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Macht Marihuana abhängig?

Es gibt eine Menge wissenschaftlicher Bücher, die sich mit der Frage nach dem Abhängigkeitspotential von Marihuana beschäftigen, aber ist dieses Thema nicht zu politisch, um wirklich objektiv betrachtet zu werden?
Publiziert am: 03.01.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Steven Wishnia / Übersetzung: M. Meyer
Quelle:D.Nutt / University of Bristol
Das National Institute on Drug Abuse (NIDA) spricht zumindest davon.

Im NIDA Marihuana Missbrauchs Nachforschungsbericht heißt es: „Langjähriger Marihuanakonsum kann zu Suchtverhalten führen, bei dem der problematische Drogenkonsum, trotz störendem Einfluss in vielen Bereichen des Lebens nicht beendet werden kann.“
Das Büro der National Drug Control Policy wird auf seiner Webseite abovetheinfluence.com noch eindeutiger.
„Marihuana macht süchtig, und es gibt mehr Jugendliche in Behandlung, die eine Marihuanaabhängigkeit aufzeigen, als bei allen anderen illegalen Drogen zusammengenommen.“

Die Empfindungen unter Konsumenten und Fürsprechern lassen jedoch gegenteilige Annahmen zu.

Auch wenn es einen geringen Teil Kiffer geben mag, die so oft high sind, dass es ihr reguläres Funktionieren im Alltag beeinträchtigt, behauptet der Großteil der Konsumenten, dass ihr gelegentlicher Konsum keinen negativen Einfluss auf ihr Leben habe; im Gegenteil.

Das Wort „Abhängigkeit“, beschwört in Köpfen aber gerade zu den stereotypen Heroin Junkie, der lügen, manipulieren, stehlen und im Preis reduzierten Oral-Sex feilbieten würde, um den kommenden Entzugserscheinungen wie Durchfall, Schlaflosigkeit und Fieberanfällen zu entgehen, die nach einigen Stunden des Drogenentzuges auftreten.

Kokain produziert keine dieser physischen Entzugserscheinungen, somit hat sich in den letzten Generationen das Bild etwas entwickelt und bietet mittlerweile ein komplexeres, subjektiveres Model.

NIDA nennt Sucht derzeit „eine komplexe Krankheit, die von einer intensiven und bei Zeiten durch unkontrollierbare Drogenbegierden, folgend der gewohnten Drogensuche sowie des Gebrauches im Angesicht der katastrophalen Konsequenzen, charakterisiert wird.”

Der DSM-IV, die vierte Edition des Diagnose-Programms und statistischer Leitfaden bei mentalen Störungen, führt die Kriterien für Drogenabhängigkeit mit Toleranz, Entwöhnung, Weiterführung des Konsums trotz negativer, psychischer und physischer Folgen, übertriebenem Konsums, erfolglosen Entzugsversuchen, exzessivem Zeitaufwandes, der zur Beschaffung betrieben wird und der Abstinenz der Erfüllung sozialer, wirtschaftlicher und familiärer Pflichten auf. Manche Cannabiskonsumenten kommen möglicherweise an diesen Punkt.

„Marihuana kontrolliert unser Leben!“ hat die Marijuana Anonymous Selbsthilfegruppe auf ihrer Webseite zu stehen. „Unsere Leben, unser Denken und unsere Wünsche drehten sich nur um Marihuana - es zu haben, es zu handeln und Wege zu finden high zu bleiben.“

Die große Mehrheit erreicht diesen Zustand nicht. Unter den häufig gebrauchten Drogen stellt Cannabis die am wenigsten abhängig machende dar.

Die Aussage, die am häufigsten zitiert wird und auf einer von NIDA unterstützten Beobachtung aus den frühen 1990er Jahren gestützt ist, sagt aus, dass neun Prozent der Menschen, die Marihuana konsumieren eine Abhängigkeit in ihrem Leben entwickeln. Bei Alkohol seien es 15 Prozent; 17 Prozent bei Kokain, 23 Prozent bei Heroin und 32 Prozent bei Tabak.

Mitch Earlywine, Autor von Understanding Marijuana: A New Look at the Scientific Evidence und Psychologie Professor an der University in Albany in New York, widerspricht, dass neun Prozent stimmen würden. Wenn man den Fokus auf authentische Probleme legen würde und nicht auf „fabrizierte Diagnosen“, käme man auf vier bis acht Prozent regulärer Marihuanakonsumenten, die Probleme hätten.
Die beiden Hauptargumente, dass Cannabis abhängig mache, sind die Zahlen der Menschen, die an Drogenentzugsprogrammen teilnehmen, um mit dem Cannabiskonsum aufzuhören sowie die Nachforschungen, die daraufhin deuten, dass chronischer Gebrauch möglicherweise Entzugserscheinungen hervorrufen kann.

Der Anteil von Leuten, die sich wegen Marihuanaabhängigkeit in Rehabilitierungsanstalten behandeln ließen, stieg signifikant von 1999 bis 2009 von 13,5 auf 18 Prozent an, wie sich aus dem staatlichen Behandlungs-Episoden-Daten-Set, der Substance Abuse and Metal Health Service Administration, mit seinen zwei Millionen gesammelten Einträgen, feststellen lässt. Mehr als die Hälfte der an Behandlungen teilnehmenden Teenager, war bloß aufgrund von Cannabismissbrauchs dort anwesend.

Wie dem auch sei, bezieht man sich auf SAMHSA Statistiken (Substance Abuse and Mental Health Statistics) aus dem Jahr 2009, haben 56 Prozent der 350,000 Menschen, die sich zur Behandlung aufgrund des Cannabisgebrauches begaben, dazu eine Aufforderung der Gerichte erhalten, da sie sich nach einer Verhaftung oder während einer Bewährung dazu bereit erklärten, um härteren Strafen zu entgehen. Nur 15 Prozent der Teilnehmer, die aufgrund von Cannabisgebrauch an Behandlungen teilnahmen, waren freiwillig dort.

Bei den 282,000 Heroinabhängigen sehen die Statistiken gegenteilig aus. 55 Prozent kamen aus freien Stücken und nur 15 Prozent wurden auf Rat der staatlichen Autoritäten gesandt. Bei Crack stehen 36 Prozent Freiwillige 29 Prozent verordneter Behandlungen, den 13 000 aufgeführten Crackaddicts gegenüber.

Die National Organization for the Reform of Marijuana Laws bemerkt dazu, dass der Anstieg der Cannabisbehandlungen Parallelen aufzeige, die „im selben Zeitraum in etwa Propotional zu den Festnahmen in Beziehungen mit Marihuanadelikten stehen.”
Teenager kommen dagegen noch seltener ohne Autoritätsdruck in Behandlung, führt Alan Budney noch an. Er ist Professor der Psychiatrie an der University of Arkansas for Medical Science am Zentrum für Suchtforschung. In der Klinik für Heranwachsende, die er führt, würden bloß 5 Prozent der Kids sagen, dass sie Hilfe benötigten.

Beweise der Entzugserscheinungen

Es gibt Beweise, die sich häufen, dass Marihuana Entzugserscheinungen hervorrufen könne. Über die letzen 15 Jahre haben einige Experimente versucht dieses durch Versuche an Mäusen zu demonstrieren. In einer 1998 stattgefundenen Studie der Virgina Commonwealth University, bekamen Mäuse über eine Woche lang zweimal täglich eine massive Dosis THC, zwischen 10 und 30 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht, verabreicht. Dann wurde den Tieren der THC Hemmstoff Rimonabant injiziert, der den CB1 Rezeptor im Gehirn gegen endogene Cannabinoide sowie THC blockiert. Dies „führt zu einem direkten Ausbruch starker Entzugserscheinungen.”
Die Mäuse bekommen „dramatische Anfälle” die sich durch ein „kaltes Schütteln” bemerkbar machen, sagt Dale Deutsch, ein Biochemie Professor der Stony Brook University und ehemaliger Chef der Intenational Cannabinoid Research Society.

2010 entdeckten Forscher des University of Texas Health Science Centre, dass Rhesus Affen, denen täglich ein Milligramm THC pro Kilogramm Körpergewicht verabreicht wurde, ein manisches Kopfschütteln und Schlafstörungen entwickelten, nachdem man ihnen Rimonabant injizierte, die Symptome aber wieder verschwanden als man ihnen erneut THC abgab.
Mitch Earlywine winkt diese Studien als „zu künstlich” ab. Das Rimonabant, bemerkt er, „treibt das THC in einem Moment aus jeder Zelle des Körpers. Das passiert niemals beim Menschen.” Dazu fügt er an, dass die „Entzugssymptome” bei den Mäusen nach 15 Minuten aufhörten. „Sie konnten niemals etwas aufzeigen, dass einer eindeutigen Entzugserscheinung entsprach, bis sie Rimonabant hinzunahmen” sagt Deutsch. ”Im echten Leben, wie auch immer, bleibt das THC lange bestehen und man wird keine Entzugserscheinung herbeiführen können, bis man solch einen Antagonisten hinzunimmt.”

THC hat eine weitaus längere Halbwertzeit als andere Drogen. Kokain ist innerhalb von 90 Minuten zur Hälfte aus dem Körper verschwunden. Heroin, selbst nach der Umwandlung zu Morphin, benötigt zwischen zwei und sieben Stunden. Da THC vom körpereigenen Fettgewebe und Membranen absorbiert wird, hat es eine Halbwertzeit von mindestens drei bis vier Tagen und wurde bei chronischen Marihuanakonsumenten auf 12 Tagen kalkuliert (ein Grund, warum Kiffer weitaus häufiger bei Drogentest erwischt werden als Kokain- oder Heroinkonsumenten).

Die Mäuse in den Experimenten bekamen auch viel zu hohe Mengen an THC verabreicht, die dem eines normalen, menschlichen Konsums nicht entsprechen. Bei einem 80 Kilogramm schweren Menschen, der 10 Milligramm THC pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen würde, entspräche dies einem Tageskonsum von 15 Gramm zehnprozentigem THC-haltigen Gras, bei dem kein Teilchen in Rauch aufgeht, sondern jedes Milligramm wirklich konsumiert wird. Die minimale Dosis THC, die ein Mensch für eine Wirkung konsumieren muss, beträgt zehn Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht, fügt Deutsch noch an.
Die übermässige Dosis an den Mäusen, erklärt Aron Lichtman, ein Phramazeutiker und Toxikologe an der Virgina Commonwealth University, der 2002 an einer Studie zu Cannabisentzugserscheinungen bei Nagetieren mitschrieb, damit, dass Mäuse und Ratten Drogen einfach sehr schnell verarbeiten würden. Sie haben „sehr effiziente Lebern” sagt er.
Es sei normal Nagern die zehnfache Dosis zu verabreichen, wenn man die Ergebnisse auf Menschen übertragen möchte, erklärt Lichtman. Dies sei auch bei Studien über Kokain und Morphin der Fall.
Menschen in Marihuana Studien bekämen dazu ebenso verhältnismäßig hohe Dosen verabreicht.
Rimonabant wird benutzt, um „spontane Entzugserscheinungen” zu ermöglichen – also Symptome, die durch das Absetzen der Drogen entstehen - der Effekt ließe sich ansonsten sehr schwer in Nagetieren reproduzieren.
Bei Affen seien die natürlichen Auswirkungen dagegen nachgewiesen, sagt er. Eine Studie beobachtete eine gesteigerte Nachtaktivität 24-48 Stunden nach dem Absetzten des Tetrahydrocannabinols. Dennoch kann das Einsetzen von Rimonabant für sich schon einige Probleme mit sich bringen, da es auch mit dem körpereigenen Cannabinoidsystem kollidiere, nach der Meinung Deutsch´s.

Eine französische Pharmaproduktion verkaufte Rimonabant zunächst als Appetitunterdrücker, doch es wurde vom europäischen Markt genommen, da es die Risiken an einer Depression zu erkranken erhöhte. Die U.S. Food und Drug Administration lehnte den Handel aus ähnlichen Gründen ab. Affen, denen Rimonabant, aber nie THC verabreicht wurde, entwickelten dazu ebenso die vorher aufgeführten Kopfschüttel-Manien und das Auftreten von Herzrasen.

Symptome des Entzuges

Der Beweis für Cannabisentzugserscheinungen beim Menschen ist auf stationären Studien basiert, die eine Abstinenz nach der oralen Einnahme von THC oder durch Rauchen konsumiertes Cannabis beinhaltet, sowie auf Symptomen, die entweder in Interviews beschrieben oder in Listen von Rehabilitationspatienten und ambulanten Patienten, die den Konsum beenden wollten, angekreuzt wurden.

Die häufigsten Beschwerden, sagt Alan Budney, sind Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Wut, Rastlosigkeit und ein allgemeines Unwohlsein. Ebenso sprechen die Patienten von Appetitsverlust und weniger häufig von Depressionen und Übelkeit. Der Höhepunkt der Symptome werde nach zwei bis drei Tagen erreicht und der Entzug dauere bis zu einer oder zwei Wochen an, schrieb Alan im Jahr 2008. „Es gibt keinen Zweifel, dass es auftritt. Wir sehen es ständig in allen Kliniken.” sagt er.

Als er seine Studien das erste Mal veröffentlichte, fährt er fort, bekam er Anrufe von Marijuana Anonymous, die ihm dafür dankten, dass er bestätigte worüber die Teilnehmer in ihren Treffen redeten.

Das Konzept dahinter ist „immer noch ein bisschen kontrovers” sagt Lichtman. Earlywine glaubt, es sei „sehr fehlleitend” allein das Wort Entzugserscheinung zu benutzen. „Es gibt offensichtlich ein sanftes Unwohlsein bei Menschen, die urplötzlich mit dem Konsum aufhören.” sagt er, „aber die Assoziationen, die durch das Wort Entzugserscheinung entstehen, führe bei den meisten Menschen häufig zu Heroin.”
Ebenso findet er es absurd, dass Appetitlosigkeit als Symptom des Marihuanaentzuges in Betracht gezogen wird, da man wisse, welche anregende Wirkung Cannabis auf den Appetit habe. Es gäbe schließlich nicht umsonst ein Wort das Aufgrund dieser Fähigkeiten extra entstanden sei - Munchies.
Der DSM-IV führte in seiner Studie keine Entzugserscheinung bei Cannabis auf, da die Symptome „unter objektiver Bedeutsamkeit unsicher” seien. Budney versucht welche in der vierten Auflage, dem DSM-V, zu integrieren. “Wir denken, dass es wichtig genug ist“, sagt er. Dazu fügt er an, dass er keinen Kreuzkrieg gegen Marihuana führe, sondern bloß den Menschen helfen wolle, „die den Konsum beenden möchten.”

Was auch immer Cannabisentzugserscheinungen seien mögen, sie sind definitiv weitaus milder als der Entzug von Heroin oder auch als der von Alkohol.

Alkoholiker, die spontan mit dem Trinken aufhören, können kritische Krämpfe erleiden, erwähnt Carl Hart, ein Neurowissenschaftler des Columbia University College of Physicians and Surgeons. Er nennt den Cannabisentzug „unangenehm, aber sicher nicht bedrohlich.
„Es ist ganz klar kein Vergleich zum Heroinentzug.” sagt Budney, aber er fügt an, dass die „milderen Symptome dafür verantwortlich sind, das die Leute ihren Ausstieg oft nicht durchhalten können und dann weiterrauchen.” Jedoch seien die Symptome nur bei einer geringen Anzahl von starken Kiffern zu finden.
Hart sagt auch, dass diese nur bei einer „besonderen Gruppe von sehr, sehr heftigen Rauchern” zu finden seien.

Manche, aber nicht alle Menschen, die täglich mehrere Joints rauchen, könnten an Schlafstörungen und Reizbarkeit leiden, wenn sie den Konsum beenden. Budney schätzt, dass die Hälfte der Dauerkonsumenten und nicht „ein hoher Prozentsatz” an den Symptomen eines Entzuges leiden könnten. Dr. Jeff Hergenretter, ein kalifornischer Mediziner aus Sebastopol, der in den letzten zwölf Jahren hauptsächlich Medizinal-Marihuanapatienten behandelt hat, sagt, dass die Anzahl unbedeutend sei. Weniger als ein Prozent seiner 2000 Patienten habe ihm von negativen Entzugserscheinungen berichtet „und die sind kurzzeitig, mild und halten ein bis zwei Tage an.” Die große Mehrheit hat „überhaupt keine Entzugserscheinungssymptome. Kein Unwohlsein, keine Dysphorie, rein gar nichts.” Marihuanaentzug lässt sich wohl am ehesten mit dem Entzug von Tabak aus Zigaretten vergleichen, sagt Budney.

In einer Studie, die in 2008 veröffentlicht wurde, hatten Tabak und tägliche Pot-Raucher, die den Konsum beenden wollten, in Telefoninterviews die gleichen Anteile Unbehagens zu bemängeln, obwohl 44 Prozent der Tabakraucher zu Nikotin Ersatz Therapien wie Nikotinpflaster zurückgriffen. Dies „hüllt die Resultate definitiv ein, aber wir müssen auf das zurückgreifen, was wir haben.” fügt Budney an. Dennoch, sagt er, sei von den Menschen, die ein Nikotinpflaster nutzten, die gleiche Reizbarkeit berichtet worden und eine „Hochrechnung innerhalb der Studie” bestätigt seine Theorie. „Die meisten Menschen halten die Abstinenz vergleichbar mit dem Verlangen nach Kaffee und ich kann das nach meinem persönlichen Ermessen bestätigen.” sagt Fred Gardner, Redakteur von O´Shaughnessy, einem kalifornisch beheimateten Magazin, das sich auf medizinische Marihuanaforschung spezializiert hat.

„Koffeinentzug könnte in der nächsten DSM beinhaltet sein.” sagt Budney. Während Kaffee die Arbeit von Menschen verbessern kann, kann bei denen, die damit aufhören ihn zu trinken, akuter Kopfschmerz einsetzen. „Ich bekomme keine Entzugserscheinung. Ich vermisse es bloß es zu rauchen.” hört man einen Veteranen-Kiffer klagen, der nicht mehr genug Geld verdient, um sich genügend Gras zu kaufen, da er und seine Frau dank der Rezension ihren Job verloren haben. Ein anderer Langzeitkonsument, ein College Professor, spricht von auftretenden Kopfschmerzen, falls er einige Tage lang nicht raucht.

Sucht Neurowissenschaft

Wissenschaftler konnten bis heute nicht erklären warum manche Menschen bei Rauschzuständen impulsiv und aggressiv reagieren, während andere dieselben Drogen nehmen können, ohne diese Problemzustände zu erleben. Der frühe Kontakt und eine traumatische Kindheit verstärken die Risiken zu negativen Verhaltensweisen im Rausch definitiv, doch es gibt zu viele und davon zu wenig verstandene Variationen von Persönlichkeiten und neurochemischen Prozessen in den verschiedenen Individuen.

Aus den gleichen Gründen ist es schwierig hervor zu sagen, wie depressive Personen auf die verschiedenen Medikationen reagieren können. „Es ist genauso wie wenn Menschen unterschiedlich auf Medikamente ansprechen. Nicht alles ist pharmakologisch vorhersagbar”, sagt Budney. „Dass man eine Form von Entzug spürt, ist nicht wirklich wichtig“, so Carl Avers. Falls Behandlungen gegen Entzugserscheinung das Mittel wären Menschen vom Drogenkonsum abzuhalten, erklärt er, wären die Erfolge leicht einzufahren. Es geht vielmehr darum, wie die Menschen die Substanz gebrauchen, als die Pharmakologie dahinter.
„Ob unsere Sucht psychologisch, physisch oder beides ist, kümmert wenig”, sagen die Mitglieder von Marijuana Anonymous. „Wenn es um den Konsum von Marihuana geht, haben wir die Kraft uns zu entscheiden verloren.” Die neurologische Basis für Cannabisentzugssymptome sind „immer noch eine offene Frage” so Lichtman.

Ein spanischer Forscher fand vor kurzem heraus, das THC einen Botenstoff des Gehirns blockiert, der Cyclisches Adenosinmonophosphat genannt wird. Dieses AMP dosiert sich während des Entzuges übermässig im Cerebellum des Gehirns. Wie dem auch sei, warnt er, dies stehe bloß im Zusammenhang, es gebe keinen Beweis über Veränderungen des Gehirns. Nur ein kleiner Prozentsatz Marihuanakonsumenten werde abhängig, sagt er, aber „im Bezug auf den riesigen Anteil von Konsumenten, selbst wenn nur ein geringer Teil Abhängigkeiten entwickelt, mache dies eine große Anzahl von Menschen aus.” Marihuana „passt nicht auf die stringenten Definitionen von Süchten. Es lässt Gewohnheiten entstehen, aber süchtig macht es nicht”, antwortet Dr. Hegenretter. „Ich habe einen von 2000 Patienten, der sich selber als cannabissüchtig beschreibt. Er sagt, dass, jedes Mal wenn er etwas zu rauchen bekommen würde, er alles auf einmal konsumiere und er dennoch nicht genug davon bekäme. Er ist wirklich eine Ausnahme. Er ist einer der seltenen Fälle, die eine Dysphorie am nächsten Tag erleben, sollte er nicht weiterrauchen können.” Die neun Prozent Abhängigkeitsformel „fasst in der Realität in keinster Weise”, führt Dr. Hegenretter weiter an.

Während Konsumenten eine Toleranz entwickeln, erklärt er, ist es dennoch üblich, dass sie ihre Dosis oder die Häufigkeit der Einnahme nicht erhöhen und meist in keinster Weise „sozial geschädigt durch den Hang zum Marihuana” seien, nicht zu vergleichen mit dem Punkt, an dem man „den Fernseher des Nachbarn klaut”. Mit mehr als 800.000 Personen im Jahr, die wegen Marihuanakonsums inhaftiert wurden, hat die Definition von Abhängigkeit einen „politisierten Charakter”, sagt Mitch Earleywine.“Die Unterscheidung zwischen psychologischer und physischer Abhängigkeit ist komplett erfunden” argumentiert er.

Als spätere Editionen des DSM erschienen, wurden psychologische Effekte hinzugefügt, da es bei Cannabis keine Entzugserscheinung gab; aber Prohibitionisten wollten, dass dennoch ein Abhängigkeitspotential bestehen müsse.

So wurden aus Abhängigkeiten zwei Typen gemacht: jene mit physischen Auswirkungen und jene ohne physische Auswirkungen. Essentiell bedeutet dies, dass man schon eine Sucht diagnostiziert bekommt, falls man genügend Probleme, aber keine Toleranzen und Entzugserscheinung aufweist. Eines der Hauptkriterien, um problematischen Drogenkonsum zu definieren, ist die Fortsetzung der Gewohnheiten im Angesicht der folgenden negativen Konsequenzen.

Falls aber nun Festnahmen eine dieser negativen Konsequenzen darstellen sollten, antwortet Fred Gardner, ist dies „eine Funktion der Prohibition.”
Viele Marihuanakonsumenten sehen die Gefahren des Anbaus, des Einkaufs und des Rauchens von Kräutern als Folge eines ungerechtfertigten Gesetzes, nicht als das Symptom einer Sucht.




Erstveröffentlichung auf alternet unter dem Titel „Is marijuana addictive?“

Steven Winshia ist Journalist und Musiker aus New York. Er ist der Autor von Exit 25 Utopia und The Cannabis Companion. Er gewann zwei New York City Independent Press Association Awards für die Berichterstattung diverser Wohnungsbauthemen.
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