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Den Fuß in der Tür

Wir danken Frau Dr. Merkel für die Unterstützung
Publiziert am: 02.05.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Michael Knodt
Re-Legalisierung: Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus




Wir haben uns jahrelang gefragt, wo die Millionen Hanfliebhaber/innen bleiben, wenn es darum geht, öffentlich Stellung zum Hanfverbot zu nehmen. Egal ob Hanftag, Hanfparade oder Hanfmesse, es gab angesichts der vielen Cannabiskonsument/inn/en in der Vergangenheit viel zu wenige Menschen, die sich für ein Ende der Prohibition eingesetzt haben. Wir wussten aber auch, dass das Fass mit zunehmender Repression irgendwann einmal überlaufen und das Thema einen ähnlichen Stellenwert wie zur Zeit in den USA erhalten wird.
So weit sind wir zwar noch nicht, aber die letzten Monate haben den Hanfaktivist/inn/en in Deutschland so viel Zuspruch und Unterstützung beschert wie noch nie zuvor. Die Stellungnahme unserer Bundeskanzlerin zur Frage des Deutschen Hanfverbandes auf youtube war so inkompetent, dass sich anscheinend viele Bürger/innen etwas näher mit dem Thema auseinandergesetzt haben.
Mehr ist gar nicht notwendig, um bisher Uninteressierte oder Gleichgültige aufzuschrecken, denn je intensiver man sich mit der Geschichte des Hanfverbots auseinandersetzt, umso irrationaler erscheint das Vorgehen der Beteiligten. Hätte Frau Dr. Merkel vor ihrer Antwort dasselbe getan, hätte sie auf diesem Terrain prima punkten können anstatt ihre Unwissenheit zur Schau zu stellen.

Es tut sich was

Doch im Nachhinein hat sich die Realitätsferne unserer Kanzlerin als Glücksfall erwiesen, denn seit dem glorreichen Auftritt rumort es nicht nur im World Wide Web: Die Mitgliederzahlen des DHV steigen stetig, die Cannabiskultour um Steffen Geyer konnte über 100 Veranstaltungsorte für ein Hanf-Event gewinnen, selbst in München wird es dieses Jahr am 7. Juli einen Hanftag geben - vor zwei Jahren wäre das noch undenkbar gewesen. In Köln entsteht gerade so etwas wie eine Legalisierungs-Szene, große Medien stellen immer häufiger Anfragen beim Hanfverband oder bei uns, denn auch die haben gemerkt, dass zum Beispiel kaum jemand besser über das Phänomen der „Legal Highs“ informiert, da die staatlichen Stellen meist den erhobenen Zeigefinger anstatt Informationen ins www stellen. Unsere Aufklärung in Sachen „Legal Highs“ beschert uns nebenbei besonders gutes Feedback von Suchberatern und Sozialarbeitern.
Ein weiterer Grund für den regen Zuspruch, der uns an die späten 1990er Jahre erinnert, scheint die Einführung des Weed-Passes in den Niederlanden zu sein. Wenn ihr diese Ausgabe in den Händen haltet, wird die Coffeeshop-Herrlichkeit an NRWs Grenze zu den Niederlanden Geschichte sein, andere Regionen werden folgen. Wann und ob Amsterdam diesen Pass einführen wird, steht noch in den Sternen, doch auch so hat die Regelung vielen bewusst gemacht, dass es jetzt Zeit ist, vor der eigenen Haustür zu kehren. Last but not least haben viele Opfer eines willkürlich angewendeten Führerscheinrechts ohne Widerspruchsmöglichkeit die Notwendigkeit erkannt, sich zu wehren, nicht selten, weil der Lappen sowieso weg ist, ohne dass man je „stoned“ gefahren ist.

Die Hanfbewegung ist den Kinderschuhen entwachsen

Doch es gibt einen Unterschied zu der Zeit vor 15 Jahren: Die Hanfbewegung ist den Kinderschuhen entwachsen und gerade dabei, salonfähig zu werden. Repression trotz Entkriminalisierung, fehlender Jugendschutz, problematische Konsummuster unter Jugendlichen, Führerscheinrecht und ähnliche Dinge haben die einstige Spaß-Bewegung mit den Jahren und der Stichhaltigkeit ihrer Argumente wachsen lassen, so dass einer der Köpfe der Bewegung, Georg Wurth vom DHV, selbst im Bundestag eine gute Figur abgibt, wenn er sich dort für die Belange von Konsumenten, Growern oder Patienten einsetzt. Wurden Räucherstäbchen-Events mit Hippie-Charakter lange als adäquates Mittel der politischen Willensäußerung betrachtet, haben die Verantwortlichen heute erkannt, dass Legalisierung eher gut organisierten Netzwerken und seriösem Wissensaustausch bedarf, auch wenn das ein oder andere chillige Event natürlich nicht fehlen darf. Auch beim aktuellen Zukunftsdialog hat die „Hanffrage“ Platz zwei unter allen Vorschlägen belegt, schon häufen sich die ersten Stimmen, die Hanfunterstützer hätten gepfuscht. Wie kommt es dann, dass es bei der youtube-Frage ein ähnliches Ergebnis gab und auch in den USA, wo Obama regelmäßig solche Ereignisse inszeniert, das Thema Hanf immer ganz oben auf der Prioritätenliste der Bürger steht? Selbst die Piraten konnten und können mit dem Thema, anders als von vielen erwartet, Stimmen von den Grünen abziehen. Eben jene Piraten, genauer gesagt die aus Oldenburg, haben das Abstimmverhalten beim Zukunftsdialog übrigens genau beobachtet und festgestellt, dass die von den Kritikern erwähnten Skripte zur Manipulation des Ergebnisses nicht dazu genutzt wurden, die Frage vom Hanfverband zu pushen.
Doch all das kann nur der Anfang sein, denn wirklich geändert hat sich noch überhaupt nichts, selbst im Grün regierten Baden-Württemberg gehen Staatsanwälte und Polizei noch fleißig auf Konsumentenjagd und wenden das Führerscheinrecht als eine Art Ersatzstrafrecht für zu maßregelnde Gelegenheitskiffer an. Verglichen mit Tschechien oder Spanien, wo sich ein ganzes Dorf jüngst für den großflächigen Anbau von Hanf eines Cannabis Social Clubs auf ehemaligen Olivenhainen ausgesprochen hat, sind wir immer noch ein hanfpolitisches Entwicklungsland. Wir haben gerade einmal den Fuß in der Tür und müssen weiterhin hart daran arbeiten, sie auf zu bekommen, ohne mit ihr ins Haus zu fallen.


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