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Die Kombinationsbehandlung von Cannabis mit Ketamin

Franjo Grotenhermen ist Vorstand und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin
Publiziert am: 02.04.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Franjo Grotenhermen
Dr. Franjo Grotenhermen


Cannabisprodukte wurden in den vergangenen Jahrzehnten von Millionen von Menschen, die eine Vielzahl unterschiedlicher Medikamente eingenommen haben oder einnehmen, verwendet, ohne dass bisher starke unerwünschte Wechselwirkungen bekannt geworden sind. Cannabis und THC können die Wirkung einiger Medikamente verstärken, während die Wirkung anderer Medikamente herabgesetzt werden kann. Weit verbreitet ist die Kombination von Cannabisprodukten mit anderen Schmerzmitteln, insbesondere Opiaten. Erste Studien haben gezeigt, dass Cannabis bei Schmerzpatienten, die bereits Opiate einnehmen und diese auch während der Studie beibehalten, eine zusätzliche Schmerzlinderung erzielen kann. Weitere Medikamente, die in der Regel gut zusammen mit Cannabisprodukten eingenommen werden können, sind brechreizhemmende Mittel, muskelentspannende Medikamente, Asthmamittel sowie Mittel zur Senkung eines erhöhten Augeninnendrucks.
Jüngst berichtete ein Professor eines niederländischen Instituts für neuropathische Schmerzen von der erfolgreichen Kombination einer Ketamin-Salbe mit Cannabis, das eine Patientin in Keksen einnahm. Sie litt an starken chronischen Schmerzen aufgrund einer Nervenschädigung im rechten Arm. Bereits im Alter von 7 Jahren hatte sich die jetzt 56 Jahre alte Frau erstmals die Speiche des rechten Unterarms gebrochen. Dieser Knochen war 6 Wochen später erneut gebrochen worden, um die Heilung zu verbessern. Mit 11 Jahren brach sie sich bei einem Unfall erneut die gleiche Speiche. Drei Jahre später trat ein weiterer Bruch an diesem Knochen auf. Dabei gelang es nicht einen Knochensplitter wieder in den Knochen zu integrieren. Mit 17 Jahren konnte sie plötzlich aufgrund des wandernden Knochensplitters den Ellbogen nicht mehr bewegen. Bei der anschließenden Operation wurde ein Nerv verletzt. Mit 22 Jahren wurde ihr Ellbogen bei einem Fahrradunfall verletzt. Zu dieser Zeit begannen Schmerzen im rechten Unterarm, begleitet von Muskelschwäche und Krämpfen. Mit 41 Jahren nahmen diese Schmerzen deutlich zu, konnten jedoch durch eine Operation mit Verlegung des betroffenen Nervs verbessert werden. Mit 49 Jahren nahmen die Schmerzen erneut deutlich zu. Seit dieser Zeit wurde eine Vielzahl von Schmerzmitteln verwendet.
Im Jahr 2009 betrug die Schmerzintensität 9 auf einer Skala von 0 (keine Schmerzen) bis 10 (stärkste vorstellbare Schmerzen). Mit Paracetamol, Pregabalin und einem Opiat (Oxycodon) ließ sich die Schmerzintensität auf 7 reduzieren. Die Patientin litt jedoch unter starken Nebenwirkungen. Die Schmerzen wurden als brennend, kribbelnd, stechend, juckend oder als ein kaltes schmerzhaftes Gefühl beschrieben. Eine transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) reduzierte die Schmerzintensität auf 5, was allerdings nur eine Stunde anhielt.
Wegen der schweren Nebenwirkungen ihrer Medikamente brach sie die Behandlung ab und begann mit der Einnahme von Cannabis in Form von hausgemachten Keksen. Der Cannabis war der Patientin von den Schmerztherapeuten verschrieben worden. Zehn Gramm Cannabis aus der Apotheke verarbeitete sie zu 20 Keksen. Davon nahm sie täglich dreimal ein Drittel Keks, entsprechend 0,5 g pro Tag. Unter dieser Therapie reduzierten sich die Schmerzen auf eine Intensität von 5. Durch Zugabe eines Antidepressivums verbesserten sich die Schmerzen nicht weiter, die Betroffene schlief jedoch besser und empfand ihre Schmerzen als weniger belastend.
Dazu verordneten die Ärzte ihr eine Salbe mit Ketamin, die sie auf die betroffenen Stellen auftrug, was zu einer weiteren Reduzierung der Schmerzintensität auf Werte zwischen 2 und 3 führte. Ketamin ist ein Medikament, das Schmerzlinderung, Anästhesie, Halluzinationen, erhöhten Blutdruck und Bronchienerweiterung verursacht. Es wird vor allem verwendet, um eine Vollnarkose einzuleiten und aufrecht zu erhalten. Ketamin ist auch als Partydroge bekannt („Vitamin K“, „Kitti“, und andere gebräuchliche Namen). Wie andere Schmerzmittel (Opiate, Cannabis) wirkt Ketamin auch bei lokaler Verabreichung schmerzlindernd.
Dieses Beispiel zeigt, wie Cannabis zusammen mit anderen Medikamenten in ein Konzept zur Behandlung schwerster Schmerzen integriert werden kann, wenn Ärzte unbefangen mit dieser Möglichkeit verfahren. Wenn die Rahmenbedingungen für Ärzte in den Niederlanden auch günstiger sind, so besteht grundsätzlich auch die gleiche Möglichkeit für Ärzte in Deutschland und Österreich. Dabei können sowohl Arzneimittel auf Cannabisbasis wie Nabilon, Dronabinol oder Sativex als auch natürliche Cannabisprodukte im Rahmen einer Ausnahmegenehmigung durch die Bundesopiumstelle zum Einsatz kommen. Tatsächlich verwenden auch einige Patienten mit einer solchen Erlaubnis Cannabis in einer sinnvollen Kombination mit anderen Medikamenten.
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