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Brief an Dyckmans

Der Leser hat das Wort
Publiziert am: 02.05.12 - Medienformen: Medienform Text

"There is just too much money in it,", sagte einst schon Hillary Clinton





Am 30.Januar 2012 erreichte uns ein Leserbrief eines engagierten Patienten, den wir nachträglich gerne veröffentlichen.


Hallo, ich habe heute an Frau Dyckmans eine Email geschrieben, weil mir das langsam hier alles auf den Sack geht. War grad ’ne Woche in Holland - der Himmel auf Erden - und jetzt zurück im Elend ;-) Wenn ihr wollt, könnt ihr den Brief veröffentlichen, dass das hier mal Schule macht und die anderen meinem Beispiel folgen. Gruß, ein täglicher Leser

„Sehr geehrte Frau Dyckmans, ich wollte Ihnen mal ein-zwei Sätze zu der momentanen Entwicklung bezüglich der Drogenpolitik in unserem Land mitteilen. Vorerst kurz zu meiner Person: Ich bin 31 Jahre alt, männlich. Ich habe eine abgeschlossene Ausbildung als Fachkraft für Brief- und Frachtverkehr. Ich bin momentan leider arbeitslos, bedingt durch meine Hodenkrebserkrankung, die Gott sei Dank laut meiner Ärzte überstanden ist. Ich persönlich rauche Cannabis seit ich ca. 15 Jahre alt bin. D.h. ich habe meine Schule trotz Cannabis Konsum erfolgreich beendet. Anschließend habe ich trotz Cannabis Konsum meine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Als Jugendlicher wurde ich von vermeintlichen Freunden zu einem Joint eingeladen, diesen rauchte ich in Verbindung mit Alkoholkonsum und das Resultat war Übelkeit. Wäre die Gesetzeslage die gleiche wie z.B. in Holland, hätte ich meinen ersten Joint nicht mit 15 sondern vermutlich erst mit 18 Jahren geraucht, da ein Betreten des Coffeeshops erst mit 18 Jahren möglich ist und dieses auch penibel überprüft wird. Bei meinem letzten Besuch in Holland wurde sogar meine Freundin (28 Jahre) nach einem Ausweis gefragt. Meinem vermeintlichen Freund, der mir den Joint gab, war mein Alter scheißegal! Nach und nach wurden mir dann Amphetamine angeboten, XTC usw. Dieses werden Sie in einem Coffeeshop nie erleben, dass ihnen andere Drogen als Cannabis oder Haschisch angeboten werden. Ich persönlich fühle mich von der Bundesregierung verarscht, täglich wird uns gesagt, was gut für uns und was schlecht ist. Meiner Meinung nach sollte das jeder selbst für sich entscheiden und so weit gehen dürfen wie man selbst möchte (solange man niemanden anderen dadurch stört oder belästigt).

Cannabis ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Welt, sie ist uns von der Natur gegeben. Jeder Mensch hat das Recht auf Rausch, leider können wir uns in Deutschland nur mit Alkohol und pharmazeutisch hergestellten Tabletten unseren Rausch hervorrufen. Dieser Rausch, besonders die Mischung aus beidem, ist hoch toxisch und kann auch ganz leicht zum Tode führen. Meinen ersten Alkoholrausch hatte ich mit ca. 11 Jahren, dank meiner Unwissenheit leerte ich eine Flasche Bacardi innerhalb von ca. 10 Minuten. Mein Promillewert lag bei über 4,5, ab ca. 3,5 ist normalerweise Atem- oder Herzstillstand. Aus dieser Erfahrung heraus und dem Negativbeispiel meines Onkels (Starkalkoholiker) erkannte ich früh die Gefahren des Alkohols. Doch wie ich schon zuvor erwähnt habe, ist es eben menschlich sich zu berauschen, selbst Tiere berauschen sich, indem sie z.B. vergorene Früchte essen. Ich habe nun meine Droge gefunden, die mich nicht zu sehr verändert, die mich meiner Meinung nach eher in die Gesellschaft integriert als Alkohol und mein Favorit ist Cannabis! Cannabis hat mich meine ganze Jugend begleitet, es ist frei verfügbar und sogar billiger als in Holland. Und das dank Ihres Verbotes. Dank Ihres Verbotes haben die Taliban immer noch eine Einnahmequelle. Dank Ihres Verbotes haben die Hells Angels täglich neue Mitglieder, dank Ihres Verbotes müssen Zollbeamte kleine Konsumenten kontrollieren und die großen Fische wie z.B. Meth-Dealer, die kiloweise den Dreck ins Land bringen oder sogar hier herstellen, bleiben unbehelligt, da beim Zoll Personal fehlt.

Mit einer Lockerung bzw. Legalisierung zerstören Sie mafiöse Strukturen, der neu entstandene Markt bezüglich Kräutermischungen, die mit Chemie versetzt sind, würden Sie mit einem Schlag vernichten. Das Geld, das in den Drogenkrieg gesteckt wird, könnte auch besser eingesetzt werden, Beispiele brauch’ ich wohl keine nennen. Ich kenne Menschen, die Hartz 4 beziehen und dank des Cannabis Verbotes mal eben 2000-3000 Euro durch Verkauf von Cannabis verdienen. Der Drogenkrieg wurde in den USA durch die DEA als gescheitert erklärt, sollen wir die letzten sein, die ihn weiterführen, wenn ja, zu welchem Preis? Den Vorschlag der Linken teile ich nur zum Teil, die 30 Gramm empfinde ich als ok, 5 - 10 Gramm pro Tag würden aber auch langen. Des Weiteren finde ich den Vorschlag der Social Clubs wohl nicht als den richtigen Weg. Ich bin mehr für die Abgabe über Apotheken, dort kann man den Jugendschutz auch gewährleisten und die Qualität wird kontrolliert. Was mir in der ganzen Debatte fehlt, ist das Thema Steuern, warum sollte der Staat leer ausgehen? Es wird von Experten geschätzt, das mindestens eine Milliarde eingenommen werden kann. Dieses Geld könnte man dann z.B. in Aufklärungsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche einsetzen, damit diese die Finger von Drogen, egal welcher Art, lassen. Falls der Jugendliche trotz allem die Entscheidung trifft doch Drogen zu nehmen, so wurde er zumindest aufgeklärt und weiß, auf was er sich einlässt. Ich plädiere an Ihre Vernunft und an Ihr logisches Denken. Wenn Sie nur allein an die kranken Menschen denken (Krebs, Aids, MS oder nur Migräne), denen würden Sie helfen, momentan schaden Sie diesen erheblich.

Ich persönlich hatte drei Chemotherapien, ohne Cannabis wären diese wohl nicht so verlaufen. Dank Cannabis hatte ich trotz Chemo immer Hunger, konnte nachts gut schlafen und musste keine zusätzlichen Medikamente nehmen, die meine Leber und Nieren geschädigt hätten. Egal wie die Abstimmung im Bundestag verläuft, ich werde weiter kiffen, ich bin einer von Millionen, die täglich mit Angst leben müssen aber erkannt haben, dass wir nicht die Bösen sind. Bitte überlegen Sie vor der Abstimmung, was Ihre Stimme anrichten kann, Sie sind vom Volk gewählt, um dieses zu vertreten, bitte machen Sie das auch und entscheiden Sie nicht nach Ihrem Interesse und lassen Sie sich nicht von der Tabak- und Alkohol-Lobby diktieren. Überlegen Sie, was Ihre Wähler wollen. Falls Sie und Ihre Kollegen sich nicht in der Lage fühlen hier zu entscheiden, empfehle ich Ihnen einen Volksentscheid bezüglich der Cannabis Legalisierung durchzuführen.

Vielleicht haben Sie und die CDU ja Glück und das Volk entscheidet gegen die Lockerung bzw. Legalisierung, dann können Sie den Schwarzen Peter abgeben und Ihre Hände in Unschuld waschen.

Mit freundlichen Grüßen, XXX“
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