeitern der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e. V. (ACM), empfing ich Medizinisches Cannabis ab dem 2.02.2011 aus meiner Apotheke.

2011: Behörde vs. Cannabispatient
Am 2.02.2011 habe ich erneut mit dem BMC telefoniert und nachgefragt, ob sie mir eine Broschüre über das Produkt nach Berlin schicken könnten. Da dieses Produkt in Deutschland unbekannt ist, erschien mir das bei einem eventuellem Widerspruch gegen die Krankenkasse hilfreich, wenn es um die Kostenübernahme ginge. Daher besitze ich nun eine sogenannte „Patienten Broschüre“ (Packungsbeilage), in der Schwarz auf Weiss geschrieben steht, gegen welchen Krankheiten Cannabis eingesetzt wird, welche Nebenwirkungen auftreten können und in welcher Art die Dosierung stattfinden sollte.

Dazu habe ich mit meinem Arzt einen Antrag auf Kostenübernahme für Bedrocan-Cannabis an meine Krankenkasse gestellt, weil mich Fünf Gramm Medizin 78,00€ kosten und mein Monatsbedarf dann ungefähr mit 936,00€ gedeckt würde. Wohin also? Zur AOK Plus? Gesundheitskasse? Ihre Gesundheit in besten Händen? Denn laut Aussage der Krankenkasse gilt: “Jedes Medikament, das durch einen Arzt medizinisch Befürwortet und Lebensnotwendig ist, wird von der Krankenkasse übernommen.“
Leider jedoch nicht, da Cannabis nicht zugelassen ist und somit für die Krankenkasse nicht als Medikament beziehungsweise als Medizinprodukt gilt.
Mein Rechtsanwalt hatte für mich um einen schriftlichen Bescheid von der Krankenkasse gekämpft, weil die Krankenkasse mir nicht mal einen schriftlichen Ablehnungsbescheid erstellen wollte. Dieser erscheint mir aber sehr hilfreich bei dem Widerspruch, schließlich ersetzen mir die Cannabisblüten: 40 mg Pantozol, 10 mg Diazepam, 1 mg Lorazepam, 100 mg Stangyl, MCP, 150 mg Ranidura, 2 mg Loperamid, Novalginum, Valoron und 100 mg Dicklofenac, die ich täglich zur meiner 300 mg Truvada Reyataz und 100 mg Norvir Therapie einnehmen müsste. Durch die jahrelange Einnahme der oben genannten Medikamenten sind viele Nebenwirkungen aufgetreten wie: Erschöpfung, Durchfall, Essstörungen, Panik-Attacken, Depressionen, Müdigkeit, Erbrechen, Gewichtsverlust, Schlafstörungen.

Der Alltag funktioniert wieder - mit Cannabis
Dank der Cannabisblüten-Therapie habe ich vier Kilogramm zugenommen, schlafe sehr gut, habe keine Depressionen und habe keine Angst- und Panik-Attacken mehr. Ich fühle mich sogar so wohl, dass ich meinen Reha Sport (Wasser und Sportgeräte-Gymnastik) fortführe, und sogar seit dem 1.03.2011 wieder arbeitsfähig bin und mich als arbeitssuchend beim Job Center gemeldet habe. Am 17.02.2011 habe ich mich mit meinem Finanzierungs-Problem an Herrn Wolfgang Zöller gewendet (Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten)
Im Antwortschreiben vom 21.02.2011 wurde mir geraten die Antwort der AOK abzuwarten.

Bei einem telefonischen Gespräch mit Frau Hornemann vom Büro des Patientenbeauftragten hatte ich die Tipps bekommen, dass ich mich an die Bundesagentur für Arbeit um Kostenübername wenden kann. Wenn die AOK negativ antwortet, solle ich ein Widerspruchsverfahren starten und am Ende, bei eventueller negativer Antwort, als letzte Möglichkeit vor Gericht gehen. Was nach dem Artikel vom 25.02.2011 über Verdacht auf Betrug mit Aids-Arzneien den Prozess-Willen bei mir verstärkt hat.
Das Widerspruchsverfahren läuft und die AOK hat bis Ende Juni Zeit zum Antworten (Die Antwort lag zu Redaktionsschluss noch nicht vor).
Nebenbei bereite ich mich auf den Kostenübernahme-Prozess vor und lese sehr viel über die Heilwirkung von Cannabisblüten. Da ich polnischer Bürger bin, habe ich auch an das polnische Gesundheitsministerium des Kabinetts von Herrn Piotrowski geschrieben, dass bei mir eine THC Selbsttherapie erlaubt ist, und dass ich seit dem 10.03.2011 ohne Arzneien bin.
Jeder schickt mich wie eine Stück Dreck vom Ministerium zur Krankenkasse. Die AOK schickt mich zur Bundesopiumstelle, die wieder sagen, dass ich mich beim Hersteller melden soll, der Hersteller wieder schickt mich nach Deutschland zur Aufsichtsbehörde und am Ende schicken die mich zum Bundesministerium für Gesundheit.

Allen dort Beschäftigten stelle ich folgende Frage: Sehr geehrte Damen und Herren, wie viele Menschen müssen noch sterben?
THC stabilisiert das Immunsystem, da die wichtigsten Organe für ein gesundes Immunsystem Magen und Darm sind. Wie soll man ein solches durch die Einnahme von 20 Medikamenten am Tag, über einen Zeitraum von sechs Jahren, heilen!
Ich hoffe sehr, dass sich endlich ein Verantwortlicher finden lässt. Ich kam nach Deutschland, um zu arbeiten und zur Belohnung habe ich Schulden und „Mörder“-Ärzte kennengelernt, die nur machen, was ihnen grade in den Sinn kommt. Niemand fühlt sich wirklich verantwortlich und zum Ende, als sich endlich die richtige Arznei und die richtige onkologische Praxis gefunden hatte, muss man die Therapie dank unklaren Rechtsverhältnissen unterbrechen.“


Nachtrag
Kurz vor Redaktionsschluss erhielten wir die Nachricht von Radek, dass seine Behandlung derzeit fortgeführt wird und stetige Erfolge mit sich bringt. Hoffen wir, dass das so weiter läuft.
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