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DVD-Specials - Juli 2011

Publiziert am: 06.07.11 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Roly
>>DVD – Doku

Nicht böse sein!
Ein Dokumentarfilm von Wolfgang Reinke und Gines Olivares

Mit der Gründung des DVD-Labels für Dokumentarfilme b-there wurde das Anliegen verwirklicht, Filme zu veröffentlichen, die hautnah am Leben stattfinden und dem Zuschauer einen tiefenscharfen Einblick eindrucksvoll gewähren. Das beweist der 95-minütige Gesellschafts-Dokumentarfilm „Nicht böse sein!“ von Wolfgang Reinke und Gines Olivares aus dem Jahre 2006, der Ende 2007 in den Kinos anlief, 2008 mit dem VG Bild+Kunst Schnittpreis ausgezeichnet wurde und nun auf DVD im Digipak mit vielen Extras erschienen ist. In einer Wohngemeinschaft leben drei Männer in Berlin-Kreuzberg auf 54 Quadratmetern. Sie schlafen in Küche, Bad und halbem Zimmer, und in dieser klaustrophobischen Enge wirken Glück und Liebe wie Schatten einer längst vergangenen Zeit. Während Ex-Knacki Andi von einer eigenen Wohnung träumt, schiebt H-Junkie Dieter eine 100-tägige Haftstrafe vor sich her und Alkoholiker Wolfgang schreibt Gedichte.
Regisseur Wolfgang Reineke gewährt uns mit seinem erschütternden Portrait einen realistischen und einfühlsamen Einblick in das Leben dreier suchtabhängiger Menschen, bei dem man gezwungen wird, über die eigenen Vorurteile nachzudenken. Der detailreiche Film ist zugleich ein Essay über Armut in Deutschland sowie die Folgen der Umstellung auf Hartz IV und widerspricht dem von der Politik gerne verbreitetes Bild über die betroffenen Menschen. Gezeichnet sind die drei Protagonisten mittlerweile alle, denn der konstante Rausch fordert seinen Tribut. Über Wolfgang erfahren wir am meisten, da er viel über seine Vergangenheit spricht, wenn er nicht gerade seine beiden Mitbewohner wegen der Stromrechnung anbrüllt. Während man bei anderen Filmen zu einem Voyeur sozialer Fallstudien werden würde, taucht man hier respektvoll und demütig in diese zutiefst menschliche Dokumentation ein, denn hier geht es um Träume, Hoffnungen und Ängste sowie die unermüdlichen Kämpfe des täglichen Lebens. Der bewegendste Moment für mich persönlich ist die Szene, als Wolfgang im Bett liegend eine an der Wand hängende Stoffmaus aufzieht und Brahms’ Wiegenlied (was mir meine Mutter früher abends sehr liebevoll immer vorgesungen hat) erklingt und Wolfgang traurig-wütend über seine Mutter sinniert. Spätestens da habe ich verstanden, warum die Filmbewertungsstelle Wiesbaden das Prädikat „besonders wertvoll“ gegeben hat. Neben kommenden Veröffentlichungen wie „Nach der Musik“ und „Heute wiederholt sich der Tag anders“ sind in diesem Jahr noch weitere Titel von b-there zu erwarten.

www.nichtboesesein.de
www.b-there.de




>> DVD - Thriller
Chatroom
Willkommen im Anti-Social Network

Fünf Teenager treffen sich in einem eigenen Chatroom und lernen sich dadurch immer besser kennen. Jim (Matthew Beard), Eva (Imogen Poots), Emily (Hannah Murray) und Mo (Daniel Kaluuya) sind vom charismatischen William (Aaron Johnson) und seiner hilfsbereiten Art sehr angetan. Dieser hatte früher Suizidabsichten und hat den Chatroom „Chelsea Teens!“ gegründet, um (angeblich) neue Freunde zu finden. Doch William ist nicht, was er vorgibt zu sein. Er ist berechnend und manipulativ und hat in der realen Welt nur ein Verlangen: Menschen sterben zu sehen. Über den Kontakt im Internet erarbeitet er sich das Vertrauen der jungen Menschen, indem er Emily, Mo und Eva bei ihren Problemen mit Ratschlägen zur Seite steht. Auch als er erfährt, dass Jim Antidepressiva nimmt, seit er von seinem Vater beim Beobachten der Pinguine in einem Zoo allein zurückgelassen wurde, tut er so, als wolle er ihm helfen. Nur langsam erkennen die Teenager, was hinter Williams Fassade lauert. Doch William kontrolliert mit seinen psychopathischen Störungen inzwischen alles und jeden und ist bereit, bis zum bitteren Ende für sein Ziel zu kämpfen: Jims Tod.
Unterstützt von einer Riege überzeugender Newcomer, allen voran Aaron Johnson („Kick Ass“) schafft es der japanische Horrormeister Hideo Nakata („Ringu“, „The Ring 2“) in diesem gnadenlosen Psycho-Krimi, die Grenzen zwischen Fiktion und Realität nach und nach aufzulösen. Mit „Chatroom – Willkommen im Anti-Social-Network“ (basierend auf einem Drehbuch von Enda Walsh, der das Theaterstück unter gleichem Namen schrieb) wagt er sich an eine schwierige Betrachtung des Angstmediums Internet, welches er als Hotelflur darstellt. Die virtuellen Räume, in die man sich zurückziehen kann, werden als Hotelzimmer dargestellte privatere Räume visualisiert. Das Thema Internet mit all seinen Problemen ist nach wie vor akut, ohne Wasser auf die Mühlen einer Ursula von der Leyen giessen zu wollen. Doch die Interaktion von William mit seinen Eltern und seiner Umgebung, seine Verhaltensweisen und die Projektion des Selbsthasses auf andere Individuen spiegeln sehr gut ein Krankheitsbild wieder, dass man nicht als Klischeé herunterspielen sollte. Allerdings sollte man das Internet wie jedes Medium grundsätzlich neutral betrachten, was nach diesem Film wohl zu einer kontroversen Reflexion führen wird. Ein virtuelles Home Entertainment-Erlebnis, das im Bonusmaterial mit exklusiven Interviews der Darsteller aufwartet und bis zur letzten Minute Spannung garantiert.

www.chatroomfilm.com
www.universum-film.de




>> CD / DVD - Comedy
Carolin Kebekus: Ghetto Kabarett

Sie hat Charme, sie hat Witz, und ich mag auch ihre unschuldigen Rehaugen. Wenn man die Charaktere und die Songs aus der Sendung Broken Comedy bereits für sich entdeckt hat, bekommt man mit diesem Album genau das, was man will. Zwischen derber Ausdruckskraft und entwaffnender Offenheit beherrscht die 30-jährige Standup-Comedienne genau die richtige Mischung aus sozialkritischen Klängen und einem kräftigen Schuss Ironie. Für ihre unzähligen TV–Auftritte in Comedyshows (Harald Schmidt, Quatsch Comedyclub, Broken Comedy u.v.a.) und ihrem ersten Soloprogramm Pussy Terror erschuf Carolin Kebekus zahlreiche Figuren, mit denen sie unserer Gesellschaft und der Medienlandschaft gekonnt den Spiegel vorhält.
Nach ihrer ersten Single „Pussy Terror“ präsentiert sie uns nun ihr CD-/DVD-Album „Ghetto Kabarett“, auf dem sie ihr Publikum sicherlich mit rauen Verbalattacken in Ekstase zu versetzen weiß. In ihrer Hood, der „Schäl Sick“ von Kölle, beobachtet sie mit scharfen Blick das Treiben in dem sozialen Brennpunkt und setzt das Erlebte in höchst amüsante HipHop-Parodien um. Dafür schlüpft sie in die Rollen von „Bitch Deluxe“, „Doreen“, „Rebekka“, „Fotze Brown“ und „Nelly Totaldoof“, um mit Szenekenntnis und Wirklichkeitsnähe zu punkten. Unterstützung erhält die Kölnerin aus dem Improversum von Kollegen wie Andre Fuchs (Onkel Zwieback, Pimperman), Torsten Fraundorf (Fifty Sven, Porzer-Lan aka Justin), Serdar Somuncu (Scheiss T), und MC Rene, der mit „Incredible Kalk“ einen Solotrack zum Besten gibt. Bittere Gesellschaftskritik gibt’s mit satirischen Songs wie „Asozial“, „Gangster Kabarett“ und „Köln Porz II“, während „Sexy Playboy“ sehr groovy rüberkommt, „Disco ist Bullshit“ sinnfrei nach vorne geht und „Doreen“ als Liebesballade zum Schmunzeln bringt - mein Lieblingstrack ist die Hommage an „Mein Köln“, auf der Carolin an der Seite von Onkel Zwieback erstmals auch ihre gefühlvolle Seite zeigt. Trotzdem gilt: „Warning ++++ Ghetto Kabarett nie unbeaufsichtigt abspielen!“ - Neben den 14 Tracks des Albums erscheint das Debüt der kölschen Diva in Begleitung einer 40-minütigen DVD, auf der sich sechs aberwitzige Videos sowie Making Of, Fotoshooting und Dance Casting zu „Pussy Terror“ befinden. Ja, Carolin muss man einfach lieben.
Das Mädel aus der Kölner Bronx switcht frech-sympathisch zwischen naivem Charme und hemmungsloser Pöbelei, nimmt kein Blatt vor den Mund und liefert hier mit viel Herzblut irrwitzige Gangster Rap Persiflagen vom Feinsten!

www.carolinkebekus.de
www.improversum.de


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