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Voll in die Hose

Fester, weiter, tiefer
Publiziert am: 02.05.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Kimo
Genau so war das damals


Meine erste Körperkontrolle war ein einschneidendes Erlebnis, kannte ich die skurrilen Blüten deutscher Drogenpolitik doch bis dahin erst vom Hörensagen. Mit zarten 17 Jahren wurde mein Rucksack 1985 auf dem Rückweg von einem Amsterdam-Trip bei der Einreise nach Deutschland routinemäßig und ergebnislos überprüft. Ich war per Anhalter unterwegs und hatte nichts dabei und deshalb anfangs auch keine größeren Bedenken, als ich den Beamten nach ergebnisloser Nachschau im Auto und im Gepäck zur Hosentaschenkontrolle in einen separaten Raum folgen sollte.

Der Bückling

Erst als man mich bat, die Hosen runterzulassen, kamen mir Bedenken ob der Angemessenheit der Maßnahme. Als ich dann noch die Gesäßbacken auseinander ziehen sollte und der Beamte mich aufforderte, „fester“ und „weiter“ zu ziehen, damit er einen tiefen Einblick in meinen Enddarm gewinnen konnte, fing ich an, an seiner Motivation sowie an der Richtigkeit unserer Drogengesetzgebung zweifeln. Nachdem ich den Raum schweißnass verlassen durfte, wurde das als Nervosität gedeutet, ein Drogenhund wieder und wieder durch das Auto des selbstredend nüchternen Fahrers gejagt und mir eine „ärztliche Maßnahme“ sowie das Herbeirufen meiner 200 Kilometer entfernt wohnenden Eltern angedroht, wenn ich nicht zugäbe, was geschluckt zu haben. Nach über zwei Stunden voller Drohungen und Diffamierungen war den Zollbeamten klar, dass sie rein gar nichts gegen mich in der Hand hatten und ich durfte meinen Weg fortsetzen. Seitdem musste ich regelmäßig solch erniedrigende Kontrollen über mich ergehen lassen, ohne Vorstrafen oder andere Einträge. Erst mit zunehmendem Alter wurden solche Kontrollen seltener, mit Mitte 40 und ohne PKW gehört man anscheinend nicht mehr zur Zielgruppe.
Die Intensität der „Nachschauten im Genitalbereich“ hat sich 25 Jahre später sogar gesteigert, obwohl bei uns Konsumenten offiziell entkriminalisiert sind, reicht der kleinste Verdacht auf Drogenbesitz oder auch nur Konsum aus, die Intimsphäre immer mehr junger Bürger/innen zu verletzten. Nicht nur am Flughafen, wo es aus Sicherheitsgründen noch nachvollziehbar ist, ist die Peep-Show in Sachen Cannabisbesitz 2012 alltäglicher als zu den Zeiten, in denen der Besitz Geringer Mengen noch als echte Straftat geahndet wurde. Egal ob Verkehrs-, grenznahe oder allgemeine Personenkontrolle, für den intensiven Blick ins Hoseninnere reicht schon der geringste Anfangsverdacht. Da in Unterhosen und Körperöffnungen naturgemäß nur kleine Mengen Drogen versteckt werden können, ist mehr als offensichtlich, dass es vor allem um die Jagd auf Konsumenten geht.

Verlorenes Vertrauen

Einerseits ist mir bei allen Kontrollen aufgefallen, dass die Beamten nicht unbedingt Spaß dabei empfinden, potentiellen Hanffreunden in den Popo zu glotzen, umso unverständlicher ist es in meinen Augen, dass auch von dieser Seite keine Kritik an einer Praxis laut wird, die die Verfügbarkeit von Drogen nachweislich in den vergangen 40 Jahren nicht eingeschränkt, vielen Menschen aber die Würde und das Vertrauen in die Arbeit von Ermittlungsbehörden genommen hat.
Andererseits hatte ich bei einer solchen Kontrolle aber auch nie das Gefühl, dass es den Beamten um das Auffinden einer kleinen Blüte ging, vielmehr soll Situation als solche erniedrigen und somit wohl abschrecken. Das mit der Erniedrigung klappt, das mit der Abschreckung weniger. Denn 25 Jahre nach meinem ersten Eiertanz gibt es in Deutschland mehr illegale Drogen als je zuvor und mein persönliches Konsumverhalten war und ist unbeeinflusst von irgendwelchen Körperöffnungs-Kontrollen. Es wird Zeit, dass der Besitz einer Geringen Menge Gras nicht mehr dazu dienen kann, die Grundrechte auf solch menschenunwürdige Weise einzuschränken. Das wird erst passieren, wenn es dafür eine gesetzliche Grundlage gibt, wie die Geschichte der bundesdeutschen „Konsumenten-Entkriminalisierung“ bewiesen hat.

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