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Kombinationsbehandlung mit Cannabis und Opiaten

Franjo Grotenhermen ist Vorstand und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin
Publiziert am: 05.12.11 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Franjo Grotenhermen
Dr.Franjo Grotenhermen

Die Behandlung chronischer Schmerzen bleibt problematisch und gelingt nicht immer mit der gewünschten Wirksamkeit. Auch wenn Opiate wirksame Schmerzmittel sind, so erlauben Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen oft nicht eine Therapie mit der notwendigen Dosis. Von besonderem Interesse ist die Möglichkeit, die Wirkung durch die kombinierte Behandlung mit Cannabis zu steigern. Eine solche Kombination erlaubt eine ausreichende Schmerzlinderung mit Opiaten bei einer niedrigeren Dosis als die, die bei einer alleinigen Opiattherapie notwendig wäre. Eine zunehmende Zahl von Patienten, insbesondere in den USA, verwendet Cannabis, um die schmerzlindernde Wirkung von Opiaten zu steigern.
Jetzt wurden Ergebnisse einer ersten klinischen Studie zur erfolgreichen Kombinationsbehandlung von Opiaten und inhaliertem Cannabis, die von Professor Donald Abrams und seinen Kollegen an der Universität von Kalifornien in San Francisco durchgeführt wurde, veröffentlicht. Insgesamt waren 24 Teilnehmer in die Studie aufgenommen worden, von denen drei die Studie nicht beendeten, so dass die Ergebnisse von 21 Schmerzpatienten ausgewertet werden konnten. Alle nahmen zweimal täglich eine Dosis eines sich langsam freisetzenden Opiats ein, entweder Morphium (11 Teilnehmer) oder Oxycodon (10 Teilnehmer). Sie waren zwischen 28 und 61 Jahre alt und litten an chronischen Schmerzen unterschiedlicher Ursachen (Muskelschmerzen, Schmerzen nach Verletzungen, Arthritis, Krebs, Neuropathie, Multiple Sklerose, etc.). Trotz der Medikation mit Opiaten waren sie nicht schmerzfrei. Auf einer Skala von 0 bis 100 (0 = keine Schmerzen; 100 = stärkste vorstellbar Schmerzen) betrug die durchschnittliche Schmerzintensität vor Beginn der Therapie mit Cannabis 39,6.
Zur Teilnahme an der Studie wurden sie für fünf Tage stationär in das Allgemeine Krankenhaus von San Francisco aufgenommen. Die Behandlung mit Cannabis begann am Abend des ersten Tages, an dem sie mit dem Volcano-Vaporizer 0,9 Gramm Cannabis mit einem THC-Gehalt von 3,56 Prozent inhalierten. Alle Teilnehmer hatten in ihrem Leben bereits mindestens sechsmal Cannabis konsumiert, so dass sie die Wirkungen kannten. Aktuelle Konsumenten waren gebeten worden, spätestens 30 Tage vor Beginn der Studie, ihren Cannabiskonsum einzustellen, so dass im Urin kein THC-Stoffwechselprodukt nachgewiesen werden konnte. Am 2. bis 4. Tag erhielten sie dreimal täglich die gleiche Dosis Cannabis (0,9 Gramm), und einmal am Morgen des 5. Tages. Danach wurde erneut die Intensität der Schmerzen bestimmt. Sie hatte durchschnittlich um 27,2 Prozent auf einen Wert von 29,1 auf der Schmerzskala abgenommen. Interessanterweise hielt das High-Gefühl nach der Inhalation von Cannabis in der Oxycodon-Gruppe durchschnittlich etwas länger an, nämlich 4 bis 5 Stunden, gegenüber 3 bis 4 Stunden in der Morphium-Gruppe. Die Blutkonzentrationen der Opiate wurden durch die Verwendung von Cannabis nicht relevant beeinflusst.
Es gibt einige frühere Studien, in denen die Wechselwirkungen zwischen THC und Opiaten untersucht worden waren. Zwei von diesen Studien wurden an gesunden Probanden durchgeführt, die experimentellen Schmerzen, beispielsweise Druck, ausgesetzt worden waren. THC hatte wenig Einfluss auf diese akuten experimentellen Schmerzen. In einer klinischen Studie aus dem Jahr 2009 mit chronischen Schmerzpatienten, die Opiate verwendeten, verringerten 10 und 20 mg THC signifikant zusätzlich die Intensität der Schmerzen. Aus experimentellen Untersuchungen ist heute bekannt, dass bei einer Nervenschädigung die Zahl der Cannabinoidrezeptoren im Rückenmark in Bereichen, die für die Schmerzweiterleitung von Bedeutung sind, zunimmt. Das Cannabinoidsystem des Körpers verändert sich also bei chronischen Schmerzen und erhöht die Zahl der Angriffspunkte für Cannabinoide. Dies scheint ein wesentlicher Grund dafür zu sein, dass THC bei chronischen Schmerzen häufig wesentlich besser wirkt als bei akuten Schmerzen.
Es gibt auch eine Anzahl von Fallberichten, nach denen chronische Schmerzpatienten, die Opiate verwendeten, nach Beginn einer Therapie mit Cannabis die Opiatdosis nicht nur reduzieren, sondern das Medikament im Verlaufe von Monaten oder Jahren vollständig ausschleichen und absetzen konnten. So berichteten kanadische Ärzte in einer Fachzeitschrift für Schmerztherapeuten im Jahr 2003 von drei Patienten mit multipler Sklerose, HIV-Neuropathie und unfallbedingten Schmerzen, dass einer der Betroffenen innerhalb von vier Monaten nach Beginn der Cannabistherapie seine tägliche Morphiumdosis von 360 mg auf 180 mg reduzieren und innerhalb weiterer neun Monate vollständig absetzen konnte.
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