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Behandlung des Morbus Crohn mit Cannabis

Franjo Grotenhermen ist Vorstand und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin
Publiziert am: 01.11.11 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Franjo Grotenhermen
Dr.Franjo Grotenhermen

Es ist jetzt etwa drei Jahre her, dass ein Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin aus Würzburg zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt wurde. Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Die Ursache für sein Verbrechen bestand darin, an einer schweren chronischen Erkrankung zu leiden, die sehr schlecht auf eine Behandlung mit konventionellen Medikamenten, jedoch sehr gut auf eine Therapie mit Cannabis ansprach. Es handelt sich um eine chronische Entzündung des Darms, den Morbus Crohn. Sein Verbrechen bestand schließlich darin, dass er die wirksame Therapie mit Cannabis auch umsetzte, was aus medizinischer Sicht sinnvoll und vernünftig ist. Im Juli 2008 war er beim Import von mehr als 200 Gramm aus den Niederlanden im Zug aufgegriffen worden und kam wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Diese dauerte bis Oktober 2008 an, bevor er gegen eine Kaution aus der Haft entlassen wurde. Wegen seiner schweren Erkrankung verbrachte er diese Zeit durchgängig im Gefängniskrankenhaus. Nach der Verurteilung hatte er keine bessere Wahl, als aus Deutschland auszuwandern, denn die „Bewährung“, die verhindern konnte, dass er tatsächlich zwei Jahre im Gefängnis verbringen musste, bestand darin, dass er auf seine wirksame Therapie, die Behandlung mit Cannabis, verzichten sollte.
Die Erkrankung geht meistens mit anhaltenden Durchfällen, Bauchschmerzen, Gewichtsverlust und Müdigkeit einher. Ihr Ausbruch beruht auf einer Störung der natürlichen Barriere des Darms gegen Bakterien und andere Erreger, so dass diese in die Darmwand eindringen können. Das Immunsystem reagiert mit einer Abwehrreaktion, die eine chronische Entzündung verursacht. Der gesamte Darm kann von der Erkrankung betroffen sein. Häufig sind eitrige Abszesse des Darms, Fisteln und Darmverengungen. Zur Therapie werden Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken und gegen Entzündungen wirken, eingesetzt. Häufig sind Operationen erforderlich, bei der Teile des Darms entfernt werden. Der als rechtskräftig als Verbrecher verurteilte Patient aus Würzburg hatte bereits einen künstlichen Darmausgang, der durch die Bauchdecke gelegt worden war.
Hätte der Betroffene beispielsweise in Israel gelebt, so hätte er beim Gesundheitsministerium eine Ausnahmegenehmigung zur Verwendung von Cannabis beantragt, die sicherlich genehmigt worden wäre. Dann zählte er heute zu den etwa 6000 Personen in Israel, die Cannabis nahezu kostenlos zu medizinischen Zwecken verwenden dürfen. In Israel geht man davon aus, dass diese Zahl in den kommenden Jahren auf etwa 40.000 steigen wird. Deutschland hat etwa zehnmal so viele Einwohner wie Israel und die Bevölkerungsstruktur ist ähnlich, so dass auf dieser Grundlage der Bedarf für Deutschland abgeschätzt werden kann: Etwa 400.000 Bürger der Bundesrepublik benötigen eine Behandlung mit Cannabisprodukten.
Kürzlich veröffentlichten israelische Wissenschaftler Ergebnisse einer Beobachtungsstudie zur Behandlung des Morbus Crohn mit Cannabis. Es handelt sich um den ersten, in einer medizinischen Fachzeitschrift veröffentlichten Bericht zur Verwendung von Cannabis bei Patienten mit Morbus Crohn. Eine Organisation, die Cannabis an Personen mit einer Erlaubnis zur medizinischen Verwendung von Cannabis besitzen, vermittelte ihnen den Kontakt zu 30 Patienten mit der Erkrankung. Die Teilnehmer der Studie waren im Durchschnitt 36 Jahre alt und litten durchschnittlich 11,3 Jahre an einem Morbus Crohn. Die Hälfte von ihnen war vor der Verwendung von Cannabis operiert worden, darunter fünf mit einer Entfernung des halben Dickdarms und sechs mit einer Entfernung von Teilen des Dünndarms. Sie nahmen eine Vielzahl von Medikamenten, darunter 26, die Cortison und 6, die das stark immununterdrückende Medikament Methotrexat verwendeten. Die Indikation zur Verwendung von Cannabis war das fehlende Ansprechen auf eine konventionelle Behandlung bei 21 und chronische, therapieresistente Schmerzen bei 6 Patienten. Die übrigen Patienten verwendeten Cannabis zunächst nicht aus medizinischen Gründen, hatten jedoch eine Verbesserung ihrer Erkrankung festgestellt. Ein fehlendes Ansprechen auf konventionelle Therapieverfahren wie bei dem ACM-Mitglied aus Würzburg ist offenbar nicht selten.
Von den 30 befragten Erkrankten gaben alle an, dass die Verwendung von Cannabis eine positive Wirkung auf ihre Krankheitsaktivität hatte. Ein Index, mit dem die Krankheitsintensität des Morbus Crohn gemessen werden kann, der so genannte Harvey-Bradshaw-Index, reduzierte sich mit der Verwendung von Cannabis von durchschnittlich 14 auf 7. Die Häufigkeit des Stuhlgangs nahm von täglich acht auf fünf ab. Die Notwendigkeit zur Einnahme anderer Medikamente wurde drastisch reduziert, darunter die Zahl der Patienten mit Cortison-Verwendung von 26 auf 4. Während in den neun Jahren vor der Cannabisverwendung 15 Patienten insgesamt 19 Operationen durchführen ließen, waren es in den drei Jahren nach Beginn der Cannabisverwendung nur 2 Betroffene, die eine Operation benötigten. Bei neun Patienten stellten die Wissenschaftler nur eine geringe Verbesserung durch Cannabis fest, definiert als eine Verbesserung von weniger als 4 Punkten im Harvey-Bradshaw-Index. Cannabis hilft nicht allen Patienten mit Morbus Crohn, aber offenbar vielen sehr gut.
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