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ENTHEOBOTANIKA GROWEN

Über Aufzucht und Kultur dreier wertvoller psychoaktiver Pflanzen
Publiziert am: 25.04.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Markus Berger
Text & Fotos Markus Berger

Es ist ja bei Weitem nicht nur der Hanf, der uns als Pflanze und gärtnerisches Objekt interessiert. Eine ganze große Anzahl weiterer ethnobotanischer und psychoaktiver Pflanzen steht dem ambitionierten Grower zur Disposition, sowohl aus dem Reiche der illegalisierten wie auch der absolut legalen Gewächse aus der Riege der wertvollen Entheobotanika. In diesem Artikel wollen wir uns eine Handvoll wichtiger und machtvoller psychoaktiver Pflanzen anschauen bzw. wie diese in heimischen Gefilden vermehrt und aufgezogen werden. Voriges Jahr hatten wir die Aufzucht der Cocapflanze Erythroxylum coca angeschaut, die in der Tat selbst dem fortgeschrittenen Gartenfreund mitunter zum Problemkind des Gartens werden kann. Die im Folgenden dargestellten Rausch- und Ritualpflanzen sind mehr oder weniger heikel im Growing, der Autor hat jedoch selber im Lauf der zurückliegenden Jahre mit allen positive Erfahrungen gemacht. Vorsicht: Manche der besprochenen Gewächse beherbergen Wirkstoffe, die mancherorts unter die Betäubungsmittelverordnungen fallen, beispielsweise Psychotria viridis mit ihrem Gehalt an Dimethyltryptamin (N,N-DMT) und anderen psychoaktiven Tryptaminderivaten.

Argyreia nervosa
Hawaiianische Holzrose


Die Holzrose stammt gar nicht von Hawaii, sondern aus Bangladesh und Indien und wurde in den Tropen der Neuen Welt lediglich eingebürgert. Das Windengewächs (Familie der Convolvulaceae) enthält das entheogene Lysergsäureamid (LSA), das eine Vorstufe des halbsynthetischen LSD-25 darstellt. Die Holzrose ist ein mehrjähriges, immergrünes Gewächs mit herzförmigen, bis zu 30 Zentimeter großen Blättern und trompetenförmigen, rosa- bis lavendelfarbenem Flor.
Die Vermehrung der Holzrose kann vegetativ (also über Stecklinge) und generativ (über Samen) erfolgen. Besonders die Anzucht aus Samen bereitet jedoch so manchem schon den ersten Horror: Sie ist zuweilen gar nicht so leicht. Also aufpassen, so geht’s:




Frucht und Samen der Hawaiianischen Holzrose

Wir wählen ein Zimmergewächshaus zur Keimung unseres Saatguts. Die Aussaat ist während des gesamten Jahres möglich. Argyreia-nervosa-Samen an der sich verjüngenden Seite leicht anfeilen, nicht jedoch die Samenhülle komplett auffeilen. Die Andünnung der harten Schale erleichtert dem Samenkorn die Aufnahme des 18 bis 20 Grad warmen Wassers, in das unsere Samen für etwa 24 Stunden zum Vorquellen gegeben werden. Anschließend die Körner in höchstens einem Zentimeter Tiefe in unser Anzuchtmedium geben. Das besteht idealerweise aus Vermiculit/Perlit, Sand oder Kokosfasern. An sehr hellem und durchgehend warmem Standort zwischen 22 und 27 Grad Celsius und bei konstanter Feuchtigkeit des Substrats werden die Samen am ehesten auflaufen.
Nach dem Keimen sollten die Sämlinge in einzelne Töpfe separiert werden, um jeder Pflanze bzw. deren Wurzeln ein ausreichendes Platzangebot zur Verfügung zu stellen. Die Holzrose wächst eher behäbig und langsam. Um prächtig gedeihen zu können, benötigt sie anhaltende tropische Bedingungen, das heißt: viel Wärme, Helligkeit und Feuchte. Vernebelungen tun den Pflanzen sichtbar gut, eine Staunässe im Wurzelbereich muss jedoch unbedingt vermieden werden, zum Beispiel mit einer entsprechend wirksamen Drainage, weil sie für die Pflanzen tödlich enden kann. Als Substrat eignet sich eine durchlässige Erde mit hohem Sandanteil. Überwinterung der Holzrose bei mindestens 16° Celsius. Frost ist für die Holzrose tödlich.



Psychotria viridis
Chakruna, Wilder Kaffee


Psychotria viridis (aus der Familie der Rötegewächse, Rubiaceae) ist ein immergrüner Strauch und stammt aus den tropischen amazonischen Regionen Amerikas. Chakruna gehört zu den wichtigsten entheogenen Ritualgewächsen der Neuen Welt. Psychotria ist eine in der Pflege als Zimmergewächs eher heikle Pflanze, weshalb sie bei uns nicht allzu häufig in Kultur angetroffen werden kann. Mit dem richtigen Know How aber lässt sich auch diese Pflanze in unseren Gefilden halten – und sogar vermehren.
Die Anzucht aus Samen ist eine schwierige Angelegenheit, die aber in Einzelfällen durchaus gelingen mag. Von Hunderten Samenkörnern laufen mitunter nur wenige, an einer Hand abzuzählende Exemplare auf, von denen wiederum nur die wenigsten überleben und zu einer stattlichen Größe heranwachsen. Hier eine Methode zur generativen Vermehrung:
Samen für 24 Stunden in sauberes Wasser einlegen (manche propagieren, die Samen für eine Viertelstunde in Bleichmittellösung einzulegen und anschließend gut abzuspülen. Der Sinn dieser Maßnahme erschließt sich in diesem Fall dem Autor allerdings nicht). Die Samenkörner in etwa fünf Millimeter Tiefe in ein Anzuchtsubstrat pflanzen, z. B. normale Anzuchterde mit Vermiculit- oder Sandzuschlag. Das Substrat von unten her bewässern und zwar so, dass es komplett durchfeuchtet ist. Das Ganze, idealerweise in einem Zimmergewächshaus untergebracht, in die Sonne stellen, stets feucht halten und warten. Mit ein wenig Glück laufen nach einigen Wochen (zuweilen dauert das länger als 60 Tage!) wenige der Körner auf und können vorsichtig mithilfe eines Teelöffels o. ä. pikiert werden.
Die Vermehrung über Klone ist bei Psychotria deutlich einfacher. Schon ein nur miniaturischer Zweig mit einem bis zwei Blättern ist rasch in der Lage, Wurzelfasern auszubilden. Dabei wird einfach ein ausreichend großer Steckling von der Mutterpflanze geschnitten (was, wie erwähnt, selbst ein einzelnes Blatt mit ausreichend langem Stiel sein kann) und bei gleichbleibender Zimmertemperatur oder höher in frisches Substrat gepflanzt. Manche Grower präferieren die Bewurzelung in Wasser unter Zusatz von Wurzelhormonen, obgleich die tatsächlich nicht notwendig sind. Ein in feuchte, durchlässige und nährstoffreiche Erde gesetzter Klon der Psychotria viridis wird sich in aller Regel rasch zu einer eigenständigen Pflanze entwickeln.
Idealerweise verschaffen wir unserem Steckling ein Mikroklima, das zur besseren Entwicklung des Klons beitragen wird. Das kann zum Beispiel mit einer Plastiktüte erfolgen, die zunächst gründlich perforiert und dann über die Stecklinge gestülpt wird und als eine Art Gewächshaus fungiert. Übrigens danken schon die Stecklinge der Psychotria täglich mehrfache Vernebelungen.
Psychotria viridis ist sowohl fürs Gewächshaus wie auch als Zimmerpflanze geeignet. Sie verlangt einen schattigen bis halbschattigen Standort, viel Wärme und eine recht hohe Luftfeuchtigkeit, weshalb das Gewächs vorzüglich während der Vegetationsperiode desöfteren kräftig vernebelt werden sollte.



Leonotis leonurus
Löwenohr, Wild Dagga


Das Löwenohr ist eine mehrjährige, immergrüne, bis teils über zwei Meter hohe Staude, die im Alter strauchartig wächst. Löwenohr ist ein beliebter Marijuanaersatz und wird in Afrika mancherorts Wild Dagga genannt (der Hanf Dagga). Die mild wirksame, bislang vollkommen legale Pflanze enthält psychoaktive Inhaltsstoffe – Cumarine, Diterpene und andere Substanzen – und ist für den erfahrenen Grower relativ leicht zu pflegen und zu vermehren. Die Vermehrung kann vegetativ und generativ geschehen. Anfang bis Mitte April schneiden wir Stecklinge, die wir entweder im Wasserbad bei voller Sonne, aber moderaten Zimmertemperaturen bewurzeln oder aber direkt in ein Substratgemisch aus Sand und handelsübliche Zierpflanzenerde platzieren.
Die Samenkörner des Löwenohrs können ganzjährig gesät werden, für eine über den Sommer andauernde Blüte empfiehlt sich die Anzucht im frühen Frühjahr. Das Saatgut der Leonotis wird, ähnlich wie das von Kakteen bekannt ist, nur auf das Aussaatsubstrat (gut geeignet ist z. B. Kokosfaser, aber auch handelübliches Anzuchtsubstrat) gegeben, ganz leicht angedrückt und mit einer sehr dünnen Schicht Sand berieselt. Das ist eine geeignete Präventionsmaßnahme gegen Schimmelpilzbefall, da Leonotissamen recht anfällig sein können. Idealerweise verwenden wir für diese Zwecke ein kleines Zimmergewächshaus, in dem wir unseren Samen ein helles und warmes, stets über 22° Celsius angesiedeltes Klima bieten. Die Anzuchterde sollte immer gleichmäßig feucht sein, keinesfalls jedoch triefend nass. Die Zeit bis zum Auflaufen der Samen kann bis zu sechs Wochen betragen.
Stecklinge des Löwenohrs lassen sich, je nach Größe, hervorragend in Steinwollewürfeln oder Jiffy-Quelltöpfchen anziehen. Jedoch sollte der Grower hier einige Geduld mitbringen. Je nach Umweltbedingungen und verwendetem Medium kann es bis zu einem Monat dauern, bis Leonotis-Klone Wurzelfasern ausbilden. Hier ist Durchhaltevermögen die Mutter der ethnobotanischen Schatztruhe.
Als Topf- bzw. Kübelpflanze bevorzugt das Löwenohr einen warmen und hellen, windgeschützten Standort sowie konstante Feuchtigkeit, jedoch keine Staunässe des Wurzelbereichs. Überwinterung an hellem und kühlem Standort (bei etwa 8 bis 15° Celsius).
Was Schädlinge angeht, so ist Leonotis insbesondere vor der Weißen Fliege, der Blattlaus, der Trauermücke und der Spinnmilbe zu schützen. Diese Insekten können einer Löwenohrpflanzung mächtige Probleme bereiten. Prävention durch genaue und regelmäßige Inspektion der Gewächse und die bekannten Präventivmaßnahmen sowie Einhaltung der klimatischen Bedürfnisse. Während der Vegetationsperiode wöchentlich mit standardisiertem NPK-Dünger versorgen. Im Frühjahr werden Löwenohren zurückgeschnitten, manche Grower stutzen bei erwachsenen Exemplaren alle sechs bis acht Wochen die Spitzen.

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