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Wir sind alle keine Engel

Verbote sind dazu da, sie zu übertreten – und das ist auch gut so, sonst würden wir uns heute noch im Garten Eden zu Tode langweilen. Die Anleitung zum Gesetzesbruch sind die zehn Gebote, in denen geschrieben steht, wie man in die Hölle kommt.
Publiziert am: 02.04.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Sadhu van Hemp
... dafür ein bisserl crazy.

Evas Biss in die verbotene Frucht war der Anfang aller Sünden – und die schmecken bekanntlich süß und machen einen Highdenspaß. Nicht der öde Alltag als braver Familienmensch, Lohnsklave und frommer Kirchgänger gibt den Memoiren den Spannungsbogen, sondern der Tag, an dem man sich über alle Gesetze hinwegsetzt und mal so richtig über die Stränge schlägt. Vom Kinderstreich über den ersten Joint bis hin zum Fremdgehen mit des Nachbars Eheweib, diese Momente sind die Meilensteine des Sünders vor Gott und Staat. Kein Wunder also, dass man mit Sünden auch tüchtig Geschäfte machen kann – wie zum Beispiel die Katholische Kirche, die sich mit dem immer noch betriebenen Ablasshandel in Form von Beichte und Klingelbeutel einen sprudelnden Geldquell direkt aus dem Fegefeuer erschlossen hat.
Wo gesündigt wird, geht es mit dem Teufel zu, und der treibt sich laut Papst in der Hölle herum, also an dem Ort, wo der hübsche Anschein von Anstand und Moral nicht gewahrt wird und die Betrüger noch ehrlich betrügen. Und doch gibt es auch in der Unterwelt ein Gleichgewicht von Gut und Böse, was man im Volksmund auch organisierte bzw. bandenmäßige Kriminalität nennt. Die Mafiosi von heute sprechen aber nicht mehr nur italienisch, sondern auch schon mal russisch, arabisch und schwäbisch, oft sogar switzerdütsch, wenn’s um die Wäsche der vielen Schwarzgelder geht. Die Globalisierung lässt völlig neue Netzwerke entstehen und der internationale Versandhandel von Menschen, Waffen und Drogen bietet eine Vielfalt wie nie zuvor – Lieferung per Morning Express möglich. Unzählige Kartelle und Syndikate konkurrieren in der Schattenwelt um einen Platz an der Sonne, um das ganze Spektrum der Schattenwirtschaft auszuleuchten. Diese Hölle auf Erden will kontrolliert sein, wie z.B. der Drogenhandel in Mexiko, der einen jährlichen Verschleiß von rund 15.000 Mitarbeitern zu verzeichnen hat, weil sie buchstäblich ins Gras beißen. Von diesen paradiesischen Zuständen sind die Bosse in good old Germany weit entfernt, denn hier tragen u.a. die Hells Angels dafür Sorge, dass Ruhe auf dem Kiez herrscht – und das ist auch gut so.
Seit 1973 zeigt der Motorradclub der Hells Angels soziales Engagement im Reich der gefallenen Engel, hält schützend die Hand über Bordsteinschwalben und bedrohte Pflanzenarten – und das zum Wohle aller Puffgänger, Zocker, Suchtlappen und auch Cannabispatienten. Oberstes Gebot der Höllenpolizei ist die Schaffung einer Win-Win-Situation für alle Sünder, und dazu genügt in der Regel die Präsenz in Form einer Patrouillenfahrt durchs Revier. Aus der Sicht der im Halbdunklen stehenden Polizei ist das natürlich Amtsanmaßung, somit strafbar und ehrverletzend. Immer wieder wird das Verbot des Bikerclubs medial in Szene gesetzt, geradeso als handle es sich um noch schlimmere Verbrecher als die Nazikiller aus Thüringen. Selbst wenn die Merkmale des Motorradclub auf eine „kriminelle Vereinigung“ hindeuten sollten, letztlich sind die ollen Harleybiker mit ihren Rauschebärten nur „zornige Stiefbrüder der Hippies“, die die Zeit überlebt haben und als nicht wegzudenkendes Regulativ denen auf die illegalen Fingerchen hauen, die in der Unterwelt der Anarchie Vorschub leisten. Nicht auszudenken, wie es ohne die Schutzengel der Hölle im kriminellen Milieu zugehen würde, wenn sich die vielen Möchtegern-Mafiosi der unzähligen Kleinstbanden und Familienclans um das Erbe der Rocker zanken und für mexikanische Verhältnisse sorgen. Dann heißt es plötzlich „ich mach die Messer, Opa“, wenn man aus der Apotheke kommt.
Nun soll das hier kein Hohelied auf den Motorradclub der Hells Angels werden, aber Mitte März haben die behaarten Jungs den Beweis angetreten, dass sie ein Herz für Kiffer und Cannabispatienten haben. Das behaupteten jedenfalls alle Medien, und das mit einem Geschrei, als hätte man bei Christian Wulff im Keller Natascha Kampusch aus dem Öltank gezogen. Grund für das Mega-Medienspektakel war der filmreife Auftritt einer bis unter die Zähne bewaffneten Hundertschaft der Polizei, die von der vordringlichen Aufgabe, also dem Wegsehen beim Naziterrorismus, abgezogen wurde, um im Düsseldorfer Hauptquartier des „Clan 81“ einen Elektroschocker, ein Messer und ein Beil zu beschlagnahmen. Das war ein Sensationsfund ohnegleichen und Beweis dafür, dass der Rockerclub drauf und dran war, den Düsseldorfer Landtag zu stürmen, um die Regierung zu stürzen. Doch es sollte noch besser kommen, zumal die Hintergründe des Geschehens mehr als nebulös sind. Ob Zufall, Verrat oder einfach nur Übereifer der uniformierten Testosteron-Junkies, was genau die SEK-Helden veranlasste, ohne Durchsuchungsbefehl in den oberen Etagen des gewerblich genutzten Hochbunkers die Türen eines Möbellagers aufzubrechen, bleibt Betriebsgeheimnis. Das Resultat des widerrechtlichen Eindringens beseitigte dann aber in Nullkommanix allen Zweifel an die Rechtstreue der deutschen Polizei, denn siehe da, die Schlagzeile war perfekt:
„Haschischplantage mit 4000 Haschischpflanzen entdeckt“, titelten die geistig unterbemittelten Schmierfinken des rechtskonservativen Medienkartells und eröffneten damit eine geradezu widerwärtige Hetzkampagne gegen die Hells Angels. Dieser Bust lieferte den letzten Beweis zur medialen Vorverurteilung des gesamten Clubs, und das mit freundlicher Unterstützung der auskunftsfreudigen Polizei, die den Kanaillen der Presse ordentlich Futter zuwarfen. Höhepunkt war aber, dass im Zuge der Razzia vier Asiaten aufgegriffen wurden, die laut „Welt“ als Erntehelfer „in einem fensterlosen Verschlag neben den Hanf-Pflanzen hausen mussten“. Nun waren die Hells Angels also auch noch Sklavenhalter.
Kurz und gut, der seinerzeit einzig verfügbare und deshalb eingesackte Rocker ist längst wieder auf freien Fuß und hätte wohl allen Grund, die Medienaufsicht anzurufen und vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen Rufmordes zu klagen. Die Medien haben sich in diesem Fall wieder einmal mehr zum nützlichen Idioten eines völlig inkompetenten und desorientierten Polizeiapparats gemacht, der in seinem blinden Eifer jeden in Sippenhaft nimmt, der nur den Anschein erweckt, dass er den Anschein erweckt.
Letztlich muss sich der Staatsanwalt mit den armen illegal eingewanderten „Zwangsarbeitern“ begnügen, die – in wessen Auftrag auch immer – eine wahrhaft heroische Profiarbeit geleistet haben und dafür höchsten Respekt verdienen.
Inwieweit die Einlassung des „Clan 81“, nichts von dem strafbaren Treiben über den Räumen ihres Vereinsheimes gewusst zu haben, glaubwürdig ist, soll uns nicht weiter interessieren – das gebietet nämlich die Ganovenehre, die wir Genusskiffer und Cannabispatienten als staatlich anerkannte Schwerverbrecher nun mal haben.
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