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Cannabis bei ALS...

und andere Geschichten aus dem Alltag kiffender Kranker
Publiziert am: 01.07.11 - Medienformen: Medienform Text

Amyotrophe Lateralsklerose? Nie gehört ... was‘n das? Bei der auch ALS genannten Krankheit, können die Nerven keine Impulse mehr an die Muskeln senden, da sie von so genanntem „Zellmüll“ befallen werden. Deshalb können Betroffene sich zunehmend nicht mehr bewegen und irgendwann auch nicht mehr sprechen, essen und atmen. Es gibt zum Glück aber medizinische Mittel und Therapien, die den Betroffenen ein Überleben ermöglichen.
Ich wusste davon ja eigentlich auch nichts, aber irgendwann traf ich Klaus. Und Klaus ist Assistent eines ALS-Betroffenen, Kiffer und wollte, dass „sein Klient“ das mit der Cannabismedizin mal ausprobiert.
Dabei hat er die Erfahrung gemacht, dass die liebevoll gebackenen Hanfkekse vom ALS-Erkrankten immer wieder abgelehnt wurden. Und das obwohl Klaus sich sicher ist, dass der Klient von Cannabis profitieren könnte, wenn er es denn mal probiert. Der kann zwar nicht mehr selbstständig essen, hat aber eine Magensonde, über die Klaus ihn mit klein püriertem Essen versorgt und „da passt schließlich auch Kekspüree durch“.
Klaus ist überzeugt, dass seine Kekse dem Klienten helfen würden, sich zu entspannen - vor allem aber entspannter zu schlafen! Der wacht nachts nämlich im Durchschnitt alle anderthalb Stunden wegen seiner Schmerzen auf und das würde er mit Cannabis wahrscheinlich nicht mehr so oft.
Besonders oft wacht der Patient auf, seit in den Heimregeln steht, dass „eine Dekubitusprophylaxe alle vier Stunden“ reicht. Klaus hat mir erklärt, dass das heißt, dass sein Klient jetzt nur noch „alle paar Stunden gewendet wird, damit er keine Druckstellen kriegt“. Klaus hat mir außerdem erzählt, dass Cannabis vermutlich gegen die spastischen Lähmungen seines Klienten helfen würde. Nebenbei habe ich so gelernt, dass die Begriffe Spastik bzw. Spastizität eine erhöhte Eigenspannung der Skelettmuskulatur beschreiben, die immer auf eine Schädigung des Gehirns oder Rückenmarks zurückzuführen ist. Klaus wusste nie wirklich, warum der ALS-Patient die Kekse eigentlich abgelehnt hat, aber eines Tages hat er auf seine Frage eine Antwort bekommen. Als Grund für den Keksverzicht gab der Klient an, dass er von anderen ALS-Betroffenen gehört habe, dass sie unter THC-Einfluss nicht mehr so gut Luft bekommen. Er habe deshalb davor Angst, dass er für das „Vergnügen Hanfkeks“ damit bezahle, dass er wieder an das blöde Beatmungsgerät gehangen werden muß. Er wolle dann doch lieber selber atmen, obwohl er wüsste, dass die Beatmung sicher funktionieren würde.
Neulich hat Klaus einen urlaubenden Kollegen vertreten und so eine an Multipler Sklerose (MS) leidende Frau kennengelernt. MS ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark), die meist in Schüben verläuft und zu langsam zunehmenden Behinderungen führt. Zwar kann die Medizin MS bremsen und die Intensität der Schübe mindern, heilbar ist die Krankheit aber noch lange nicht. Zu Klaus Überraschung (er sieht wahrlich nicht wie ein Kiffer aus) sagte die Patientin nach kurzer Zeit zu ihm: „Gib mir doch mal einen von meinen Hanfkeksen“. Bisher hatte Klaus meist die Erfahrung gemacht, dass die ohne Erwähnung des Themas bei der Arbeit mit Menschen mit Behinderung oder Krankheit abgelehnt wurde. Die MS-Kranke erklärte ihm jedoch, dass es ihr nun mal helfe, den Abend und die bevorstehende Feier zu überstehen und auch besser und beruhigter zu schlafen. Und nur, weil sie nicht genau weiß, wie‘s funktioniert, heißt das ja noch lange nicht, dass sie nicht allen erzählen könne, dass es funktioniert!
Nachdem Klaus mir das erzählt hat, habe ich mal ein bisschen im Internet recherchiert und dabei eine Menge Seiten gefunden, auf denen beschrieben steht, wie Cannabis MS-Betroffenen und auch bei Spastiken helfen kann. Beispielsweise wurde in Umfragen wiederholt von einer verbesserten Kontrolle der Blasen- und Darmfunktion berichtet. Leider habe ich aber keine Studien über Cannabis bei ALS gefunden. Ist wohl zum Glück zu selten. Ach so - Klaus geht übrigens nicht bekifft arbeiten, da er sich dann nicht mehr so gut konzentrieren kann. „Schließlich werd‘ ich nicht fürs Chillen bezahlt“, sagt er immer. Vor allem, wenn Klaus sowieso schon zu wenig geschlafen hat, wird er schon von ein paar Zügen sehr müde und würde dann vermutlich in der Nachtschicht einschlafen und wer sollte dann die Menschen bewegen, die selbst dazu nicht mehr in der Lage sind? Außerdem verstärken Joints seine Rückenschmerzen und die kann er beim Arbeiten nun überhaupt nicht gebrauchen.
Im Endeffekt kifft Klaus so nur alle paar Tage. Er kommt auch nicht so gut darauf klar, wie manch andere, die jeden Tag was rauchen und dann anscheinend noch genauso gut arbeiten können wie nüchtern.
Zwei von Klaus‘ Kollegen konsumieren auch Cannabis. Aber, soweit er weiß, nicht bei der Arbeit. Warum das so ist, weiß er nicht genau. Vielleicht geht es ihnen ähnlich wie ihm, sagte er. Heimlich haben alle Angst vor Stress.
Letztlich sagt Klaus, ist doch aber nicht Cannabis das Problem. Das Problem ist das Denken der meisten Leute, die nie Cannabis konsumiert haben. Wenn man es nicht selbst ausprobiert hat, kann und sollte man eigentlich nichts Negatives darüber behaupten, sagt Klaus. Nur weil ein Gesetz festlegt, dass es verboten ist, glauben die meisten, Cannabis sei böse.
Meist kommt er mir dann mit Behauptungen, dass Cannabis beispielsweise Psychosen auslösen kann. Dabei sei doch längst klar, dass Cannabis nur für jene gefährlich ist, bei denen eine latente Psychose vorliegt. Und selbst unter denen gibt es laut Klaus eine ganze Menge, denen Cannabis hilft, statt zu schaden, aber das wollen die nichtkonsumierenden, konservativen Mist...
An dieser Stelle reiche ich lächelnd einen weiteren Joint und helfe Klaus so, den Feierabend ohne Haßtiraden auf Gott und die Welt zu verbringen.

Wenn ihr mehr über Cannabis als Medizin wissen wollt, dann besucht die folgenden Webseiten.
als.charite.de
cannabislegal.de
selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de
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