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Psychoaktive Pflanzen unserer Heimat

Der Hopfen
Publiziert am: 05.01.12 - Medienformen: Medienform Text

Foto: Markus Berger


Heute erzähle ich etwas von einem einheimischen und sehr bekannten, oft verwendeten Gewächs, dass auch noch als bislang einzige Pflanze der Welt mit Cannabis verwandt ist, sprich zur gleichen botanischen Familie, nämlich zu den Cannabaceae gehört: der Hopfen. Hopfen ist nicht nur wichtigster Bestandteil des Biers und ein bekanntes und populäres Phytotherapeutikum, sondern gleichsam ein wirksames Psychonautikum, wenn man weiß, wie das Kraut benutzt werden muss. Außerdem steckt im Hopfen noch ein gut gehütetes Geheimnis, das allmählich und sukkzessive gelüftet wird.


Steckbrief
Humulus lupulus LINNÉ

Familie:
Cannabaceae (Hanfgewächse), ehemals Cannabinaceae

Synonyme:
Cannabis lupulus (L.) SCOPOLI, Humulus americanus NUTT., Humulus volubilis SALISB., Humulus vulgaris GILIB., Lupulus humulus MILL., Lupulus communis GAERTN., Humulus scandens LAM. und andere.

Trivialnamen:
Bierhopfen, Chmel (tsch.), Gemeiner Hopfen, Hop (engl.), Hopf, Hoppen, Hoppho, Hops, Houblon (frz.), Humle (dän.), Hupfen, Komlo (ung.), Lupolo, Luppolo (ital.), Lupulo, Vigne du nord (frz.)

Vorkommen:
Hopfen kommt in ganz Europa und weltweit in den gemäßigten Gebieten vor, zumeist in Auewäldern und Gebüschen sowie an Wegrändern, Flüssen, Hecken und Erlenbrüchen.



Botanik
Humulus lupulus ist ein bis zu zwölf Meter langes, rechtswindendes und mehrjähriges Schlinggewächs. Hopfen hat drei- bis fünffingrige, gegenständige, am Grunde herzförmige Blätter und faserige Stängel. Aus der weiblichen Blüte entwickelt sich die für den Vorgang des Bierbrauens wichtige Hopfendolde. Für die Hopfenkultur werden auschließlich feminine Hopfenpflanzen verwendet. Blütezeit von Juni bis August (September).

Wirkstoffe
Ätherisches Öl, Chalkone, Harz, Humulon, Lupulon, Mineralstoffe, Flavonoide, Polyphenole und Catechine.
Ascorbinsäure, Kämpferöl, Quercetin und Abkömmlinge, Quebrachitol und Proanthocyanidine in den Blättern.

Geschichte
Humulus lupulus ist seit langer Zeit (wahrscheinlich seit Plinius) bekannt und in Gebrauch. Als wichtigster Bierzusatz kommt dem Gewächs sicherlich die größte Bedeutung zu. Die berühmte Kräuterschamanin Hildegard von Bingen beschrieb als erste die psychotropen Eigenschaften des Hopfens. Offensichtlich vermochten Mönche vermittels Hopfenbier ihre Fleischeslust in Zaum zu halten – eine Tatsache, die mir nicht ganz nachvollziehbar erscheint (RÄTSCH 1998: 270). Humulus liefert dem Bier zugleich mehrere Eigenschaften: die psychoaktiven Effekte (die durch den Alkohol nicht beeinträchtigt werden), die Würze, die Bitterkeit und nicht zuletzt die extreme Haltbarkeit des Brauwerks. „Der Hopfen als Bierwürze soll erst während der Kreuzzüge, nach Linné im Gefolge der Gothen, eingeführt worden sein. Im 14. Jahrhundert war der Hopfenbau schon weit in Deutschland verbreitet und blühte im 15. und 16. Jahrhundert vorzüglich in Bayern und Böhmen. Das Wort ‚Hopfen’ soll von ‚Haupt’ oder vom altdeutschen Worte ‚hop’ (Schopf) abstammen.“ (SCHIMPFKY 1893: Monografie 20)

Verwendung
In der Medizin und Volksheilkunde gilt der Hopfen als mildes Sedativum, und er wird als Phytopharmakon bei Unruhezuständen und Einschlafschwierigkeiten, Reizmagen, Nieren- oder Blasenerkrankungen und Menstruationssymptomen verwendet. Homöopathisch wird Humulus bei Schwächezuständen des Nervenkostüms, nächtlicher und unbeabsichtigter Ejakulation (!) und Rauchersymptomatiken angewandt.

Wirkung
Je nach Dosierung, Einnahmeform, Empfänglichkeit und Gewöhnung sedativ, beruhigend, leicht einschläfernd, berauschend oder analgetisch (siehe oben).

Gerauchter Hopfen gegen Kopfschmerz
Einen Bekannten plagte vor einiger Zeit seit Tagen ein nicht einzudämmender Kopfschmerz, der nicht migräneartig war (im Fall einer Migräne helfen immer semi-homöopathische Dosierungen halluzinogener Tryptamine). Aus reiner Experimentierfreude bereitete ich eine Mischung aus Tabak und Hopfenblättern. Bereits nach dem ersten Zug an der Pfeife stellte der Gepeinigte fest, dass seine Kopfschmerzen nun plötzlich vorüber seien. Um sicherzugehen, dass dies nicht bloßer Zufall war (Zufall? Was ist das?), versuchte ich – als ich selber einige Tage danach von Kopfweh geplagt war – die Mischung auch gegen mein Leiden einzusetzen.
Mit Erfolg! Auch bei mir endete der Schmerz abrupt und kam nicht wieder. Als ich anlässlich eines meiner Vorträge auf der Entheovision in Berlin von diesem Phänomen erzählte, rief das drei Zuhörer auf den Plan, die mich nach der Präsentation ansprachen. Zwei Personen bestätigten die Erfahrungen, eine Person sagte, dass das Rauchen von Hopfen ihr gerade Kopfschmerzen beschere. Ein einige Wochen darauf von mir erfahrener schwerer und krampfartiger Kopfschmerz ließ sich auch nach mehrmaligem Rauchen von getrockneten Hopfendolden- und -blättern nicht aufheben.

Fazit
Gerauchter Hopfen ist in manchen Fällen ein verlässliches Kopfschmerzmittel, obgleich die Pflanze zwar als Sedativum und mildes Hypnotikum bezeichnet, keinesfalls aber als Analgetikum bekannt ist. Künftige Forschungen werden folgen und Fremderfahrungen sind mir immer willkommen (markus.berger@entheogene.de oder an die Redaktion).

Gefahren, Nebenwirkungen
An Nebenwirkungen können bei Überdosierung Appetitlosigkeit, Bradykardie (verlangsamte Herzfrequenz), Erbrechen, Fieber, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche und ggf. Ekelanwandlungen die Folge sein. Aber nicht nur die Einnahme des Hopfens kann (übrigens in seltenen Fällen) zu Problemen führen, sondern auch der Umgang mit der Pflanze an sich: „Durch Berührung mit frischen Hopfenzapfen kann eine Dermatitis (sog. Hopfenpflückerkrankheit) und eine Conjunctivitis (Hopfenauge) auftreten“ (ROTH et al. 1994: 406).

Rechtslage
Hopfen ist legal. Pharmazeutische Zubereitungen unterliegen den jeweiligen Verordnungen.



Literatur:
Rätsch, Christian (1996), Bier – Jenseits von Hopfen und Malz, München: Orbis
Rätsch, Christian (1998), Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Aarau: AT Verlag
Roth, Lutz; Daunderer, Max; Kormann, Kurt (1994), Giftpflanzen - Pflanzengifte. Sonderausg., Hamburg: Nikol Verlagsgesellschaft
Schimpfky, Richard (1893), Unsere Heilpflanzen in Bild und Wort, Gera-Untermhaus: Köhler
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