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Psychoaktive Pflanzen unserer Heimat

Der Eisenhut
Publiziert am: 01.09.11 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Markus Berger
Geöffnete Blüte - Foto: Exduria2006

Steckbrief
Aconitum napellus LINNÉ

Familie:
Ranunculaceae (Hahnenfußgewächse)


Synonyme:
Aconitum compactum (RCHB.) GAYER, Aconitum neomontanum WULFEN, Aconitum pyramidale MILL.


Trivialnamen:
Abnehmkraut, Aconit, Aconite (englisch), Akonit, bikh (nepalesisch), bis-h (Hindi), Blauer Eisenhut, Blautod, Eisenhut, Eisenkappe, Fuchswurz, Giftkraut, Hex, Kutscherblume, Monkshood (englisch), Narrenkappe, nilo bikh (nepalesisch), Nonnenhaube, Odins Hut (nord.), Sturmhut, Trollhat (nord.), Wolfkraut, Wolffswurtz, Venuswagen, visha (Sanskrit), Ziegentod, Ziegenschuh und viele andere regionale Bezeichnungen.


Vorkommen:
Der Eisenhut kommt in ganz Europa, häufig in den Alpen und Gebirgen, im Wald und an Wegrändern vor. Aconitum-Species lieben ein feuchtes und schattiges Habitat.



Botanik
Der Eisenhut ist ein aufrecht wachsendes, bis zu 1,5 Meter hohes Gewächs. Die Blätter sind fünf- bis siebengliedrig, handförmig und dunkelgrün, die Wurzel ist rübenförmig. Der Flor erscheint in dunkelviolett bis dunkelblau, die Blüte steht dicht und ist von helmförmiger Gestalt, daher der deutsche Trivialname Eisenhut. Die Pflanze blüht von Juni bis in den August. Aconitum napellus bildet eine mehrsamige Frucht aus.

Wirkstoffe
In den Aconitum-Arten sind diverse Diterpenoid-Alkaloide nachweisbar: unter anderem Aconitin, Aconitinsäure, Mesaconitin, Hypaconitin, Napellin und N-Diethylaconitin. Die gesamte Pflanze ist hochgiftig und kann bei unsachgemäßer Einnahme lebensbedrohliche Situationen herbeiführen.

Geschichte
Der Eisenhut ist eine alte Medizinal-, Ritual-, Hexen- und Zauberpflanze. Er wurde von den alten Germanen für magische Rituale genutzt. Die Pflanze wurde auch als Gift, beispielsweise als Pfeilgift (Ainu, Hokkaido aus Aconitum ferox WALL ex. SER.), verwendet. Außerdem wurde Aconitum mit der Hexe Medea und somit mit der Unterwelt assoziiert und als Verjüngungstonikum verwendet. Aconitum napellus und Aconitum ferox werden im Himalaya Bikh genannt und finden dort als schamanische Rauchkräuter Verwendung (RÄTSCH 2003: 439, 501). Der Eisenhut ist außerdem eine Ingredienz verschiedener psychoaktiver Hexenrezepte. Enrico Malizia hat solche gesammelt und beschreibt beispielsweise die „Salbe von solcher Kraft und Wirkung, daß sie strahlende Visionen hervorruft“. Diese Salbe enthält laut Originalrezept (was heutzutage nur mit einem Augenzwinkern zu rezipieren ist): Kinderfett (!), Sellerie, Wurzel des Eisenhut, Blutwurz oder Tormentillwurzel, Tollkirsche, Bilsenkraut, Stechapfel und Asche (MALIZIA 2002: 132f.). Dass diese Salbe hochwirksam ist, lässt sich schon allein an den drei halluzinogenen Nachtschattengewächsen mühelos erkennen.




















Tollkirsche, Bilsenkraut und Stechapfel sind für sich genommen bereits pharmakologisch extrem aktiv. Nimmt man dann den toxischen Eisenhut dazu, ergibt sich eine wahhaft schauderliche Rezeptur, die selbst hartgesottene Psychonauten erzittern lassen sollte. Dann ist da noch der „Kräuteraufguss für ungewöhnliche Träume (zum Einreiben)“, der aus Bilsenkraut, Stechapfel, Tollkirsche, Sellerie, Puffbohnen, Schlafmohn und Eisenhut gemixt wird (MALIZIA 2002: 135f.). Oder die „Hexensalbe“ aus Sellerie, Eisenhutwurzeln, Pappelzweigen und Weihrauch (MALIZIA 2002: 137). Damit noch lang nicht genug. Malizia hat wirklich unglaubliche Quellen ausfindig gemacht und präsentiert weiterhin diverse Rezepte mit Eisenhut-Zusatz: für Flugsalben und Zaubertränke (MALIZIA 2002: 141ff.), eine aphrodisische „erotisierende Pastete“ (MALIZIA 2002: 212f.) und für ein „Pulver zur Stärkung sexuell geschwächter Männer“ (MALIZIA 2002: 221). Christian Rätsch vermerkt zum Eisenhut: „Der Sturmhut wurde in der römischen Politik zu einer wichtigen Kampfdroge. So starb Kaiser CLAUDIUS im Jahr 54 n. Chr. an einer Akonitvergiftung“ (RÄTSCH 1995: 367).

Verwendung
Der Eisenhut sollte gar nicht verwendet werden. Erfahrene Schamenen und lebensmüde Hardcore-Psychonauten rauchen das getrocknete Kraut. Da das hauptwirksame Alkaloid Aconitin schon in geringen Mengen (ab 0,2 Milligramm!) stark toxisch wirkt, wird von Experimenten DRINGEND und mit Nachdruck abgeraten. Lähmungserscheinungen, Übelkeit, Erbrechen machen im Grunde die Wirkung aus. Die letale Dosis ist schnell erreicht. Vorsicht: Empfindliche Menschen können schon beim Ernten der Blüten und Blätter Wirkungen verspüren.

Die medizinische Verwenung beschreibt der Ethnobotaniker Heinrich Marzell in seinem Werk „Heil- und Nutzpflanzen der Heimat“: „Die Anwenung dieser Giftpflanze und der daraus gewonnen Mittel bleibt ausschließlich dem Arzte vorbehalten. (...) In der Form von Lösungen und in Salben wird es äußerlich vom Arzte als Einreibung bei Nervenschmerzen im Gesicht oder bei Ischias angewendet. Die innerliche Anwendung ist veraltet.“ (MARZELL 1947: 144)

Wirkung
Extrem geringe Dosierungen (bis 0,25 Milligramm) können stimulierende, berauschende und anästhetische bis halluzinogene Effekte induzieren. Da die Pflanze aber außerst giftig ist, rate ich von jedem Versuch inständig und immer wieder ab. Die hauptsächlichen Wirkungen finden sich in den nachfolgenden Gefahren und Nebenwirkungen.

Gefahren & Nebenwirkungen
Der Eisenhut ist extrem gefährlich, die Einnahme einer nur leichten Überdosierung Aconit führt in aller Regel zu zentralen Erregungszuständen, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen, Kribbeln am ganzen Körper, Übelkeit, Herz-Kreislaufstillstand, Tod. Ein Milligramm kann schon eine starke Vergiftung bewirken, zwei bis sechs Milligramm gelten als letale Dosis für den Erwachsenen. Eine Aconitum-Intoxikation wird mit Abführ- oder Brechmitteln und medizinischer Aktivkohle nur notdürftig und meist erfolglos therapiert. Gegebenenfalls Magenspülung und Beatmung, Wärmeerhaltung. Medikamentöse Behandlung weiterhin mit Digitalispräparaten, Diazepam (gegen Krampfanfälle) und Antiarrhythmika.

Rechtslage
Die Pflanze Aconitum napellus und andere Aconitum-Spezies unterliegen keinen pharmakologischen Bestimmungen. Alle Aconitum-Arten stehen unter Naturschutz.


Literatur:
Berger, Markus (2004), Handbuch für den Drogennotfall, Solothurn: Nachtschatten-Verlag
Malizia, Enrico (2002), Liebestrank und Zaubersalbe. Gesammelte Rezepturen aus alten Hexenbüchern, München: Orbis
Marzell, Heinrich (1947), Heil- und Nutzpflanzen der Heimat, Reutlingen: Ensslin und Laiblin
Rätsch, Christian (1995), Heilkräuter der Antike, München: Diederichs
Rätsch, Christian (1998), Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Aarau: AT Verlag
Rätsch, Christian (2003), Schamanenpflanze Tabak Band 2, Solothurn: Nachtschatten Verlag

Weitere Artikel zu allen hier besprochenen Pflanzen gibt es auf
www.psychotropcion.info
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