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Hanfgarten-Kultur vs Biergarten Gemütlichkeit

Alternative Leitkultur für Bayern
Publiziert am: 04.07.12 - Medienformen: Medienform Text

Autor: KIMO
60-Day-Wonder - Foto: Günni Gras

Bevor Gras in Deutschland massiv gestreckt wurde, gab es nicht viele Selbstversorger, die sich ihr Weed im eigenen Heim(lich)-Garten unter Licht gezüchtet haben. Wer sich vor der Mitte des letzten Jahrzehnts mit der Indoor-Zucht von Hanf beschäftigte, war entweder ein Cannasseur, ein Weed-Freak, voll drauf oder am kommerziellen Vertreib seines gärtnerischen Erfolges interessiert. Doch mit dem fast zeitgleichen Auftauchen vom Homebox & Co sowie dem Gepansche von Hanfblüten Mitte des vergangenen Jahrzehnts haben sich immer mehr Menschen dazu entschieden, trotz ungünstiger Gesetzeslage, auf kleinstem Raum ihr ganz privates Grün zu bespielen, um nicht mehr auf Dritte, die nicht nach den ungeschriebenen Schwarzmarkt-Regeln spielen, angewiesen zu sein.
So wie Günni Gras* aus dem Grenzgebiet von Bayern zu BaWü, der es im repressionsgeladenen Umfeld von Bierseligkeit, katholischem Fundamentalismus und „German Drogenangst“ wagt, die seit, verglichen mit dem tausende von Jahren dauernden Zeitraum ihres legalen Status, erst seit wenigen Jahren illegalisierte Pflanze zu beherbergen.

Günni wohnt bei Übelfingen am Schwabensee**, einer Gegend, in der seit Jahrhunderten traditionell Drogen (Tabak, Bier und Wein im großen Stil) angebaut und produziert werden, in einem Einfamilienhaus unter dem Dach, wodurch die Einrichtung eines Growraums ein wenig erschwert wird, bestehen doch Ecken einer Dachwohnung fast ausschließlich aus Schrägen, die das Aufstellen eines fertigen Growsystems schier unmöglich machen. Vielleicht mal eine Idee für innovative Zelthersteller, eine „Roof“-Version zu entwickeln, bei der das Dach des Zeltes durch die Verwendung von Teleskopstangen einer Dachschräge angepasst werden kann. Doch auch dieses kleine Hindernis hat den Freizeit-Farmer durch ein wenig handwerkliches Geschick überwunden und mit Hilfe einer „Homebox-Haut“ ohne Gestänge, einem 250 Watt Leuchtsystem, einem 180m³ Rohrlüfter mit passendem Aktivkohlefilter eine kleine, aber feine Anbaufläche mit einem Grundmaß von 80x70 Zentimetern konstruiert.

Im tiefen Süden der Republik stellt sich die Frage, ob man Stecklinge oder Samen nutzt, kaum. Kleine Selbstversorger sind dort froh, wenn sie eins von beiden ergattern können. Günni hatte besonders viel Mut oder, je nach Standpunkt, auch Glück, denn er hat sich einfach aufs Fahrrad gesetzt, ist im wenige Kilometer entfernten Österreich in den nächsten Headshop marschiert und hat investiert: 60 Day Wonder, „Auto“ Blue Berry, Berry Delight und Pinnaple Chunk hießen die feminisierten Samen-Damen der Wahl aus Felix Austria, die unser Bajuwarischer Hanfliebhaber nach erfolgter Damenwahl zum Tanz bat, indem er sie dreist mit seinem Drahtesel über die Grenze ins Bierparadies schmuggelte.
Die selbst gebaute Box stand bereits empfangsbereit in ihrer Ecke und so konnte Günni sofort mit der Keimung der 20 erstandenen Samen loslegen. Da gerade Frühling war und ein Dachfenster zumindest vor den neugierigen Blicken der Nachbarn sowie vor Hanfjägern schützt, hatte sich Günni entschlossen, seine Asyl suchenden Ladys aus Österreich auf dem Fensterbrett keimen zu lassen, um sie nach der Keimung dann direkt unter die 250-Watt Lampe zu stellen. Nach zwei Tagen reckten die ersten Blue Berry ihr erstes Blattpaar gen Himmel, dann erblickten peu à peu die restlichen Sämlinge das Licht der Welt, wobei von den 20 Stück nur eine „Automatic“ nicht keimte, was eine durchaus gute Quote bedeutet. Blieb zu hoffen, dass es sich auch bei allen um echte Weiber handelte, denn auch bei den verweiblichten Samen findet sich ab und an der ein oder andere Zwitter, die/der, wird er nicht rechtzeitig entdeckt und entfernt, eine ganze Ernte versamen und so versauen kann.

Natürlich hatte der Herr Gras nicht alle 20 Ladys in spe in seine Kammer platziert, das wäre bei einer 250 Watt Leuchte selbst bei der grünsten „Sea of Green“ übertrieben. Günni hat sich die drei bis vier jeweils am besten entwickelten Pflanzen jeder Sorte ausgesucht, so dass er zu Blütebeginn noch zwölf prächtig entwickelte, drei Wochen vorgewachsene Sämlinge sein Eigen nennen konnte. Die restlichen sieben Keimlinge wurden an Freunde verteilt oder einfach an einen unauffälligen Ort im oder am Wald frei gelassen.

Sobald ausreichend Platz vorhanden war, wurden alle acht Pflanzen in Sechs-Liter Töpfe, gefüllt mit vorgedüngter Erde, verfrachtet und bei 18 Stunden Beleuchtung unter eine Metall-Halogen Lampe für die Wachstumsphase gestellt. So sollten sie dann auch weitere zehn Tage verbringen, in denen Günni sie einmal mit einer leichten Dosis Hesi TNT Komplex gedüngt hat. Nachdem alle ungefähr 30 Zentimeter hoch waren, leitete unser Hanffreund die Blüte ein
und konnte beobachten, wie die Pinapple Chunk und die Berry Delight, also die beiden Sorten mit einem Sativa-Anteil in den ersten drei Wochen der Blüte ein gutes Drittel mehr an Länge zulegten als die reinen Indicas. Die „Automatic Blue Berry“ blieb naturgemäß am kleinsten, zeigte jedoch, genau wie die anderen sieben, auch erst nach 10 Tagen die ersten Blütenmerkmale. Der Fleiß und der Mut von Günni wurden belohnt, denn nach 20 Tagen Blütezeit konnte er nur an zwei der vierzehn Damen männliche Geschlechtsmerkmale entdecken.
Während der ersten drei Wochen hat Günni alle zwei bis drei Tage einen fünf Liter Eimer Hesi Blüh-Komplex, ein wenig unter den Angaben des Düngeschemas angemischt und die Hanfdamen damit versorgt. Auf die Messung von pH- und EC-Wert hat unser Hobbygärtner verzichtet, Günni meint, er habe von Natur aus weiches (Härtegrad 10 dH) und relativ saures (pH-Wert 6,2) Wasser. Günni hatte bei seinen letzten Grows mit einem einfachen Lackmusstreifen festgestellt, dass der pH-Wert nach Düngerzugabe sowieso bei 5,8-6,0 läge, also optimal sei. Daraufhin hat er auf das Messen ganz verzichtet und merkt keinen Unterschied bei Quali- oder Quantität.

Nach drei Blütewochen haben die Blüten angefangen, an Volumen zuzulegen, wobei beiden Sorten mit Sativa Anteil immer noch ein wenig weiter gewachsen sind, die Berry Delight schoss sogar so hoch, dass gegen Ende ein wenig vom Topbud unter der Hitze leiden musste, weil nach oben einfach nicht genug Platz war. Nach Einstellung des Längenwachstums gab es noch drei (Indica-Sorten) bis vier (Sativa Sorten) Wochen lang die übliche Phosphor-Kalium Bombe in Form von PK13/14 zusätzlich zum Grunddünger ins Gießwasser, in den letzten 10 Tagen der Blüte dann nur noch klares Wasser. Abgesehen von der leichten Verbrennung eines Topbuds haben sich alle prächtig entwickelt und nach ziemlich genau 60 Tagen waren die 60 Day Wonder und die Auto Blue Berry soweit, die Pinapple Chunk und die Berry Delight hat Günni 10 Tage später geerntet. Deshalb konnte er erst nach 10 Tagen in der selbst gebauten Box trocknen, vorher musste ein Pappkarton mit Schnüren zur Trocknung der beiden zuerst geernteten Pflanzen herhalten.
Das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen, allerdings hält unser Hobbygärtner wenig von Waagen und Wiegen, besonders im Süden sollte man so ein Gerät nicht im selben Haus wie den Growschrank haben. „Eine gute Ernte habe ich, wenn das Gras lecker ist, ich eine gewisse Sortenauswahl habe und die für mich und meine Freundin 10 bis 12 Wochen reicht, bis ich zum nächsten Mal ernten kann. Wie viel das ist, will ich nicht wissen, schließlich wiegt man seine Tomaten oder Beeren aus dem Garten auch nicht.“

Die Wünsche scheinen auch dieses Mal wieder in Erfüllung gegangen zu sein, alle vier Sorten hatten ein angenehmes High und einen schönen Abgang, wovon ich mich gegen Ende meines Besuchs selbst überzeugen konnte. Wobei Günni die Pinapple Chunk aufgrund ihres fruchtigen Geschmacks und dem Sativa lastigen, klaren High als seinen Favoriten bezeichnen würde. Dem konnte ich schlecht widersprechen, vielleicht auch weil mein Mund so trocken war. Ich fand die Berry Delight fast leckerer.


* und **: Namen von der Redaktion geändert

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