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Feuer auf Mechthild Dyckmans

Dyckmans opportunistische Haltung
zu www.drugcom.de
Publiziert am: 01.02.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Hans Cousto
Mechthild Dyckmans

Wenn es um Kritik an dem Webauftritt DrugCom –einem Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) - geht, dann kann sich die Bundesregierung darauf verlassen, dass die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans stets Partei für das Projekt der BZgA ergreift.
Ein typisches Beispiel hierfür ist die Antwort Dyckmans vom 16. Dezember 2011 auf abgeordnetenwatch.de, in der sie ihre linientreue und opportunistische Haltung einmal mehr unter Beweis stellte.
Mechthild Dyckmans verweist des Öfteren auf DrugCom als wissenschaftliche Quelle zu Drogenfragen. Zu dieser Tatsache stellte Leon Obist am 7. November 2011 auf Abgeordnetenwatch der Drogenbeauftragten eine Frage zu dem Beitrag „Meta-Studie bestätigt: Kiffer bauen mehr Unfälle“, der drei Tage zuvor auf DrugCom erschienen war.

Der Titel sei tendenziös, meinte der Fragesteller, da er nicht mit dem Inhalt des Artikels übereinstimme. So heißt es im Fazit („Keine Aussage zu Ursachen“) des Artikels: „ ... Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und der Häufigkeit von Verkehrsunfällen nach Einbeziehung des persönlichen Fahrstils nicht mehr signifikant war. In Wirklichkeit waren eine hohe Risikobereitschaft und eine laxe Einstellungen gegenüber der Straßenverkehrsordnung maßgeblich an der Unfallhäufigkeit beteiligt ...“

Dyckmans antwortete in einem formell höflichen Stil und schrieb: „Die von Ihnen zitierte Stelle ist nur ein Auszug aus einer Zusammenfassung über die Metastudie zu Einfluss des Cannabiskonsums auf das Unfallrisiko im Straßenverkehr. Wenn man diese von Ihnen zitierte Stelle im Kontext und unter der Überschrift „Keine Aussage zu Ursachen“ liest, ist der wissenschaftliche Bezug durchaus hergestellt. Denn es wird auf einen Übersichtsartikel von 2009 von Andrew Sewell und seinem Team hingewiesen.“

Danach zitierte Dyckmans den ganzen Artikel, der auf DrugCom erschienen war, jedoch ging sie mit keinem Wort auf die Diskrepanz zwischen Titel und Text ein.

Einmal mehr verweigerte sich Dyckmans einer Diskussion auf Augenhöhe und ging auf die Kritik in ihrer üblichen Manier – geprägt von einer linientreuen und opportunistischen Haltung – erst gar nicht ein. Dabei hätte sie allen Grund dafür gehabt, da eine im November 2011 erschienenen Studie die Erkenntnis vermittelte, dass mit einer Zunahme des Cannabiskonsums eine Abnahme von Verkehrsunfällen mit tödlichem Ausgang einher gehe.

Das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn, ein von der Deutschen Post AG gegründetes privates Wirtschaftsforschungsinstitut, veröffentlichte im November 2011 die Studie „Medical Marijuana Laws, Traffic Fatalities, and Alcohol Consumption“ (IZA DP No. 6112) von D. Mark Anderson (Montana State University) und Daniel I. Rees (University of Colorado Denver and IZA).

Unter Verwendung von Daten der gesamten USA sowie einzelner Bundesstaaten wurde in dieser Studie der Zusammenhang zwischen der Abgabe von medizinischem Marihuana und diversen Entwicklungen untersucht. So konnte festgestellt werden, dass Erwachsene durch die Verfügbarkeit von gutem Marihuana in offiziellen Abgabestellen vermehrt Marihuana konsumierten, bei Jugendlichen war dies jedoch nicht der Fall. Letztere konsumierten sogar weniger Marihuana.
Bemerkenswert ist auch die Beobachtung, dass die Zahl der Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang in den Bundesstaaten, in denen die Abgabe von Cannabis als Medizin legalisiert wurde, signifikant zurück ging.
Dies wurde auf die Tatsache zurückgeführt, dass mit dem zunehmenden Cannabisgebrauch eine Abnahme des Alkoholkonsums einher ging.

Dies ließe, so die Studie, die Schlussfolgerung zu, dass Cannabis für viele Menschen ein Substitut für Alkohol sei. In der Studie wurden die Daten der Verkehrsunfälle in den Jahren vor und nach Einführung der Abgabe von Cannabis als Medizin in den einzelnen Bundesstaaten untersucht. Dabei wurden die Daten pro 100.000 Inhabern von Fahrerlaubnissen (Führerscheinen) abgeglichen. Im Schnitt ging innerhalb von drei Jahren die Anzahl tödlicher Verkehrsunfälle in Bundesstaaten mit Abgabestellen für Cannabis als Medizin um etwa neun Prozent stärker zurück als in Bundesstaaten, in denen es keine solchen Abgabestellen gab.

Die Auswirkungen der Abgabestellen für Cannabis als Medizin haben gemäß der Studie eine nachhaltige Wirkung. Innerhalb von zwei Jahren ging die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle bedingt durch Alkohol um 11 Prozent zurück, nach mehr als drei Jahren lag dieser Rückgang bereits bei 15 Prozent. Da auch der Verkauf von alkoholischen Getränken in den Bundesstaaten mit Abgabestellen für Cannabis als Medizin zurück gegangen ist (bei Bier um 5,3%), kann davon ausgegangen werden, dass für viele Menschen der Gebrauch von Cannabis als Substitut für den Konsum von Alkohol dient. Der erfreuliche Nebeneffekt: Es gibt weniger Verkehrstote.

Vor allem für die Versicherungswirtschaft sind diese Erkenntnisse von großer Bedeutung, da eine Reduzierung von schweren Verkehrsunfällen eine Minderung der Kosten sowohl für Lebensversicherungen als auch für Krankenkassen zur Folge haben und so die Ertragsquote sich für die Versicherungsgesellschaften verbessert. Deshalb müssten diese Gesellschaften ein großes Interesse – schon alleine aus wirtschaftlichen Gründen – daran haben, dass die Abgabe von Cannabis als Medizin weltweit flächendeckend eingeführt wird.

Berichte über Erkenntnisse, wie sie in der Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn vorgelegt wurden, sind leider auf der Website von DrugCom der BZgA oder auf der Website der Drogenbeauftragten Mechthild Dyckmans nicht zu finden (Stand: 18.01.2012).
Leitmotiv scheint hier nicht primär eine sachliche Aufklärung zu sein, sondern eine linientreue und opportunistische Haltung zu regierungsamtlichen Vorgaben. Und im Rahmen eines solchen Kontextes will sich die Drogenbeauftragte auch nicht von einer tendenziösen respektive in die Irre führenden Überschrift distanzieren.



Quellen:
Abgeordnetenwatch: Fragen an Mechthild Dyckmans
www.Abgeordnetenwatch.de
Drugcom: Meta-Studie bestätigt: Kiffer bauen mehr Unfälle
www.DrugCom.de
Jacob Sullum: Do Medical Marijuana Laws Reduce Traffic Fatalities?
www.reason.com
IZA DP No. 6112: Medical Marijuana Laws, Traffic Fatalities, and Alcohol Consumption
Institut zur Zukunft der Arbeit.
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