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Psychoaktive Pflanzen unserer Heimat

Rohrkolben
Publiziert am: 03.10.11 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Markus Berger
Typha latifolia - Foto: Georges Seguin, cc by sa 3.0


Steckbrief

Typha sp. LINNÈ

Familie: Typhaceae (Rohrkolbengewächse)

Synonyme: keine


Trivialnamen

Gängige Trivialnamen sind Bulrush (engl. GB), Cattail (engl.), Cat-o-Nine-Tails (engl.), Cattail Flag (engl.), Cossack Asparagus (engl.), Dunhammer (dän.), Flag (engl.), Hawahawa (Pawnee), Hoo (jap.), Kirit-tacharush (Pawnee), Pfaffenpint, Pfyffenpint, P’ohwang (korean.), Pompesel, P’u-huang (chin.), Punks (engl.), Reedmace (engl. GB), Rohrkolben, Rushes (engl.), Teichkolben, Tule (engl.), Wahab‘ igaskonthe (Omaha-Ponca), Wihuta-hu (Dakota) und andere.

Typha-Spezies (Auswahl)

Wissenschaftliche Bezeichnung- Trivialname

Typha angustata - Pu-huang

Typha angustifolia L. - Schmalblättriger Rohrkolben

Typha australis - Australischer Rohrkolben

Typha capensis (ROHRB.).-Cape Bulrush

Typha domingensis PERS.- Southern Cattail

Typha elephantina ROXB.- Elefanten-Rohrkolben

Typha gracilis RAF.- Zierlicher Rohrkolben

Typha latifolia L- Breitblättriger Rohrkolben

Typha laxmannii LEPECH.- Laxmanns Rohrkolben

Typha minima- Zwergrohrkolben


Vorkommen/ Botanik

Der Rohrkolben Typha LINNÈ ist ein Scheingras aus der Familie der Typhaceae. Insgesamt existieren etwa fünfzehn Spezies dieser Gattung weltweit, in Mitteleuropa sind es fünf Arten. Typha-Spezies sind Sumpf- bzw. Wasserpflanzen mit kriechendem, ausgedehntem Rhizom, lanzettlichen Blättern und eingeschlechtlichen Blüten. Die weiblichen Blüten vereinen sich im unteren, die männlichen im oberen Teil des Kolbens. Lassen wir den antiken Arzt und Botaniker Dioskorides das Aussehen beschreiben: „Die Typha entwickelt ein dem Cyperngrase ähnliches Blatt, einen glatten, ebenen Stengel, um dessen Spitze die Blüthe dicht steht und einen Blüthenbüschel bildet, welcher bei einigen Anthele heißt“ (DIODKORIDES III, 123).

Heilpflanze Typha

Typha-Pollen enthalten alpha-Typhasterol, Isorhamnetin2, Pentacosan, Palmitinsäure und Sitosterol, haben leicht stopfende Eigenschaften und können daher gegen Diarrhöe angewendet werden. Die Homöopathie verwendet übrigens die frischen unterirdischen Teile der Typha latifolia gegen Durchfallerkrankungen3. In der Antike wurde eine Mischung aus Typhapollen und Schweinefett als Brandsalbe verwendet. Der griechische Arzt und Botaniker Dioskorides schreibt zu Typha angustifolia: „Die Blüthe (...), in altes gewaschenes Schweinefett aufgenommen, heilt Brandwunden“ (DIOSKORIDES III, 123). Analog dazu mischen auch amerikanische Indianer aus Pollenflaum und Tierfett eine heilende Salbe, die auf Quetschungen, Insektenstiche und Brandwunden aufgetragen wird. Kinder bekommen Typhapollen auf die Haut um Scheuerungen zu verhindern – so wie Gewichtheber Talkum benutzen, um die Hände zu schonen. Der Pollen ist adstringierend und eignet sich auch zur Blutstillung. Die Asche von Typha-Blättern kann als Antiseptikum und zur Wundheilung genutzt werden. Der Saft junger Typha-Blätter hilft äußerlich angewendet gegen Zahnschmerzen, offene Wunden und Hautprobleme (ALLEN et al. o.J.). Die Navajo kennen die ausgleichenden Eigenschaften des Typha-Blütenstaubs gut – immerhin er ist Teil ihrer Friedenssuche. Typha capensis (ROHRB.) N.E. BR., eine auf dem amerikanischen Kontinent endemische Art, ist über Jahrhunderte innerhalb der Volksmedizin gegen Geschlechtskrankheiten, Dysenterie, Diarrhöe, Dysmennorrhöe, während der Schwangerschaft für eine erträgliche Geburt, und um die männliche Kraft und Libido zu steigern, verwendet worden. Abgesehen von der heilkundlichen Verwendung der alten Griechen, ist der medizinische Gebrauch zwar hauptsächlich aus dem altamerikanischen, indigenen Kulturraum bekannt, allerdings wird der Blütenpollen auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin genutzt, und zwar gegen Nasenbluten und auch als Aphrodisiakum (MÜLLER-EBELING et al. 2003: 584). Schon die Signatur der Pflanze erinnert an einen Phallus und assoziiert somit eine aphrodisische Qualität des Rohrkolbens. Die Kolben gelten als Tabaksubstitut und werden als Ersatz für Zigarren geraucht (RÄTSCH 1998: 387). Schon der botanische Name des Rohrkolbens weist vermutlich darauf hin: „Interessanterweise stammt der Name aus dem Griechischen, die das Gewächs typha nannten. Das Wort ist wohl abgeleitet von typhein, ‚rauchen, brennen’. Dieser Name bezieht sich entweder auf die angesengte Farbe des Kolbens oder ist möglicherweise ein Hinweis auf einen Gebrauch als Räucherstoff“ (RÄTSCH 2002: 91). Auch könnte der Gebrauch von Typha-Blüten als Brandsalbe (s.o.) Grund für die Benennung der Pflanze gewesen sein.
Die Naturheilkunde kann Typha-Arten weiterhin und im Allgemeinen als Sedativum, Menstruations- und Muttermilchaktivum und Tonikum nutzen. Solange die pharmakologische Relevanz dieser Pflanzenfamilie jedoch weiterhin hauptsächlich ignoriert wird, vermögen wir die verborgenen Kräfte des Rohrkolbens nicht adäquat zu schätzen.


Literatur:

Allen, Ginger M.; Bond, Michael D.; Main, Martin B. (o.J.), 50 Common Native Plants Important In Florida‘s Ethnobotanical History, University of Florida, Institute of Food and Agricultural Sciences
Dioskurides (1902), Arzneimittellehre in fünf Büchern, Stuttgart: Enke (http://www.heilpflanzen-welt.de/dioskurides/001.htm)
Hall, D.J. (1993), The ecology and control of Typha capensis in the wetlands of the Cape Floristic Region, South Africa.
Jencks, Z. 1919. A note on the carbohydrates of the root of the cat-tail (Typha latifolia). Proc. Soc. Exper. Biol. Med. 17(2): 45-46.
Müller-Ebeling, Claudia; Rätsch, Christian (2003), Lexikon der Liebesmittel, Aarau: AT Verlag
Rätsch, Christian (1998), Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Aarau: AT Verlag
Rätsch, Christian (2002), Schamanenpflanze Tabak Band 1, Solothurn: Nachtschatten Verlag
Southwest School of Botanical Medicine (o.J.), Uses of Plants by the Indians of the Missouri River Region - Gilmore; http://www.swsbm.com/Ethnobotany/MissouriValley-Gilmore-1.pdf

Fußnoten

1 Southwest School of Botanical Medicine (siehe Literaturverzeichnis)
2 Isorhamnetin ist ein herzwirksames Flavonoid, das auch im Kaktis Selenicereus grandiflous vorkommt.
3 Siehe Monografie der Kommission D beim Bundesinstitut für Arzneimittel, Bundesanzeiger Nr. 146 vom 8. August 1989; http://www.heilpflanzen-welt.de/404,20430273651234567890104755102111/homoeopathie/monographien/typha-latifolia.htm

Weitere Artikel zu allen hier besprochenen Pflanzen gibt es auf
www.psychotropcion.info
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